mini|Joachim Daniel (von) Jauch, Gemälde von Johann Samuel Mock 1730Repräsentatives Hofporträt in höfisch-militärischem Mischtyp, Halbfigur dreiviertel nach links mit weißem Halstuch mit Spitzenjabot, offen getragenem dunkelrotem Justaucorps und darunter getragenem Brustharnisch. Joachim Daniel Jauch (* 22. März 1688 in Güstrow; † 3. Mai 1754 in Warschau), häufig – auch in der GND – als Joachim Daniel von Jauch bezeichnet, war ein zur Zeit der Wettiner im Königreich Polen tätiger deutscher Ingenieuroffizier, Architekt und Baumeister.
Leben Familie mini|Gruft der Jesuitenbasilika in Warschau, Begräbnisstätte JauchsWalter Hentschel: Die sächsische Baukunst des 18. Jahrhunderts in Polen, Bd. 1, Berlin 1967, S. 51.
Jauch war das jüngste von vierzehn Kindern des „Ersten Lacquays und Taffeldeckers“ des Erbprinzen Karl von Mecklenburg-Güstrow, Christian Jauch des Älteren (1638–1718), und der Ingeborg Nicolai, Kammerjungfer und Vertraute der Herzogin Magdalena Sibylla von Mecklenburg-Güstrow.Johann Stieber: Merckwürdige und erbauliche Lebensbeschreibung ... der Fürstin Magdalena Sibylla, Rostock 1745. Jauchs ältester Bruder war der Lüneburger Superintendent Johann Christopher Jauch, sein Schwager der kurfürstlich-sächsische Oberst und Baudirektor Johann Christoph von Naumann.
Jauch war mit Eva Maria Münnich verheiratet; ihre Herkunft ist in der Literatur umstritten. Ein Teil der Autoren nimmt – ohne belastbare Belege – an, sie sei eine Tochter des 1716–1721 am Sächsischen Bauamt als Vorgesetzter und Amtsvorgänger Jauchs tätigen, später kaiserlich-russischen Generalfeldmarschalls, „Türkenbezwingers“ und Premierministers Burkhard Christoph von Münnich (1683–1767) gewesen. Ein sicherer Nachweis fehlt; in den einschlägigen Stammtafeln ist diese Abstammung nicht belegt.Deutsches Geschlechterbuch, Bd. 200, S. 413 f.; vgl. Ernst von Münnich, Arved Jürgensohn: Die Memoiren des Grafen Ernst von Münnich, 2006, ISBN 978-3-939119-37-1, S. 216 ff.
mini|190px|links|Patengeschenk Aug. des Starken (Mus. Nar. Krakau)Nationalmuseum Krakau, Kunsthandwerkgalerie: „Die hölzerne Barockwiege von ca. 1730 war ein Geschenk König Augusts II. an Joachim Daniel von Jauch, ... zur Taufe seines Sohnes.“ Der Sohn August (* 1731), Patenkind Augusts des Starken, starb früh. Die Tochter Constance (1722–1802) heiratete den königlich-polnischen Hofrat und Leibarzt Heinrich Lölhöffel von Löwensprung und wurde Stammmutter der Familie Lelewel. Zu den Nachkommen zählen Joachim Lelewel, Jan Paweł Lelewel, Henryk Sienkiewicz, Jadwiga Łuszczewska und die selige Hanna Chrzanowska.Deutsches Geschlechterbuch, S. 415 f.
Aus protestantischer Familie stammend, trat Jauch drei Tage vor seinem Tod zur katholischen Kirche über. Er starb am 3. Mai 1754 um drei Uhr nachmittags. Am 8. Mai begann um fünf Uhr nachmittags die Überführung des Leichnams aus der Kapuzinerkirche in die Jesuitenbasilika, angeführt vom Bischof von Płock im feierlichen Ornat; die Garde Graf Brühls, des Leiters der Artillerie, deren militärischer Kommandant Jauch gewesen war, gab Salut. Die Beisetzung erfolgte vier Tage später. Die Gruft ist seit der Sprengung der Kirche beim Warschauer Aufstand und dem späteren Wiederaufbau zugeschüttet und nicht mehr zugänglich. Jauch hatte der Jesuitenkirche noch als Protestant Fenster gestiftet.Walter Hentschel: Die sächsische Baukunst des 18. Jahrhunderts in Polen, Bd. 1, Berlin 1967, S. 50 f.Kuryer Polski, Nr. XLIII, 15. Mai 1754.
Militärische Laufbahn mini|Jauchs Prunkbarkasse bei einer Schiffsrevue 1730 auf der Weichsel Jauch soll zunächst in den Dienst der Generalstaaten (Niederlande) eingetreten sein. 1705 wechselte er als Leutnant in sächsische Dienste und war in der von Johann Christoph von Naumann organisierten Dresdner Straßenbeleuchtung eingesetzt. 1711 nahm er als Capitaine des Ingenieurkorps am Großen Nordischen Krieg bei der Belagerung Stralsunds teil.F. W. Hansch: Geschichte des Königlich Sächsischen Ingenieur- und Pionierkorps, Dresden 1898, S. 58, 60. Beförderungen: 1720 Major, 1729 Oberstleutnant, 1734 Oberst, 1746 Generalmajor. Parallel diente er in der polnischen Kronarmee und nahm in ihr entsprechende Dienstgrade mit teils abweichenden Beförderungsdaten ein; dort erlangte den Dienstgrad eines Obersten.
und führte dort u. a. die Kronartillerie und die Weichselflottille.Walter Hentschel: Die sächsische Baukunst des 18. Jahrhunderts in Polen, Bd. 1, Berlin 1967, S. 44 f. Am Zeithainer Lustlager 1730 war er im Stab des Kurprinzen beteiligt und fungierte zum Abschluss auf dem Prunkschiff Bucentaur als Admiral der Flotte.Gerhard Zwoch: Das Lustlager von Zeithain, Glaubitz 1998, S. 19.
Leiter des sächsischen Bauamts in Warschau mini|Palais Jauch in Solec, WarschauAntoni Maśliński: Studia nad sztuką renesansu i baroku, Bd. 3, 1989, S. 82. 1713 wechselte Jauch nach Warschau. Nachdem sein Vorgesetzter Münnich wegen eines Duells den Abschied nehmen musste und in russische Dienst wechselte, übernahm Jauch 1720 die Leitung des sächsischen Bauamts in Warschau, seit 1733 unter August III. mit der Amtsbezeichnung Direktor. Sein Kondukteur war Ephraim Schröger.Hentschel, Bd. 1, S. 44 f. Die Kumulation von Sold für seine hohen Dienstgrade in der sächsischen und in der polnischen Armee mit den Bezügen aus seiner hoch vergüteten Zivilposition entsprach dem unter Graf Brühl üblichen, wenig von Sparsamkeit geprägten Regime und ermöglichte Jauch die Bildung eines beträchtlichen Vermögens;Hentschel, Bd. 1, S. 49. nach seinem Tod 1754 erlaubte es seiner Tochter Constanze 1755 den Bau des Palais Lelewel. mini|hochkant|Emblem zur Konversion Jauchs„Am 3. Mai, mit Eifer unter dem Zeichen des Kreuzes, wurde ich, für den Himmel rechtgläubig, ein Mann des Kreuzes. Und wenn du nicht weißt, wessen Name in dieser Zeichnung steckt, so wisse: Joachim ist im Kreuz, und das Kreuz ist in Joachim. Unter diesem Siegeszeichen werde ich auf ewig bleiben; Gott erwies dem Geringen umfassende Gnade.“
Integration, Patronage und Nachwirkung Joachim Daniel Jauch gilt als Gegenbeispiel für die sonst übliche Integration der Deutschen unter August dem Starken in Polen. Trotz mehr als vierzigjährigem Aufenthalt sprach er kein Polnisch und bediente sich im Bauwesen, im Militär und bei Hofe polnischer Sekretäre.Hentschel, Bd. 1, S. 50.Rex Rexheuser: Die Personalunionen von Sachsen-Polen 1697–1763 und Hannover-England 1714–1837: ein Vergleich, München 2005, S. 212. Dass er bis drei Tage vor seinem Tod lutherisch blieb, deutet auf fehlenden Integrationswillen in die katholisch geprägte polnisch-litauische Adelsgesellschaft; seine späte private Konversion spricht gegen zwingende Glaubensgründe.Hentschel, Bd. 1, S. 50 f. Karriere und Einkünfte beruhten auf der Kumulation sächsischer Hofämter unter Heinrich von Brühl, jeweils eigenständig dotiert, sowie der Gunst des Königs, belegt u. a. durch die königliche Patenschaft für seinen Sohn.Hentschel, Bd. 1, S. 49; Zwoch, S. 19. Mehrere seiner Nachkommen wurden hingegen zu bedeutenden Polen.
Architekt Jauchs schöpferische Leistungen als Architekt treten hinter denen seiner bekannteren Dresdner Kollegen zurück; sein eigentliches Profil lag in Organisation und Bauverwaltung. Er leitete ein Bauamt mit über fünfzig Angestellten, koordinierte den Ausbau der sächsischen Achse in Warschau, zahlreiche Umarbeitungen am Königstrakt und weitere Hofprojekte und führte als königlicher Bevollmächtigter sämtliche Ankaufs- und Pachtverhandlungen. Auf diese Weise trug er maßgeblich zum barocken Ausbau Warschaus in sächsischer Zeit bei und gilt als Mitgestalter des Dresdner Barock. Hervorzuheben ist seine umfassende Dokumentationstätigkeit, der das Sächsische Staatsarchiv in Dresden zahlreiche Aufnahmen von Bauten in Polen verdankt; gerade diese allseitige Einbindung und Dokumentation erschweren bis heute die Abgrenzung, welche Projekte auf eigene Entwürfe Jauchs zurückgehen. Daneben verantwortete er die Erhaltung sämtlicher königlicher Gebäude in Polen sowie die Überwachung und Instandhaltung der Verbindung zwischen Dresden und Warschau.
Jauch organisierte am Hof in Warschau neben Staatsempfängen Augusts des Starken legendäre und nahezu fortwährend stattfindende Bälle, Jahrmärkte, Tierhetzen, Maskeraden, Illuminationen und Schützenfeste. Sie waren wohldurchdachte Staatsaktionen, verschlangen große Summen und dienten – wie neue Schlösser und Kunstsammlungen – der königlichen Selbstdarstellung nach dem Vorbild Ludwigs XIV. von Frankreich; zahlreiche Pläne und Berichte geben darüber Auskunft.Walter Hentschel: Die sächsische Baukunst des 18. Jahrhunderts in Polen, Bd. 1, Berlin 1967, S. 45, 51.
mini|Verfassung vom 3. Mai 1791 im von Jauch 1733 gestalteten Senatorensaal des Warschauer Königsschlosses mini|Erstürmung des von Jauch umgebauten Warschauer Arsenals im Novemberaufstand 1830 mini|Tod von Józef Sowiński 1831 in Jauchs Kirche St. Laurentius in Wola
Werke (Auswahl) (Quelle: Nach Hentschel, Bd. 1, S. 43 ff.; weitergehende Zuschreibungen bei Wacław Husarski.)
ab 1720: Grand Salon im Sächsischen Palais (Warschau); Spielhäuser im Sächsischen Garten; Stationsweg Warschau–Ujazdów (heute Aleje Ujazdowskie); Säle für den Sejm im Sapieha-Palais, Grodno; Kirche am Kloster der Barmherzigen Brüder; Kasernen in Warschau 1726: mit Johann Sigmund Deybel und Carl Friedrich Pöppelmann Umbau des Blauen Palastes (Innenausbau, Garten) 1733: Senatorensaal des Warschauer Schlosses 1733: Castrum doloris für August den Starken 1736: Eingeweidegruft für August den Starken in der Kapuzinerkirche (Warschau); Kapelle am Sächsischen Palais 1737–1739: Umbau des Palais Sułkowski (heute Palais Kazimierzowski / Universität Warschau) mit Deybel 1738: Postpalais in Dąbrowa und Boguszyce 1745: Portal im Vorhof des Sächsischen Palais 1752: Kapelle am Neuen Schloss in Grodno 1752–1754: Umbau des Warschauer Arsenals (Abschluss durch Deybel)
1753: Umbau der Kirche St. Laurentius in Wola für Graf Brühl
Standeserhebung Für eine Nobilitierung ist kein Beleg bekannt. Gleichwohl wird Jauch ebenso wie sein Bruder, der Oberstleutnant der Krongarde Franz Georg Jauch (1682–1753), seit etwa 1730 in polnischen Adelsverzeichnissen geführt.Adam Boniecki: Herbarz Polski, Bd. 8, Warszawa 1905, S. 340.Polska Encyclopedia Szlachecka, Bd. 6, Warszawa 1937, S. 194.Seweryn Uruski: Rodzina. Herbarz Szlachty Polskiej, Bd. 6, Warszawa 1909, S. 29.Emilian von Żernicki-Szeliga: Der Polnische Adel und die demselben hinzugetretenen andersländischen Adelsfamilien. General-Verzeichnis, Hamburg 1900, Bd. 1, S. 373.
Anekdote