You Can Be Anyone This Time Around ist ein Album von Timothy Leary aus dem Jahr 1970. Das Album war zur Unterstützung seiner Kandidatur für die Wahl zum Gouverneur von Kalifornien im Herbst 1969 gedacht. Der Schallplatte war ein von dem Künstler Joe Roberts, Jr. gestaltetes Wahlkampfposter beigefügt.Timothy Leary: Denn sie wussten, was sie tun, S. 339.
Vorgeschichte Im Mai 1969 wurde Timothy Leary in der Grundsatzentscheidung Leary v. United States vom Supreme Court der USA freigesprochen. Aufgrund des Marihuana-Tax-Acts von 1937 war er zuvor wegen Steuerhinterziehung und illegaler Einfuhr von drei Gramm Marihuana zu 33 Jahren Haft verurteilt worden. Nach dem Freispruch ging Leary in die Offensive und verkündete, für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien kandidieren zu wollen. Damit wollte er die Wiederwahl von Gouverneur Ronald Reagan zu dessen zweiter Amtszeit (1970–1973) verhindern. Gegenüber Journalisten verkündete Leary sein Kernprogramm: „Der Staat Kalifornien sollte wie ein gutgehendes Geschäft betrieben werden. Anstatt den Einwohnern Steuern abzuknöpfen, sollte ein gutfunktionierender Staat Profit abwerfen.“ Jeder Einwohner Kaliforniens sollte laut Leary eine Dividende von seinem Bundesstaat erhalten.Timothy Leary: Denn sie wussten, was sie tun, S. 338.
Um Sponsoren für seinen Wahlkampf zu mobilisieren, sicherte sich Leary die Unterstützung der Los Angeles Free Press, des San Francisco Oracle und des Rolling Stone. Weitere Zusagen erhielt er von John Lennon und Jimi Hendrix.
Der Slogan seines Wahlkampfes lautete: „Come together, join the party!“, was auf Deutsch bedeuten kann „Kommt zusammen und feiert eine Party!“, aber auch: „Kommt zusammen und tretet in die Partei ein!“ Mit seinem Slogan richtet sich Leary vornehmlich an ein junges Publikum. Der erste Teil des Slogans wurde von John Lennon in dem Song Come Together aufgegriffen und von den Beatles auf dem Album Abbey Road veröffentlicht.Timothy Leary: Denn sie wussten, was sie tun, S. 340–341.
Hintergrund einzelner Titel Live and Let Live Die Grundlage des Titels ist eine eigens am 30. September 1969 in New York einberaumte „Supersession“ der Gitarristen Jimi Hendrix (diesmal an der Bassgitarre), Stephen Stills und John Sebastian mit dem Schlagzeuger Buddy Miles.Gary J. Jucha: Der ultimative Jimi Hendrix Guide, Hannibal Verlag, Höfen/Tirol 2017, S. 209f. ISBN 978-3-85445-618-6 Vor der Session wurden Timothy Leary und seine damalige Ehefrau Rosemary von Jimi Hendrix im Greenwich Village zum Essen eingeladen. Der Journalist Jann Wenner vom Rolling Stone setzte sich an den Nebentisch, um die Kampagne journalistisch zu begleiten.Timothy Leary: Denn sie wussten, was sie tun, S. 339f.
Live and Let Live (also „Leben und leben lassen“) beginnt mit einer Jamsession, über die das Geräusch eines landenden Flugzeugs gelegt wurde. Es folgen Fragen von Journalisten, die Timothy Leary unter anderem zweideutig fragen, ob er einen guten Flug hatte („Did you have a nice trip?“). Leary antwortet humorvoll und charmant und verkündet dabei sein hedonistisches Wahlprogramm. Er sagt, unter einer „political party“ (eigentlich politische Partei) verstehe er fröhliches Feiern. Die Aufgabe einer Regierung sollte es sein, die Leute glücklich zu machen. Dabei beruft er sich auf die Formulierung „Life, Liberty and the pursuit of Happiness“ (deutsch Leben, Freiheit und das Streben nach Glück) aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.
Weiterhin verkündet er, Marihuana und LSD legalisieren und besteuern zu wollen. Damit widerspricht er jedoch seiner zuvor gemachten Aussage, Steuern durch eine Gewinnauszahlung an alle Einwohner Kaliforniens zu ersetzen. In den letzten vier Minuten liegt der Fokus wieder auf der Jamsession.
You Can Be Anyone This Time Around Das Titelstück des Albums wartet mit einer Innovation auf, die sich erst Jahre später im Hip-Hop durchsetzt: dem Sampling. Innerhalb des Stückes erklingen zahlreiche Geräusche, wie das Pfeifen des Windes, Hare-Krishna-Gesänge und eine indische Flöte sowie kurze Samples von The Beatles (The Ballad of John and Yoko), Allen Ginsberg (Howl), Country Joe and the Fish (Flying High), The Rolling Stones (Sympathy for the Devil), Pink Floyd (Take Up Thy Stethoscope and Walk – von Leary irrtümlich den Grateful Dead zugeschrieben), Jefferson Airplane (My Best Friend) und Ravi Shankar.
Leary selbst bezeichnete den Song als „Elegie der Neuprägung“. Die Kernaussage des Stücks ist, durch den Gebrauch von Psychedelika könne man alles und jeder sein: Krishna, Gott Shiva in Erwartung von Shakti, John und Yoko, Allen Ginsberg, ein Maharishi, „sogar Highpriest des LSD“, die Göttin der Liebe, ein Rolling Stone, ein Grateful Dead, Pilot bei Jefferson Airplane, Himmel, Erde, ein Berg, Wasser, Donner, Wind, Feuer, Eis, die Sonne, ein Sonnengott, der Mond.
Titel Live and Let Live (Jam) – 14:08 You Can Be Anyone This Time Around – 9:08 What Do You Turn On When You Turn On? – 6:40
Rezeption Richie Unterberger gibt der Platte auf Allmusic drei von fünf möglichen Sternen. Er meint, die von Leary gemachten Aussagen, wie die Erforschung des Bewusstseins und die Lobpreisung des Drogenkonsums, hätten seinerzeit zwar die Eltern in Angst und Schrecken versetzt, würden heute aber veraltet und albern klingen. Das Album verdanke seinen Sammlerstatus vor allem der Jamsession von Live and Let Live, bei der eine Allstar-Band mit Jimi Hendrix (am Bass), Stephen Stills, John Sebastian und Buddy Miles aufspiele.AllMusic Review by Richie Unterberger.
CD Die CD enthält als Booklet ebenfalls das psychedelische Poster der Wahlkampagne von 1969 mit dem Slogan „Come together – join the Party!“ Auf der Rückseite wurde folgender Begleittext hinzugefügt: „The musical equivalent of a full-blown LSD-trip. Speaking over a funkified jam and highly tape-edited psychedelic music beds, Leary recorded the prototypical House/Acid House album back in 1969. This is your brain on Leary: Any questions?“ (Die musikalische Entsprechung eines voll ausgeprägten LSD-Trips. Indem er auf einen funkigen Gitarrenjam und eine psychedelische Musikuntermalung aus Tonbandschnipseln spricht, nahm Leary 1969 das prototypische House-/Acid-House-Album auf. So wirkt Leary auf dein Gehirn: Noch Fragen?)
Sample Der englische DJ Fatboy Slim verwendete den Auftakt von What Do You Turn On When You Turn On? für seinen Remix von Jean-Jacques Perreys Instrumentalstück E.V.A.E.V.A. (Fatboy Slim Remix) auf WhoSampled.com.
Literatur Timothy Leary: Flashbacks. An Autobiography, Los Angeles 1983. Timothy Leary: Denn sie wussten, was sie tun. Eine Rückblende. Mit einem Nachwort von Gisela Getty, München 1997, ISBN 3-453-12582-7
Weblinks
You Can Be Anyone This Time Around bei WhoSampled Timothy Leary:
Einzelbelege
Kategorie:Album 1970 Kategorie:Album (Psychedelic Rock) Kategorie:Hippiebewegung Kategorie:Jimi Hendrix Kategorie:Stephen Stills