Tazacorte (offiziell: La Villa y Puerto de Tazacorte) ist eine der 14 Gemeinden auf der Kanarischen Insel La Palma. Sie liegt am mittleren Teil der Westküste dieser Insel.
Im Gemeindegebiet begann 1492 die spanische Eroberung La Palmas. Aufgrund der guten klimatischen Lage und Wasserversorgung haben die Eroberer frühzeitig Zuckerrohr anbauen lassen, was über mehr als drei Jahrhunderte lang in der Gemeinde erfolgreich möglich war. Die heute noch existierenden Herrenhäuser zeugen von dieser Entwicklung. Die wesentlichen Erwerbsgrundlagen der Gemeinde sind heute ausgedehnte Bananenplantagen und der sanfte Tourismus. Besonderheiten der Gemeinde sind das historische Treppenviertel in Villa de Tazacorte und der Fischerei- und Yachthafen.
Geographie Geographische Lage und Geologie mini|links|Villa de Tazacorte, Montaña La Laguna, Montaña Todoque, Faro de Punta Lava
Die Gemeinde liegt im Wesentlichen auf einer Ebene oberhalb einer Steilküste zum Atlantischen Ozean. Sie erstreckt sich parallel zur Küste über etwa 9 Kilometer und ins Inselinnere über etwa 2 Kilometer leicht ansteigend (von etwa 50 bis 300 Meter über dem Meeresspiegel). Unterhalb der Steilküste befinden sich an wenigen Stellen Badestrände. Ausnahmen davon sind der alte und der neue Hafen im Norden und eine große ins Meer vorspringende, beim Vulkanausbruch 1949 entstandene LavaplattformDie San-Juan-Eruption 1949, Website von Rainer Olzem, Diplom-Geologe (abgerufen am 1. Dezember 2019). im Süden, auf der nach einer Rekultivierung neben Bananenplantagen die Siedlung La Bombilla und der Leuchtturm Faro de Punta Lava errichtet wurden; ein weiterer Strand dort (Playa Nueva) wurde 2021 beim Vulkanausbruch verschüttet.
Im Norden grenzt Tazacorte an die Gemeinde Tijarafe und im Osten und im Süden an die Gemeinde Los Llanos de Aridane. Die nördliche Gemeindegrenze verläuft ab der Landzunge Punta de Juan Graje im alten Hafen zunächst über deren Spitze El Bine am Grat des Time oberhalb der Steilwand des Barranco de Las Angustias, um dann auf etwa 300 msnm bis zum Weiler Amagar zu führen. Dort biegt sie nach Südwesten ab, führt durch den Barranco und hinauf bis zum Grat der Hochebene von Argual; am Grat verläuft sie zum Atlantik, dann entlang der Küste und des Barranco de Tenisque, um kurz hinter der LP-2 westlich der Montaña Triana (353 Meter) nach Süden östlich von Montaña La Laguna (339 Meter) und Montaña Todoque (348 Meter) zu führen. Die Vulkankegel stehen unter Naturschutz und bilden mit der Montaña de Argual das Monumento Natural de los Volcanes de Aridane.Monumento Natural de los Volcanes de Aridane.Monumento Natural de los Volcanes de Aridane (Documento Informativo). Auf der Höhe von La Bombilla erstreckt sich die südliche Grenze der Gemeinde vom Atlantik im Westen bis zum Camino el Tablao im Osten.
Von den mehr als hundert Lavaröhren auf La Palma befinden sich fünf auf dem Gebiet von Tazacorte: die Cueva de Hércules, die Cueva de Los Caracoles (beide nördlich der Montaña La Laguna), die Cueva de El Perdido (mit vier Öffnungen in der Steilküste), die Cueva La Muralla und die Cueva de la Terraza de Verano (beide im Süden der Gemeinde).
Die Cueva de El Perdido ist mit einer Ausdehnung von 1288 Metern die nach der Cueva Honda del Bejenado (Gemeinde El Paso, 1362 Meter) am weitesten verzweigte Lavaröhre von La Palma.Las cavidades volcánicas de los términos municipales de Los Llanos de Aridane y Tazacorte (La Palma, Islas Canarias), F. Dumpiérrez, M. Fernández, O. Fernández, R. García, A.J. González, F. Govantes, J.M. Hernández & M. Muñoz, Website Memoria digital de Canarias. Enthält auch die Lage und Schnittzeichnungen der Röhren. (abgerufen am 30. November 2014).Tubo Volcánico de Todoque, Website von Rainer Olzem, Diplom-Geologe (abgerufen am 30. November 2014).
Gemeindeteile mini|hochkant=0.8|links|Gemeindeteile (barrios) von Tazacorte mini|hochkant=2.5|Panorama Villa de Tazacorte (rechts im Hintergrund Marina und San Borondón) Die Gemeinde Tazacorte besteht aus den Gemeindeteilen (von Nord nach Süd) El Puerto (auch genannt: Puerto de Tazacorte), Tarajal, Cardón, Tazacorte (auch genannt: Villa de Tazacorte), San Borondón, Marina und La Costa. Nur in den Gemeindeteilen Villa de Tazacorte, San Borondón und Puerto de Tazacorte bestehen geschlossene Dörfer, in allen anderen Gemeindeteilen nur Weiler oder verstreute Häuser.
Villa de Tazacorte Der Ort Tazacorte ist der Verwaltungssitz der Gemeinde und der infrastrukturelle Kern. Hier vermischen sich traditionelle Baustile mit moderner Architektur. Alte Häuser, in kanarischem oder kolonialem Stil, mit engen Gassen zeichnen überwiegend das Bild des Ortes, der auch „Paris chiquito“ (Klein-Paris) genannt wird. Das Viertel El Charco war das ursprüngliche Zentrum, an dem die Familie Monteverde eine erfolgreiche Zuckerfabrik ansiedelte. Der Ort wuchs durch Wohnungen für Angestellte, durch Mühlen und Werkstätten und andere Wirtschaftsgebäude.
Puerto de Tazacorte mini|Strand von Puerto de Tazacorte mini|Fischerei- und Yachthafen, Mai 2018 Der Ort El Puerto liegt am Ende des Barranco de Las Angustias. Der heutige Fischerei- und Yachthafen wurde von 1976 bis 1981 südlich des alten Hafens, an der Mündung des Barranco de Tenisca (im benachbarten Gemeindeteil Tarajal) gebaut und ist der größte Hafen der Insel. Von 1999 bis 2003 wurde der Hafen erweitert und die alte Hafenmole zum Schutz des Strandes weiter ausgebaut. Hier befindet sich eine Marina. Die neue Mole schützt insbesondere den Strand vor den zum Teil mehrere Meter hohen Wellen. Eine weitere Hafenerweiterung wurde für den Fähr- und Kreuzschifffahrt-Verkehr ausgelegt, wird jedoch derzeit nicht genutzt.
An der Stelle des Deiches war 1936 bereits ein Wellenbrecher zum Schutz des ersten Hafens von Tazacorte, von dem aus der Export der Bananen erfolgte, gebaut worden. Eine geeignete Straßenverbindung zum Hafen der Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma existierte damals noch nicht.El puerto de Tazacorte en los años de la autarquía, Website La Palma, Isla Adentro von Juan Carlos Díaz Lorenzo, Eintrag vom 8. November 2009 (abgerufen am 30. November 2014).
El Puerto und Tarajal verfügen zusammen über einen etwa zwei Kilometer langen Badestrand aus schwarzem Lavasand mit einer entsprechend langen Promenade. Mit 3500 Sonnenstunden im Jahr ist Puerto de Tazacorte der sonnenreichste Ort der Insel. Der Strand Los Tarajales in der Nähe des Hafens ist seit 2014 für Nudisten geöffnet.Neuer FKK-Strand auf La Palma erfreut sich großer Beliebtheit, Website privateHOLIDAY, Eintrag vom 30. Juli 2014 (abgerufen am 30. November 2014).
Bedeutung des Ortsnamens Die ersten Einwohner La Palmas, die Benahoaritas, dürften aus dem Südwesten Marokkos zugewandert sein. Der Name Tazacorte wird auf den berberischen Begriff askar, azaġar o. ä. (dt. „Ebene“, „flache Weide“) oder auf tizekkar: „Parzelle“ zurückgeführt.Dominik Josef Wölfel: Monumenta Linguae Canariae. Graz 1965, S. 741. Zum Vergleich: Der Name der marokkanischen Stadt Zagora war früher Tzagurt, Tazakurt oder Tazagourt (ⵜⴰⵣⴰⴳⵓⵔⵜ). Tazaghart ist ein 300 Meter hoch flacher Berg in Marokko, siehe Lage auf mapcarta.com. Angeblich haben die ursprünglichen Bewohner des Ortes den spanischen Eroberern gesagt, dass der Ortsname „die taza von Corte“ (unbekannte Person), bedeutete, wegen der Form des Platzes, aber es könnte auch „der Hof vom Taza“ sein, ein vermutlicher (nicht nachweisbarer) König der Benahoaritas,Joaquín Caridad Arias: »Tenerife«: Überlegungen zur Herkunft des Namens. In: Almogaren 31 (2000): 19-43. was sich leider bis heute als „Hof des Tazo“ in einigen Reiseführern findet.
Geschichte Am 29. September 1492, dem Tag des Heiligen Michael, begann unter der Führung von Alonso Fernández de Lugo im zugänglichen Küstenabschnitt des heutigen Puerto de Tazacorte die spanische Eroberung und Inbesitznahme von La Palma. Zu Ehren des Heiligen Michael wurde von den Spaniern die erste Kapelle am Ort der heutigen Kirche San Miguel Arcángel in Tazacorte errichtet. Der Heilige Michael gab der Insel auch ihren ursprünglichen Namen, Isla de San Miguel de La Palma.
Errichtung großer Landgüter Das Land des Aridanetals wurde unter den Besetzern aufgeteilt, ebenso wie die Wassernutzungsrechte in der Caldera de Taburiente. In der Folgezeit errichteten Familien aus der Hauptstadt und flämische Kaufleute, die im Zuckergeschäft den wirtschaftlichen Wohlstand sahen, große Landgüter in Tazacorte. Die Zuckerfabriken der Familien Monteverde, Van Dale, Sotomayor und Massieu, denen das gesamte, klimatisch sehr geeignete Land samt Wassernutzungsrechten gehörte, wurden zur wirtschaftlichen Antriebskraft der Insel. Die Hacienda de Abajo war das größte Zuckerrohrlandgut Tazacortes. Es wurde von Juan Fernández de Lugo, dem Neffen des spanischen Eroberers Alonso Fernández de Lugo, errichtet. Das Handelshaus der Welser kaufte es im Jahre 1509 mit großen Teilen des Aridane-Gebietes und veräußerte es 1513 wieder an den Kölner Kaufmann Johann Byse (Byss oder Biesen) und dessen Neffen Jakob Groeneberg, der ganz nach La Palma zog. Er ließ sich in Tazacorte unter dem spanischen Namen „Don Jácome de Monteverde“ nieder.Comunidad de Aguas Privadas: Estatutos del Heredamiento de las Haciendas de Argual y Tazacorte. Barcelona 1967, S. VI. Später übernahmen die Familien Sotomayor und die aus Lillo, Berendrecht und Zuidland (Flandern) das Gut. Über die Jahrhunderte verschwägerten sie sich miteinander; bis heute halten wenige dieser Familien die Wasserrechte. Im 16. Jahrhundert wurden der kleine Palast des Vizconde del Buen Paso, die Casa Monteverde und das Herrenhaus des Vaters des späteren Generalkapitäns des spanischen Flotte, Francisco Díaz Pimienta, der 1594 in Tazacorte geboren sein soll,José Wangüemert y Poggio: El Almirante Don Francisco Díaz Pimienta y su época. Tazacorte 1990, S. 55 f. errichtet. Im nächsten Jahrhundert folgte die Casa Massieu. Der wesentliche Teil der flämischen Kunstsammlung dieser Familien befindet sich heute wieder in Tazacorte in dem historischen Gebäude des Hotels Hacienda de Abajo., Website des Hotels Hacienda de Abajo (abgerufen am 1. Dezember 2014).
Zur Abwehr von Piratenüberfällen errichteten die Besitzer der Landgüter im 16. Jahrhundert zwei heute nicht mehr existierende Schutzanlagen in Puerto de Tazacorte, die Schanze El Reducto de Juan Graje und das Castillo de San Miguel en Tazacorte. Sie waren mit jeweils fünf Kanonen aus Eisen bestückt und mit 50 Soldaten besetzt. Damit konnten in den folgenden drei Jahrhunderten mehrere Piratenangriffe abgewehrt werden. Nach einer historischen Karte der Bucht des heutigen Puerto de Tazacorte befanden sich in ihrem nördlichen Teil die Schanze (oberhalb der Mündung des Barranco de Las Angustias) und im südlichen Teil das Castillo (an der Mündung des Barranco de Tenisque, wo sich der heutige Hafen befindet).
Eine verhängnisvolle Erfahrung mit den Piraten machte im Juni 1570 eine vierzigköpfige portugiesische Jesuitengruppe unter Leitung des Provinzials Inácio de Azevedo, die auf dem Seeweg von Lissabon nach Brasilien war. Eine Gedenktafel an der Casa Monteverde in Tazacorte weist auf eine Begegnung mit der Familie Monteverde hin. Bei der Weiterfahrt wurde das Schiff von französischen Piratenschiffen unter dem Kommando von Jacques de Sores angegriffen, um in den Besitz der für Brasilien vorgesehenen reichhaltigen Waren zu gelangen. Die Jesuitengruppe wurde dabei umgebracht. 1854 wurde die Gruppe als Vierzig Märtyrer von Brasilien seliggesprochen. auf der Website Buen Viaje (abgerufen am 1. Dezember 2014).
Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs lebte der Großteil der Bevölkerung von Tazacorte, Bauern- und Fischerfamilien, unter armseligen Bedingungen in einem Viertel oberhalb der Herrschaftshäuser, das lange vom benachbarten Los Llanos de Aridane verwaltet wurde. auf der Website Buen Viaje (abgerufen am 1. Dezember 2014).
Zuckerrohranbau