Die Windsor Mountain School ist nach der Vertreibung des Ehepaars Gertrud und Max BondyEine Würdigung des Lebens und Wirkens von Gertrud Bondy steht immer noch aus. Ausführlichere Informationen zu ihr sind zu finden bei Roselle Kline Chartock: Windsor Mountain School. S. 28–34 vom Landerziehungsheim Schule Marienau durch die Nationalsozialisten im Jahre 1937 und der danach in der Schweiz gegründeten Schule Les Rayons eine weitere Schulgründung von ihnen.

Vorgeschichte der Windsor Mountain School Max Bondy ist der Bruder des Psychologen und Sozialforschers Curt Bondy; seine Frau Gertrud (geboren am 7. Oktober 1889 in Prag als Gertrud Wiener, gestorben am 30. April 1977 in Detroit) war Ärztin und Psychoanalytikerin. Ihre Schulgründungen stehen in der Tradition der deutschen Reformpädagogik.

Erste Schulgründung von Max Bondy war 1920 zusammen mit Ernst Putz die Freie Schul- und Werkgemeinschaft Sinntalhof auf dem Sinntalhof bei Bad Brückenau in Unterfranken. Dieses Schulprojekt scheiterte wegen Differenzen zwischen den beiden Partnern um die Leitung der Schule, und so ging Bondy 1923 mit einem Teil der Schüler und der Mitarbeiter nach Gandersheim in Niedersachsen. In Zusammenarbeit mit seiner Frau Gertrud baute er hier die Schulgemeinde Gandersheim auf, die 1929 nach Marienau, einem Ortsteil der Gemeinde Dahlem (Niedersachsen), umzog und sich fortan Schulgemeinde auf Gut Marienau nannte. Daraus ist das noch heute bestehende Landerziehungsheim Schule Marienau entstanden.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde der Druck auf die Bondys immer stärker. 1936 emigrierte deshalb zunächst Gertrud Bondy mit zwei ihrer drei Kinder, Ulla und Heinz, in die Schweiz und baute in Gland VD zusammen mit dem ehemaligen Schüler Harald Baruschke die Schule Les Rayons auf.

Nach der Quasienteignung der Schule Marienau und deren Übergabe an den neuen Schulleiter Bernhard Knoop emigrierte auch Max Bondy zusammen mit seiner ältesten Tochter Annemarie im Sommer 1937 in die Schweiz. Da den Bondys angesichts der drohenden Kriegsgefahren auch die Schweiz nicht sicher genug erschien, erfolgte der Entschluss zu einer erneuten Emigration. 1939 erfolgte die Übersiedelung in die USA; Les Rayons konnte unter der Leitung von Harald und Hannele Baruschke noch bis 1943 weiterarbeiten und musste dann aus finanziellen Gründen geschlossen werden.

Die Anfänge in den USA Das Management der Übersiedlung in die USA oblag wiederum einem Marienauer Altschüler, Georg Roeper, der kurz nach der Übersiedelung Annemarie Bondy heiratete.George and Annemarie Roeper gründeten 1941 ihre eigene Schule, die heute noch bestehende „The Roeper School“. Mehr Informationen zur Schule finden sich auf deren Homepage: The Roeper School. Ein biografischer Abriss zu Annemarie Roeper-Bondy ist zu finden bei Roselle Kline Chartock: Windsor Mountain School. S. 35–38 Er ging bereits ein halbes Jahr vor den Bondys in die USA, um dort einen neuen Schulstandort zu finden, und fand ihn auf der „Juniper Hill Farm“ in Windsor (Vermont). Der Schulbetrieb begann am 1. Oktober 1939 mit drei Schülern, wobei einer davon der eigene Sohn Heinz war, und eine Schülerin die Tochter von Carl Zuckmayer, Winnetou Zuckmayer. Bereits ein Jahr später war sich Gertrud Bondy aber schon sicher, dass im beginnenden Schuljahr 1940/41 15 Schülerinnen und Schüler die Schule besuchen würden. Über Zuckmayer kam auch der Kontakt zu Dorothy Thompson zustande.NGertrud Bondy: A Personal History, Windsor Mountain School, Lenox (Massachusetts) 1970. Bei dem Text handelt es sich um eine per OCR eingelesene Broschüre, bei der leider die Lesefehler nicht bereinigt wurden. Sie ist im Original undatiert, ihre Datierung auf das Jahr 1970 ergibt sich aber schon aus dem ersten Satz, in dem sie sagt, dass sie sich nun in ihrem 81. Lebensjahr befinde. Die acht Textseiten sind nicht nummeriert. Nach Chartok gehörten sowohl die Bondys als auch die Zuckmayers zu jenen Flüchtlingen, denen Dorothy Thompson mit Unterstützung von Eleanor Roosevelt und Franklin D. Roosevelt die Einreise in die USA ermöglicht hatteRoselle Kline Chartock: Windsor Mountain School. S. 69–70, und über Thompson entstanden wiederum die Kontakte zu Dorothy Canfield Fisher und dem Schriftsteller und Buchhändler Walter Hard. Beide kamen oft in die Schule „und hielten Vorträge für die Schüler und trugen zum Leben der Schule bei“.

Das Schuljahr 1940/41 fand bereits an einem anderen Ort statt. Die Schule wurde nach Manchester (Vermont) verlegt und blieb dort die nächsten vier Jahre in einem Gebäude mit dem Namen „Wilburton Hall“, wo die Bondys, so Chartock, could „continue their humanistic educational mission“.Roselle Kline Chartock: Windsor Mountain School. S. 70 Dass diese „humanistic educational mission“ allerdings nur einem – für Privatschulen nicht untypischen – Adressatenkreis zugutekommen konnte, macht ein von Chartok wiedergegebener Ausschnitt aus einem Prospekt der späteren Nutzer von „Wilburton Hall“ deutlich. Dort heißt es: „During the World War II, the Wilkbur family leased the mansion to the Windsor Mountain School, a school for the children of Berlin’s artists and high society who had fled from Nazi Germany.“Roselle Kline Chartock: Windsor Mountain School. S. 72. Unter dem Namen „Wilburton Inn“ wurde „Wilburton Hall“ später zu einem der „Historic Hotels of America“. Auch wenn hier auf die High-Society-Verbundenheit verwiesen wird, und damit auf die Tatsache, dass ohne eine zahlungskräftige Klientel eine Privatschule nicht zu betreiben ist, so gibt es doch mehrfach Hinweise darauf, dass die Bondys für den Besuch ihrer Schule immer auch recht großzügig Stipendien zur Verfügung gestellt haben. Auf der Webseite More on Windsor Mountain School heißt es, 15 % Stipendien je Klasse seien die Regel gewesen. Neun amerikanische und fünf Schülerinnen und Schüler aus anderen Ländern besuchten die Schule nun, ihr Alter lag zwischen acht und 17 Jahren. Winnetou Zuckmayer machte in „Wilburton Hall“ ihren Schulabschluss, und in der Zeit gehörte auch Hugo Moser zu den Schülern, der später als Professor für Neurologie und Pädiatrie an der Johns-Hopkins-Universität internationale Anerkennung gewann.Er arbeitete unter anderem an der Erforschung von Lorenzos Öl mit. Zu seiner Biografie siehe: Nachruf auf Hugo Moser in der ‚Washington Post‘ Neben dem Schulbetrieb wurden auch Sommercamps betrieben.

Die Windsor Mountain School in Lenox Am 17. Juli 1944 erschien in der Zeitung „Berkshire Eagle“ ein Artikel, in dem mitgeteilt wurde, dass ein Anwesen in Lenox „was sold today to Dr. Max Bondy, head of the Windsor Mountain School of Manchester, Vt. The co-educational preparatory school will take possession Aug.1.“ Für die Bondys muss das ein Glücksfall gewesen sein, denn laut dem Artikel hatte das Anwesen einen Wert von 150000 Dollar, war aber nur für 90000 Dollar angeboten und schließlich für einen Betrag von etwa 50000 Dollar erworben worden.Roselle Kline Chartock: Windsor Mountain School. S. 74. Das Anwesen, Groton Place, gehörte dem 1943 verstorbenen Rechtsanwalt und Kunstsammler Grenville Lindall Winthrop, der in Lenox und Umgebung mehrere Gebäude hatte restaurieren lassen. Groton Place selber war von dem Architekturbüro Carrère and Hastings entworfen worden. Lenox (Berkshire County) im Staate Massachusetts lag zudem in einer landschaftlich reizvollen Umgebung mit reichhaltigen Angeboten für kulturelle Aktivitäten und Freizeitmöglichkeiten, Punkte die die Bondys laut Chartock in der Werbung für ihre Schule herauszustellen trachteten.Roselle Kline Chartock: Windsor Mountain School. S. 76

Der bereits zitierte Artikel im „Berkshire Eagle“ gibt noch ein paar weitere Auskünfte über die Schule zur Zeit ihres Umzugs. Demnach wurde sie 1944 von 46 Schülerinnen und Schülern besuchtChartock, S. 76, spricht gar von 52 Schülern im Jahre 1944, darunter zehn englischen, die 1500 Dollar Schulgeld im Jahr zu entrichten hatten. Von einem „elementary and highschool courses“ umfassenden „well balanced curriculum“ ist die Rede, das neben „special opportunities in languages“ auch vielfältige Sportangebote umfasste. Durch Gertrud Bondys Abschluss in Medizin sei für die medizinische Versorgung der Schülerschaft gesorgt. Mr. Bondy plane bereits für die Zeit nach dem Krieg und beabsichtige einen Austausch mit seiner früheren Schule in der Schweiz, um Schülern ein Auslandsjahr zu ermöglichen.

Die Windsor Mountain School war auch in Lenox noch von einer europäischen Atmosphäre geprägt. Die relativ kleine Schülerschaft, multikulturell zusammengesetzt, ermöglichte individualisiertes Lernen und individuelle Beratung – nicht zuletzt auch durch Gertrud Bondy, die zusammen mit Sigmund Freud studiert hatte. Zu den pädagogischen Prinzipien gehörte das auf Erfahrung basierte Lernen, verbunden mit dem Angebot an die Schülerinnen und Schüler, das Tempo und die Struktur des Lernens weitgehend selbst zu definieren. Diese progressiven Bildungstechniken waren besonders geeignet für jene, die Schwierigkeiten hatten in traditionellen Umgebungen zu lernen. Und so verwundert es nicht, dass die „Windsor Mountain School was also a magnet for left leaning parents – some famous – who wanted their children to have a good but liberal education“.Education in Lenox-Windsor Mountain School

Nach Rick Goeld tendierte Max Bondy dazu, die Windsor Mountain School als eine „freundliche Schule“ zu betrachten, eine Zuschreibung, die er statt der einer „progressiven Schule“ bevorzugt habe. Deren Ziel sei die Entwicklung gegenseitiger Anerkennung gewesen, von Respekt und, wenn möglich, Freundschaft zwischen jedem in der Gruppe und darüber hinaus. Die Bondys hätten eine Atmosphäre etabliert, in der Jugendliche ermutigt worden seien, ihre eigene Stimme zu finden, sich in radikalem politischen Denken ebenso zu üben wie in selbstmotivierten künstlerischen Bemühungen.Rick Goeld: Max and Gertrud Bondy

Hans Maeder, der später die Stockbridge School gründete, war von September 1944 an für ein Jahr als Deutschlehrer an der Windsor Mountain School tätig. Beide Schulen formten zusammen mit einer dritten für einige Zeit ein besonderes pädagogisches Feld: „In the Berkshires there were three private boarding schools focused on progressive education techniques: the Buxton School in Williamstown, the Stockbridge School in Stockbridge, and the Windsor Mountain School in Lenox. Only the Buxton School is still operating as of this date.“Progressive Education in Lenox-Windsor Mountain School. Zur Buxton School siehe den Artikel „Buxton School (Massachusetts)“ in der englischen Ausgabe der WIKIPEDIA.

Wie Annemarie Roeper-Bondy, die älteste Tochter von Max und Gertrud schreibt, litt ihr Vater schon in Deutschland „an Polyzythämie, einer Blutkrankheit, an der er dann später in Amerika starb“. Max Bondy starb am 13. April 1951 in Boston. Die Windsor Mountain School wurde von Gertrud Bondy und dem Sohn Heinz fortgeführt.

Die Windsor Mountain School nach dem Tode von Max Bondy