Erwin Michelberger (* 25. September 1950 in Saulgau) ist ein deutscher Regisseur und Filmemacher.
Leben Erwin Michelberger studierte Film an der Kunstakademie Düsseldorf. Er hat zahlreiche, zum Teil preisgekrönte Dokumentarfilme gemacht sowie drei Spielfilme, zu denen er auch das Buch geschrieben hat. Die meisten seiner Dokumentar- und Spielfilme sind von ARD oder ZDF koproduziert worden.
In seinem ersten Dokumentarfilm Es bleibt noch viel zu sagen, der 1980 in Zusammenarbeit mit Raimund Hoghe entstand, widmete sich Michelberger Holocaust-Überlebenden in einem jüdischen Altersheim in Düsseldorf. Auch seine späteren Arbeiten handeln häufig von Menschen, die ausgegrenzt werden oder am Rande der Gesellschaft stehen. Den Dokumentarfilm Oder wie sieht die Welt aus über Düsseldorfer Kleinganoven nannte „Der Spiegel“ eine „saftige Sozialkunde aus dem Souterrain der Wohlstandsgesellschaft“.„Düsseldorfer Halunkiade“ – Der Spiegel Nr. 39 vom 23. September 1985, S. 254 In anderen Dokumentarfilmen geht es etwa um Straftäter in der Forensischen Psychiatrie (Ich will kein Jack the Ripper sein!), um Transvestiten (In eine andere Haut schlüpfen) oder um Menschen mit Tourette-Syndrom (DOCH).
In den Film „LUS oder Geschmack am Leben“ schildert Michelberger die Bestattungsriten der Juden, Christen und Muslime, vor allem den unterschiedlichen Umgang mit dem toten Körper. In seiner jüngsten Dokumentation „Nachbarn fürs Leben“ zeigt der Regisseur das nachbarschaftliche Zusammenleben in der Kölner Probsteigasse, auch vor dem Hintergrund des Sprengstoffanschlags auf eine iranische Familie im Jahr 2001. „Der Film versucht“, schrieb der „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Absurdität und Alltag zu packen. Es gelingt.“Kölner Stadt-Anzeiger vom 23. November 2016
Erwin Michelberger lebt in Köln. Mehr als zehn Jahre lang war er Vorsitzender der Filmwerkstatt Düsseldorf e. V.
Filmografie (Auszug)
1980: Es bleibt noch viel zu sagen, Dokumentarfilm, WDR 1981: Oder wie sieht die Welt aus, Dokumentarfilm, Ko-Regie: Marina Achenbach und Paco Knöller, WDR 1983: Eine Zeitlang, es war in Rom, dachte er nur an schneebedeckte Felder, Spielfilm, ZDF 1984: Schauspielen, Dokumentarfilm, mit Bruno Ganz und Stefan Jürgens, WDR 1986: In eine andere Haut schlüpfen, Dokumentarfilm, WDR 1988: Kopffeuer, Spielfilm, in einer Hauptrolle Seyran Ateş, NDR 1989: Weit, weit hinaus, Dokumentarfilm, WDR 1992: Lebenszeichen – Claude, 22 Jahre alt, hat sich getötet, Dokumentarfilm, WDR 1994: Traumstreuner, Spielfilm, mit Hannes Thanheiser und Bernd Gnann, SDR 1996: Rettet die Liebe – ums Verrecken, Film-Essay, WDR/SWF 1998: Ich will kein Jack the Ripper sein!, Dokumentarfilm, ZDF 1999: Blumen lieben oben, Dokumentarfilm, WDR/SWR/SFB 2002: Schlittenschenken, Dokumentarfilm, Ko-Regie: Oleg Tcherny, BR 2005: N wie niemand, Dokumentarfilm, RBB/ARTE 2006: DOCH, Dokumentarfilm, ZDF/3sat 2010: LUS oder Geschmack am Leben, Dokumentarfilm, ZDF/3sat 2015: Wunderwerk, Dokumentarfilm 2017: Nachbarn fürs Leben, Dokumentarfilm, ZDF/3sat
Auszeichnungen
1989: Max-Ophüls-Preis: Förderpreis für Kopffeuer 2002: ARTE-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschen Dokumentarfilm für Schlittenschenken
Literatur
Daniel S. Ribeiro: LUS oder Geschmack am Leben: der Tod im zeitgenössischen Dokumentarfilm, in: Jessica Nitsche: Mit dem Tod tanzen: Tod und Totentanz im Film. Berlin: Neofelis Verlag 2015. ISBN 978-3-943414-58-5
Weblinks
Homepage der Michelberger-Film
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1950 Kategorie:Mann