mini|ABBA im Jahr 1974, zwei Jahre vor der Abbamania Als Abbamania (dt. „ABBA-Manie“), auch ABBA-Fieber, wird die euphorische Begeisterung für die schwedische Popgruppe ABBA zwischen 1975 und 1977 insbesondere in Australien, aber auch in Großbritannien bezeichnet. Das große mediale Interesse an den vier Schweden begann Ende 1975 mit der Single Mamma Mia, die zuerst in Australien und wenig später in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Im darauffolgenden Jahr 1976 platzierten sich mehrere Singles und Alben von ABBA durchgehend in den jeweiligen Charts und belegten zum Teil wochenlang die Spitzenposition. Abgerufen am 1. April 2016. Abgerufen am 1. April 2016.

Ihren Höhepunkt erlebte die Abbamania im Februar und März 1977 mit der ABBA-Welttournee durch Europa und Australien, die auch in ABBA – Der Film dokumentiert ist. In Großbritannien blieb die Musik der Gruppe auch danach sehr beliebt und kommerziell erfolgreich, in Australien flaute das Interesse hingegen merklich ab und brachte bis zum Ende der Bandkarriere keine Nummer-eins-Hits mehr hervor. Mit dem ABBA-Revival in den 1990er Jahren erschien 1999 ein Tributealbum, das angelehnt an die erfolgreichste Zeit der Gruppe den Titel ABBAmania trägt. Seit 2000 tritt außerdem eine gleichnamige Tribute-Band auf. The Show, abgerufen am 4. April 2016.

Vorgeschichte Der Sieg von ABBA beim Eurovision Song Contest 1974 mit Waterloo hatte die Band international bekannt gemacht und vor allem in westeuropäischen, aber auch in nordamerikanischen Ländern einen unmittelbaren Karriereschub bedeutet. So wurde Waterloo zu ihrem ersten Nummer-eins-Hit in Deutschland und Großbritannien, erreichte in Australien Platz 4 und in den USA Platz 6. Übersicht, abgerufen am 1. April 2016. Mehrere Promotion-Touren durch Westeuropa und die USA sowie die Produktion von Musikvideos sollten für ABBA und ihre Musik werben. Die Versuche der Band und ihres Managers Stig Anderson, an den Erfolg von Waterloo anzuknüpfen, erwiesen sich insbesondere in Großbritannien als schwierig. Während ABBA in Skandinavien und Mitteleuropa weiterhin populär blieb, war das Interesse in den englischsprachigen Ländern kaum mehr vorhanden. Sowohl Honey, Honey als auch die neue Single So Long wurden dort zum Flop, ebenso die erste Tournee durch Mitteleuropa, was das Image der Gruppe als One-Hit-Wonder bestärkte.S. 284.

Ausgangspunkt Mit den Aufnahmen für ihr nächstes Album hatte die Band im August 1974 begonnen. Wie auf den beiden Vorgänger-Alben experimentierten die Komponisten auch hier noch mit verschiedenen musikalischen Richtungen, fanden allerdings mit SOS und insbesondere Mamma Mia zu einem eigenen und innovativen Sound.S. 300. Nach Erscheinen des Albums wurde der Regisseur Lasse Hallström beauftragt, zu vier ausgewählten Songs aus dem Album Musikvideos zu drehen. Zu diesen zählten neben SOS und Mamma Mia auch I Do, I Do, I Do, I Do, I Do und Bang-A-Boomerang, denen man zutraute, sich als Single gut zu verkaufen.S. 305. Mit einem Budget von 50.000 KronenS. 18. wurden die Clips im April 1975 in wenigen Tagen produziert und waren vor allem für Australien und Neuseeland bestimmt, da diese Länder für Liveauftritte im Fernsehen zu weit entfernt waren.

Im Juli 1975 stieg die Single I Do, I Do, I Do, I Do, I Do mit Platz 83 in die australischen Charts ein und erweckte das Interesse der 1974 neu eingeführten Musiksendung Countdown mit ihrem Moderator Molly Meldrum, die ein Pendant zum britischen Format Top of the Pops darstellte.S. 310–311. Das zugehörige Musikvideo wurde am 3. August 1975 ausgestrahlt, eine Woche später jenes zu Mamma Mia. Vor allem letzteres wurde vom Publikum so begeistert aufgenommen, dass zahlreiche Anrufe beim Fernsehsender ABC eingingen, die um eine wiederholte Ausstrahlung baten. Zur positiven Resonanz der beiden Clips trug auch die Tatsache bei, dass zu jener Zeit nur wenige Farbfilme im australischen Fernsehen gezeigt wurden. Währenddessen trat ABBA am 16. August 1975 mit SOS im britischen Fernsehen auf, um die kurz zuvor veröffentlichte Single zu bewerben.Carl Magnus Palm: Really Doing Something – The Making of the ABBA Album, Polar Music International AB 2012, Begleittext zur Deluxe Edition, 23 Seiten. Durch ihr neues Auftreten als Popgruppe wuchs das Interesse an ABBA und ihrer Musik auch in Großbritannien und SOS stieg im September in die Charts ein.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das australische Plattenlabel RCA Stig Anderson bereits zu einer Single-Veröffentlichung von Mamma Mia überreden können, der sich zunächst noch dagegen ausgesprochen hatte.S. 312. Auch das Album ABBA konnte im September 1975 in die australischen Albumcharts einsteigen. Am 13. Oktober 1975 erreichte I Do, I Do, I Do, I Do, I Do Platz 1 der Singlecharts; drei Wochen später wurde sie von Mamma Mia abgelöst, die die Spitzenposition für zehn Wochen bis Januar 1976 hielt. Im Anschluss erreichte auch SOS für eine Woche Platz 1. Inzwischen hatte SOS in Großbritannien für zwei Wochen Platz 6 belegt und im Dezember stieg Mamma Mia, das wegen des großen Erfolgs in Australien auch hier und in anderen Ländern als Single veröffentlicht worden war, in die britischen Charts ein.Official Charts Mamma Mia, abgerufen am 1. April 2016.

Verlauf der Abbamania Australien Bereits Ende 1975 hatten die Plattenlabels der Gruppe eine Vielzahl an Anrufen und Fanpost erhalten.S. 330. Am 8. Dezember 1975 erreichte das Album ABBA Platz 1 und hielt die Position für elf Wochen. Es wurde 570.000 Mal verkauft und erhielt 11 Gold-Auszeichnungen. Abgerufen am 2. April 2016.Peter Charley: Horowitz Publications, Januar 1977 (?) Abgerufen am 2. April 2016. Das neue Best-of-Album der Gruppe, das hier unter The Best of ABBA veröffentlicht wurde, stieg im Dezember 1975 in die Charts ein, ebenso eine Neuauflage von Waterloo und einen Monat später Ring Ring. Im Januar 1976 war ABBA mit vier Alben in den Top 100 der Albumcharts sowie drei Singles in den Top 20 der Singlecharts vertreten.S. 314. Trotz der überragenden Präsenz der Gruppe in Radio, Fernsehen und Hitlisten berichteten populäre australische Musikmagazine wie Juke oder RAM vorerst nur sehr zurückhaltend über ABBA, wodurch eine Art Mythos entstand. So kam das Gerücht auf, die vier ABBA-Mitglieder seien lediglich Schauspieler, welche die wahren Musiker ersetzen sollten.S. 313.

Mitte Januar 1976 verhandelten Vertreter der „Reg Grundy Productions“, einer australischen Filmproduktionsgesellschaft, mit dem Manager Stig Anderson über eine ABBA-Fernsehshow. Die Firma zahlte 10.000 australische Dollar für ein TV-Special in der Pop-Show Bandstand, das angelehnt an die gerade veröffentlichte LP „The Best of ABBA“ heißen sollte. Der bevorstehende Aufenthalt der Gruppe in Australien wurde in nahezu sämtlichen Zeitungen des Landes angekündigt, beispielsweise schrieb der Daily Mirror im Februar 1976: „ABBA, die heißeste Popgruppe der Welt, wird im nächsten Monat in Australien ein einstündiges Bandstand-Special geben“ und eine andere Zeitung bezeichnete das Land als „ABBAustralia“. Als die Gruppe am 4. März 1976 in Sydney landete, hatte sich eine Menge begeisterter Fans am Flughafen versammelt. Fortan war ABBA auch in vielen australischen Musikmagazinen von Interesse, die versuchten, persönliche Details über die vier Mitglieder herauszufinden und die Gruppe in den Schlagzeilen führten, während in allen Nachrichtensendungen über ihre Ankunft berichtet wurde.S. 332. Bei der Pressekonferenz am 5. März 1976 im Sydney Hilton Hotel waren laut Zeitungsberichten so viele Journalisten anwesend wie bei keiner anderen Veranstaltung in Australien zuvor.Billboard Magazine Ausgabe vom 8. September 1979, abgerufen am 2. April 2016.

Am 8. März 1976 kam die Gruppe in Melbourne an, wo ebenfalls zahlreiche Fans mit Bannern am Flughafen warteten. Die Mitglieder wurden unter Polizeischutz zum Hotel gebracht, das solchermaßen von Fans belagert wurde, dass sie durch die Garage nach draußen geschleust werden mussten, um in das Fernsehstudio zu gelangen.S. 333. Im Anschluss reiste ABBA zurück nach Sydney, um in weiteren Fernsehshows aufzutreten sowie das TV-Special „The Best of ABBA“ aufzuzeichnen. Zusätzlich wurde bereits das Musikvideo zur neuen Single Fernando ausgestrahlt und unzählige Male wiederholt. Zwei Tage nach der Abreise von ABBA am 13. März 1976 stieg die Single in die Charts ein. Als das Fernsehspecial am 20. März 1976 auf Channel 9 ausgestrahlt wurde, verzeichnete der Sender eine Einschaltquote von 54 Prozent – ein Rekord, der sogar die Quote der Mondlandung 1969 übertraf.S. 334. Folglich wurde „The Best of ABBA“ eine Woche später wiederholt und erreichte hierbei sogar 58 Prozent Einschaltquote.S. 184. Die Lizenzrechte an der Show wurden in 20 Länder verkauft, u. a. als erste Fernsehsendung in Farbe nach Italien.S. 335–336.

In den Wochen nach der Promotion-Reise stieg die Popularität von ABBA in Australien noch weiter. Die LP The Best of ABBA erreichte am 29. März 1976 Platz 1 der Albumcharts und hielt diesen 16 Wochen hintereinander. Sie erzielte 20-fach Gold und wurde über 1,1 Millionen Mal verkauft. Andere Quellen geben 1,25 Millionen verkaufte Exemplare an.The ABBA Phenomenon Introduction, abgerufen am 2. April 2016. Um der immensen Nachfrage gerecht zu werden, wurden die Presswerke fast aller australischer Plattenlabels beauftragt. Es hieß, jeder vierte Haushalt in Australien besäße ein Exemplar dieses Albums. Ab 5. April 1976 stand Fernando für 14 Wochen an der Chartspitze, womit der Rekord der Beatles gebrochen wurde, die 1968 mit Hey Jude 13 Wochen lang die Spitzenposition gehalten hatten. Fernando wurde zur erfolgreichsten Single des Jahres, erhielt 25 Gold-Auszeichnungen und verkaufte sich rund 400.000 Mal. Zeitungen und Magazine berichteten nun permanent von der Gruppe, widmeten ihr Titelstorys und Artikel mit Fotostrecken und Interviews. Laut Reportern stammte jeder dritte Titel, der zu dieser Zeit im Radio gespielt wurde, von ABBA. „Reg Grundy Productions“ erwarb von Stig Anderson die Merchandising-Rechte für ABBA und stellte im Laufe des Jahres 20 Lizenzen an Merchandising-Produzenten aus.

Im Zuge der Erfolgswelle erreichten die Singles Ring Ring Platz 7, Hasta Mañana Platz 16 und Rock Me Platz 4. Im April 1976 zog der Kent Music Report Vergleiche zwischen ABBA und der Beatlemania aus dem Jahr 1964 und merkte an, dass seit den Beatles keine andere Band in Australien derartige Charterfolge innerhalb einer 12-Monats-Periode gehabt hatte. Die TV Week titelte in einer Ausgabe: „Abbamania größer als die Beatlemania.“Ian Meldrum: ABBAMANIA BIGGER THAN BEATLEMANIA Artikel in TV Week vom 17. April 1976, abgerufen am 4. April 2016. Im Juni 1976 befanden sich vier Alben und fünf Singles von ABBA in den Charts, wobei die Gruppe 14 Wochen lang die Spitzenposition der Single- und Albumcharts gleichzeitig innehatte. Mitte 1976 schloss die Gruppe einen Vertrag mit dem Elektro-Hersteller National. ABBA wurde als Testimonial für eine Reihe von Werbespots sowie eine Vielzahl an weiteren Werbemitteln eingesetzt, als musikalische Begleitung der Spots wurde ein Werbetext zur Melodie von Fernando geschrieben. Abgerufen am 2. April 2016. Mit den daraus erwirtschafteten Einnahmen von rund 1 Million AUD plante Stig Anderson, die bevorstehende Konzerttournee von ABBA zu finanzieren.S. 383. Die am 16. August 1976 herausgegebene neue Single Dancing Queen war über 50.000 Mal vorbestellt und stieg sofort in die Charts ein. Sie blieb acht Wochen an der Spitze und erhielt 20-fach Gold für mehr als 300.000 verkaufte Stück.