Amoris laetitia („die Freude der Liebe“) über die Liebe in der Familie ist ein nach seinem Incipit benanntes nachsynodales Schreiben von Papst Franziskus. Es wurde am Fest des heiligen Josef des Jahres 2016, dem 19. März, unterzeichnet und von der römischen Kurie am 8. April vorgestellt. Das Schreiben bezieht sich auf die Beratungen und Ergebnisse der ordentlichen Bischofssynode zu den pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung. Die Bischofssynode hatte dem Papst im Oktober 2015 nach zweijähriger Arbeitszeit den Abschlussbericht (Relatio finalis) übergeben.

Amoris laetitia wurde vom Generalsekretär der Bischofssynode Lorenzo Kardinal Baldisseri, einem italienischen Ehepaar und Christoph Kardinal Schönborn vorgestellt.Synodendokument Amoris Laetitia wird am 8. April vorgestellt. Radio Vatikan, 31. März 2016, abgerufen am 30. Juni 2017. Die apostolische Exhortation wurde ins Englische, Französische, Italienische, Deutsche, Polnische, Spanische, Portugiesische und Arabische übersetzt. Das Zweite Vatikanische Konzil hatte 1965 die Bischofssynode als Gremium in der römisch-katholischen Kirche eingerichtet, das 1967 erstmals zusammentrat. Seit 1974 wurde es üblich, dass einige Zeit nach dem Ende einer Bischofssynode der Papst in einem nachsynodalen Schreiben zu den Beratungsergebnissen Stellung nahm.

Kernpunkte Das rund 300 Seiten umfassende nachsynodale apostolische Schreiben ist an die Bischöfe, Priester, Diakone, Personen geweihten Lebens, die christlichen Eheleute und an die christgläubigen Laien gerichtet. Es umfasst 325 Paragraphen in neun Kapiteln und endet mit einem Gebet zur Heiligen Familie.

Der Papst fasst in seinem Schreiben die Ergebnisse der beiden Bischofssynoden von 2014 und 2015 zusammen. Das Schreiben macht richtungsweisende Aussagen zum Stellenwert von Liebe, Ehe und Familie. Partnerschaftliche Liebe wird verstanden als „Freundschaft, welche die der Leidenschaft eigenen Merkmale einschließt“, Sexualität wird als „zwischenmenschliche Sprache, bei der der andere ernst genommen wird in seinem heiligen und unantastbaren Wert“ gesehen und wertgeschätzt. Amoris laetitia enthält Aussagen zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, zur Sexualmoral und zum Umgang mit Homosexualität.

Papst Franziskus will nach seinem verbindlichen Lehrschreiben mehr Barmherzigkeit in der Anwendung der kirchlichen Morallehre zulassen, hält aber grundsätzlich an den geltenden Normen zu Ehe und Familie fest. Er mahnt „eine realistischere Sicht“ an und erklärt, dass „nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden“ müssten. Als wertvolle Voraussetzung für ein echtes Wachstum der Liebe hebt er den Wert der Keuschheit hervor. Darüber hinaus wünscht er eine bessere Vorbereitung junger Paare auf die Ehe. Der Papst wendet sich ausdrücklich gegen übereilte Eheschließungen, die allein dem Ziel dienten, Geschlechtsverkehr zu ermöglichen, und unterstreicht den Wert körperlicher Liebe in der Ehe, die Bedeutung von Leidenschaft und Zärtlichkeit. Seine ausnehmend positive Würdigung der menschlichen Sexualität und der Erotik unterstreicht der Papst: „Wir dürfen also die erotische Dimension der Liebe keineswegs als ein geduldetes Übel oder als eine Last verstehen, die zum Wohl der Familie toleriert werden muss, sondern müssen sie als Geschenk Gottes betrachten, das die Begegnung der Eheleute verschönert.“ (Nr. 152) Die künstliche Befruchtung verurteilt er als Akt der Manipulation des Lebens, denn die Zeugung eines Menschen könne nicht unabhängig von der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau gesehen werden.

In der Frage der Ehenichtigkeit und den daraus entstehenden Folgen räumt der Papst den Ortskirchen und Bischöfen mehr Eigenständigkeit ein und gesteht ihnen eine größere Spannweite der Auslegung und der Anwendung der kirchlichen Lehre zu, wiederum unter dem Aspekt der Barmherzigkeit. Die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe lehnt er ab, weil es keinerlei Fundament dafür gebe, „zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen“ (Nr. 251). Er bekräftigt hingegen, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, in seiner Würde geachtet und mit Respekt aufgenommen werden solle.

Die Würde der Frau ist ihm ein weiteres großes Anliegen; so maßregelt er die Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen. Dazu zählt er auch die Benachteiligung in der Arbeitswelt und die vernachlässigte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Wenn „Formen des Feminismus aufkommen, die wir nicht als angemessen betrachten können, bewundern wir gleichwohl in der deutlicheren Anerkennung der Würde der Frau und ihrer Rechte ein Werk des Heiligen Geistes.“ (Nr. 54)

Gliederung und Inhalt Einleitung: Die Freude der Liebe (1–7) Nach dem einleitenden Satz ist nach den vatikanischen Gepflogenheiten der ganze Text benannt: „Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche.“ Die Diktion erinnert an den Beginn der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils Gaudium et spes: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ Der Papst erinnert an den zweijährigen synodalen Weg, der zu dem Text geführt habe; er stellt das Schreiben in den Kontext des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit und rät dazu, es nicht hastig ganz durchzulesen.

Erstes Kapitel: Im Licht des Wortes (8–30) Der Papst gibt „eine von der Heiligen Schrift inspirierte Eröffnung“ als „angemessene Einstimmung“ (Nr. 6). An zahlreichen Beispielen aus dem Alten und Neuen Testament stellt er die Bedeutung der Ehe und der Familie dar, die häufig von biblischen Schriftstellern in ihrer Zärtlichkeit als Bildnis für die Liebe Gottes, des Schöpfers, zur Welt und zu den Menschen gewählt wurde (Nr. 28). Er beginnt mit der Darstellung des menschlichen Paares in seiner grundlegenden Wirklichkeit im Paradies ( und ), macht den Stellenwert der Kinder in der jüdischen und christlichen Gesellschaft deutlich („Wenn die Eltern wie die Fundamente des Hauses sind, dann sind die Kinder gleichsam die ‚lebendigen Steine‘ der Familie (vgl. “) und erinnert daran, dass Jesus als Maßstab für die Verhältnisse im Himmel das Kind betrachtete (Nr. 9–18). Dabei spart er Leid und Unrecht nicht aus, das Familien erleiden müssen, harte Arbeit und Zerstörung der Umwelt (Nr. 23–26).

Insgesamt wird für Papst Franziskus in der Familie „das Wort Gottes den Händen des Mannes, der Frau und der Kinder anvertraut, damit sie eine Gemeinschaft von Menschen bilden, die ein Abbild der Einheit zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist ist. Die Tätigkeit von Zeugung und Erziehung ist ihrerseits ein Widerschein des Schöpfungswerkes des Vaters“ (Nr. 29).

Zweites Kapitel: Die Wirklichkeit und die Herausforderungen der Familie (31–57) Die aktuelle Situation von Familien in ihren unterschiedlichen Facetten betrachtet der Papst ausdrücklich, „um ‚Bodenhaftung‘ zu bewahren“ (Nr. 6), denn das Wohl der Familien sei „entscheidend für die Zukunft der Welt und der Kirche“ (Nr. 31). Er stellt sich der Komplexität von Familiensituationen angesichts des wahrzunehmenden anthropologisch-kulturellen Wandels in allen Bereichen der LebenswirklichkeitKlaus Vellguth: Die Rezeption von Amoris Laetitia in verschiedenen Kulturen. Eine interkulturelle Herausforderung. In: Verbum SVD 58 (2017) 1, Steyler Missionswissenschaftliches Institut, Sankt Augustin, 2017, , S. 78–95. und benennt ein höheres Maß an Verantwortlichkeit, den höheren Stellenwert der Kommunikation in Ehe und Familie, aber auch wachsende Gefahren infolge des „ausufernden Individualismus“; Familie werde so zu „einem zeitweiligen Aufenthaltsort“, zu dem man komme, wenn man es für nützlich halte, oder wohin man sich begebe, um Rechte einzufordern, während die Bindungen der flüchtigen Unbeständigkeit der Wünsche und der Umstände überlassen blieben. (Nr. 32–34) Er schließt eine selbstkritische Reflexion an: die Kirche habe zu diesen Entwicklungen zum Teil beigetragen, etwa durch „Beharren auf doktrinellen, bioethischen und moralischen Fragen“ oder eine nahezu ausschließliche Betonung der Funktion der Fortpflanzung für die Ehe (Nr. 36 f.). Der Papst räumt ein, dass in der Vergangenheit die Vermittlung der christlichen Überzeugungen und die Art der Kirche, die Menschen zu behandeln, zuweilen dazu beigetragen hätten, „das zu provozieren, was wir heute beklagen“. In diesem Zusammenhang spricht der Papst von einer „übertriebenen Idealisierung“, die die Ehe nicht erstrebenswerter und attraktiver gemacht, sondern das völlige Gegenteil bewirkt habe (Nr. 36).

Franziskus bedauert eine geburtenfeindliche Mentalität in vielen Teilen der Welt, verweist aber auch auf „das rechtschaffene Gewissen der Eheleute“, das sie zu der Entscheidung führen könne, die Kinderzahl begründet zu begrenzen; wegen der Gewissensfreiheit der Ehepaare seien jedoch staatliche Zwangseingriffe zugunsten von Verhütung, Sterilisation oder gar Abtreibung entschieden zurückzuweisen (Nr. 42). Belastende Faktoren für Familien seien Armut, Wohnungsnot, Migration, Krankheit und Behinderung oder Trennung der Partner, Drogenabhängigkeit und Polygamie, schließlich auch sexueller Missbrauch von Kindern (Nr. 45). Kirche und Gesellschaft müssten diese Situationen mit Aufmerksamkeit und Solidarität wahrnehmen und Ursachen wie Folgen verantwortlich bekämpfen und überwinden (Nr. 43–53). Papst Franziskus betont, dass Gewalt gegen Frauen – einschließlich der Genitalverstümmelung – und Misshandlung in den Familien „nicht etwa ein Beweis der männlichen Kraft sind, sondern ein feiger Verlust an Würde“. Zu Formen der Gewalt gegen Frauen rechnet er auch Ungleichheit im Zugang zu Arbeitsplätzen und Entscheidungspositionen, Leihmutterschaft sowie die „Instrumentalisierung und Kommerzialisierung des weiblichen Körpers in der gegenwärtigen Medienkultur“ (Nr. 54).

Am Schluss des Kapitels kritisiert Papst Franziskus entschieden Formen einer Gender-Ideologie, die den Unterschied und das natürliche Aufeinander-verwiesen-Sein von Mann und Frau leugne. Er sieht darin die Gefahr, dass die anthropologische Grundlage der Familie ausgehöhlt werden könne (Nr. 56).

Drittes Kapitel: Auf Jesus schauen – die Berufung der Familie (58–88) Im dritten Kapitel gibt Papst Franziskus eine Zusammenfassung der Lehre der Kirche über Ehe und Familie im Licht des Glaubens und auf dem Hintergrund der Bibel. Er verweist auf die positive Bewertung der Ehe im Neuen Testament als Geschenk Gottes, das die Sexualität einbeziehe (Nr. 61).

Die Unauflöslichkeit der Ehe sieht er nicht als „Joch“, sondern „als ein Geschenk für die in der Ehe vereinten Menschen“, durch das Gottes Entgegenkommen den Weg der Menschen immer begleite (Nr. 62). Die Inkarnation Gottes in eine Familie von Menschen hinein erschüttere geradezu mit ihrer Neuheit die Geschichte der Welt (Nr. 63).