mini|G. Wălkowitsch, Datierung unbekannt

Georgi Tschalakow Walkowitsch (auch als Georgi Tschalăkow, Georgi Tschalăkow Wălkowitsch, Georgi Cholakov und Georgi Wălkowitsch Tschalăkow in der Literatur zu finden, geboren ; * 1833 in Adrianopel, Osmanisches Reich, heute Edirne in der Türkei; † 14. Februar 1892 in Konstantinopel, Osmanisches Reich) war ein bulgarisch-osmanischer Arzt, Kaymakam von Damaskus sowie bulgarischer Diplomat, Politiker der bulgarischen Konservativen Partei sowie Staatsmann in den Jahren des bulgarischen Staatsaufbaus. Von 1881 bis 1883 war er in zwei aufeinander folgenden Regierungen Außenminister Bulgariens.

Leben Familie und Kindheit Georgi selbst wurde am 6. September 1833 im ostthrakischen Adrianopel geboren. Er war der dritte Sohn von Walko Kurtowitsch Tschalakow auch genannt Walko – der Jüngere und Elisaweta Chadschikostowa Politoglu aus Samokow und hatte drei Schwestern. Beide Eltern stammen von wohlhabenden Familien mit Einfluss in der bulgarischen Gemeinschaft und bei den osmanischen Autoritäten, die sich im Laufe des 17. Jahrhunderts in der größten thrakischen Stadt Plowdiw niederließen.Aleka Strezowa: Der Letzter seiner Zeit: Dr. Georgi Wălkowitsch, S. 25–26 Georgi Wălkowitschs Vater, Walko Tschalăkows, entstammte der weitverzweigten und einflussreichen Familie Tschalăkow aus Kopriwschtiza. Teil der Familie angeführt von Georgis Großvater, Kurt Chadschi Wălkowitsch Tschalăkow, ließ sich nach den Ḳırcalı-Überfällen auf Kopriwschtiza von 1793 in Plowdiw nieder. Andreas Lyberatos: Men of the sultan: the beglik sheep tax collection system and the rise of a Bulgarian national bourgeoisie in nineteenth-century Plovdiv, S. 60 Ein weiterer Teil der Familie siedelte sich in Adrianopel und Didymoticho nieder und erwarb dort große Ländereien, welche für die Viehzucht der Familie genutzt wurden.

Die Tschalăkows stützten sich bei ihre Verbindungen auf ihren Einfluss bei den Osmanen und unterstützen den bulgarischen Kampf gegen das griechisch dominierte Patriarchat von Konstantinopel und den griechischen Nationalismus während der Zeit der bulgarischen Aufklärung und führten diesen in Plowdiw an. Durch ihre finanzielle und politische Unterstützung wurden die ersten modernen, bulgarischen Klassenschulen in Plowdiw und Adrianopel errichtet und Kirchen sowie Klöster wiederhergestellt.Iwan Geschow: Erinnerungen an Kämpfe und Siege (aus dem Bulg. Спомени из години на борби и победи), Verlag Синева, Sofia, Neuauflage 2008, ISBN 978-954-9983-74-6. S. 16Gunnar Hering: Der Konflikt des Ökumenischen Patriarchats und des bulgarischen Exarchats mit der Pforte 1890. (1988) in: Südost-Forschungen 47 (1988) S. 187–208 Die während der Herrschaft Sultan Mahmuds II. zwischen den Tschalăkows, vor allem Wălko Tschalăkow - der Ältere und dem osmanischen Staat entstandenen engen Beziehungen des Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung wurden von fast allen Zweigen der Großfamilie weiter gepflegt. Mehrere ihrer Mitglieder bekleideten in der Zeit des Tanzimats wichtige Posten in der Provinz- und Zentralverwaltung: Georgi Stoyanowich Chaloglou war Mitglied des Staatsrates (Şura-yı Devlet) (1868–72), Joakim Gruew war stellvertretender Gouverneur (muavin) des Plowdiw Sancaks (1868–70) und Stojan Tschomakow bekleidete mehrere hohe Posten in der osmanischen Verwaltung.Andreas Lyberatos: Men of the sultan: the beglik sheep tax collection system and the rise of a Bulgarian national bourgeoisie in nineteenth-century Plovdiv, S. 84

Über die Schwester seiner Mutter, Christijanija, war Georgi wiederum mit dem Maler Dimitar Sograf verwandt, dessen Ehefrau sie war. Beispiel für die Verflechtung dieser Familien sind die Kirchen Sweta Nedelja und Hl. Konstantin und Elena in Plowdiw. So wurde mit Hilfe von Georgis Vater ein Sultandekret (Ferman) für die Renovierung der Kirchen erlassen und diese vor allem von der Familie Tschalakow finanziell getragen; ihre Ausmahlung übernahmen die Maler der Familie Sograf, Dimitar vor allem Sachari Sograf.Aleka Strezowa: Der Letzter seiner Zeit: Dr. Georgi Wălkowitsch, S. 32

Medizinische Ausbildung und erste Periode in Zarigrad Georgi Walkowitsch besuchte die von seinem Vater errichtete bulgarische Schule in Plowdiw und sollte nach dem Willen der Familie ein Studium im Russischen Zarenreich aufnehmen. So ist aus der Korrespondenz zwischen seiner Schwester Fani und seinem Bruder Atanas zu entnehmen, dass Georgi im Juli 1848 nach Moskau reiste. Aus demselben Jahr ist jedoch bekannt, dass Georgi bereits für ein Medizinstudium an der Sultansschule für Medizin (Tıbhane-i Amire/Cerrahane-i Mamure) in der osmanischen Hauptstadt Zarigrad/Konstantinopel eingeschrieben war.Aleka Strezowa: Der Letzter seiner Zeit: Dr. Georgi Wălkowitsch, S. 45–48 Die Motive, wieso er sich gegen Moskau und für Zarigrad entschieden hat, sind nicht überliefert. Da aber Georgi Wălkowitsch an der Schule als Kandidat des griechischen (rum) Milet angenommen war, was nur mit der Unterstützung einer einflussreichen Person (Bey oder Pascha) möglich gewesen war, ist es naheliegend, dass jemand auf seine Entscheidung Einfluss genommen hat.

Die Tıbhane-i Âmire war eine medizinische Schule im osmanischen Reich, die Chirurgen für den Einsatz in der Armee ausbildete. Sie wurde 1827 von Sultan Mahmud II. als Teil seiner Modernisierungsanstrengungen gegründet und war im Reich die erste medizinische Schule im westlichen Sinne und nach französischem Vorbild. Der Unterricht befand sich zunächst im Tulumbacıbaşı-Herrenhaus im Stadtteil Şehzadebaşı, und der Lehrplan wurde von ähnlichen Schulen in Wien und Paris übernommen. Die medizinische Ausbildung dauerte vier Jahre, und im letzten Jahr wurden diejenigen, die geschickt und begabt waren, von den Lehrern identifiziert, und diejenigen, die erfolgreich waren, in Lazaretten oder Bataillonsregimentern der Armee mit dem Titel eines Assistenzarztes und dem Dienstgrad eines Majors (Binbaşı) eingesetzt. Nachdem sie für zwei weitere Jahre unter der Aufsicht eines Arztes an der medizinischen Fakultät gearbeitet und Erfahrungen gesammelt hatten, wurden sie zu selbständigen Ärzten. An der Schule stand für Georgi neben Medizin noch Französisch, Geographie, Algebra, Geometrie, Chemie und Botanik auf dem Lehrplan, und er beendete das vierte Lehrjahr mit Auszeichnung. Während seiner Studienzeit verkehrte Georgi in den bulgarischen revolutionären Kreisen in der osmanischen Hauptstadt und war Teil der so genannten »Geheimen Vereinigung der wahren Freunde« (aus dem Bulg.Тайна дружина на верните приятели).

Als 1853 der Krimkrieg ausbrach und die Schule in den Stadtteil Kumbarhane verlegt wurde, wurde Georgi in den französischen Lazaretten in Konstantinopel eingesetzt und konnte sich dort als Chirurg beweisen. Im Sommer 1855 begleitete er als Militärarzt einen Verwundetentransport der französischen Armee nach Marseille. Als der Krieg sein Ende fand, setzte Georgi seinen Unterricht in Kumbarhane fort. Er diplomierte sich als Doktor der Medizin und erhielt den Dienstgrad Binbaşı am 26. Dezember 1856. Am 10. März des darauffolgenden Jahres wurde Walkowitsch an der Tıbhane-i Âmire als Lehrkraft, Doktor für Medizin und Chirurgie eingestellt. Im Juni des gleichen Jahres übernahm er die Leitung der Klinik Cerrahane-i Mamure, die an die Medizinschule angegliedert war. Er arbeitete dabei zunächst unter der fachlichen Aufsicht von Constantin Carathéodory.siehe Constantinos Caratheodory (1802–1879) Im März des darauffolgenden Jahres wechselte er wegen der hohen Arbeitsbelastung in der Klinik im Stadtteil Tarabya. Wegen seiner Professionalität wurde ihm am 1. Juni 1859 mit dem mazbata die Erlaubnis verliehen, in allen Krankenhäusern der osmanischen Hauptstadt zu arbeiten. Im März 1860 nahm Walkowitsch an der Musterung der osmanischen Armee im kleinasiatischen Sandschak Menteşe (heute Provinz Muğla in der Türkei) teil.

Als Absolvent einer osmanischen Eliteschule hatte Walkowitsch zudem ein Recht auf ein Stipendium für eine Weiterbildung an einer westlichen Universität. Er entschied sich, sich im Fach Chirurgie in der französischen Hauptstadt Paris weiterzubilden, und wurde dabei finanziell von der osmanischen Regierung sowie seiner Schwester Teofana unterstützt. So reiste er Ende Januar 1861 über Marseille nach Paris und ließ sich zunächst im Hotel Corneille nieder. Während des Schuljahres 1861/62 wohnte er zusammen mit Pantelej Mintshowitsch (ebenfalls Absolvent der Tıbhane-i Âmire und nach der Befreiung Bulgariens Gouverneur von Warna, einer der Gründer der Konservativen Partei und Vorsitzender des Bulgarischen Roten Kreuzes).Aleka Strezowa: Der Letzter seiner Zeit: Dr. Georgi Wălkowitsch, S. 49–51 In der französischen Hauptstadt traf er auf einen seiner Weggefährten in seinem letzten Lebensabschnitt, Grigor Natschowitsch, und verkehrte in den Kreisen des Aufklärers Petǎr Beron.Карадечева, Мария (Karadetschewa, Maria): 120 години от смъртта на д-р Георги Вълкович – лекар, политически деец и дипломат (120 Jahre seit dem Tod Dr. Georgi Wălkowitschs – Arzt, politischer Führer und Diplomat) auf der Webseite des Historischen Museums Plowdiw, abgerufen am 27. März 2016. Georgi stand in dieser Zeit in regem Briefwechsel mit dem Revolutionär und Verleger Georgi Rakowski sowie einer der Verbreiter seiner Zeitung Donau-Schwan in Paris. Als Rakowski 1862 im serbischen Belgrad die Erste Bulgarische Legion ins Leben rief, schlug Walkowitsch im August in einem Brief vor, bei einem möglichen Krieg mit dem osmanischen Reich sich und zwei russische Offiziere aus Paris in den Dienst der Legion zu stellen. Dieser Brief und die Tatsache, dass Walkowitsch im Herbst London besuchte, bringen einige Forscher dazu, ihn als das Bindegliedin den Memoiren von Bakunin wird ein namenloser bulgarischer Arzt aus der osmanischen Marine erwähnt zwischen dem bulgarischen Befreiungskampf und den russischen Revolutionären im Exil um Alexander Herzen und Michail Bakunin zu sehen.Aleka Strezowa: Der Letzter seiner Zeit: Dr. Georgi Wălkowitsch, S. 54

Karriere in Zeiten des Tanzimats Als westlicher Absolvent, wurde Walkowitsch nach seiner Rückkehr ins Osmanische Reich 1864 in das neugeschaffene Vilâyet Syrien, Damaskus beordert. Dabei war er Chefarzt des Zentralkrankenhauses in Damaskus. Aufgrund seines militärischen Ranges und seines zugewiesenen Platzes in der Zivilhierarchie, wo er als Bindeglied zwischen verschiedenen Ebenen der Provinzregierung fungierte, gehörte er zum Provinzelite. Es befreundete sich mit dem algerischen Freiheitskämpfer und Gelehrten Abd el-Kader. Machte die Bekanntschaft des französischen, englischen und italienischen Konsul, die später eine zentrale Rolle bei der Okkupation Tunesiens durch Frankreich spielten. Darüber hinaus befreundete er sich mit dem Provinzgouverneur Mehmed Rashid Pashasiehe hier den Artikel Mehmed Rashid Pasha in der englischsprachigen Wikipedia, beide entstammten aus Trakien und beide hatten in Paris studiert.Leila Hudson: Transforming Damascus: Space and Modernity in an Islamic City, New York: Tauris Academic Studies, 2008, S. 23–25, ISBN 978-1-84511-579-1Aleka Strezowa: Der Letzter seiner Zeit: Dr. Georgi Wălkowitsch, S. 71, 74