mini|hochkant=1.3|Die Stephanus-Kirche in Weimar-Schöndorf mini|Stephanuskirche Weimar-Schöndorf, Blick aus Südost mini|Böhm-Orgel Die evangelisch-lutherische Stephanuskirche in Weimars Ortsteil Schöndorf wurde von 1964 bis 1966 erbaut.
Sie ist einer der in begrenzter Zahl neu gebauten oder aus Umbau entstandenen Sakralbauten der DDR. Ihre außergewöhnliche Bauform prägt das Ortsbild.
Geschichte Schöndorf gehört seit 1939 zu Weimar und liegt auf der ansteigenden Kammlinie des kleinen Ettersberges zwischen Weimar und Großobringen.
Mit der Otto-Eberhardt-Gartenstadt (heute Rosa-Luxemburg-Siedlung), in die viele Mitarbeiter metallverarbeitender Berufe aus dem Rheinland und Schlesien kamen, um im wachsenden Weimarwerk zu arbeiten, entstand auch der Wunsch nach Kirchen - damals noch für beide christlichen Konfessionen gesondert. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges, besonders unter dem Eindruck der Befreiung des nahen Konzentrationslagers Buchenwald, wurde dieser Wunsch noch stärker, und aktiv nach einem Bauplatz gesucht. 1947 bildete sich in Schöndorf eine eigenständige Kirchgemeinde, nachdem sie zuvor zu Kromsdorf bzw. Tiefurt gehört hatte, und versammelte sich regelmäßig in der alten Dorfschule. Jedoch erforderte die Baugenehmigung unter den politischen Bedingungen der DDR langes, zähes Ringen, mit mehreren Rückschlägen und Wendungen: Bereits besorgtes Baumaterial verschwand über Nacht, den Bauplatz erhielt überraschenderweise die katholische Gemeinde für den Bau ihrer Kirche St. Bonifatius, für das neugefundene Grundstück wurden verschiedenste Ablehnungsgründe vorgebracht - doch konnte schließlich am 25. Juni 1964 Thüringens Landesbischof Moritz Mitzenheim den Grundstein legen.
Die Kirchweihe fand ebenfalls mit Landesbischof Mitzenheim am 15. Mai 1966 statt.
Nach 1994, zur Amtszeit von Pfarrer Martin Steiger wurde die Kirche mit Horst Jährling als Berater innen renoviert, die Stufen zur Kirche wurden neu aufgesetzt, ein Behinderten-Aufgang geschaffen und die Gründung der Süd-Ost-Ecke der Kirche verbessert (Risse im Mauerwerk).Quelle: Auskunft von Pfarrer i. R. Martin Steiger, Weimar, am 20. Oktober 2025
Heute ist die Kirchgemeinde Schöndorf Teil des Pfarrbereichs Schöndorf-Großobringen im Kirchenkreis Weimar der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Architektur und Gestaltung Architekt dieser Kirche war Kirchenbaumeister Klaus Kaufmann aus Eisenach. Die geographische Nähe zum einstigen KZ Buchenwald hatte Einfluss auf die Architektur des Sakralbaus. Die Altarwand, eine metallgestalterisches Werk von Günther Laufer (aus Stanzresten gefertigt), an eine Dornenhecke erinnernd, ähnelt aber auch Stacheldraht, und wird vom Kreuz der Auferstehung durchbrochen. Die roten Steinfliesen beziehen sich auf die blutgetränkte Erde des Ettersberges. In den Anfangsjahren gab es zahlreiche Veranstaltungen zum Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers Buchenwald.
An ihrer Südseite hat die strahlend weiße Kirche eine großflächige Verglasung mit Klarglas und aufgeklebten Farbglasteilen. Dadurch ist der Kirchenraum sehr hell. Auch sind die angedeuteten botanischen Strukturen mit den dem Himmel zustrebenden Halmen eine harmonische Verbindung zur Außenwelt. Nach 50 Jahren ist die ursprünglich als Provisorium gedachte Variante fester architektonisch-künstlerischer Bestandteil der Kirche, eine Sammlung für die erforderliche Sanierung läuft.Flyer „Helft, die Buntfenster der Stephanuskirche zu sanieren!“ aus dem Jahr 2015
Der viereckige, sich nach oben leicht verjüngende Kirchturm steht nicht – wie sonst üblich – an der Westseite des Kirchenbaus, sondern teilt ihn etwa im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel. Er ist weithin zu sehen und prägt die Dorfsilhouette mit. In ihm ist der Glockenstuhl mit den Glocken untergebracht.
Die künstlerische Gestaltung verantworteten Günther Laufer und Kurt Thümmler.
Die St.-Stephanus-Kirche steht auf der Liste der Kulturdenkmale in Schöndorf (Weimar).
Orgel Die Orgel wurde 1969 von Gerhard Böhm (Orgelbauer) gebaut. Sie verfügt über 9 Register, die auf ein Manualwerk und dem Pedalwerk verteilt sind.
Glocken Die Kirche hat vier Bronzeglocken der traditionsreichen Gießerei Franz Schilling Söhne aus Apolda, die am 19. Juli 1965 in den Turm gehoben wurden:
Foto Jahr Ø Masse (kg) Nominal Glockenzier und Inschriften zentriert|160x160px 1965 910 510 oder 470 a1 Schulter: /O LAND, LAND, LAND HOERE DES HERREN WORT//DES HERREN WORT IST WAHRHAFTIG, UND WAS ER ZUSAGT, DAS HÄLT ER GEWISS ♰/ Wolm: Gießerzeichen zentriert|160x160px 1965 720 240 oder 220 cis2 Schulter: /SEID FROEHLICH IN HOFFNUNG, GEDULDIG//IN TRUEBSAL ♰ HALTET AN AM GEBET/ Wolm: Gießerzeichen zentriert|160x160px 1965 600 140 oder 120 e2 Schulter: /LASSET DIE KINDLEIN ZU MIR KOMMEN UND WEHRET ♰/ /IHNEN NICHT, DENN SOLCHER IST DAS REICH GOTTES ♰/ Wolm: Gießerzeichen zentriert|160x160px 1965 550 100 fis 2 Schulter: /LASSET EUCH VERSOEHNEN MIT GOTT/ Wolm: Gießerzeichen
mini|Kirchturm mit Turmkreuz und Glockenstuhl
Namenspatron Die Kirche ist nach dem ersten christlichen Märtyrer Stephanus benannt.
Pfarrer der Kirchgemeinde Pfarrvikarin Christiane Margarete Luise Günzel (ab September 1962) Pfarrer Siegfried Urban (ab Mai 1966) Pfarrer Heinz-Martin Steiger (1994–2001)Pfarrer Steiger war zuvor an der St.-Johannis-Kirche (Oldisleben) und davor an St. Severi (Blankenhain) tätig; er wirkte bis zu seinem Ruhestand in Schöndorf. (ab September 1994 sowie Kirche Wohlsborn ab 1998), S. 240, abgerufen am 19. Juni 2021. Pfarrer Bernd Eichert geb. Müller (ab September 2001) Pfarrerin Sabine Hertzsch (ab Januar 2013) Pfarrerin Charlotte Reinhold (seit April 2023)
Verschiedenes Zum Dank und zur Erinnerung ist nach dem langjährigen Geistlichen dieser Kirche in Schöndorf die Pfarrer-Urban-Straße benannt. Das Jubiläum 50 Jahre Kirchweih wurde mit einem Festwochenende vom 29. April bis 1. Mai 2016 gefeiert.Flyer der Kirchgemeinde und des Pfarramts Schöndorf – Großobringen, Frühjahr 2016Gemeindeblatt Schaukasten der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Weimar, Ausgabe April 2016, S. 20.
Siehe auch Kirchenbauprogramme in der DDR Liste in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR errichteter Sakralbauten Liste der Kirchen in Weimar Liste von Glocken im Landkreis Weimarer Land und in Weimar Liste der Orgeln im Landkreis Weimarer Land und in der Stadt Weimar
Einzelnachweise
Weblinks
https://www.kirchenkreis-weimar.de/kirchenkreis/gemeinden-und-kirchen/schoendorf-grossobringen/schoendorf/st-stephanus/ https://kg-grossobringen.de/kirchen/schondorf/ https://www.strasse-der-moderne.de/kirchen/weimar-schoendorf-stephanuskirche/ http://www.ek-weimar.de/gemeinde/aus-dem-gemeindeleben.html https://www.thueringer-allgemeine.de/leben/vermischtes/article221460563/Herzliche-Erinnerungen-an-einen-warmen-Januar-Tag.html https://www.kuesterderekm.de/startseite/hausbesuche/, abgerufen am 21. Mai 2022
Weimar Stephanuskirche Weimar Stephanuskirche Kategorie:Erbaut 1966 Stephanuskirche Kategorie:Kirchengebäude der Moderne Kategorie:Bauwerk der Moderne in Weimar Kategorie:Kirchenneubau in der DDR Kategorie:Geläut Weimar Kategorie:Schöndorf (Weimar)