Alfred Emil Gustav Meister (* 22. Mai 1888 in Stettin; † 10. Oktober 1914 bei Bronowice, Polen) war ein deutscher Maler.Deutsches Geschlechterbuch, Band 67, hrsg. Bernhard Koerner, Druck und Verlag G.A. Starke, Görlitz 1929, S. 407 (Doppelseite mit Porträtfoto).

Leben mini|Neuendorf um 1910 (Ansichtskarte)

Herkunft Alfred Meister wuchs in einer Familie auf, in der die Liebe zur Kunst seit mehreren Generationen gepflegt wurde. Er war der Urenkel des in der deutschen Theaterwelt bekannten Schauspielers Emil Devrient (1803–1872) und der Schauspielerin Dorothea Devrient (1801–1882). Zwei Brüder von Emil – Carl und Eduard – und deren Nachfahren waren ebenfalls dem Theater eng verbunden als Schauspieler, Regisseur oder Autor. Ein weiterer Bruder – Wilhelm – war Maler, Kupferstecher und Lithograph und hatte sich als Porträtist einen Namen gemacht. Die Mutter von Alfred Meister – Sofie Melanie (Wally) Meister – war Opernsängerin, der Vater – Georg Ernst Meister – Geheimer Justizrat, Rechtsanwalt und Notar am Oberlandesgericht Stettin. Privat war er ein Förderer des Kunstlebens in seiner Heimatstadt; er gehörte zum Vorstand des Museumsvereins und war dessen Vorsitzender von 1911 bis 1927.

Schulzeit Alfred Meister besuchte von 1895 bis 1905 die Schule in Stettin, zuletzt das Schiller-Realgymnasium, das er mit Erreichen der Mittleren Reife verließ. Schon in der Kindheit zeigte sich die außergewöhnliche künstlerische Begabung des Knaben, so dass er ab dem 9. Lebensjahr (1897) bis 1905 parallel zum Schulbesuch privaten Unterricht im Zeichnen und später auch im Malen bei der Stettiner Künstlerin Marie Kowalewski erhielt.

Studium Von 1905 bis 1908 studierte er an der Großherzoglich Sächsischen Kunstschule in Weimar (Direktor Hans Olde). Seine Lehrer waren die Professoren Max Thedy und Ludwig von Hofmann.Annette Wagner, Klaus Wolbert (Hrsg.): Ludwig von Hofmann. Arkadische Utopien in der Moderne. Liste der Schüler an der Großherzoglichen Kunstschule Weimar 1903–1916, Institut Mathildenhöhe Darmstadt, ISBN 3-935062-05-2, S. 406. Nach Verlassen der Kunstschule richtete er sich ein Atelier in Neuendorf auf der Ostseeinsel Wolin ein, wo er während der Sommermonate arbeitete.

Es folgte der erste Studienaufenthalt in Paris in der Zeit vom 14. Oktober 1909 bis zum 18. Februar 1911. Hier fand er Unterkunft im Palais „Hôtel Biron“ (heute Musée Rodin). Zusammen mit den befreundeten Studienkollegen aus Weimar, Ivo HauptmannIvo Hauptmann: Bilder und Erinnerungen. Seehafen-Verlag Erik Blumenfeld, Hamburg 1976, S. 44. und Hans Dornbach,Anneli Karrenbrock: Hans Dornbach – glühender Individualist und Grand Seigneur. In: 50 Jahre Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler am Mittelrhein, Katalog der AKM 1999, ISBN 3-928377-21-3, S. 62–63. die ebenfalls im Hôtel Biron Räumlichkeiten gemietet hatten, besuchte er die Académie Ranson. Zu seinen Lehrern zählten Maurice Denis, Paul Sérusier und Aristide Maillol. Es gab aber auch Kontakte zu Paul Signac und Henri Matisse.

Nach der Rückkehr aus Paris malte er wieder in Neuendorf – zeitweilig zusammen mit seinem Künstlerfreund Hans Dornbach, der ihm im Sommer 1911 auf die Ostseeinsel gefolgt war.Der Maler Hans Dornbach. Gedenkbuch zum 70. Geburtstag. 1. Veröffentlichung des Koblenzer Kunstvereins, Koblenz 1955, S. 7. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Gemälde. Ab Oktober 1912 folgte ein erneuter Studienaufenthalt in Paris. Dort nahm er auch wieder Kontakt zu seinem ehemaligen Weimarer Kommilitonen Hans Arp auf, der Gründungsmitglied der dem „Blauen Reiter“ nahestehenden Schweizer Künstlergruppe „Moderner Bund“ war. Im Mittelpunkt stand für ihn diesmal das intensive Studium von berühmten Werken großer Meister mit dem Ziel, die eigenen malerischen Fertigkeiten zu perfektionieren. Im Louvre schuf er Kopien nach Werken von Fra Angelico, Veronese, Rubens, Delacroix und Renoir. Im Februar 1913 kehrte er in seine pommersche Heimat und zu seinem Atelier zurück. Den Herbst/Winter 1913/14 verbrachte er studienhalber in Berlin.

Militärdienst Vom 1. Oktober 1908 bis zum 30. September 1909 leistete er seinen Militärdienst als Einjähriger Freiwilliger beim Garde-Füsilier-Regiment in Berlin ab. Während dieser Zeit musste er seine künstlerische Arbeit vollständig unterbrechen. Im Herbst 1913 wurde er nochmals zu einem mehrwöchigen Militärdienst einberufen. Am 18. Dezember 1913 erhielt er in Potsdam das Patent als Leutnant der Reserve. 1914 blieben ihm bis zum Kriegsbeginn nur noch wenige Monate für die künstlerische Arbeit, die er intensiv nutzte. Mehrere Gemälde musste er jedoch im Atelier unvollendet zurücklassen, als er am 2. August 1914 eingezogen wurde. Nur wenige Wochen später, am 10. Oktober 1914, fiel er an der Ostfront bei Bronowice (Polen) in einem nächtlichen Feuergefecht mit den Russen. Hier wurde er zunächst in einem Waldgrab beerdigt. 1918 folgte die Umbettung auf den Ehrenfriedhof im Ort Góra Puławska (am linken Ufer der Weichsel).

Werk

Künstlerische Entwicklung Neben der fundierten Ausbildung in der Kunstschule von Weimar waren die beiden Studienaufenthalte in Paris von entscheidender Bedeutung. In der sehr bewegten Kunstszene der französischen Metropole, dem damaligen Epizentrum der Avantgarde, wurde er mit den verschiedenen Stilrichtungen konfrontiert, die er als Anregungen aufnahm. Es ging ihm nicht um das schülerhafte Übernehmen des einen oder anderen Stils, vielmehr suchte er daraus Inspirationen, die er in die eigene Bildsprache umsetzen konnte. Zu den großen Vorbildern gehörten Cézanne, Van Gogh, Gauguin und Matisse.

Die in Paris gewonnenen Eindrücke führten zu einer deutlichen Änderung seiner Malweise. Die anfangs um 1908 noch typischen Merkmale des deutschen Spätimpressionismus mit stimmungsvoll gedämpften Tonwerten verloren sich bereits nach dem ersten Parisaufenthalt. Anstelle der impressionistischen Farbabstufungen traten hellere, teils kräftige, häufig auch reine, komplementär gegenübergestellte Farben in fest geschlossenen Kompositionen. Der Bildaufbau zielte auf eine Vereinfachung der Formensprache mit dekorativen Elementen. Die Bilder erhielten so im Vergleich zum Frühwerk einen höheren Grad der Subjektivität, geprägt von der inneren Auseinandersetzung zwischen Naturvorlage und Stimmung des Künstlers. Bei der Wahl der Themen bevorzugte er Landschaften und Stillleben, schuf aber auch mehrere beeindruckende Porträts und Akte. Neben den Ölgemälden entstanden zudem Pastelle, Aquarelle, Gouachen und zahlreiche Zeichnungen.

Während von den Porträt- und Aktzeichnungen größere Bestände aus verschiedenen Schaffensperioden erhalten blieben und die Entwicklung von der akademischen Exaktheit zur freien Gestaltung dokumentieren, ist ein Großteil des malerischen Werkes nach zwei Weltkriegen und dem Verlust der Pommerschen Heimat verschollen, darunter auch die fünf Werke im Besitz des Stettiner Stadtmuseums. Drei Gemälde aus diesem Bestand (Gutshaus 1908, Chaussee bei Neuendorf 1914, Neuendorfer See 1914) wurden ab 1921 über viele Jahre in der permanenten Ausstellung im Raum für Kunst des 20. Jahrhunderts gezeigt.Führer durch das Museum der Stadt Stettin 1921, hrsg. M. Bauchwitz, Stettin, S. 70; vervollständigte und umgearbeitete Auflage 1924, S. 81.

Auszeichnung 1907: Medaille der Großherzoglich Sächsischen Kunstschule Weimar für Zeichnen nach dem Akt (Klasse von Ludwig von Hofmann)Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar 1907, Bekanntmachung Blatt 265.

Ausstellungen 1912: Kunstverein zu Kassel, Ausstellung ehemaliger Weimaraner Künstler (4 Gemälde) 1912/13: Stettin, Pommerscher Verein für Kunst und Kunstgewerbe, Januar-Ausstellung zur Eröffnung des neuen Museums an der Hakenterrasse (18 Gemälde) 1913/14: Museum der Stadt Stettin, Pommersche Künstler (11 Gemälde, 3 Aquarelle) 1914: ebd., Verschiedene Kollektionen (1 Gemälde) 1919: ebd., (posthum) Moderne Kunst (20 Gemälde) 2008: Einzelausstellung zum 120. Geburtstag von Alfred Meister, National-Museum Stettin (Muzeum Narodowe w Szczecinie), 16. Mai – 10. August 2008

Werke (Auswahl) Selbstporträt mit 18 Jahren. 1906. Zeichnung Ruhender Mann und stehender Knabe am Strand von Neuendorf. 1911 Landmann mit Ochsen beim Pflügen. 1910 Adam und Eva. 1912/13 Neuendorf auf Wollin. 1914 Landschaft mit rotem Haus und Kuh. 1911 Stuhl mit Äpfeln und Tischdecke über der Lehne. 1911 Stillleben mit grünen Birnen im Korb. 1911 Topfblumen und Spielzeug auf blauem Tisch. 1912 Liegender weiblicher Akt mit rotem Tuch. 1910 Tisch im Atelier. 1913/14 Goethes Gartenhaus in Weimar. 1908 Kubistisches Stillleben. 1913/14

Galerie

Literatur Alfred Meister, 1888–1914: Von der Akademie zur modernen Malerei; Stettiner Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. Katalog zur Ausstellung im National-Museum Stettin (Text dt. und poln.), hrsg.: Rolf Meister, Autoren: Ewa Gwiazdowska, Bernfried Lichtnau, Rolf Meister. Muzeum Narodowe, Szczecin 2008, ISBN 978-83-86136-78-0, 163 S. Kristin Maronn-Hilkenbach: Der künstlerische Weg des Stettiner Malers Alfred Meister (1888–1914). In: Stettiner Bürgerbrief Nr. 35, 2009, , S. 47–55. Edda Gutsche: Alfred Meister (1888–1914). In: Maler, Orte und Landschaften in Hinterpommern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Teil 1. Jasne-Verlag, Danzig 2010, ISBN 978-83-61508-09-0, S. 115–122. Ewa Gwiazdowska: Auf der Suche nach dem eigenen Naturbild. Alfred Meisters Landschaften und Stillleben – ein Weg vom Impressionismus zum Expressionismus. In: Bernfried Lichtnau (Hrsg.): Bildende Kunst in Mecklenburg und Pommern von 1880 bis 1950. Lukas Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-061-0, S. 174–185 u. S. 207. (Digitalisat) Daniel Zrodlewski: Alfred Meister w poszukiwaniu szczecinskiego Van Gogha. In: PRESTIZ magazyn szczecinski, 2014, S. 22–25. Edda Gutsche: Drei Künstlerfreunde malten in Neuendorf – Alfred Meister, Frieda Lutz und Paula Riezler. In: Pommern – Zeitschrift für Kultur und Geschichte, Heft 4/2016, 54. Jahrgang, S. 38–41. Ewa Gwiazdowska: Mlody artysta w drodze. Alfred Meister w poszukiwaniu prawdy sztuki. In: Ewa Frackowiak, Piotr Kopszak, Macin Romeyko-Hurko (Hrsg.): Fin de siècle rediscovered. Polish Institute of World Art Studies, New Series Nr. 10, Warszawa 2015, , S. 321–326.

Einzelnachweise

Weblinks Alfred Meister im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Alfred Meister in der Enzyklopedia Pomorza Zachodniego (pomeranica.pl) Alfred Meister im Magazin Prestiz Szczecin (polnisch) Wisełka (Wolin) – Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben

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