Carl Hubert Winand (* 29. Oktober 1879 in Bonn; † 4. Juli 1955 in Hamburg) war ein deutscher Architekt.
Leben und Werk Der 1879 in Bonn geborene Architekt Carl Winand war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Hamburg tätig. Sein Büro befand sich seit den 1920er-Jahren im Haus Rosenstraße 11 im der Hamburger Altstadt; als Wohnadresse ist ab 1929 das Haus Woermannsweg 1 in Hamburg-Fuhlsbüttel belegt.Telefonbücher Hamburg 1927 bis 1953.
Winand war Mitglied im Deutschen Werkbund und im Bund Deutscher Architekten; entsprechend führte er die Berufsbezeichnungen „Architekt D.W.B.“ beziehungsweise „Architekt B.D.A.“
Mit dem Architekten Fritz Höger war Winand befreundet und stand mit ihm in brieflichem Kontakt. Gemeinsam mit Höger und Kurt Felix Schmidt entwarf Winand einen Ausstellungspavillon für die erste vom Hamburger Überseeclub veranstaltete „Überseewoche“, die im August 1922 stattfand. In diesem Gebäude mit expressionistischen Formen – ineinander verschachtelte Würfel – präsentierte die Hamburger Ortsgruppe des Deutschen Werkbundes eigene Arbeiten, darunter erstmals ein Holzmodell des geplanten Chilehauses.Werkverzeichnis Fritz Höger, Nr. 113, S. 305, 306 (Digitalisat)
Winands Bauten für Kino, Tanz und Gastronomie waren durch eine sachliche, funktionale und weitgehend schmucklose Gestaltung geprägt. Er lehnte historisierende und romantisierende Dekorationen ab und entwickelte stattdessen Baukörper, deren äußere Form sich aus der jeweiligen Nutzung und der inneren Organisation der Gebäude ergab. Seine architektonischen Arbeiten wurden in den Jahren 1923 und 1928 in der Fachzeitschrift Moderne Bauformen ausführlich gewürdigt und mit zahlreichen Fotos und Grundrisszeichnungen vorgestellt. In dem Beitrag aus dem Jahr 1928 heißt es:
1932 nahm Winand gemeinsam mit dem Hamburger Bildhauer Werner Zeppenfeld (1893–1933) am Ideen-Wettbewerb für das geplante „Reichsehrenmal“ bei Bad Berka teil. Der Wettbewerb betraf die Gestaltung eines großflächigen Ehrenmals im Berkaer Wald bei Bad Berka in Thüringen, für das rund 1800 Entwürfe eingegangen waren. Das Preisgericht wählte zunächst 20 Entwürfe aus, die mit je 1.000 Reichsmark prämiert wurden. Der Beitrag von Winand und Zeppenfeld gehörte zu den 20 prämierten Entwürfen. Das Projekt kam jedoch nicht zur Ausführung.
Carl Winand war unter anderem für den Bau der Hanseatenhalle in Hamburg verantwortlich, die damals als „größte Sporthalle der Welt“ bezeichnet wurde. Guido Harbers, der Chefredakteur der Fachzeitschrift Der Baumeister, stellte das Bauwerk in Heft 11/1935 ausführlich vor; die zugehörigen Lichtbilder im Artikel stammten von Ernst Scheel. Winand plante ebenfalls das große Lichtspieltheater „Schauburg“ am Millerntor, das Ballhaus „Fledermaus“ und das Restaurant „N“ an der Reeperbahn.
Winand entwarf auch private Wohnhäuser und ganze Wohnsiedlungen in Hamburg, darunter die Wohnanlagen Legienstraße, VierbergenRalf Lange: Architekturführer Hamburg. Edition Axel Menges, Stuttgart 1995, S. 288. und Woermannsweg/Am Hasenberge, wo er seit 1929 selbst wohnte.
Carl Winand starb am 4. Juli 1955 im Alter von 75 Jahren in Hamburg.
Bauten in Hamburg (Auswahl) Hanseatenhalle Lichtspieltheater Schauburg Ballhaus Fledermaus Restaurant „N“
Literatur Hugo Koch: Arbeiten des Architekten Carl Winand, D.W.B., Hamburg. In: Moderne Bauformen, Jg. 22, 1923, S. 65–77.
Weblinks
Historische Fotos vieler Bauten
Einzelnachweise
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