Sosthène „Ben“ Carré (* 5. Dezember 1883 in Paris, Frankreich; † 28. Mai 1978 in Santa Monica, Kalifornien, Vereinigte Staaten) war ein französisch-amerikanischer Filmarchitekt, Filmkulissenmaler und Pionier des US-amerikanischen Kinos.

Leben und Wirken Sosthène, genannt „Ben“, Carré ließ sich am Atelier Amable seiner Heimatstadt Paris zum Maler ausbilden. Anschließend wurde er als Bühnenbildner und Kulissenmaler an den wichtigsten Bühnen der französischen Hauptstadt, der Comédie-Française und der Pariser Oper, eingestellt. Schon im Jahr 1906 knüpfte Sosthène Carré seinen ersten Kontakt zur zu diesem Zeitpunkt kaum entwickelten Kinematographie. Sowohl die Gaumont als auch die Pathé, die bedeutendsten Produktionsfirmen jener Zeit, stellten ihn als Ausstatter ein.

Im Jahr 1912 wanderte Carré in die USA aus und tauschte seinen Vornamen Sosthène gegen den für amerikanische Zungen leichter auszusprechenden Vornamen „Ben“ aus. Für die französischen Éclair-Studios in New Jersey entwarf Ben Carré eine Fülle von Unterhaltungsproduktionen, meist unter der Regie seines Landsmannes Maurice Tourneur. 1919 wurde Carré amerikanischer Staatsbürger. Zum selben Zeitpunkt endete seine Zusammenarbeit mit Tourneur. Nunmehr in Hollywood ansässig, gelangen Carré in den 1920er Jahren seine größten Erfolge. Mit Filmen wie Rupert Julians Gruselklassiker Das Phantom der Oper und den Kostümstoffen Don Juan (mit John Barrymore) und Die eiserne Maske (mit Douglas Fairbanks) erlebte Carré in den 1920er Jahren die Blütezeit seines Filmschaffens. 1927 ließ man ihn auch den offiziell ersten Tonfilm der Kinogeschichte, Der Jazzsänger, ausstatten.

Trotz seiner wichtigen Leistungen bei zentralen Filmproduktionen in der ausgehenden Stummfilmzeit brach Ben Carrés Karriere mit Anbruch der Tonfilm-Ära schlagartig ein. 1937 beendete er seine Filmarchitektenlaufbahn und arbeitete fortan nur noch als Maler. In dieser Funktion lieferte er einige beachtliche Großgemälde für MGM-Musicalklassiker, darunter Das zauberhafte Land (1939), Heimweh nach St. Louis (1944) und Ein Amerikaner in Paris (1950).

Carrés Sohn Lucien Carré, der in Frankreich geblieben war, arbeitete dort gleichfalls als Filmarchitekt.

Filmografie 1907: La course aux potirons 1909: Le Huguenot 1909: La mort de Mozart 1910: Le festin de Balthazar 1911: Aux lions les chrétiens 1912: The Dollar Mark 1914: Mother 1914: The Pit 1915: Alias Jimmy Valentine 1915: The Cub 1915: Camille 1915: Trilby 1915: La vie de Bohème 1916: The Hand of Peril 1916: The Closed Road 1916: The Rail Rider 1916: The Velvet Paw 1917: The Whip 1917: Exile 1917: The Pride of the Claw 1917: Barbary Sheep 1917: The Poor Little Rich Girl 1918: Rose of the World 1918: The Blue Bird 1918: Prunella 1918: Woman 1918: Sporting Life 1919: The Life Line 1919: The Broken Butterfly 1919: Victory 1920: My Lady’s Garter 1921: Bob Hampton of Placer 1922: The Light in the Dark 1922: What Men Fools Are 1923: Wife in Name Only 1924: Die rote Lilie (The Red Lily) 1924: Ein Mädchen aus guten Hause (Tarnish) 1925: Das Phantom der Oper (The Phantom of the Opera) 1925: Das Halsband der Zarin (The Masked Bride) 1925: Das Opfer der Stella Dallas (Stella Dallas) 1925: Die Tänzerin von Moulin-Rouge (The Masked Bride) 1926: Mare Nostrum 1926: Don Juan 1927: Soft Cushions 1927: Die letzten Tage von San Francisco (Old San Francisco) 1927: Der Jazzsänger (The Jazzsinger) 1928: Die rote Tänzerin von Moskau (The Red Dance) 1929: Die eiserne Maske (The Iron Mask) 1929: Unser täglich Brot (City Girl) 1929: Kampfhähne der Liebe (The Cock-Eyed World) 1929: Hilfe Haupttreffer! (Hot For Paris) 1931: Women of All Nations 1931: Charlie Chan – Der Tod ist ein schwarzes Kamel (The Black Camel) 1931: Ritter der weiten Wüste (Riders of the Purple Sage) 1933: Let’s Sing Luck 1935: Das Schiff des Satans (Dante’s Inferno) 1935: Skandal in der Oper (A Night at the Opera) 1936: The Mine With the Iron Door 1936: Great Guy 1937: 23½ Hours Leave

Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A – C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 690.

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