Max Welcker (* 4. Dezember 1878 in Augsburg; † 30. Juni 1954 ebenda)Verdienste um die Musik in Krumbach - Vor 60 Jahren starb der Chorleiter und Rektor Max Welcker, Augsburger Allgemeine, 3. Juli 2014. war ein deutscher Volksschullehrer, Komponist, Organist, Chorleiter, Musikpädagoge und Herausgeber musikalischer Werke.

Leben Max Welcker wurde am 4. Dezember 1878 in Augsburg als Sohn einer bekannten Augsburger Musikerfamilie geboren. „Er brauchte nur in die Fußstapfen der Eltern zu treten, um den richtigen Weg einzuschlagen, der ihn zu einem der volkstümlichsten Komponisten Bayerns machte“ (Schwäbische Landeszeitung 1948). Im Musikleben seiner Zeit war er „der Star unter seinen berühmten Kollegen, was die Aufführungen und die Verkaufszahlen anbelangt.“ (Festschrift Musikverlag Anton Böhm & Sohn Augsburg 2003).

Die Eltern Sein Vater Robert Welcker (1850 Meuselwitz – 1928 Augsburg) wurde von seinem Onkel, dem Stadtmusikdirektor, Geiger und Komponist Karl Heinrich Welcker (1827 Meuselwitz – 1903 Altenburg) in Altenburg musikalisch unterwiesen.

Von 1869/70 bis 1913 spielte er als 1. Geiger im Städtischen Orchester Augsburg. Für dieses schrieb er zahlreiche Orchesterstücke sowie Zwischenaktmusiken für das Theater oder Konzert.

Des Weiteren war er als Kantor und Organist tätig, spielte bei Beerdigungen auf dem protestantischen Friedhof, gab Violinstunden am St. Anna Kolleg und wirkte bei den Kirchenkonzerten des Domchores als 1. Geiger mit. In den Sommermonaten war er als Mitglied von Kurkapellen in der Schweiz engagiert. 13 seiner eigenen Kompositionen wurden bei verschiedenen Verlagen in Augsburg und der Edition Foetisch/Lausanne veröffentlicht.

Max Welckers Mutter Amalie Welcker, geborene Mayer (1856 Thannhausen an der Mindel – 1933 Augsburg) sang von 1870 bis 1900 zunächst als Sopran, später als Altistin solistisch und im Chor des Augsburger Stadttheaters, im Kirchenchor der katholischen Pfarrei St. Moritz, im Synagogenchor und im Domchor.

1882 heirateten der Protestant Robert Welcker und die Katholikin Amalie Mayer. Sohn Max kam vorehelich zur Welt.

Kindheit Bedingt durch die Berufstätigkeit seiner Eltern wuchs der kleine Max bei seinen Großeltern auf. Zunächst besuchte er die katholische Schule von St. Georg und wurde von seinem Vater Robert im Alter von acht Jahren im Violine spielen unterrichtet. Im Alter von 10 Jahren wechselte er in die Domschule (heute Gymnasium bei St. Stephan) und begann mit dem Klavierunterricht. Seine Lehrer waren Johann Baptist Gebele (geb.1860) und Paul Radig (ab 1894 Musikdirektor des Heidelberger Stadtorchesters).

Ausbildung Nach sechs Jahren Grundvolksschule in Augsburg wurde Max Welcker von seinen Eltern im Alter von 12 Jahren an die Königliche Präparandenschule nach Mindelheim geschickt, denn er sollte Lehrer werden. Zu seinen Mitschülern gehörten unter anderem Paul Kuen (1878–1963), der später Ehrenmusikdirektor des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes wurde und als „Vater“ der schwäbischen Blasmusik gilt und Joseph Haas (1879–1960), der später als Komponist als ein „Joseph Haydn des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet wurde. Zu seinen Lehrern in Mindelheim zählten unter anderem der Violinlehrer Christoph Johann Dürr (1857–1915), Ludwig Kiechle (Gesang) und Anton Högg (Harmonielehre). Schon früh leitete Max Welcker den Schüler-Gesangschor, erlernte das Cellospielen und spielte die Orgel in der Jesuitenkirche bei den Schulmessen. Mit 15 erhielt er sein Abschlusszeugnis.

1894 setzte Max Welcker seine Ausbildung am Königlichen Lehrerseminar in Lauingen/Donau fort. Hier lehrten u. a. Otto Zeitlmann (1833–1915) und der Komponist Karl Deigendesch (1839–1911). Max Welcker wurde auf Grund seiner musikalischen Kenntnisse und organisatorischen Fähigkeiten zum Musikwärter ernannt, überwachte die Einhaltung der Übungsstunden der Seminaristen, verwaltete die Musikalien, spielte auch hier Orgel und dirigierte den Schülerchor. Im Juli 1896 erhielt er sein Abschlusszeugnis und seine Wanderschaft als junger Lehrer begann.

1896/97 und von 1899 bis 1906 war Max Welcker an der Musikschule Augsburg angemeldet und erhielt Klavierunterricht bei Prof. Fritz Spindler sowie Kontrapunkt und Musiktheorie bei Prof. Wilhelm Weber, dem Leiter der Musikschule. Bei den Prüfungskonzerten im Augsburger Börsensaal trat er als Pianist solistisch und als Klavierpartner von Sängern, Instrumentalisten und dem Chor auf.

Der Lehrer In den folgenden Jahren unterrichtete Max Welcker als junger Lehrer in Hagneubach, Welden, Augsburg, Oberreute, Hainhofen, Hergensweiler und Haunstetten. Neben seiner Lehrtätigkeit gab er Klavierstunden und spielte bei Gottesdiensten die Orgel. Er wirkte bei Veranstaltungen als Pianist und Begleiter mit, trat bei Feierlichkeiten „theatralisch“ auf und spielte Violine im Orchesterverein Hergensweiler.

Im Oktober 1900 bestand er seine Anstellungsprüfung in Augsburg. Danach arbeitete er hier als Volksschullehrer (1901 Pestalozzischule, 1908 Schule St. Ulrich, 1917-1944 Schule St. Max) und in Krumbach (Volksschule 1944-1948). Er wurde 1904 als Lehrer im Schuldienst zum Beamten auf Lebenszeit ernannt, stieg bis zum Konrektor (ab 1941) auf und wurde 1948 nach 52 Dienstjahren im Alter von 69 ½ Jahren pensioniert.

Der Mensch und Familienvater Max Welcker war, geprägt durch sein Elternhaus, ein die katholische Religion mit Überzeugung praktizierender Mensch. Er schätzte seine Eltern sehr. Die Familie war ihm wichtig. Er wanderte gern und reiste im Laufe seines Lebens nach Italien, Österreich, Schweiz, Belgien, Schweden und durch ganz Deutschland, blieb seiner Heimat Schwaben aber stets verbunden.

Im Oktober 1908 heiratete Max Welcker in erster Ehe seine Lehrerkollegin Leopoldine Straßer (1881 Thannhausen-1939 Augsburg) in Krumbach.

1913 wurde seine Tochter Maria († 1999) in Augsburg geboren. Sie wuchs behütet auf, besuchte das Lyzeum des Englischen Institutes, studierte später Klavier in Karlsruhe und arbeitete als Musiklehrerin. 1937 heiratete sie den aus Augsburg stammenden Ludwig Johann Kolland (1909–2001) und machte ihren Vater mit der Geburt ihrer Söhne Hubert (geb.1945) und Herbert (geb.1950) zum zweifachen Großvater.

Ab 1916 wohnte Max Welcker mit seiner Familie in Augsburg in der Müllerstr. 18 und leistete von August 1916 bis März 1917 seinen Militärdienst als Fußartillerist im Ersten Weltkrieg, den er unbeschadet überstand.

Anfang des Jahres 1928 verstarb unerwartet sein Vater Robert an einem Lungenödem. Der Tod seines Vaters traf ihn schwer und Max Welcker trauerte fast ein Jahr.

Pfingsten 1931 erkrankte Max Welcker an einer Blinddarmentzündung mit Lungenentzündung. Die Erholung dauerte Monate. Anfang November 1933 verstarb Max Welckers Mutter Amalie im Alter von 77 Jahren an einem Unglücksfall. Der plötzliche Tod der Mutter traf den Familienmenschen Welcker ähnlich heftig, wie der Tod des Vaters.

Während der NS-Zeit war Max Welcker politisch nicht engagiert. Er sah sich nach Hitlers Machtergreifung jedoch mehrfach veranlasst, sich den neuen Verhältnissen anzupassen. Zum 1. Dezember 1937 trat er der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er im Entnazifizierungsprozess 1947 als Mitläufer eingestuft.

Im März 1939 verstarb nach langer Krankheit seine geliebte Frau Leopoldine im Alter von 77 Jahren. Er suchte Trost in seinem tief verwurzelten Glauben, verfiel dennoch in eine große und tiefe Traurigkeit. Zwei Jahre später lernte er Anna Breunig, verwitwete Kaiser (1889–1975) kennen und heiratete sie 1941 in Augsburg.

Kriegsbedingt musste Max Welcker 1943 seine beruflichen Tätigkeiten in Augsburg einstellen. Die Familie überlebte die verheerende Zerstörung Augsburgs am 25./26. Februar 1944 und flüchtete zunächst nach Wertheim zu Verwandten. Der Verlust seiner zerstörten Augsburger Wirkungsstätten traf ihn tief und er erkrankte an Nervenschwäche. Mitte März fand er mit seiner Frau Unterkunft bei der Familie seines Schwiegervaters Straßer in Krumbach/Schwaben und unterrichtete ab 19. April 1944 an der Volksschule Krumbach. Weihnachten 1946 schrieb er für seinen Enkel Hubert seine Lebenserinnerungen nieder.

Am 1. Juli 1948 wurde er pensioniert. Zu seinem 75. Geburtstag erfolgten Ehrungen durch den Liederkranz Krumbach und den Verlag Anton Böhm & Sohn Augsburg. Am 20. Mai 1954 erkrankte Max Welcker schwer, verstarb am 30. Juni und wurde am 2. Juli auf dem Augsburger Westfriedhof zu Grabe getragen. Zu seinem Tod kondolierten neben Verwandten und Freunden auch seine Berufskollegen Arthur Piechler, Otto Jochum und Joseph Haas.

Der Chorleiter Im Laufe seines Lebens leitete Max Welcker zahlreiche Chöre. Darunter von 1899 bis 1911 leitete den Sängergesellschaft „Einigkeit“ Haunstetten. Von 1901 bis 1911 dirigierte er das „Sängerkränzchen“ des Vereins „Katholisches Kasino“ in Augsburg und führte mit diesem Chor seine ersten eigenen Kompositionen auf. Von 1912 bis 1930 leitete Max Welcker die 1868 gegründete Sängergesellschaft „Lyra“. Zum 60-jährigen Bestehen des Chores widmete Ehrenchormeister Max Welcker dem Chor sein op.119.1 „Töne laut, du goldne Leyer“ (Text: Hans Nagel). Von 1923 bis 1943 dirigierte er den Kirchenchor der Pfarrei St. Max, Augsburg.

Von 1945 bis 1954 war er Chorleiter des Liederkranz Krumbach/Schwaben. 1954 dirigierte er in seinem letzten Konzert „Der Rose Pilgerfahrt“ von Robert Schumann, legte seinen Taktstock nach 60-jähriger Tätigkeit als Chorleiter nieder und wurde zum Ehrenchormeister ernannt.

Der Komponist Beeinflusst durch seine Musiklehrer komponierte Max Welcker seine ersten Werke während seiner Ausbildung am Königlichen Lehrerseminar in Lauingen/Donau. Sie wurden zwar aufgeführt, erschienen aber nicht im Druck.

Im Mai 1902 erschien beim Musikverlag Anton Böhm & Sohn Augsburg das Marienlied „O heiligste der Frauen, Maria sei gegrüßt“. Mit dieser ersten Veröffentlichung begann die Zusammenarbeit zwischen Max Welcker und dem für ihn wichtigsten Musikverlag. In den folgenden Jahrzehnten erschienen 495 weitere Werke bei Anton Böhm & Sohn Augsburg. Darunter befinden sich auch 50 Bearbeitungen anderer Komponisten und 23 Sammlungen, bei denen Max Welcker als Herausgeber fungierte.

Von 1901 bis 1943 war Max Welcker Mitglied der Liedertafel Augsburg. Das in diesem Chor herrschende künstlerische und menschliche Niveau beflügelten ihn als Komponist. In dieser Zeit schrieb er über 150 geistliche und weltliche Werke für Männerchor und erweiterte so die Literatur für Männerchor ganz erheblich. Zu einer „Gedicht-Kompositions-Konkurrenz“ der Liedertafel reichte er seine beiden Kompositionen „Sonnaschei“ und „Gretele“ ein und beide erhielten einen 1. Preis. Er vertonte Texte des Liedertafelpoeten Adam Rauh und von seinem Freund Max Vogt, stellvertretender Chorleiter der Liedertafel von 1905 bis 1936. Einige seiner Kompositionen wurden durch die Liedertafel aufgeführt und bei den veranstalteten Sängertreffen des Chores knüpfte Max Welcker immer wieder Kontakte zu Chorleitern und Chören, denen er viele seiner Werke widmete.

Ab 1904 bereiste er mindestens zweimal im Jahr die Länder Europas und nutzte ab 1908 viele seiner Reisen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz auch beruflich zur Verbreitung seiner Kompositionen. In den nächsten Jahrzehnten lernte er auf diese Weise mehrere hundert Chorleiter, Lehrer, Geistliche, Organisten u. a. kennen und knüpfte Kontakte zu 21 verschiedenen Musikverlagen, die ab 1912 insgesamt 104 Kompositionen von ihm veröffentlichten.

Im Sommer 1910 fand die Weltausstellung Brüssel International statt und Max Welcker besuchte seinen Großcousin Karl Hermann Felix Welcker (1858–1943) in Brüssel. Er war königlicher Musikdirektor und leitete den Deutschen Männergesangverein in Brüssel und die deutsche Liedertafel in Antwerpen. Felix versuchte Max davon zu überzeugen, den Lehrerberuf aufzugeben und sich ganz der Musik und dem Komponieren zu widmen und bot an, ihn zu unterrichten. Doch Max Welcker lehnte ab, denn er fühlte sich in Augsburg als Schullehrer und in seinem Umfeld sehr wohl.