mini|Pfarr- und Klosterkirche St. Johannes Evangelist von Nordosten mini|Romanische Doppelturmfassade mit barockem Polygonvorbau Die römisch-katholische Pfarr- und Klosterkirche St. Johannes Evangelist in Mallersdorf, einem Ortsteil des Marktes Mallersdorf-Pfaffenberg im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen, ist ein zum Kloster Mallersdorf gehörendes Kirchengebäude. Sie war bis zur Säkularisation im Jahr 1803 Abteikirche der Benediktiner und ist seither im Besitz des Freistaats Bayern. Seit 1869 wird sie als Klosterkirche von den Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie genutzt, seit 1921 auch als Pfarrkirche für den Ort Mallersdorf mit Ettersdorf, Ried und Seethal. Sie bildet zusammen mit der Kirche Mariä Opferung (Westen) die Pfarreiengemeinschaft Mallersdorf-Westen im Bistum Regensburg.

Lage Die Kirche befindet sich auf innerhalb des Klosterkomplexes von Mallersdorf, der auf einer Anhöhe rund 30 Meter oberhalb des Kleinen Labertals liegt. Vor allem durch seine beiden quadratischen Türme mit Pyramidendach ist das Gotteshaus weithin erkennbar.

Geschichte Bereits im Jahr 1109, also zwei Jahre nach Gründung des Benediktinerklosters, soll nach einer spätmittelalterlichen Überlieferung eine erste Kirche geweiht worden sein. Dieses sogenannte Alte Münster, das sich westlich der heutigen Kirche befand, wurde 1759 abgebrochen.Soffner-Loibl, S. 2–4.

An der Stelle der heutigen Kirche wurde bereits im 12. Jahrhundert ein Neubau errichtet, der 1177 geweiht wurde. Dieser wurde Mitte des 13. Jahrhunderts im spätromanischen Stil wesentlich umgebaut und im Jahr 1265 neu geweiht. Dabei handelte es sich nach heutigem Kenntnisstand um eine dreischiffige Basilika ohne Querhaus. Deren Doppelturmfront mit dem Westportal ist weitgehend erhalten, auch das Langhaus dürfte im Kern auf diesen Bau zurückgehen. In den Jahren 1460 bis 1463 wurde der geräumige spätgotische Chor errichtet, der heute noch Bestand hat. Ab 1613 erfolgte die Umgestaltung zu der heutigen Form der Wandpfeilerkirche. Ursprünglich eingebaute seitliche Emporen wurden allerdings im 18. Jahrhundert entfernt. Um 1670 erfolgte eine Neuausstattung im Barockstil, von der die (später umgestaltete) Kanzel, das Kirchengestühl und die Kreuzgangstür erhalten sind.

Ab 1740 erfolgte unter Abt Heinrich VI. Widmann eine Umgestaltung im Stil des Rokoko. Dabei wurden von einem unbekannten Baumeister folgende Maßnahmen vorgenommen: An das Westportal wurde ein Polygonvorbau angefügt, der spätgotische Chor wurde erhöht und erhielt eine halbrunde Apsis als Abschluss. Im Vordergrund steht allerdings die durchgreifende Umgestaltung des Innenraums, an der zahlreiche namhafte Künstler wie Christian Jorhan der Ältere, Mathias Obermayr, Ignaz Günther oder Anton Bayr beteiligt waren. Die Arbeiten konnten bis zum Tod des Abtes 1758 bei Weitem nicht abgeschlossen werden. Die Fertigstellung und die Weihe erfolgten erst unter dem übernächsten Abt Gregor Schwab im Jahr 1792. Bei der letzten größeren Renovierungsmaßnahme in den Jahren 1972 bis 1975 wurde die im 19. Jahrhundert teils veränderte Ausstattung wieder weitgehend in ihre originale Fassung zurückgeführt.

Die Seelsorge für die Bevölkerung Mallersdorfs übernahmen bis zur Säkularisation des Klosters 1803 die Benediktiner. Von diesem Zeitpunkt an erfolgte die seelsorgerische Betreuung durch den Kooperator der Pfarrei Westen, ab 1869 mit Unterstützung durch den Superior des neu eingerichteten Klosters der Armen Franziskanerinnen. Infolge der wachsenden Bevölkerungszahl und der höheren Auslastung des Superiors wurde 1914 zunächst der Wohnsitz des Kooperators nach Mallersdorf verlegt, am 14. August 1921 schließlich eine eigene Pfarrei eingerichtet.Geschichte der Pfarrei St. Johannes in Mallersdorf. Online auf pfarrei-mallersdorf.de. Abgerufen am 29. März 2016.

Beschreibung mini|Spätromanisches Westportal mini|Kapitelle mit Ornamenten am Westportal

= Architektur Außenbau Die Außenmauern der Kirche mit Rundbogenfenstern sind bis auf die schlanken Strebepfeiler am Chor weitgehend ungegliedert. Die Doppelturmfassade im Westen, die zugleich die Schauseite zur Klosterbergstraße hin bildet, ist dagegen wesentlich aufwändiger gestaltet. Die beiden fünfgeschossigen Türme im spätromanischen Stil besitzen je ein eher flaches Pyramidendach mit einem aufwändig gestalteten Kreuz auf der Spitze. Sie werden in den unteren vier Geschossen durch große Rundbogenblenden gegliedert, im obersten Geschoss durch Rechteckblenden, die mit einem Rundbogenfries abschließen. Die oberen drei Geschosse des Nordturmes, die man im späten Mittelalter abgetragen hatte, wurden im 17. oder 18. Jahrhundert in formaler Angleichung an den Südturm neu erbaut. Verbunden sind beide Türme durch einen ab 1740 errichteten Mittelteil im Barockstil, der oben von einem Volutengiebel mit einer Plastik des Kirchenpatrons Johannes abgeschlossen wird. Darunter befindet sich ein aus der Flucht der beiden Türme hervortretender polygonaler Anbau mit einer glockenförmigen Haube, der durch Rundbogenfenster und Pilaster an den Ecken gegliedert ist. Er enthält das spätromanische Westportal aus Kalkstein der 1265 geweihten Kirche, das stilistische Verbindungen zum Portal der Schottenkirche St. Jakob in Regensburg (um 1200) aufweist. Unklar ist, ob das Portal vor dem barocken Umbau bereits in einen Vorbau integriert war oder sich in der Flucht der Turmfassaden befand. Es besteht aus einem dreifach abgetreppten Gewände, das mit Dreiviertelsäulen besetzt ist. Diese setzen sich oberhalb der Kapitelle fort und schließen in einem Rundbogen, der wiederum von einem Rundbogenfries gerahmt wird. Das Tympanon ist verhältnismäßig einfach gestaltet und zeigt ein gleichschenkliges Kreuz mit Lilien und Rosetten. In der Kapitellzone sind verschiedene Ornamente, Menschen- und Tiergestalten zu sehen, über deren Symbolgehalt nichts Genaueres bekannt ist.Soffner-Loibl, S. 4–6.

Innenraum Beim Betreten der Kirche durch das Westportal gelangt man durch den barocken Vorbau in den Zwischenraum der beiden Türme, der von der Orgelempore überdeckt wird. Hier trennt ein mit Spiralen und Rosetten aufwändig gestaltetes Gitter aus der Zeit um 1720 die Vorhalle vom Langhaus. Dieses ist als Wandpfeilersaal süddeutschen Typus' ausgebildet. An den Längsseiten des Wandpfeilersaals befinden sich je vier Abseiten, die von flachen Quertonnen gedeckt werden. An den Wandpfeilerstirnen und -flanken sind schlanke Pilaster gestellt. Jeder der Kapellenräume ist mit einem Seitenaltar ausgestattet. Zwischen den Wandpfeilern befanden sich ursprünglich Emporen. Überspannt wird der Innenraum von einem abgeflachten Tonnengewölbe mit Stichkappen. An das Langhaus schließt sich der eingezogene, um sieben Stufen höher liegende Altarraum an, der drei Joche und einen halbrunden Chorschluss umfasst. Er wird ebenfalls von einer Stichkappentonne überwölbt, die hier allerdings auf wesentlich flacheren Pilastern ruht.

Fresken und Stuck mini|Innenraum im Stil des Rokoko Die Kirche ist reich mit Fresken und Stuck im Rokokostil ausgestattet. Die Ausstattung des Chorraumes wird dabei auf 1747 datiert, während das große Langhausfresko erst 1776 entstand. Letzteres ist gegenüber der Gestaltung des Chores im Hinblick auf die Farbigkeit deutlich zurückhaltender. Auch die Bildaufteilung des Langhausfreskos weist bereits auf die beginnende Epoche des Klassizismus hin.Soffner-Loibl, S. 7–9.

Das längsovale, geschweift gerahmte Deckenfresko im Chorraum stammt von Johann Adam Schöpf, der es 1747 in der Anfangsphase des Kirchenumbaus geschaffen hat. Inhaltlich ist es zweigeteilt: es zeigt auf der einen Seite die Vision des Kirchenpatrons Johannes auf Patmos aus der Geheimen Offenbarung, auf der anderen Seite das segensreiche Wirken des Benediktinerordens auf den vier damals bekannten Erdteilen. Im Zentrum ist Gott Vater zu sehen, vor seinem Thron die 24 Ältesten und das Lamm mit dem Buch mit den sieben Siegeln. Darunter schwebt Johannes auf einer Wolkenbank mit seinem Symboltier, dem Adler. Das Hauptfresko wird umrahmt von acht Ton-in-Ton gemalten Medaillons in den Gewölbestichkappen, die sich ebenfalls auf den Kirchenpatron Johannes beziehen. Auch das Fresko im Scheitel des Chorbogens stammt von Schöpf. Darauf ist das Kloster Mallersdorf mit den beiden Stiftern Heinrich und Ernst von Kirchberg dargestellt.

Der Stuck im Altarraum konzentriert sich vor allem auf den Gewölbebereich und die Fensterlaibungen. Er stammt von dem Straubinger Bildhauer und Stuckateur Mathias Obermayr. Dargestellt sind Ranken, Band- und Muschelwerk; diese werden durch Frucht- und Blumenkörbe, Putten und Vasen nach Delfter Art aufgelockert. Der Werkstatt Obermayr werden auch die beiden weiß-golden gefassten Oratorien an den Seitenwänden des Altarraumes zugerechnet. Sie bestehen aus einem stuckierten Korpus und einem fein geschnitzten Gitter mit Vasenaufsätzen.

Das monumentale Deckenfresko im Kirchenschiff, das fast die gesamte Langhauswölbung ausfüllt, entstand 1776 durch den steirischen Maler Matthias Schiffer. Das östliche Drittel des Bildes zeigt die Weigerung des Kirchenpatrons Johannes, Götzendienst zu verrichten. Im Vordergrund steht bereits der befeuerte Kessel für die anschließende Ölmarter des Heiligen bereit. Die Szene findet vor einer Architekturkulisse statt, die als Porta Latina in Rom bezeichnet wird. Den größten Teil des Bildes nimmt ein von Engeln bevölkerter Himmel ein.

Altäre mini|Chorraum mit dem Hochaltar von Ignaz Günther mini|Barocke Gestühlswangen aus der Zeit um 1670 mini|Kanzel mini|Prospekt der Orgel von Anton Bayr Der Hochaltar gilt als eines der Hauptwerke des Rokoko-Bildhauers Ignaz Günther. Der gewölbte Aufbau mit vier hellgrau-rötlich marmorierten Säulen enthält ein 1749 gemaltes Altarblatt von Martin Speer, das den Evangelisten Johannes auf Patmos zeigt, wie er Blitze auf am Boden liegende Ungläubige schleudert. Es wird von zwei Figuren je Seite flankiert: links der hl. Kaiser Heinrich II. und der hl. Benedikt, rechts die hl. Scholastika und die hl. Kunigunde. Im Altarauszug hat Günther den zentralen Teil der johanneischen Vision, die Apokalypse, plastisch dargestellt. Im Zentrum steht die geflügelte Apokalyptische Frau als Sinnbild für die gesamte Kirche, die vor dem siebenköpfigen Drachen flüchtet. Schräg über ihr befindet sich der Erzengel Michael mit Flammenschwert, der im Begriff ist, den Drachen niederzuringen. Im Hintergrund befinden sich eine große goldene Sonne und mehrere von Putten besetzte Wolken. Die Figuren sind wie große Teile der übrigen Kirchenausstattung weiß-golden gefasst, die Drache hingegen olivgrün mit Goldverzierungen.Soffner-Loibl, S. 10–18.

Aus der Ferne verschmilzt dieser an der Rückwand des Chores liegende Hochaltar mit dem Sakramentsaltar von Mathias Obermayr, der sich etwa in der Mitte des Chorraumes befindet. Dazwischen lag einst der Mönchschor der Benediktiner. Der Sakramentsaltar besteht aus der Mensa und dem Tabernakel, dessen vergoldete Tür ein Relief des Letzten Abendmahles zeigt. Darüber befindet sich die von Engeln flankierte Expositionsnische, der Aufbau wird von einem golden gefassten Kruzifix bekrönt. Ein beidseitiger, symmetrischer Aufbau mit Voluten, auf denen Engel das Allerheiligste anbeten, leitet zu den Türen zum Mönchschor über. Diese reich verzierten Portale mit den Aufschriften „Vita bonis“ (links) und „Mors malis“ (rechts) sind ebenfalls von weiß-golden gefassten Engelsfiguren bekrönt. Sie werden von biblischen Figuren der Propheten Jesaja und Zacharias (außen) sowie der Priester Aaron und Melchisedek flankiert.