mini|Grüne Krabbenspinne (Diaea dorsata), Weibchen mini|Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) lauert auf Beute mini|Thomisus onustus, Weibchen mini|Veränderliche Krabbenspinne mit erbeuteter Honigbiene an Phacelia sp. Die Biene trägt die blauen Pollen der Phacelia an ihren Beinen. mini|Ozyptila praticola
Die Krabbenspinnen (Thomisidae) gehören zu den artenreichsten Familien der Echten Webspinnen und umfassen weltweit 175 Gattungen mit 2155 Arten. (Stand: Dezember 2016)
Die Lauerjäger sind weltweit verbreitet von der gemäßigten Klimazone bis in die Tropen hinein; wenige Arten sind auch in subarktischen oder alpinen Lebensräumen zu finden. Krabbenspinnen sind, wie alle Zwei-Klauen-Spinnen (Dionycha), gute Kletterer und daher auch in höherer Vegetation zu Hause.
Merkmale Krabbenspinnen sind leicht an den sehr langen vorderen beiden Beinpaaren zu erkennen. Das erste Beinpaar mancher Männchen kann drei- bis fünfmal so lang sein wie das hintere Beinpaar. Die vorderen zwei Beinpaare werden in Ruhestellung leicht angewinkelt nach vorn gehalten, so dass das Tier aussieht wie eine Krabbe mit großen Scheren. Darüber hinaus befähigen diese Gliedmaßen die Krabbenspinnen zum Seitwärtslaufen. Wegen der von den meisten anderen Spinnenfamilien auffällig abweichenden Beinlänge wurden Dickkieferspinnen (Tetragnathidae) und Laufspinnen (Philodromidae) häufig zu den Krabbenspinnen gerechnet, jedoch handelt es sich dabei um ein analoges Merkmal und nicht um eine Apomorphie. Besonders auffällig ist bei einigen Arten der farbenprächtige Hinterleib.
Lebensweise Krabbenspinnen sind reine Lauerjäger, die keine Fangnetze bauen, und viele einheimische Vertreter weben noch nicht einmal Wohngespinste. Die Fähigkeit der Seidenherstellung wird wie bei anderen so genannten „modernen Laufspinnen“ anders genutzt. Die Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) betreibt Vorratshaltung und schnürt ihre Beute zu Päckchen zusammen, die unterhalb der bewohnten Blüte befestigt werden. Viele Arten nutzen die Spinnenseide als Absturzsicherung oder lassen sich bei Gefahr gesichert am Faden fallen und verfallen in eine „Hängestarre“.
Paarung und Brutpflege Die Seide spielt bei Xysticus-Arten auch eine Rolle bei der Paarung. Das Weibchen lässt sich an einem Faden herabhängen oder verhält sich starr, während es sich vom wesentlich kleineren Männchen fesseln lässt. Das Männchen „befestigt“ das Weibchen auf der Unterlage und kriecht anschließend unter das Opisthosoma, um die Bulben in die Geschlechtsöffnung einzuführen. Dieses Verhalten zeigen in ähnlicher Weise auch Tibellus-Arten (Laufspinnen) und Nephila-Arten (Seidenspinnen); allerdings ist die Funktion ungewiss, denn das Weibchen könnte sich theoretisch aus dem Gespinst befreien.
Der Paarung geht eine Balz voraus, und Pheromone, „Klopfzeichen“ (siehe auch Wolfsspinnen) sowie der Sehsinn spielen wahrscheinlich eine größere Rolle.
Das Weibchen legt die gut getarnten Eier auf eine seidene Unterlage und spinnt einen linsenförmigen Kokon aus mehreren Lagen. Die mehrjährigen Tiere paaren sich nur einmal, und das Weibchen bewacht ohne Nahrungsaufnahme den Kokon. Es lässt sich auch nicht durch Störungen ablenken. Kurz vor dem Schlüpfen beißt die Mutter den Kokon auf, leistet Geburtshilfe und stirbt danach.
Beutefang und Tarnung Wie auch bei den verwandten Springspinnen (Salticidae) hat der Sehsinn dieser Zweiklauenspinnen eine größere Bedeutung als bei netzbauenden Spinnen.
Viele Krabbenspinnen lauern auf Blüten und Blättern auf Beute und können als Meister der Tarnung ihre Körperfärbung aktiv in wenigen Tagen dem Untergrund anpassen, sodass man an der Färbung des Weibchens meist ihren Lebensraum ablesen kann. Die Farbvarianten reichen von blütenweiß mit roten Streifen bis blassgrün oder bräunlich (Veränderliche Krabbenspinne Misumena vatia), leuchtend gelb bis smaragdgrün (Gattung Heriaeus), gefleckt, längsgestreift (Runcinia), gelb bis orange (Synema). Grüne oder auffällig gefärbte Tiere leben auf Blüten und Blättern, während dunklere Arten auf Baumstämmen oder in Bodennähe leben. Oftmals werden die auf Blüten jagenden, farblich gut angepassten Tiere von vielen Menschen erst bei längerem Betrachten einer Blüte wahrgenommen. Bizarre Körperformen mit Höckern und Gruben, Punkten und Längsstreifen unterstützen die farbliche Tarnung der Tiere durch Flächenauflösung.
Die auf Blüten lauernden Krabbenspinnen reflektieren auch UV-Licht und wirken damit für ihre Beutetiere besonders anziehend. Für das Beutetier ist der UV-Reflexionspunkt attraktiv. Die Mustererkennung des Spinnenkörpers wird dadurch zusätzlich erschwert. So wirkt die für Insektenaugen markante UV-Reflexion als Tarnung der Spinne und gleichzeitig als Anziehung.Lars Chittka: Camouflage of predatory crab spiders on flowers and the colour perception of bees (Aranida: Thomisidae/Hymenoptera: Apidae). In: Entomologia Generalis, 25, Nr. 3, 2001, S. 181–187 (PDF).Astrid M. Heiling, Ken Cheng, Marie E. Herberstein: Exploitation of floral signals by crab spiders (Thomisus spectabilis, Thomisidae). In: Behavioral Ecology, 15, Nr. 2, 2004, S. 321–326 (PDF).Astrid M. Heiling, Ken Cheng, Lars Chittka, Ann Goeth, Marie E. Herberstein: The role of UV in crab spider signals: effects on perception by prey and predators. In: Journal of Experimental Biology 208, Nr. 20, 2005, S. 3925–3931, doi:10.1242/jeb.01861 (PDF).Marie E. Herberstein, Felipe M. Gawryszewski: UV and camouflage in crab spiders (Thomisidae). In: Spider Ecophysiology. Springer Berlin Heidelberg, 2013. S. 349–359, .Felipe M. Gawryszewski, Debra Birch, Darrell J. Kemp, Marie E. Herberstein: Dissecting the variation of a visual trait: the proximate basis of UV‐Visible reflectance in crab spiders (Thomisidae). In: Functional Ecology, 29, Nr. 1, 2015, S. 44–54, doi:10.1111/1365-2435.12300 (PDF). Bei Versuchen unter Ausschluss von UV-Licht wurden Blüten mit Krabbenspinnen von Beutetieren weiterhin häufiger angeflogen als Blüten ohne Krabbenspinnen; die UV-Reflexion ist also nicht die einzige Strategie, mit der Krabbenspinnen ihre Opfer anlocken.Ellen A. R. Welti, Savannah Putnam, Anthony Joern: Crab spiders (Thomisidae) attract insect flower‐visitors without UV signalling. In: Ecological Entomology, 41, Nr. 5, 2016, S. 611–617, doi:10.1111/een.12334.
Die Fähigkeit, UV-Licht zu reflektieren, um ihre Beute anzulocken und die eigene Mustererkennung zu erschweren, entstand evolutionär mehrmals parallel bei Krabbenspinnen. Krabbenspinnen, die auf unbelebten Objekten und nicht auf Blüten lauern, entwickelten keine UV-Reflexion.F. M. Gawryszewski, Miguel A. Calero-Torralbo, Rosemary G. Gillespie, Miguel A. Rodriguez-Gironés, Marie E. Herberstein: Correlated evolution between colouration and ambush site in predators with visual prey lures. In: Evolution, 2017, doi:10.1111/evo.13271.
Aufgrund der Anlockung oder zufallsmäßig gerät das Beutetier in unmittelbare Nähe der Krabbenspinne, sodass sie blütenbestäubende Insekten mit ihren kräftigen beiden vorderen Beinpaaren ergreifen kann. Die Krabbenspinne vermeidet dabei den Stachel der größeren Beute und beißt Wespen und Bienen in den Nacken. Das Gift ihrer Kieferklauen ist sehr wirksam. Im Gegensatz zu den netzbauenden Spinnenarten sehen und erkennen Krabbenspinnen ihre Beute aus 10 bis 20 cm Entfernung, nachdem sie schon vorher durch niederfrequenten Luft- und Substratschall wahrgenommen wurde.
Einheimische Gattungen und Arten Coriarachne Wanzenspinne (Coriarachne depressa), einzige europäische Art Grüne Krabbenspinne (Diaea dorsata) Heriaeus Ebrechtella Ebrechtella tricuspidata Misumena Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) Monaeses Ozyptila Pistius Pistius truncatus, paläarktisch Synema Südliche Glanz-Krabbenspinne (Synema globosum), paläarktisch Thomisus Thomisus onustus Tmarus (5 Arten in Europa), z. B.: Tmarus piger Xysticus (ca. 67 Arten in Europa, 28 in Mitteleuropa), z. B.: Xysticus audax Braune Krabbenspinne (Xysticus cristatus) Xysticus kochi Xysticus lanio Xysticus ninnii
Weitere Arten außerhalb Europas: Epicadus heterogaster, Südamerika: Costa Rica, Panama, Kolumbien, Venezuela, Guayana, Ecuador, Peru, Bolivien, Brasilien, Paraguay, Argentinien Misumenops nepenthicola, Borneo und Singapur Runcinia grammica, paläarktisch, St. Helena, südliches Afrika
Systematik Der World Spider Catalog listet für die Krabbenspinnen 175 Gattungen und 2155 Arten auf. (Stand: Dezember 2016) Acentroscelus , 1886 Acrotmarus , 2012 Alcimochthes , 1885 Amyciaea , 1885 Angaeus , 1881 Ansiea , 2004 Aphantochilus , 1871 Apyretina , 1929 Australomisidia , 2014 Avelis , 1895 Bassaniana , 1928 Bassaniodes , 1903 Boliscodes , 1909 Boliscus , 1891 Bomis , 1874 Bonapruncinia , 1977 Boomerangia , 2014 Borboropactus , 1884 Bucranium , 1881 Camaricus , 1887 Carcinarachne , 1956 Cebrenninus , 1887 Ceraarachne , 1880 Cetratus , 1911 Coenypha , 1895 Coriarachne , 1870 Corynethrix , 1876 Cozyptila , 2005 Crockeria , 2016 Cymbacha , 1874 Cymbachina , 1933 Cynathea , 1895 Cyriogonus , 1886 Deltoclita , 1887 Demogenes , 1895 Diaea , 1869 Dietopsa , 1932 Dimizonops , 1903 Diplotychus , 1903 Domatha , 1895 Ebelingia , 2004 Ebrechtella , 1907 Emplesiogonus , 1903 Epicadinus , 1895 Epicadus , 1895 Epidius , 1877 Erissoides , 1929 Erissus , 1895 Felsina , 1895 Firmicus , 1895 Geraesta , 1889 Gnoerichia , 1907 Haedanula , 1941 Haplotmarus , 1909 Hedana , 1874 Henriksenia , 2004 Herbessus , 1903 Heriaesynaema , 1939 Heriaeus , 1875 Heterogriffus , 1976 Hewittia , 1928 Hexommulocymus , 1955 Holopelus , 1886 Ibana , 2014 Indosmodicinus , 2010 Indoxysticus , 2010 Iphoctesis , 1903 Isala , 1876 Isaloides , 1900 Lampertia , 1907 Latifrons , 1911 Ledouxia , 2004 Lehtinelagia , 2014 Leroya , 2014 Loxobates , 1877 Loxoporetes , 1911 Lycopus , 1895 Lysiteles , 1895 Massuria , 1887 Mastira , 1891 Mecaphesa , 1900 Megapyge , 1947 Metadiaea , 1929 Micromisumenops , 2010 Misumena , 1804 Misumenoides , 1900 Misumenops , 1900 Misumessus , 1904 Modysticus , 1953 Monaeses , 1869 Musaeus , 1890 Mystaria , 1895 Narcaeus , 1890 Nyctimus , 1877 Ocyllus , 1887 Onocolus , 1895 Ostanes , 1895 Oxytate , 1878 Ozyptila , 1864 Pactactes , 1895 Pagida , 1895 Parabomis , 1901 Parasmodix , 1966 Parastrophius , 1903 Parasynema , 1900 Pasias , 1895 Pasiasula , 1942 Peritraeus , 1895 Phaenopoma , 1895 Pharta , 1891 Pherecydes , 1883 Philodamia , 1894 Philogaeus , 1895 Phireza , 1886 Phrynarachne , 1869 Physoplatys , 1895 Pistius , 1875 Plancinus , 1886 Plastonomus , 1903 Platyarachne , 1880 Platythomisus , 1859 Poecilothomisus , 1895 Porropis , 1876 Pothaeus , 1895 Prepotelus , 1898 Pseudamyciaea , 1905 Pseudoporrhopis , 1886 Pycnaxis , 1895 Pyresthesis , 1880 Reinickella , 1907 Rejanellus , 2005 Rhaebobates , 1881 Runcinia , 1875 Runcinioides , 1929 Saccodomus , 1900 Scopticus , 1895 Sidymella , 1942 Simorcus , 1895 Sinothomisus , 2006 Smodicinodes , 1993 Smodicinus , 1895 Soelteria , 1907 Spilosynema , 2010 Stephanopis , 1869 Stephanopoides , 1880 Stiphropella , 1952 Stiphropus , 1873 Strigoplus , 1885 Strophius , 1880 Sylligma , 1895 Synaemops , 1929 Synalus , 1895 Synema , 1864 Tagulinus , 1903 Tagulis , 1895 Takachihoa , 1985 Talaus , 1886 Tarrocanus , 1895 Taypaliito , 1995 Tharpyna , 1874 Tharrhalea , 1875 Thomisops , 1879 Thomisus , 1805 Titidiops , 1929 Titidius , 1895 Tmarus , 1875 Tobias , 1895 Trichopagis , 1886 Ulocymus , 1886 Uraarachne , 1880 Wechselia , 1907 Xysticus , 1835 Zametopias , 1892 Zametopina , 1909 Zygometis , 1901
Weblinks
Literatur Heimer, Nentwig et al.: Spinnen Mitteleuropas. Ein Bestimmungsbuch. Parey, Berlin 1991, ISBN 3-489-53534-0. Jones: Der Kosmos Spinnenführer. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1990, ISBN 3-440-06141-8.