mini|Karmann-Firmengebäude in Osnabrück (Februar 2010) Die Wilhelm Karmann GmbH war ein Automobil- und Karosseriebauunternehmen mit Hauptsitz im niedersächsischen Osnabrück. Karmann fertigte Fahrzeuge, insbesondere Cabriolets und Coupés, auf Plattformen seiner Auftraggeber. Verbreitete Modelle des Unternehmens waren der VW Karmann-Ghia und das Cabriolet auf Basis des VW Käfers. Insgesamt wurden von Karmann rund drei Millionen Fahrzeuge gefertigt. Daneben entwickelte und fertigte das Unternehmen Dachsysteme, Produktionsanlagen und Großwerkzeuge für andere Fahrzeughersteller. In den letzten Jahrzehnten übernahm Karmann auch Entwicklungsaufträge.

Außer dem Hauptsitz in Osnabrück gab es in São Bernardo do Campo, Brasilien sowie in Rheine Fertigungsstätten für Automobile. Weitere Produktionsstandorte insbesondere für Dachsysteme wurden in Plymouth (Michigan, USA), Puebla (Mexiko), Vendas Novas (Portugal), Żary (Polen), Yokohama (Japan) und Sunderland (England) aufgebaut.Presseinformation der Wilhelm Karmann GmbH: Karmann auf einen Blick, Dezember 2008 Ein Werk für Produktionssysteme wurde in Chorzów (Polen) errichtet.

Nachdem die Volkswagen AG ab Ende 2009 große Teile des insolventen Unternehmens übernommen hatte, begann die neugegründete Volkswagen Osnabrück GmbH im März 2011 mit der Produktion des VW Golf VI Cabriolet, des Porsche Boxster im September 2012 und des Porsche Cayman www.volkswagen-os.de, 12. November 2012. im November 2012 auf dem ehemaligen Karmann-Gelände.

Geschichte Die Anfänge 1901 bis 1945 mini|Dürkopp „Doppel-Phaeteon mit amerikanischem Verdeck“, 1902 mini|Ein Karmann-Dürkopp ausgeliefert in Schweden von Gustav Ericssons Automobilfabrik.

Wilhelm Karmann senior übernahm zum 1. August 1901 den Wagenbaubetrieb von Christian Klages am Kamp in der Osnabrücker Innenstadt, Osnabrück 1972, auf chronosroma.eu, abgerufen am 23. März 2018 und begann mit insgesamt zehn Mitarbeitern seine Selbstständigkeit. Wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch üblich, lagen die Prioritäten zunächst im Kutschenbau, doch bereits 1902 lieferte er seine ersten Karosserien an die Dürkopp-Werke in Bielefeld. Weitere Einzelaufträge von Privatkunden und den Automobilfabrikanten Adler, DKW, Opel und Minerva folgten. Für die Karosserievariante des 1902er „Doppel-Phaeteon“ wurde 1908 als Hardtop der nachrüstbare „Coupé-Aufsatz“ für den „Dürkopp-Motorwagen“ angeboten. 1911 zogen die Karmann-Werke an die Martinistraße im Stadtteil Wüste um. 1913 meldete Wilhelm Karmann das erste Patent an: eine Mechanik für Klappverdecke. 1921 erhielt Karmann von der Aktiengesellschaft für Automobilbau in Berlin seinen ersten Großauftrag.

1924 reiste Karmann sen. in die USA unter anderem zur damals größten Karosseriefabrik der Welt, der Fisher Body Company, um die dortigen Fertigungsmethoden zu studieren und für seine Fahrzeugfertigung umzusetzen. Nach Rückkehr aus den USA gab er die Holzbauweise der Karosserien auf und stellte auf Gemischtbauweise um, das heißt die Karosserien bestanden aus einem hölzernen Gerippe mit darauf genagelten Blechschalen. Karmann sen. erkannte die Bedeutung der Entwicklung und Herstellung von Presswerkzeugen für die serienmäßige Automobilproduktion. Seit 1926 arbeitete er mit den Adlerwerken in Frankfurt am Main zusammen und wurde zum Pionier der Serienfertigung von Sonderfahrzeugen, insbesondere für Cabriolets und Coupés. In den 1930er Jahren begann die Produktion in den neuen Werkshallen im Fledder. 1940 musste Karmann diese Fertigung einstellen, produzierte während des Zweiten Weltkriegs Heeres-Kraftfahrzeug-Aufbauten und Teile für die Flugzeugindustrie.

Aufstieg und Erfolgsjahre mini|VW Typ 1 Cabriolet von 1950

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Werks arbeitete Karmann hauptsächlich als Auftragsfertiger und Entwickler für das Volkswagenwerk. Schon 1935/36 hatte Ferdinand Porsche den Unternehmensgründer Karmann sen. gebeten, die Möglichkeiten zur Entwicklung eines Prototyps für ein Volkswagen-Cabriolet zu untersuchen. Die Kriegswirren verhinderten, dass die Idee vorangetrieben wurde und die Zusammenarbeit mit Volkswagen begann. 1947 kauft Karmann sen. 20 Kübelwagen von der britischen Militärverwaltung und lässt sie zu Nutzfahrzeugen mit geschlossenen Kabinen umbauen, die er an Handwerksbetriebe vermietet. Am 1. August 1949 unterzeichnete Karmann sen. einen Auftrag von Volkswagen „auf 1000 Stück viersitziges, vierfenstriges Kabriolet Typ 15“. Aus diesen „1000 Stück“ wurden im Verlauf der nächsten 50 Jahre insgesamt 2.548.765 Fahrzeuge für den Auftraggeber Volkswagen.Redemanuskript Dr. Ferdinand Piëch „Rede zur Feier der 50jährigen Zusammenarbeit von Karmann und Volkswagen“, Osnabrück vom 30. November 1999 Der Firmengründer Karmann sen. starb im September 1952. Die Unternehmensführung ging auf seinen Sohn Wilhelm Karmann jun. über. 1957 wurde die Textilweberei Julius Heywinkel in Osnabrück übernommen, deren größter Abnehmer von Stoffen für Sitze und Cabriodächer Karmann vorher schon gewesen war.

mini|Letztes VW-1303-Cabriolet

Neben den drei VW-Karmann-Ghia-Modellen (Typ 14/Coupé und Cabriolet und Typ 34 Coupé) baute Karmann sämtliche Cabriolets (außer Hebmüller-Käfer) für Volkswagen. Hauptsächlich waren es die offenen Modelle des Käfers (bis 1980) bzw. Golfs (ab 1979). Zusätzlich waren der Scirocco I (1974–1981), sein Nachfolger (1981–1992) sowie von 1988 bis 1995 der VW Corrado im Fertigungsprogramm. Karmann expandierte und baute in den 1960er Jahren weitere Fahrzeugwerke in São Bernardo do Campo (Brasilien) und Rheine auf. In den Jahren ab 1965 wurden Fahrzeuge und Karosserien vom BMW Coupé 2000 C/CS mit Vierzylindermotor, später auch die Karosserien der größeren BMW-E9-Coupés mit Sechszylindermotor (2.5 CS, 2.8 CS, 3.0 CS/CSi) im westfälischen Werk Rheine hergestellt. „Hochzeit“ (Einbau des Motors in die Karosserie) und Endmontage war im Werk München.

In den späten 1970er- und den 1980er-Jahren fertigte Karmann den Rohbau des Coupés der 6er-Reihe von BMW und die Cabriomodelle des Ford Escort. Ab Anfang der 1990er Jahre wurden das Mercedes-Benz CLK Cabriolet (A 208 und A 209), der Ford Escort RS Cosworth, der KIA Sportage und ab 1997 das Audi Cabriolet (Typ 89) und das Audi A4-Cabriolet (ab 2002) sowie das Chrysler Crossfire Coupé (2003) und der Roadster (2004) montiert. Hinzuzurechnen sind die Auslauffertigungen des VW Golf II (1992/93) und des Golf III Variant (1997/99).

mini|Karmann-Mobil auf VW T2

Außerdem wurden ab dem Jahr 1977 Reisemobile und später auch Wohnwagen unter dem Namen Karmann-Mobil hergestellt. Die Idee für sein erstes Reisemobil bekam Karmann jun. auf einer Reise in Südafrika. Die ersten Fahrzeuge wurden auf der Basis eines Volkswagen T2 gebaut, gefolgt vom T3 und LT sowie dem Mercedes-Benz T 1. Parallel wurden die Wohnwagenmodelle Postillion 4500 und 5000 entwickelt und im Jahr 1982 auf den Markt gebracht. Es etablierten sich vor allem die Reisemobile, die Wohnwagenproduktion wurde nach einigen Jahren wieder eingestellt. Es folgten weitere Modelle wie Gipsy, Davis und Distance. Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen Karmann-Mobil an den Reisemobilspezialisten Eura Mobil verkauft, der die Marke Karmann für Wohnmobile weiterführt. 10. Januar 2005.

Im Oktober 1998 starb der langjährige Unternehmensleiter Wilhelm Karmann junior. Er hatte bereits 1990 die Geschäftsführung abgetreten, brachte sich jedoch bis zu seinem Tod als Mitglied des Aufsichtsrates und der Gesellschafterversammlung in das Unternehmen ein. Die Tochterfirma Julius Heywinkel GmbH in der Gesmolder StraßeFischer, Siegfried. (2) In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 311 (zum Geschäftsführer). wurde im Jahr 2000 in eine neue Produktionsstätte in Bramsche-Engter ausgelagert. Außerdem sicherte sich Karmann einen 60-prozentigen Anteil der Automobilteststrecke Papenburg.

Auftragsfertiger in der Krise Mitte der 2000er Jahre zeigten sich Probleme für die europäischen Auftragsfertiger von Nischenfahrzeugen. Die Beschäftigungssicherungsverträge der großen Hersteller mit den Gewerkschaften einerseits und die technischen Fortschritte im Fahrzeugbau führten dazu, dass der Bau auch von Nischenfahrzeugen nicht mehr ausgelagert wurde. Die Hersteller bauten diese Modelle selbst innerhalb ihres Produktionsverbundes. Zusätzliche Liquidität wurde benötigt, um die sich abzeichnende Krise bewältigen zu können. Nicht zum Kerngeschäft gehörende Geschäftsfelder wurden verkauft. Diesem Trend musste auch Karmann folgen.Bernd Wiersch: Die Karmann-Story. 1. Auflage. Delius Klasing & Co.KG, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-667-10121-1

Im Jahr 2007 veräußerte Karmann die Tochtergesellschaft Heywinkel an den Finanzinvestor Nord Holding Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mbH aus Hannover. Weiterhin erfolgte zum 31. März 2008 der Verkauf der brasilianischen Tochtergesellschaft an die Grupo Brasil, einen bedeutenden brasilianischen Autozulieferer. Damit beendete Karmann nach fast 48 Jahren sein Engagement in Brasilien. Wie an den deutschen Standorten in Osnabrück und Rheine waren nahe São Paulo seit den 1960er Jahren komplette Fahrzeuge gefertigt worden, zuletzt der Land Rover Defender aus angelieferten Teilesätzen.

Der Weg in die Insolvenz mini|Letztes Auto von Karmann: ein schwarzes CLK-Cabrio wie dieses

Da Audi die Produktion des neuen und vom A5 abgeleiteten Cabrios und auch Mercedes-Benz die Produktion des neuen CLK-Cabrios aufgrund der Beschäftigungssicherungsverträge wieder in die eigene Fertigung nehmen wollten,Marion Feldkamp: auf: WDR.de, 20. Februar 2009. suchte Karmann seit Mitte der 2000er Jahre erfolglos nach Anschlussaufträgen für die Fahrzeugwerke in Osnabrück und Rheine. Noch bevor die Fahrzeugproduktion eingestellt wurde, meldete Karmann am 8. April 2009 die vorläufige Insolvenz an. Davon waren auch die mit der Wilhelm Karmann GmbH verbundenen inländischen Tochterunternehmen in Rheine (Kreis Steinfurt) und Bissendorf (Landkreis Osnabrück) betroffen. Als Insolvenzverwalter wurde Ottmar Hermann bestellt, der parallel zum vorläufigen Insolvenzverwalter von Woolworth bestellt worden war und bereits den Baukonzern Philipp Holzmann abgewickelt hatte. Als letztes Fahrzeug rollte am 23. Juni 2009 um 11:35 Uhr ein schwarzes Mercedes-Benz CLK-Cabriolet vom Band.

Die Auflösung der Karmanngruppe (2009 bis 2011) mini|Abbau des „Karmann“-Logos im Juli 2010

Sechs Monate nach Eröffnung der vorläufigen Insolvenz konnte der Insolvenzverwalter erste Erfolge bei der Restrukturierung der insolventen Karmanngruppe verzeichnen. Am 20. November 2009 teilte Volkswagen mit, Teile von Karmann übernehmen zu wollen. Aus der Karmann-Insolvenzmasse übernahm Volkswagen die Grundstücke mit den Fabrikgebäuden sowie Maschinen und Anlagen. Diese wurden in die neue Gesellschaft Volkswagen Osnabrück GmbH eingebracht, die eine Tochtergesellschaft der Volkswagen AG ist.

Die Karmann Engineering Services (KES) mit rund 70 Mitarbeitern wurde zum 1. Januar 2010 an Ferchau Engineering verkauft. Die Firma trägt nun den Namen CES Engineering GmbH. Die Standorte Bissendorf, Wolfsburg, Sindelfingen, Ingolstadt und München sollten erhalten bleiben. Mit Wirkung zum 25. Februar 2010 wurde der japanische Produktionsstandort der Karmann Japan Co. Ltd. von dem Wettbewerber Magna International erworben. Somit fertigte Magna Steyr Dachsysteme (Verdecke) für den Nissan 370Z-Roadster und das Infiniti G-Cabrio.

Anfang August 2010 wurden die Karmann-Standorte in den USA und Mexiko für ca. 60 Millionen US-Dollar an den Autozulieferer Webasto veräußert. Mit Übernahme dieser beiden Produktionsstätten erweiterte Webasto sein Produktportfolio um die Cabrio-Dachsysteme für den Ford Mustang V sowie die Auslaufmodelle Chrysler Sebring JS und VW New Beetle.