Die Befestigungen der Stadt Salzburg sicherten viele Jahrhunderte lang die alte Residenzstadt und ihre Bewohner. Beiderseits der Salzach führte seit der Zeit der ersten Stadtbefestigung ein geschlossener Ring von Mauern (teilweise auch in Form von senkrecht behauenen Felsen) um die heutige Altstadt, die auch die Festung Hohensalzburg mit einschlossen. Die mit großem zeitlichen Abstand in drei Etappen angelegte Befestigung der Stadt verlor erst 1860 ihre wehrhafte Bedeutung und wurde wenige Jahre später weitgehend abgerissen.
Die erste Stadtbefestigung (11./12. bis 13. Jahrhundert) Die rechtsseitige Altstadt Die erste Stadtmauer der rechtsseitigen Altstadt umschloss nur einen kleinen Bereich um den Brückenkopf der Hauptbrücke. Salzachseitig verlief die Wehrmauer vom Lederertor bis zum Inneren Steintor. Der weitere Verlauf führte von der nördlichen Hauszeile der Lederergasse über den Sauterbogen zur nördlichen Hauszeile des Königsgässchens und von dort zum Ostertor (später Inneres Ostertor) und von dort auf den westlichen Ausläufer des Kapuzinerberges bis zum Trompeterschloss (heute Kirche des Kapuzinerklosters) und von dort über steile Felswände zum Inneren Steintor.
Die linksseitige Altstadt Die Befestigung der linksseitigen Altstadt führte vom Westertor (später Gstättentor oder Schleifertor) und von dort entlang der nördlichen Häuserzeile der Getreidegasse bis zum ältesten Brückentor (vermutlich im heutigen Raum Judengasse 3). Von dort führte der Wehrmauerzug im Bereich der heutigen nordöstlichen Häuserzeile an der Webergasse (Pfeifergasse) zum Kumpfmühltor und von hier weiter zum Nonntaltor. Der Südteil des Mönchsberges und die Festung Hohensalzburg waren ebenfalls in die Stadtbefestigung eingebunden und schlossen so allseitig den Kreis der Stadtmauer auf der linken Salzachseite. Dieser Teil des Mönchsberges wurde damit schon früh zu einem Teil der Altstadt und besaß den Namen „Mönchsbergviertel“ (siehe folgendes Kapitel).
Festungsberg und Mönchsberg mini|140px|Das Freyschlössl, der umgebaute ehemalige Rote Turm Auf dem Nonnberg, dem südlichen Vorberg des Festungsbergs, führte die Wehrmauer steil zum Klosterbereich hinauf und von dort über das Äußere Nonnbergtor weiter zum Hauptschloss (heute Festung Hohensalzburg). Von der Festung führte die Wehrmauer entlang des steilen Südabbruches des Mönchsbergs über die Scharte über ein dort vorhandenes Stadttor und den Roten Turm zu den Türmen des Zwingers im Südwesten des Berges (heute Richterhöhe) sowie von dort weiter zum Raum der Bürgerwehr, wo die Befestigung schon damals den Berg in zwei Teile trennte, um an den steilen Felsabbrüchen direkt oberhalb des Klausentores zu enden.
Erhaltene Teile der Wehranlagen Erhalten sind Reste der Stadtmauer in einzelnen Altstadthäusern (z. B. Keller des Rathauses oder im Sternbräu); erhaltene Wehrtürme auf dem Mönchsberg sind der Rote Turm (heute als Freyschlösschen stark verändert) und der Konstantinturm (verfallen) aus dem späten 13. Jahrhundert sowie weitere Wehrtürme (Abtsturm, Michaelsturm, Josefsturm, Bertoldsturm) aus dem 14. Jahrhundert. Ebenfalls erhalten sind Teile von Wehrmauern nächst dem Benediktinenstift Nonnberg, der Stadtmauerrest im Hof der Häuser Lederergasse 1 und 3 sowie der Wehrmauerteil westlich der Franziskuspforte samt erhaltenen Zinnen (Linzer Gasse 14).
Die zweite Stadtbefestigung (1465 bis 1480) Erweiterungen und Verstärkungen der rechten Altstadtseite mini|Der ehemalige Hexenturm Schon im Verlauf des 14. und 15. Jahrhunderts waren den beiden wichtigen Stadttoren (Ostertor und Steintor) zur besseren Sicherung der Stadt zusätzliche Stadttore vorgestellt worden. Damals wurde wohl bereits auch ein erstes Bergstraßtor auf der Straße nach Bergheim errichtet. Nach 1460 wurde der gesamte Raum zwischen der heutigen Dreifaltigkeitsgasse, der Paris-Lodron-Straße und der Wolf-Dietrich-Straße in die neue Stadtbefestigung eingeschlossen. Als starke Befestigung nach Nordosten zu wurde als Eckturm der Hexenturm erbaut, ein ähnlicher längst abgerissener Turm bestand im Bereich des heutigen Nordtraktes des Lodron’schen Primogeniturpalastes (heute Teil der Universität Mozarteum), der sich als Torturm auch über der damaligen Bergstraße nach Bergheim hin ausdehnte. Als kleines Tor wurde damals das Kotbrückltor (wohl im Bereich des Bruderhofes) angelegt.
Erweiterungen und Verstärkungen der linken Altstadtseite und des Mönchsbergs Im Zuge der zweiten Stadtbefestigung wurde die Stadtmauer im Raum der gesamten Getreidegasse bis etwa Nr. 10 zur Salzach hin versetzt neu errichtet. Eine kleinräumige Erweiterung der Stadtbefestigung erfolgte auch im Umfeld des damals neu errichteten Äußeren Nonntaltores. Die Bürgerwehr wurde damals – zuerst mit zwei starken Türmen versehen – neu errichtet, die nach 1500 zu einer achttürmigen Anlage erweitert wurde.
Erhaltene Teile der Wehranlagen Das Innere (?) Nonntaler Tor im Keller des Hauses Schanzlgasse 14 (heute Landeskindergarten), von dem Teile erhalten sind, wurden von Fürsterzbischof Paris Lodron zuerst verändert, wenig später dann aber aufgelassen. Erhalten blieben auch Reste der Stadtmauer in der Paris-Lodron-Straße, die straßenseitig die hohe Begrenzungsmauer beim Loretokloster bilden. Die Bürgerwehr auf dem Mönchsberg mit doppeltem Mauerzug samt aufgesetzten Wehrgängen (fertiggestellt nach 1500, zwei Türme sind heute verfallen) stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Hier fanden 2005/2006 erste Restaurierungsarbeiten statt, die 2021 fortgesetzt werden.
Die dritte Stadtbefestigung (1620 bis 1645) mini|Salzburg 1644 Sie stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, der weitaus größte Teil auch dieser Wehranlagen der Stadt ist nicht erhalten. Diese nach dem Erbauer Paris Lodron auch Lodron’sche Stadtbefestigung bezeichnete Anlage bestand aus folgenden Teilen:
Die Bollwerke der rechtsseitigen Altstadt Die Bollwerke (auch Bastionen, Schanzen oder Basteien genannt) hießen von West nach Ost: St.-Vital-Bollwerk (heute Kurgarten), St.-Virgil-Bollwerk, St.-Heinrich-Bollwerk, St.-Rupert-Bollwerk und als „halbes Bollwerk“ St.-Sebastian-Bollwerk. Die Ausdehnung der einstigen Bollwerke kann im ringförmigen Verlauf von Franz-Josef-Straße und Auerspergstraße nachempfunden werden. Die Bollwerke besaßen am Rand des Wehrgrabens eine etwa 6 m hohe Wehrmauer (Niederwall), hinter dem sich knapp 1,5 m tiefer der Rondengang befand. Hinter diesem durch alle Bollwerke durchlaufenden, gut 4 m breiten Gang schloss der (samt der gut 1 m hohen Brustwehr auf der Krone des Walles) etwa 7 m hohe obere Erdwall an. Von der Brustwehr-Oberkante bis zum Wehrgrabensohle ergibt sich ein Höhenunterschied von gut 12,5 m.
Der Grundriss der einzelnen Bastionen besaß eine etwa gleichseitig fünfeckige Form. Die Bollwerke (Bastionen) waren durch Mauern und dahinter die Wallanlagen, die Kurtinen (Courtinen), miteinander verbunden. An die Kurtinen schlossen an der Basis (Kehle) die Flanken an; die Spitze des Bollwerks, Saillant genannt, wurde durch die beiden Facen gebildet. An den drei vorderen Eckpunkten der Bollwerkseiten standen jeweils kleine militärische Aussichtstürmchen (Auslug, Gaffe), wie man sie etwa von Kapuzinerberg oder Festung kennt.
Der Wehrgraben seinerseits bestand aus einer ebenen Grundfläche, die in der Nähe der inneren Wallmauer einen umlaufenden 1 m erhöhten Betreuungsweg besaß. In den breiten Wehrgraben eingelassen war der in der Regel mit Wasser gefüllte, gut 1 m tiefe und etwa 10 m breite Wassergraben.
Vorgelagert waren zwischen den Bollwerken vier Ravelins, nämlich das St.-Vital-Ravelin, das St.-Virgil-Ravelin, das St.-Heinrich-Ravelin und das St.-Rupert-Ravelin. Sie wurden der Reihe nach auch Ravelin I bis Ravelin IV genannt.
Vor 1700 befanden sich zudem vor den Bollwerken noch vier Hornwerke, die weit nach Norden und Osten vorragten. Im Westen reichten sie etwa bis zur heutigen Bahnlinie Richtung München. Sie hießen (wie die Bollwerke) St.-Vital-Hornwerk, St.-Virgil-Hornwerk, St.-Heinrich-Hornwerk und St.-Rupert-Hornwerk.
Der Wehrmauerzug vom Lederertor zum Inneren Steintor Die Wasserbastei ließ Paris Lodron im Jahr 1641 südlich des Bollwerkes St. Vital errichten. Der Mauerzug westlich des Schlosses Mirabell führte bis zu einer Bastei, die seit etwa 1700 als Theatergarten genutzt wird. Im Raum des heutigen Stiftungsgebäudes Mozarteum bestand eine weitere nach Nordwesten hin ausgerichtete Bastei. Das Lederertor ragte zur Salzach hin ebenfalls vor, um einen möglichen von Norden kommenden Feind bekämpfen zu können. An den Wehrmauerzug zwischen Lederertor und Hauptbrücke wurden bald nach der Errichtung niedrige Militärbauten angebaut, der Mauerzug trat wenig in Erscheinung. Der Raum zwischen der Hauptbrücke und dem Inneren Steintor war nicht stärker gesichert, hier reichte eine geschlossene Zeile von Bürgerhäusern bis an die Salzach.
Kapuzinerberg Zumindest im Winter ist auf dem Kapuzinerberg der Mauerzug vom Kapuzinerkloster bis zum Franziskischlössl entlang der Südseite des Berges, aber auch der Mauerzug von Klostergarten zur Soldatenstiege nach Norden gut sichtbar. Fürsterzbischof Paris Lodron ließ ihn als über zwei Kilometer langen verwinkelten Mauerzug am Rand des Plateaus errichten. Der Mauerzug im Osten vom Franziskischlössl zum Oberen Gnigler Kavalier ist dagegen nur in kleinsten Resten erhalten. Zwei Kavaliere, der Große und der Kleine Linzertorkavalier im Norden in den steilen Felsen hinein angelegt, sind ebenfalls Teil der Verteidigungsanlagen auf dem Stadtberg. So konnten die von Osten in die Stadt führenden Hauptstraße und die zugehörigen Wehrbauwerke von oben her gut überwacht werden. Der kleine Kavalier war über eine in den Fels gehauene Soldatenstiege vom Linzertor und der dortigen Kaserne aus auf direktem Weg erreichbar. Zwei weitere Kavaliere sind der Untere und der Obere Gnigler Kavalier, die um die Gnigler Schanze in der Talenge zum Neuhauser Schlossberg (Kühberg) hin erbaut wurden, um den Ostabhang des Kapuzinerbergs ausreichend schützen zu können.
Besonders stark gesichert wurden die Basteien über der Steingasse und dem Platzl: Diese Wehrbauten bezogen auch den Garten des Kapuzinerklosters in die Befestigungsanlagen ein. Die Imbergstiege wurde aus der Steingasse und der Prügelweg von der Linzer Gasse mit wehrhaften Torbögen versehen. Zu den Verteidigungsstellungen des Berges gehört auch eine Geschützbastei und ein ursprünglich doppelter Wehrmauerzug mit Ausfalltor (äußerer Wehrmauerzug nicht erhalten) im Osten. Weiters gab es auf dem Kapuzinerberg drei Pulvertürme, eine Rossmühle und nächst einstigen Soldatenunterkünften drei Regenwasser-Zisternen und eine Trinkwasserzisterne (Brunnstube).
Linksseitige Altstadt Nachdem der Mönchberg mit seinen skarpierten Felsen im Westen der linksseitigen Altstadt einen guten Schutz verlieh, war ein ausreichender Schutz der Altstadt zwischen dem Klausentor im Norden und dem Kajetanertor und dem Bollwerk St. Erentrudis im Süden nur salzachseitig erforderlich. Der gesamte Bereich zur Salzach wurde damals militärisch gesichert. Die wesentlichen Teile der Verteidigungsanlagen bis zur Hauptbrücke waren damals: Das Klausentor samt Zugbrücke über den Wehrgraben und Klausenkavalier (heute Humboldt-Terrasse) über dem Tor, der Wehrmauerzug vom Klausentor zur Sternbastei (scherzhaft auch Insel Elba genannt) und daran anschließend die Alte Thürnitz mit dem Fleischtor (Wassertor). Von dort führte ein kurzes Wehrmauerstück zur Hauptbrücke.
Oberhalb der Hauptbrücke führte ein Wehrmauerzug entlang der Salzach zum Antretterhaus. Dort schloss mit Imhofstöckl, Hofbinderstöckl und Zeugwartstöckl im Norden und der Wehrmauer vor dem Spaur’schen und dem Starhemberg’schen Kanonikalhaus im Süden ein Wehrmauerzug um das Michaelstor an. Noch weiter stromaufwärts folgte das ausgedehnte St.-Erentrudis-Bollwerk mit dem Kajetanertor.
Mönchsberg und Festungsberg