mini|hochkant|Kirche in Peckatel
Peckatel ist ein Ortsteil von Klein Vielen im Süden Mecklenburg-Vorpommerns. Er liegt zwei Kilometer südwestlich vom Klein Vielener und Wedensee,Wedensee–Teil von NATURA 2000. an der historischen Landgrenze, der Eisernen Pforte, niederdeutsch Isern Purt genannt. Der Ortsteil hatte im Jahr 2015 1007 Einwohner.
Geschichte mini|Gutshaus Peckatel
1274 wurden die Ritter Bernhard und Heinrich von Peccatel mit dem Dorf, das zur Diöcese Havelberg gehörte, belehnt. Am 1. Januar 1325 wurde in einer Urkunde der Schultheiß Ebelingus scultetus de Peckateele erwähnt. 1514 belehnte es ein Berend von Maltzan, 1652 besaß die Witwe von Adam von Holstein mehrere Bauerngehöfte, die Besitzer wechselten oft. Die Adelsfamilie von Holstein kann seit den Wendenzügen Heinrich des Löwen als Lehnsnehmer in Peckatel und den umliegenden Orten nachgewiesen werden. In einem Wendenkreuzzug, vermutlich 1164, zogen die von Holstein aus Immenrode und die Schulzenfamilie Wehden aus Weddingen ins Penzliner Land. Im Jahr 1775 starben die Gutsherren, die von Peccatel, aus. 1790 fand das „Bauernlegen“ im Dorf statt, eine Vernichtung der bäuerlichen Existenz durch den Gutsherren. Das Leben der Dorfschulzenfamilie Wehden(GenWiki), Hrsg. Vereins für Computergenealogie e.V. Köln (Compgen), Stand 17. Dezember 2017. und anderer Familien ist in schriftlichen Auseinandersetzungen mit dem örtlichen Adel und dem Schweriner Herzoghaus dokumentiert.Klein Vielen Dorfzeitung, Nr. 5, 2013. (PDF). Bis ins 19./20. Jahrhundert waren die Weden, Wehden's Statthalter, Dorfschultzen, Kirchälteste in Peckatel und in Hohenzieritz, nach ihnen wurde der ortsnahe Wehden See, heute Wedensee benannt.
1795 wurden die Penzliner Freiherren von Maltzan Besitzer des KirchdorfesAngaben aus Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin, Band V. von Prof. Dr. Schlie, Verlag Bärensprungsche Hofbuchdruckerei, Schwerin 1902. und blieben es in Abstufungen bis hin zum Verkauf 1934, aber als Wohnsitz bis 1942. Die bedeutendsten Vertreter der Grundbesitzer der Neuzeit waren u. a. Friedrich von Maltzahn (1783–1864), ff. Friedrich jun. von Maltzahn (1822–1871)Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen Thiedicke von Flotow: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser / A (Uradel) 1956, Band II, Band 13 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. u. a. Deutschen Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 312 ff. sowie sicherlich Ludolf von Maltzan (1864–1942), großherzoglicher Kammerherr. Einzelne Güter des Gesamtgüterkomplexes Peckatel waren juristisches Mitglied im Mecklenburgischen Ritterschaftlichen Kreditverein und gehörten zum Ritterschaftlichen Amt Stavenhagen.Groszherzoglich-Mecklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1916. II. Statistisch-Topographisches Jahrbuch. Bärensprung, Schwerin 1916, S. 155. Vor 1930 umfasste sein örtlicher Besitz etwa 1093 ha.
Sehenswürdigkeiten Die heutige Kirche wurde im neugotischen Stil 1862 gebaut. In den Fenstern des Chors sieht man sieben Maltzahnsche Familienwappen. Der Historiker Friedrich Schlie beschrieb Kleinkunstwerke in der Kirche, die Stifter waren Familie von Plessen, Vick, Algrim, WädeFriedrich Schlie: Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Großherzogthums Mecklenburg-Schwerin, Schwerin 1902, S. 318 ff. / WedenWebseite des Vereins für Computergenealogie e.V. (GenWiki), abgerufen am 17. Dezember 2017., Pragst, Ridden, Hoth und Franck. Auf dem Altar steht ein spätgotisches Triptychon des 15. Jahrhunderts. Mindestens eine Kirchglocke wurde von einem Friedländer namens Bgun gegossen. mini|Wehrgräben der Landhemme am Wedensee-Abfluss Im Kirchgestühl sind ebenfalls herrschaftliche Wappen zu sehen.
Das Landschaftsdenkmal, die Isern Purt, zu hochdeutsch Eiserne Pforte liegt nördlich des Ortes. Am Klein Vielener See beginnend in östlicher Fortsetzung mit zwei Wallgräben über den Wedensee hinaus zu der Teufelsbrücke und dann mit abfallenden drei Wallgräben in den Kleinen Stadtsee hinein. Hinterm Penzliner Kleinen Stadtsee setzten sich die Gräben im Zippelower Holz noch fort. Die Isern Purt gehörte zur Befestigungsanlage der Redarier mit ihren redarischen Siedlungsgemeinschaften. Die Landhemme bildete eine wehrhafte Grenze zwischen Redariern und der deutschen Invasionsbevölkerung, den Sachsen und den Brandenburgern.
Verkehr Peckatel liegt an der Bundesstraße 193 von Penzlin nach Neustrelitz und dem Abzweig der Landesstraße 34 nach Blumenholz. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Kratzeburg und Neustrelitz.
Flurnamen Galgenberg mini|Wedensee um 1766 mini|Wehdenfurt an der B193 Der Wedensee wird fälschlicherweise in der Literatur Wodensee genannt, weil Archivrath Dr. Beyer in seiner Ausarbeitung über „Die Landwehren u. die Grenzheiligthümer der Landes der Redarier“ den See nach einer alten Karte als Wodensee beschrieb. Die Flurbereinigungskarten des 18. Jahrhunderts nennen den See „Wehden See“. Heute ist der WedenseeWedensee ein verlandeter, mooriger Grabensee. Er erhielt seinen Namen von der seit dem 14. Jahrhundert in Peckatel nachweisbaren Schulzenfamilie Weden / Wehden. Die Kolonisten Weden, vermutlich aus der Deutsch Orden Kommende Weddingen in Niedersachsen stammend, auch historisch Wedin genannt, gehörten zu den frühen Siedlern im wendischen Land. In der Volkszählung, der Kaiserbede von 1497 wurden die Weden genannt. Isern Purt (Eiserne Pforte) Christenhof Jenny-Hof, bis nachweislich 1927 seitens der Gutsherrschaft als eine Art Vorwerk in Nutzung; der Hof wurde in der DDR-Zeit geschleift. Kirchgang, 1706 stritt der Pfarrer mit dem Schultheiß und Kirchenjurat Jochen Wede(n) um die Grenzen der Priester- und Schulzenwörde. Der Kirchgang verlief von Klein Vielen geradewegs direkt von Nord-Nord West über die Kuppe des Berges hinter dem Pfarrgrundstück zur Tür des Kirchturms. Peutsch, Wüstung, seit etwa 1883 unbewohnt, mindestens bis 1928 Forst-Lehngut mit 599 ha vom Gutsareal Peckatel geführt.Vgl. Wüstung Peutsch. Ein Ort, der immer nur kurze Zeit bestand., Hrsg. Klein Vielen e.V. 2024.Peckatel/Peutsch., Hrsg. IUGR - Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. an der Hochschule Neubrandenburg. 2024. Wehdenfurt, an der ehemalig mautfähigen Passagestelle waren Mitglieder der dem See namensgebende Peckateler Dorfschulzenfamilie Wehden ansässig. Wesen- oder Waesbruch, der Bruch (Teich) liegt im Grund hinter der Küsterschule. Wesenberg wurde die Anhöhe zur Küsterschule bzw. zum Pfarrhof genannt. Die Heimatforscherin Gisela Krull leitet die Flurnamen Wesenbruch und Wesenberg nicht aus dem Niederdeutschen ab, sie sieht die Bauern- und Jahrhunderte lang tätige Dorfschulzenfamilie Weden als Namensgeber der Flurnamen an. Diese Familie Weden besaß die Grundstücke neben dem Pfarrgarten, sie wurde in Urkunden Wehsden, Waesde, Wäde, Wehde geschrieben.
Namen, Stiftern des Kircheninventars des 17. u. 18. Jhrh. 1685 B.V.A. 1686 ELISABETH ALGRIM 1700 G.V.H.B.C.V.P. ANNA VON B. 1703 JOCHIM WÄDE (Wehden) 1712 JOCHIM PRAGST 1717 CATARINA DORETEA RIDDEN 1721 FRIEDRICH HOTH 1771 OTTO FRIDERICH FRANK
Persönlichkeiten Johann Friedrich Weden (1750–1830), Statthalter in Peckatel, Dorfschulzenfamilie Weden Ludolf von Maltzan (1864–1942), Gutsbesitzer zu Peckatel und Mitglied des Reichstags Karlfried Krull (1928–2008), ehemaliger Ortschronist in Peckatel Gisela Krull (* 1932), 1993 Preisträgerin der Annalisa-Wagner-Stiftung, Autorin u. ehem. Ortschronistin
Literatur Uwe Heck: Stände und frühe Aktivitäten in Mecklenburg von der Mitte des 12. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Neuer Hochschulschriftenverlag, Rostock 1999. ISBN 3-929544-87-3. Institut für Deutsche Volkskunde (Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin) (Hrsg.), Akademie-Verlag, Berlin 1960. Notizen: (Erzähler: Knecht Wehden, Penzlin, Kreis Waren; aus Wendorf …) Friedrich Schlie: Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Großherzogthums Mecklenburg-Schwerin, Hofbuchdruckerei Bärensprung, Schwerin 1902, S. 318 ff. Digitalisat
Einzelnachweise
Weblinks
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