Die Bahnstrecke Šamac–Sarajevo ist eine elektrifizierte Bahnstrecke in Bosnien und Herzegowina. Die teilweise zweigleisige Strecke ist Teil des Paneuropäischen Verkehrskorridors 5c von Budapest über Osijek und Sarajevo nach Ploče.

Vorgeschichte mini|links|200px|Plakat, mit dem für den Bau der Jugendbahn Šamac–Sarajevo geworben wurde. Nachdem Österreich-Ungarn Bosnien und die Herzegowina besetzt hatte, baute die k.u.k. Armee zunächst eine schmalspurige Rollbahn von Bosanski Brod nach Zenica. 1882 wurde die Fortsetzung der Bosnabahn nach Sarajevo dem Verkehr übergeben. Der Unterbau dieses Abschnitts mit 275 Metern Minimalradius wurde bereits für Normalspur ausgelegt, um die spätere Umspurung zu erleichtern.

Im 20. Jahrhundert war die Bosnabahn mit der schmalen Spurweite von 760 Millimetern den Anforderungen nicht mehr gewachsen. 1910 konnte mit der Eröffnung des 1532 Meter langen Vranduk-Tunnels die Streckenführung vereinfacht werden. Zudem wurde im Zweiten Weltkrieg die normalspurige Save-Brücke zwischen den Bahnhöfen Slavonski Brod und Bosanski Brod gesprengt. Jugoslawien beschloss, den Abschnitt Sarajevo–Doboj der Bosnabahn auf Normalspur umzubauen und nach Bosanski Šamac zu verlängern.

Bau mini|links|150px|Jugendbrigade im Ein­satz bei Zenica; rechts im Hintergrund das alte Schmalspurgleis

Der Bau der 242 Kilometer langen Bahnstrecke durch die Jugendbrigaden dauerte nur etwas weniger als acht Monate. Die Eisenbahnlinie und die dazugehörenden 107 Gebäude wurden von rund 210 000 in- und ausländischen Jugendlichen erstellt. Darunter befanden sich Olof Palme, Pierre Trudeau, Pierre Alechinsky und Jurij Brězan. Am 16. November 1947 konnte die Bahnstrecke Bosanski Šamac–Sarajevo dem Betrieb übergeben werden. Größere Kunstbauten sind die Brücke über die Save in Šamac sowie der Vranduk-Tunnel und acht weitere kürzere Tunnel mit einer Gesamtlänge von 2354 Metern. Die Gesamtlänge der Bahn beträgt 239 Kilometer.

Betrieb Am 14. Februar 1971 geriet beim Eisenbahnunfall von Vranduk die Diesellokomotive eines Personenzuges im Vranduk-Tunnel in Brand. 33 Menschen kamen ums Leben. Auf Diesellokomotiven konnte verzichtet werden, nachdem die Jugoslovenske Železnice (JŽ) die Strecke mit 25 kV 50 Hz elektrifiziert hatten.

Nach der Teilung Bosnien-Herzegowinas in zwei Entitäten infolge des Dayton-Vertrags kam das Teilstück Šamac–Maglaj zu den Željeznice Republike Srpske (ŽRS) und der in der Föderation Bosnien und Herzegowina liegende Abschnitt 2001 zu den Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine (ŽFBH). Im Grenzbahnhof Doboj werden trotz gleicher technischer Normen zwischen ŽSR und ŽFBH die Lokomotiven gewechselt.

Die Bahnlinie spielt im Güterverkehr eine wichtige Rolle, insbesondere zur Erschließung der industriellen Zentren des Landes. Im Personenverkehr hat sie nur eine geringe Bedeutung. Im Fahrplanjahr 2015 verkehrten zwischen Doboj und Sarajewo täglich zwei Schnellzüge, einer davon aus Zagreb. Zwischen Doboj und Zenica fuhren drei und auf dem Abschnitt zwischen Zenica und Sarajevo sechs Regionalzüge. Das kurze Teilstück Kostajnica–Doboj wird von den aus Banja Luka kommenden Zügen mitbenutzt, die in der Regel in Doboj enden. Die seit 2017 bestehende Talgo-Verbindung Sarajevo–Banja LukaMathias Rellstab: Talgo bis Banja Luka. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 10/2017. Minirex, , S. 513. wurde 2018 mit einem zweiten Zugpaar von Sarajevo über Novi Grad nach Bihać an der Una-Bahn ergänzt.Toma Bacic: Talgo-Züge nach Bihać. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8–9/2018. S. 426. Es ist geplant, die internationalen Züge Sarajevo–Zagreb wieder einzuführen.Toma Bacic: Bosnische Talgo-Züge endlich im Einsatz. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 11/2016. S. 545.

Bilder

Literatur

Putujući Bosnom, nekada ponosnom: Pruga Šamac – Sarajevo, bosanska suza. (Reisen in Bosnien, einst stolz: Die Bahnlinie Šamac – Sarajevo, bosnische Tränen). Agentur Visoko.co.ba, abgerufen am 1. April 2016 (bosnisch).

Streckendaten

Tobias Heinze: Herzlich Willkommen auf www.ec-tobias.de. Linien- und Tabellenfahrpläne 2015: Kursbuch Bosnien-Herzeg. Abgerufen am 1. April 2016. Landkarten der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme: Historische Karten der Habsburger Monarchie. Österreichisches Staatsarchiv, abgerufen am 1. März 2016.

Weblinks

Pruga Šamac–Sarajevo auf dem serbischsprachigen Forum „Forum ljubitelja železnica“ mit vielen Fotos

Anmerkungen

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