Gardonne (, ) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: )im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Bergerac und zum Gemeindeverband Communauté d’agglomération Bergeracoise. Die Einwohner werden Gardonnais und Gardonnaises genannt.
Geografie
Gardonne liegt etwa 49 Kilometer südwestlich von Périgueux, etwa 46 Kilometer ostsüdöstlich von Libourne und etwa 12 Kilometer westsüdwestlich von Bergerac in der Landschaft des Bergeracois, im Landesteil des touristisch benannten Périgord pourpre an der Grenze zum benachbarten Département Gironde. Das Gemeindegebiet befindet sich am linken Ufer der Dordogne und wird außerdem entwässert von der Gardonnette, die es im Osten begrenzt, vom Flüsschen Moiron, das es im Süden begrenzt, sowie von verschiedenen kleineren Fließgewässern.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Gardonne liegt auf der vierten Stufe von Nordosten, einem Plateau aus Kieselsandsteinablagerungen und lakrustinen Kalksteinen aus dem Tertiär. Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und aus Sedimentgesteinen, die aus dem Känozoikum datieren.
Das Relief des Gemeindegebiets weist eine mit zahlreichen Weinbergen und Obstbäumen geprägte, flache Hügellandschaft auf, die im Norden von dem breiten Tal der Dordogne begrenzt wird und von Tälern der genannten Flüsse durchzogen wird. Der topografisch höchste Punkt befindet sich im äußersten Südosten unweit des Weilers Brandissou auf Höhe. Der tiefste Punkt befindet sich im äußersten Nordwesten mit Höhe beim Austritt der Dordogne aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt auf etwa Höhe.
Rund 83 % der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich, vorwiegend heterogen genutzt, rund 14 % entfallen auf bebaute Flächen, rund 3 % auf Binnengewässer.
Umgeben wird Gardonne von den sechs Nachbargemeinden:
Natürliche und technologische Risiken mini|Risikokarte zur Quellungs/Schrumpfung von Tonmineralen in Böden für Gardonne Natürliche Risiken manifestieren sich in Gardonne neben den meteorologischen Risiken (Sturm, Gewitter, Schnee, extreme Kälte, Hitzewelle) vor allem als Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen, besonders entlang der Dordogne und am Mündungsgebiet der Gardonnette in die Dordogne Dürren Waldbrände Bodensetzungen
Aufgrund der Schäden, die durch Überschwemmungen, Schlammlawinen und Erdrutschungen in den Jahren 1982, 1993, 1999, 2018, 2022, 2024 und 2026 verursacht wurden, wurde für die Gemeinde jeweils der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des Départements über Hauptrisiken sind vorbeugenden Maßnahmen zur Reduktion von Hochwasserschäden festgelegt. Dazu gehört u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dürfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von Regenrückhaltebecken.
Gardonne ist trotz mangels Waldflächen der Gefahr von Waldbränden ausgesetzt. In einem großen Teil des Gemeindegebiets besteht deshalb zur Vorbeugung eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser und Zufahrten und eine zeitliche und/oder räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk. Der vom Staat erstellte Plan zur Verhütung von Waldbränden (PPRIF) definiert nicht bebaubare und vorbehaltspflichtige Bauzonen, um die Exposition von Gütern zu verringern.
Wie die Risikokarte zeigt, ist das gesamte Gemeindegebiet von einer mittleren Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 1992, 2005 und 2022 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist nur einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.
Ein technologisches Risiko besteht durch den Verlauf einer Erdgasleitung, die zentral das Gemeindegebiet durchquert. Obwohl diese Anlagen sicher sind, kann es in sehr seltenen Fällen zu einem Bruch oder einem Leck kommen. Dies könnte dann eine Umweltverschmutzung oder ein Unfallereignis (Explosion, Brand, giftige Wolke usw.) zur Folge haben.
Im Süden der Gemeinde befindet sich eine Fabrik mit angrenzenden Speicheranlagen zur Gewinnung von kosmetischen, pharmazeutischen und nutrazeutischen Produkten, die mit „niedrigem SEVESO Schwellenwert“ eingestuft wird. Als SEVESO-Betriebe gelten Betriebe, die gefährliche, giftige oder umweltschädliche Stoffe in Mengen lagern, verwenden oder produzieren, die bestimmte gesetzlich festgelegte Grenzwerte überschreiten. Die technologische Risiken aller Anlagen betreffen Explosionen, Feuer und giftigem Ausstoß.
Die Gemeinde liegt flussabwärts des Staudamms Bort-les-Orgues im Département Corrèze, einem Bauwerk der Klasse A (Höhe des Stauwehrs ≥ 20 Meter), das seit 2009 einem sog. Spezifischen Interventionsplan (PPI) unterliegt. Dieser findet Anwendung bei diesem Staudamm der Klasse A mit einem Stauseevolumen von über 15 Millionen m3. Er ist ein Notfallplan, der die Maßnahmen zur Alarmierung der Behörden und der Bevölkerung, die Organisation der Hilfsmaßnahmen und die Umsetzung von Evakuierungsplänen detailliert beschreibt. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Gemeinde von der Hochwasserwelle betroffen sein wird, die durch den Bruch dieses Bauwerks entstünde.
Etymologie und Geschichte Der Name des Dorfes ist seit dem 11. Jahrhundert belegt durch die Schenkung der Kirche Sainte-Foy, die zur Burg gehörte, an das Kloster Sainte-Marie von Saintes. Im Jahre 1104 wurde Gardonne in Ecclesia sancti Fidis de castro de Gardona erwähnt. Die erwähnte mittelalterliche Festung oberhalb der Dordogne ist heute verschwunden. Der Name von Gardonne wurde erneut in der gleichen Form am Ende des 14. Jahrhunderts belegt, diesmal durch die Erwähnung einer anderen Kirche in Sanctus Johanes de Gordona im Jahr 1484. Das Dorf hat den ursprünglichen Namen des Fließgewässers Gardonne übernommen, der in der Folge sich zu Gardonnette änderte. Dieser ist ein Diminutiv von Gardonne und im 13. Jahrhundert als Gardoneta belegt (1226). Er kommt von einer präkeltischen Basis °vard-, begleitet vom gallischem Suffix -ona.Siehe Tanet, Hordé, Seiten 165–166
Die Geschichte von Gardonne beginnt in der gallorömischen Zeit, wie archäologische Funde belegen. Diese Entdeckungen zeugen von einer reichen Vergangenheit, in der das Dorf ein wichtiger Knotenpunkt für Handel und Reisen in ganz Gallien war. Im Mittelalter wandelte sich Gardonne allmählich. Befestigungsanlagen wurden errichtet, und das Dorf entwickelte sich zu einem strategischen Punkt im Landstrich. Die Landwirtschaft, insbesondere der Weinbau, gewann an Bedeutung und legte den Grundstein für einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Gardonnes. Während der Renaissance erlebte Gardonne einen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung. Gebäude entstanden, die die architektonischen Einflüsse der Epoche widerspiegeln. Das Dorf wurde zu einem Zentrum des kulturellen und wirtschaftlichen Austauschs und zog Kaufleute und Künstler an. Mit dem Beginn der industriellen Revolution trat Gardonne in eine neue Ära ein. Die Industrialisierung brachte tiefgreifende Veränderungen für den Alltag und das Dorfbild mit sich. Weinberge und Landwirtschaft florieren weiterhin, nun ergänzt durch neue Industriezweige. Das 20. Jahrhundert war geprägt von Zeiten des Konflikts und des Aufbruchs. Die beiden Weltkriege hinterließen ihre Spuren, doch Gardonne erholte sich. Heute ist der Weinbau nach wie vor ein Eckpfeiler der lokalen Wirtschaft, wird aber heute durch einen starken Fokus auf Tourismus und Umweltschutz ergänzt.
Bevölkerungsentwicklung
Sehenswürdigkeiten Katholische Kirche Saint-Jean-Baptiste, Neubau 1860 Protestantische Kirche, errichtet 1844, Neubau 1873 Fachwerkhäuser
Bildung Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vor- und Grundschule (École primaire).
Wirtschaft Erwerbstätigkeit Im Jahre 2022 waren 676 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Gardonne erwerbstätig, entsprechend 72,9 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Männer (75,0 %) höher war als bei den Frauen (70,8 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 79 Personen im Jahr 2022 niedriger als im Jahr 2016 (103). Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 15,2 % (2016) auf 11,7 % (2022).
Branchen und Betriebe 115 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Gardonne wirtschaftlich aktiv: Branche Anzahl %Gesamt115Fertigung, Bergbau und andere Industrien1210,4 %Baugewerbe2219,1 %Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie3227,8 %Information und Kommunikation32,6 %Finanzen und Versicherungen54,3 %Immobilien54,3 %Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten1412,2 %Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln1613,9 %Andere Dienstleistungen65,2 %
Landwirtschaft Gardonne liegt in den Zonen der geschützten Ursprungsbezeichnungen (AOP) des Bergerac-Weins mit den Appellationen Bergerac und Côtes de Bergerac.
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf den Anbau von Obst oder anderen Dauerkulturen, in diesem Fall den Weinbau. Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 33 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 25 im Jahr 2000, auf 21 im Jahr 2010 und auf 13 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 60,6 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche vergrößerte sich von 607 Hektar im Jahre 1988 auf 911 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg signifikant von 18,4 Hektar auf 70,1 Hektar.
Verkehr Die zur Departementsstraße D 936 herabgestufte ehemalige Nationalstraße N 136 von Bordeaux über Saint-Avit-Saint-Nazaire nach Bergerac über Lamonzie-Saint-Martin durchquert das Gemeindegebiet. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum von Gardonne mit den Weilern und weiteren Nachbargemeinden. Die D 4 führt hierbei über eine Brücke zu Saint-Pierre-d’Eyraud auf der gegenüberliegenden Seite der Dordogne.
Gardonne hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Libourne–Buisson und wird im Regionalverkehr mit Zügen der TER Nouvelle-Aquitaine zwischen Bordeaux-Saint-Jean und Sarlat-la-Canéda über Bergerac bedient.
Gemeindepartnerschaft Mit der französischen Gemeinde Guémar im Département Haut-Rhin (Elsass) besteht seit 2006 eine Gemeindepartnerschaft.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Nouvelle-Aquitaine Kategorie:Weinbauort in Frankreich Kategorie:Ort an der Dordogne Kategorie:Ersterwähnung im 11. Jahrhundert