Leopold von Verschuer (vollst. Hans Leopold Freiherr v. Verschuer; * 9. April 1961 in Uccle, Belgien) ist ein deutscher Schauspieler, Hörspielsprecher, -regisseur und -autor sowie Theaterregisseur und Übersetzer.
Leben Leopold von Verschuer wuchs als Kind deutscher Eltern in Brüssel auf und besuchte dort das Königliche Konservatorium;Agenturprofil, abgerufen am 25. März 2016. sein Vater Helmut von Verschuer war Europabeamter, sein Großvater Otmar von Verschuer einer der führenden Eugeniker während der NS-Zeit. Seine schauspielerische Laufbahn begann er an Berliner Theatern. Von 1986 bis 1993 arbeitete er am Theater an der Ruhr, mit dem er auf weltweite Tourneen ging. In den Folgejahren war von Verschuer als Schauspieler und Regisseur an einer Vielzahl von Bühnen im In- und Ausland engagiert, in Deutschland unter anderem an den Theatern in Bonn und Freiburg, am Teo Otto Theater in Remscheid, in Berlin am Hebbel-Theater und an den Sophiensælen, am Staatstheater Kassel, am Münchner Residenztheater und dem Grillo-Theater in Essen. In Österreich spielte er am Wiener Volkstheater und dem Tanzquartier sowie dem Steirischen Herbst, in der Schweiz gastierte von Verschuer am Theater Basel, in Zürich am Theater an der Winkelwiese und dem Theater am Neumarkt, ferner am Théâtre Vidy-Lausanne und der Comédie de Genève. Von Verschuer, der akzentfreies Französisch spricht, hatte darüber hinaus Engagements an Bühnen in Frankreich und Portugal. An vielen der genannten Theatern wirkte von Verschuer in der Vergangenheit auch als Regisseur, so anlässlich verschiedener Ur- und deutscher Erstaufführungen., abgerufen am 26. März 2016.
Bekannte Rollen seiner Theaterlaufbahn waren die Titelfiguren in Torquato Tasso von Johann Wolfgang von Goethe, in Molières Don Juan, Julius Caesar von William Shakespeare und Heiner Müllers Hamletmaschine.
Von Verschuer ist auch Übersetzer von Texten aus dem Französischen und ins Französische, und zwar sowohl für die Bühne als auch für Verlage und Hörfunk. Hieraus entwickelten sich intensive Zusammenarbeiten mit den Schriftstellern Valère Novarina, Alvaro García de Zúñiga und seiner späteren Ehefrau Kathrin Röggla. Seine Übersetzungen erscheinen vorwiegend im Alexander Verlag Berlin und im Verlag Matthes & Seitz Berlin. Seit Mai 2025 ist er, gemeinsam mit dem französischen Lyriker Francis Cohen, Herausgeber und Übersetzer der deutsch-französischen Poesiezeitschrift Un bureau sur le Rhin - Ein Büro auf dem Rhein./Edition Änderungsschreiberei, abgerufen am 19. Oktober 2025.
Für den Hörfunk arbeitet von Verschuer seit Mitte der 1990er Jahre in verschiedenen Bereichen, überwiegend als Sprecher und Regisseur, neben seiner Übersetzertätigkeit auch als Bearbeiter (Wort). Seltener sind seine Ausflüge vor die Kamera. Sporadisch ist er seit Mitte 1980er Jahre auf dem Bildschirm zu sehen, unter anderem gastweise in verschiedenen Krimiserien, darunter Tatort, Polizeiruf 110 oder SOKO Wismar, des Weiteren 2024 in dem auf der Berlinale prämierten Kinofilm Ivo von Eva Trobisch/Ivo v. Eva Trobisch, abgerufen am 19. Oktober 2025. und dem 2025 auf der Viennale in Wien präsentierten Experimentalfilm B wie Bartleby von Angela Summereder./B wie Bartleby v. A. Summereder, abgerufen am 19. Oktober 2025. Weiterhin veranstaltet von Verschuer Lesungen und moderiert selber Autorenlesungen oder Gesprächsreihen mit Autoren.
Leopold von Verschuer lebt in Köln und ist verheiratet mit der österreichischen Autorin Kathrin Röggla,K. Kramer: Die Grammatik der Katastrophe. In: Badische Zeitung, Ausgabe vom 8. Oktober 2008. mit der er seit Februar 2024 eine private non-profit-Galerie mit dem Namen Änderungsschreiberei betreibt, wo sie neben Ausstellungen auch monatlich zu Lesungen und Konzerten einladen./Änderungsschreiberei Kunstflur, abgerufen am 19. Oktober 2025.
Filmografie (Auswahl)
Hörspiele Als Sprecher (Auswahl) 1994: Romantisches Konzert – Autor: Daniel Therriault – Regie: Norbert Schaeffer – WDR 1995: Walter Ruttmann: Neue Gestaltung von Tonfilm und Funk. Programm einer photographischen Hörkunst, 1929 – Autor: Jeanpaul Goergen – Regie: Hein Bruehl – WDR 1997: Selten habt ihr mich verstanden – Autor: Ulrich Biermann – Regie: Klaus-Dieter Pittrich – WDR 1997: Bis die kalte Zeit uns frißt. Hommage an Lotte Lenya – Autor: Karl Lippegaus – Regie: Hein Bruehl – DLR/SFB 1998: Wsewolod Pudowkin. Kontrapunkt der visuellen und akustischen Formen – Autor: Jeanpaul Goergen – Regie: Hein Bruehl – WDR 1999: Kennen Sie Frau Zapf? – Autorin: Kerstin Rech – Regie: Hein Bruehl – WDR 1999: Das Echo – Autorin: Minette Walters – Regie: Norbert Schaeffer – WDR 2000: Auf fremdem Terrain – Autorin: Alexandra Marinina – Regie: Klaus Mehrländer – WDR 2000: Bel Ami – Autor: Guy de Maupassant – Regie: Claudia Johanna Leist – WDR 2000: Viegelchen – Autorin: Joke van Leeuwen – Regie: Claudia Johanna Leist – WDR 2001: Der Humboldt-Effekt – Autor und Regie: Daniel Velasco – DLR 2001: Kaspar, Melchior und Balthasar – Autor: Michel Tournier – Regie: Claudia Johanna Leist – WDR 2002: Engel – Autor: Denis Johnson – Regie: Fabian von Freier – WDR 2002: Bier für Frauen – Autorin: Felicia Zeller – Regie: Leonhard Koppelmann – WDR 2003: Die Flügel des Wahns – Autorin: Giovanna Querci Favini – Regie: Jörg Schlüter – WDR 2003: Eine Perlenkette – Autorin: Carole Fréchette – Regie: Annette Kurth – WDR 2006: Paradise Garage – Autor: Steffen Irlinger – Regie: Thomas Wolfertz – WDR 2006: Die Stunde des Metronoms – Autorin: Almut Tina Schmidt – Regie: Susanne Krings – WDR 2007: Monsieur Dudron – Autor: Giorgio de Chirico – Regie: Marianne Wendt – DLR 2007: Die Störenfriede – Autorin: Marion Aubert – Regie: Ulrike Brinkmann – SR/DLR 2009: Ich muss auf einen Sprung weg – Autor und Regie: Jean-Claude Kuner – DLR 2012: Der Bericht des Polizisten – Autor: Georges Simenon – Regie: Uwe Schareck – WDR 2015: Die Landschaft – Autor: Eugen Egner – Regie: Thom Kubli – WDR 2015: creating character/Susan Batson – Autorin und Regie: Marianne Wendt – DLR 2015: "Wir können jeden beliebigen Stein vorübergehend in Gold verwandeln" – Autor und Regie: Carsten Hueck – DLR 2016: Abu Jürgen. Mein Leben mit dem deutschen Botschafter – Autor: Assaf Alassaf – Regie: Julia Tieke – SWR 2021: Gott ist nicht schüchtern – Autorin: Olga Grjasnowa – Regie: Sophie Garke – WDR 2021: Miss Terry – Autorin: Liza Cody – Regie: Petra Feldhoff – WDR 2023: Die andere Frida – Autorinnen: Leticia Milano und Tina Müller – Regie: Claudia Johanna Leist – WDR 2024: Dämonenjäger Ewald Heine – Grusel-Hörspiel-Serie mit 10 Folgen – Autoren: Lars Henriks und Moritz Haase – Regie: Thomas Leutzbach – WDR
Als Regisseur 2009: die alarmbereiten – Autorin: Kathrin Röggla – BR 2012: die unvermeidlichen – Autorin: Kathrin Röggla – BR 2013: Gilsbrod – Autorin: Sabine Bergk – DLR 2014: Lärmkrieg – Autorin: Kathrin Röggla – BR 2016: Normalverdiener – Autorin: Kathrin Röggla – BR 2019: Luna Luna – Autorin: Maren Kames – DLR 2024: Fahrstuhlmusik (Audio-Installation in der Ausstellung 'UTOPIA. Keep on moving') – Autorin: Kathrin Röggla – Akademie der Künste Berlin
Als Sprecher und Regisseur 2008: recherchegespenst – Autorin: Kathrin Röggla – BR 2009: der tsunami-empfänger – Autorin: Kathrin Röggla – BR 2012: NICHT HIER – Autorin: Kathrin Röggla – DLR 2019: Der Elefant im Raum (Audio-Installation) – Autoren: Kathrin Röggla, Eran Schaerf, Mark Lammert – Akademie der Künste Berlin 2020: Bauernkriegspanorama – Autorin: Kathrin Röggla – HR
Als Regisseur und Bearbeiter (Wort) 2010: Loslabern – Autor: Rainald Goetz – BR 2015: Die Tigerin – Autor: Walter Serner – BR 2022: Risiko und Idiotie – Autorin: Monika Rinck – BR 2023: Die Konferenz der Flüsse (6 Teile) – Autoren: Frank M. Raddatz, Denise Reimann – DLR
Als Sprecher, Regisseur und Autor 2011: publikumsberatung (Co-Autorin: Kathrin Röggla) – BR
Als Sprecher und Übersetzer 2002: Das Theater der Ohren – Autor: Valère Novarina – Regie: Hein Bruehl – WDR 2003: Manuel – Autor: Alvaro García de Zúñiga – Regie: Hein Bruehl – WDR 2012: Personalausweis – Autor: Diogène Ntarindwa – Regie: Marguerite Gateau – DLR/SR
Als Übersetzer und Regisseur 2016: Die Rede an die Tiere, Teil 1: Das Tier der Zeit – Autor: Valère Novarina – DLR 2017: Die Rede an die Tiere, Teil 2: Die Unruhe – Autor: Valère Novarina – DLR 2018: Die Rede an die Tiere, Teil 3: 1111 Vögel – Autor: Valère Novarina – DLR 2020: Ausbreitungszone – Autorin: Mariette Navarro – DLR
Als Übersetzer, Regisseur und Bearbeiter (Wort) 2018: Insekten und Einhörner. Der Künstlerbriefwechsel zwischen Jean Dubuffet und Valère Novarina – Autoren: Jean Dubuffet, Valère Novarina – DLR
Als Übersetzer, Sprecher und Regisseur 2011: Dem unbekannten Gott – Autor: Valère Novarina – BR
Auszeichnungen 1999: Theatertransfer 2000: Preis der Stiftung Kunst und Kultur Nordrhein-Westfalen 2001: Bremer Übersetzerpreis für Der rote Ursprung 2002: Preis der Stiftung Kunst und Kultur Nordrhein-Westfalen 2009: Hörspiel des Monats August für die alarmbereiten 2010: Stipendium Atelier Européen de la Traduction 2011: Hörspiel des Monats Januar für publikumsberatung 2013: Stipendium Atelier Européen de la Traduction 2014: Special acknowledgement der Jury des Internationalen Thespis Monolog Festivals, Kiel 2014: Publikumspreis des Primeur-Festivals für französischsprachige Gegenwartsdramatik, Saarbrücken 2016: Hörspiel des Monats Juli für Normalverdiener 2023: Hörspiel des Monats November für Die Konferenz der Flüsse
Übersetzungen Veröffentlichungen Brief an die Schauspieler und Für Louis de Funès, von Valère Novarina. (Brief an die Sch. zus. mit Katja Douvier), Alexander Verlag, Berlin 1998; 2. erw. Aufl. 2007, ISBN 978-3-89581-031-2 (DE Düsseldorfer Schauspielhaus 2006) Das Fleisch des Menschen, (Szene 12 aus La Chair de l'homme) von Valère Novarina. Theater der Zeit, Heft 5, Berlin 1998 Sequenz, von Valère Novarina, in Die Räuber des Strandguts/Les Pilleurs d'épaves. Single Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-932358-03-1 Die eingebildete Operette, von Valère Novarina. Alexander Verlag, Berlin 2001, (DE Theater Rampe Stuttgart 2001), ISBN 3-89581-066-5 Theatre Impossible / Omu, von Alvaro García de Zúniga. (zweisprachige Ausgabe), Plano 9, Lissabon 2002 (DE FFT Düsseldorf 2002) Der Rote Ursprung, von Valère Novarina. In Scène 6. Neue französische Theaterstücke. (Hg. B. Engelhardt), Verlag der Autoren, Frankfurt 2003 (DE Theater am Neumarkt 2007), ISBN 3-88661-258-9. Der unbekannte Akt, von Valère Novarina. In Scène 12. Neue französische Theaterstücke. (Hg. B. Engelhardt), Verlag Theater der Zeit, Berlin 2009, ISBN 978-3-940737-54-0 Die Sonne, von Olivier Py. Merlin Verlag 2011, ISBN 978-3-87536-297-8 (UA Volksbühne Berlin 2011) Die Szene, von Valère Novarina. Theater der Zeit, Heft 5, Berlin 2011 Lichter des Körpers, von Valère Novarina. Matthes & Seitz, Berlin 2011, ISBN 978-3-88221-625-7. 311 Gottesdefinitionen, von Valère Novarina. Matthes & Seitz, Berlin 2012, ISBN 978-3-88221-290-7 (als Hörspiel: Dem unbekannten Gott, Bayerischer Rundfunk 2011) Der Monolog des Adramelech, von Valère Novarina. Matthes & Seitz, Berlin 2014, ISBN 978-3-88221-400-0 (DE Theaterdiscounter Berlin 2014) Wir Wellen, von Mariette Navarro. Matthes & Seitz, Berlin 2014, ISBN 978-3-88221-398-0 (DE Saarländisches Staatstheater 2015) Die Mauer, von Leonid Andrejew. Matthes & Seitz, Berlin 2014 (E-Book), ISBN 978-3-95757-106-9 Die Rede an die Tiere, von Valère Novarina. Matthes & Seitz, Berlin 2017, ISBN 978-3-95757-456-5. (als Hörspiel: Deutschlandfunk Kultur 2016/2017, DE Felina-Theater Mannheim 2025) Der Mensch ausser sich, von Valère Novarina. Friedenauer Presse / Matthes & Seitz, Berlin 2022, ISBN 978-3-7518-0634-3 (DE Änderungsschreiberei Köln u. TD Berlin 2024)