mini|Newell Sill Jenkins Newell Sill Jenkins (* 29. Dezember 1840 in Falmouth, Massachusetts; † 25. September 1919 in Le Havre, Frankreich) war ein US-amerikanischer Zahnarzt, der den größten Teil seines Lebens in Dresden praktizierte.Dr. Newell Sill Jenkins, Revue d’histoire de l’art dentaire. (englisch). S. 20. Abgerufen am 31. März 2016. Der Freund Richard Wagners entwickelte das nach ihm benannte Porzellan-Email und verbesserte dadurch entscheidend die Zusammensetzung der Porzellanmasse für Porzellaninlays, Zahnkronen und -brücken. Er gilt damit als Begründer der ästhetischen Zahnheilkunde.

Leben Jenkins stammte aus einer Reederfamilie, die auch erfolgreich Holzhandel betrieb.Hans Rudolf Vaget: Wie die Wunde er schließe. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. April 2023, Seite N 3. Seine Eltern waren Charles und Phoebe Jenkins, geborene Bishop. Unmittelbar nach Beendigung seines Studiums am Baltimore College of Dental Surgery der University of Maryland übernahm er 1863 eine zahnärztliche Praxis von einem gewissen Lincoln in Bangor (Maine). Newell Sill heiratete 1865 Clara Upton und hatte mit ihr drei Kinder.Newell Sill Jenkins, Ancestry. Abgerufen am 12. April 2016. Er korrespondierte mit dem ebenfalls aus den USA stammenden und in Berlin praktizierenden Zahnarzt Frank P. Abbott, der in Europa zu den renommiertesten Zahnärzten gehörte. Abbott bestärkte ihn darin, nach Deutschland auszuwandern. Kurz nach Beendigung des Amerikanischen Bürgerkriegs wanderte er am 20. November 1866 zusammen mit seiner Familie nach Dresden aus, wo er 43 Jahre lang von 1866 bis 1909 praktizierte. Vom sächsischen König Albert wurde er zum königlich-sächsischen Geheimen Hofrat ernannt und erhielt darüber hinaus den Albrechts-Orden (Ritterkreuz I. Klasse). Seit 1893 war Jenkins Besitzer der Villa Thorwald in der Schillerstraße 12 im Dresdner Stadtteil Loschwitz. Jahrelang praktizierte er jeweils einen Monat pro Jahr in Wien und in Warschau. 1907 zog er nach Paris, wo er seine Forschungen fortsetzte und große Anerkennung genoss. Er zählte – neben Thomas W. Evans und Levi Spear Burridge – zu den im 19. Jahrhundert besonders gefragten US-amerikanischen Zahnärzten in Europa. Zweimal wurde er zum Präsidenten des American Dental Club of Paris gewählt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen aus Deutschland, England, Frankreich, den USA, Norwegen, Holland und Spanien.Dr. Newell Sill Jenkins, Revue d’histoire de l’art dentaire. (englisch). S. 25. Abgerufen am 31. März 2016. Während des Ersten Weltkriegs kehrte er 1916 in die USA zurück. Nach Beendigung des Krieges bestieg er am 18. September 1919 ein Segelschiff in New York, um die Wintermonate in Südfrankreich zu verleben. Dies war ihm jedoch nicht vergönnt. Er erlag bei der Ankunft im Hafen von Le Havre am 25. September 1919 einem Herzinfarkt. Jenkins wurde in die USA überführt, wo er in Bangor bestattet wurde.Distinguished Graduates, Jahrbuch 1954, University of Maryland, Baltimore Dental School. Abgerufen am 3. April 2016. Seine Frau Clara verstarb am 15. Februar 1932 in Dresden. Jenkins zu Ehren verlieh die Connecticut State Dental Association von 1922 bis 1938 die Newell Sill Jenkins Medaille an verdiente Zahnärzte. Die erste Auszeichnung ging an Alfred Civilion Fones.

Freundschaft mit Richard Wagner mini|Richard Wagner mit Cosima Wagner, 1872 mini|Brief von Richard Wagner an N. S. Jenkins, Seite 1 mini|Brief von Richard Wagner an N. S. Jenkins, Seiten 2 und 3 Zu seinem Patientenkreis gehörten nicht nur Mitglieder europäischer Fürstenhäuser, sondern auch Prominente wie Richard Wagner, mit dem Jenkins sich anfreundete. 1877 kam er erstmals auf Ersuchen von Cosima Wagner nach Bayreuth und verlangte für seine zahnärztliche Behandlung kein Honorar.Cosima Wagner: Die Tagebücher, 21. und 22. September 1877. Am 24. Januar 1879 disputierten sie über die deutsche Politik, „die Neger“ sowie die deutschen Auswanderer in den USA, bevor Jenkins am nächsten Tag eine „große Operation“ an Wagner vornahm.Cosima Wagner: Die Tagebücher, 24. bis 26. Januar 1879.

Nachdem Wagner ein finanzielles Desaster seiner Ring-Aufführung bei den ersten Festspielen 1876 im Bayreuther Festspielhaus erlebt hatte, plante er in die USA auszuwandern.Cosima Wagner: Die Tagebücher, 1. Februar 1880. Wagner besprach mit Jenkins seine Auswanderungspläne und formulierte in einem dreiseitigen BriefCosima Wagner: Die Tagebücher, 9. Februar 1880. auch die Bedingungen, die seine Existenz jenseits des Ozeans absichern und den Amerikanern den Parsifal bringen sollten. In der Ausstellung Dem Meister ins Maul geschaut, die vom 19. März bis 14. August 2016 in den Richard-Wagner-Stätten in Graupa lief, wurde das Thema ausführlich aufgearbeitet., Richard-Wagner-Stätten, Graupa. Abgerufen am 26. April 2016. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Dentalhistorischen Museum in Zschadraß und dem Louis-Spohr-Museum in Kassel.

Brief Wagners an Jenkins

Der Brief Wagners an Jenkins zeigt sein besonderes Vertrauen zu seinem Zahnarzt auch in privaten Dingen. Dank Jenkins Überredungskünsten und weiteren Warnungen von anderen amerikanischen Freunden setzte Wagner seine Pläne, nach Amerika auszuwandern nicht um, wobei er letztlich als Gründe sein fortgeschrittenes Alter und die Rücksicht auf seine Kinder und deren Heimatverbundenheit angab. Zudem stieß Wagner bei den amerikanischen Impresarios auf wenig Interesse, seine Einwanderung zu unterstützen. Parsifal wurde daraufhin bei den zweiten Bayreuther Festspielen am 26. Juli 1882 in Bayreuth und nicht in den USA uraufgeführt.Richard Wagner und sein Zahnarzt, zm, 30. März 2016. Abgerufen am 31. März 2016.Wolfgang Schug: . Manuskript, bei: Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe, 26. September 2014. Abgerufen am 14. August 2016.Sein guter Freund, Richard Wagner und Zahnarzt Jenkins, zm, Heft 10/2013. Abgerufen am 31. März 2016. In seinen Reminiszenzen schreibt Jenkins: „...and I rejoiced that that end was attained without a cloud resting upon our friendship“ (Ich war hocherfreut darüber, dass das [Abrücken Wagners von der Emigration] erreicht worden ist, ohne eine trübe Wolke über unserer Freundschaft zu hinterlassen.)

Richard Wagner überreichte Jenkins ein Exemplar des Ring des Nibelungen mit einer persönlichen Widmung:Cosima Wagner, Tagebücher Band 2, S. 297, ISBN 3-492-02199-9.Curt von Westernhagen: Richard Wagner, Schott Music (1996), S. 520, ISBN 3-254-00074-9.

Werk Jenkins wurde trotz seiner hohen Verdienste um die Zahnheilkunde lange Zeit von zahnmedizinischen Historikern ignoriert, obwohl er während seiner Schaffenszeit 32 wissenschaftliche Artikel zur Verbesserung der ästhetischen Zahnversorgung mit Porzellanfüllungen veröffentlicht hatteJ. M. Hyson, S. D. Swank: Dr. Newell Sill Jenkins: progenitor of cosmetic dentistry. In: Journal of the California Dental Association. Band 31, Nummer 8, August 2003, S. 626–629, PMID 13677405. und teilweise seine Erkenntnisse patentieren ließ.

Einführung des Kofferdams in Deutschland mini|Mark Twain

Erste Anerkennung fand er, als er den 1864 von dem New Yorker Zahnarzt Sanford Christie Barnum entwickelten Kofferdam bereits zwei Jahre später in Deutschland einführte, einen Spanngummi, der den zu behandelnden Zahn von der Mundhöhle, insbesondere vor Flüssigkeiten und Speichel, isoliert. Ursprünglich diente er dazu, das Arbeitsfeld trocken zu halten, da es damals noch keine zahnärztlichen Absauganlagen gab.Reinhardt Winkler: Sanford Christie Barnum – Der Erfinder des Kofferdam. In: Die Quintessenz, Band 42, 1991, S. 483–486.

Entwicklung von Porzellanmassen Jenkins entwickelte das nach ihm benannte niedrigschmelzende Porzellan-Email und verbesserte dadurch entscheidend die Zusammensetzung der Porzellanmasse für Porzellaninlays, Zahnkronen und -brücken und die dazugehörende Verarbeitungstechnik.The filling of teeth with porcelain (Jenkins's system) a text book for dentists and students, Internet Archive (englisch) oder als eBook in Forgotten Books. Abgerufen am 3. April 2016. Hilfreich war ihm da die Nähe zur Sächsischen Porzellan-Manufaktur Dresden. Hierzu gehörte auch die Entwicklung von Stahlbohrern, die mit Diamantstaub beschichtet waren, um eine glatte Kavität erzeugen zu können. Die Porzellaninlays haben erstmals die Möglichkeit eröffnet, zahnfarbene Frontzahnfüllungen zu erzeugen und leiteten damit die Ära der ästhetischen Zahnmedizin ein, nachdem bis dato im Frontzahnbereich Füllungen aus Gold angefertigt wurden. Für die Produktion und den Vertrieb des „Jenkins Porcelain Enamel“ gründete er die Manufaktur Klewe & Co. Sein persönlicher Freund Samuel Langhorne Clemens, der unter seinem Pseudonym Mark Twain als amerikanischer Schriftsteller bekannt geworden ist, bot ihm an, die Herstellungs- und Vertriebsrechte für den amerikanischen Markt zu kaufen.J. F. Jenkins: Our Jenkins Heritage, Eigenverlag, Greenfield, NH, 1980, S. 53, angeführt bei: John M. Hyson, Scott D. Swank: Dr. Newell Sill Jenkins: Progenitor of Cosmetic Dentistry. In: Journal of the California Dental Association. Band 31, Nummer 8, August 2003, S. 628

Entwicklung der Zahnpasta Kolynos mini|Werbeplakat für die Kolynos Zahnpasta aus den 1940er Jahren Zusammen mit Willoughby D. Miller, der 1890 die bahnbrechende und bis heute gültige Theorie aufgestellt hatte, wonach Bakterien der Mundflora Kohlenhydrate zu Säuren abbauen, die ihrerseits den Zahnschmelz entkalken, worauf Bakterien in den Zahn eindringen und das Dentin in Form von Karies zerstören können, entwickelte Jenkins eine Zahnpasta namens Kolynos, die erstmals Desinfizienzien enthielt. Der Name stammt aus dem Griechischen Kolyo Nosos (κωλύω νόσος, „Krankheitsprävention“). Zahlreiche Versuche, die Zahnpasta von Apothekern in Europa herstellen zu lassen, erwiesen sich als unwirtschaftlich. Nach seiner Rückkehr in die USA experimentierte er mit Harry Ward Foote (1875–1942), Chemieprofessor am Sheffield Chemical Laboratory der Yale University.Nachruf auf Harry Ward Foote, Science, 6. März 1942, S. 241–242 (englisch). Abgerufen am 2. April 2016. Nach 17-jähriger Entwicklungsarbeit von Kolynos und klinischen Studien ging Jenkins in den Ruhestand und übertrug die Herstellung und den Vertrieb an seinen Sohn Leonard A. Jenkins, der am 13. April 1908 die ersten Zahnpastatuben auf den Markt brachte. Innerhalb weniger Jahre expandierte die Firma in Nordamerika, Lateinamerika, Europa und dem Fernen Osten. Ein Zweigbetrieb entstand 1909 in London. 1937 wurde Kolynos in 22 Ländern produziert und in 88 Ländern verkauft.

Bis heute ist Kolynos vor allem im südamerikanischen Raum und in Ungarn weit verbreitet. Colgate-Palmolive übernahm das Produkt von American Home Products im Jahr 1995 zum Preis von einer Milliarde US-Dollar, wobei unter diesem Markennamen auch andere Kosmetikprodukte vertrieben werden.Kolynos Toothpaste and Nalgiri Cosmetics – A curious blend of Greek and Hindu. Abgerufen am 31. März 2016.

Schriften Porcelain Enamel Inlays. Collection: Dental Cosmos, Volume 40, Issue 8, August, 1898, pp. 633–635. Abgerufen am 3. April 2016. Porcelain Enamel Inlays. Collection: Dental Cosmos, Volume 41, Issue 9, September, 1899, pp. 888–892. Abgerufen am 3. April 2016. Porcelain Enamel Inlays. Collection: Dental Cosmos, Volume 42, Issue 11, November, 1900, pp. 1109–1111. Abgerufen am 3. April 2016. Porcelain Enamel. Collection: Dental Cosmos, Volume 44, Issue 5, May, 1902, pp. 456–458. Abgerufen am 3. April 2016. The Porcelain Inlay in Europe. Collection: Dental Cosmos, Volume 58, Issue 3, March, 1916, pp. 269–272. Abgerufen am 3. April 2016. Reminiscences of Newell Sill Jenkins, Privatdruck, Princeton, 1924. Bei: archive.org, (englisch). Abgerufen am 31. März 2016. [Jenkins begann 1914 eine Autobiografie für seine Kinder zu schreiben] ; Kapitel 9 der Erinnerungen (1924)

Literatur