mini|Stefan Jagsch, 2023 Stefan Jagsch (* 8. August 1986 in Hanau) ist ein deutscher Politiker der rechtsextremistischen Partei Die Heimat (vormals NPD) und Vorsitzender des Landesverbands Hessen. Seit März 2016 ist er in der Gemeindevertretung Altenstadt in Hessen und von September bis Oktober 2019 war er Ortsvorsteher des Ortsteils Waldsiedlung.

Leben In der Heimat hatte er verschiedene Ämter inne. Er war Landesorganisationsleiter Hessens, stellvertretender Kreisvorsitzender des Kreisverbandes Wetterau, stellvertretender Landesvorsitzender der hessischen Jungen Nationaldemokraten und, bevor er zum Vorsitzenden gewählt wurde, stellvertretender Landesvorsitzender der Heimat Hessen (damals noch „NPD“). Er ist Ortsverbandsvorsitzender Altenstadt/Limeshain. Jagsch kandidierte für die NPD bei der Bundestagswahl 2009, 2013 und 2017 sowie den Landtagswahlen Hessen 2008, als er im Wahlkreis Main-Kinzig III 0,9 % der Erststimmen bekam, und 2009, als er im Wahlkreis Wetterau I 1,3 % der Erststimmen erreichte.

Im Falle eines Wahlerfolges schloss Jagsch 2013 eine Koalition mit den etablierten Parteien aus, „da sie mit ihrem Verhalten den Volkstod fördern und teilweise auch noch öffentlich propagieren“. Am 4. März 2018 kandidierte Jagsch als Bürgermeister in der Gemeinde Altenstadt.FR: „NPD-Mann Stefan Jagsch will Bürgermeister werden“, 3. Januar 2018. Auf ihn entfielen 249 Stimmen, was 6,0 % der abgegebenen Stimmen entsprach.Endgültiges Wahlergebnis auf www.altenstadt.de, abgerufen am 5. April 2019.

In den vom Landesamt für Verfassungsschutz Hessen herausgegebenen Verfassungsschutzberichten für 2013Seite 94 wie auch für 2014Seite 34 wird Jagsch als führendes NPD-Mitglied erwähnt. Im 2022 bekannt gewordenen (eigentlich geheimen) NSU-Bericht des hessische Verfassungsschutzes wird Jagsch über das Jenaer Braune Haus zudem ein beiläufiger Kontakt zu Beate Zschäpe, einem der drei NSU-Mitglieder, nachgesagt.verfassungsschutzschutz.de Seite 19 des PDF-Dokumentes

Job bei der Stadt Frankfurt Im Jahr 2014 wurde Jagsch, der zuletzt im Jobcenter Höchst am Empfangsschalter gearbeitet hatte, von der Stadt Frankfurt entlassen. Für hochrangige Mitglieder einer rechtsextremen Partei gebe es keinen Platz in der Frankfurter Stadtverwaltung, teilte die Stadt mit. Die Kündigungen (eine ordentliche und eine außerordentliche) wurden vom Arbeitsgericht für unwirksam erklärt, da Jagsch als einfacher Büroangestellter eine Tätigkeit ausübe, „die kein besonderes, sondern ‚nur‘ ein einfaches Maß an Verfassungstreue erfordert.“ Dies sei bereits gegeben, wenn die freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht aktiv bekämpft werde. Damit liege kein Kündigungsgrund vor.

Im Jahr 2025 wird ihm erneut gekündigt, nachdem er zuletzt im Frankfurter Jugend- und Sozialamt in der Verwaltung als Systemadministrator ohne Kundenkontakt beschäftigt wurde. Daraufhin bestätigte die Stadt Frankfurt einen Rechtsstreit mit Jagsch.

Im März 2026 urteilte das Frankfurter Arbeitsgericht, dass Jagsch „das für seine Tätigkeit bei der beklagten Stadt unabdingbare Maß an Verfassungstreue nicht (mehr) aufbringt“.

Seine Aktivität für die Heimat könnte laut Urteil weiterhin zwar weiterhin keine Kündigung begründen, aber seine Posts bei Facebook zwischen 2020 und 2024, bei der er die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck als „eine der mutigsten Kämpferinnen für die historische Wahrheit“ bezeichnet, und behauptet, Haverbeck müsse „aufgrund von Meinungsäußerungen“ ins Gefängnis und sei als politische Gefangene zu betrachten, und seinem Wunsch an eine Richterin die Haverbeck wegen Volksverhetzung verurteilt hatte, dass sie „mindestens dieselbe Zeit in Haft mit kriminellen Straftätern verbringen muss und jeder der Insassen erfährt, welchen Beruf sie vorher ausführte“, könnten laut Gericht nur so verstanden werden, „dass der Kläger den Holocaust ebenfalls leugnet oder jedenfalls verharmlost“.

Seine Äußerungen könnten nicht mehr mit einem nötigen Maß an Verfassungstreue in Einklang gebracht werden und es überwiege das Interesse der Stadt an der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Auf Facebook kündigte Jagsch an, Rechtsmittel einzulegen.Facebook-Post vom 11. März 2026 abgerufen am 30. Mai 2026

Mediale Aufmerksamkeit nach Verkehrsunfall Jagsch kam Mitte März 2016 gegen 9 Uhr morgens auf der Bundesstraße 521 zwischen Altenstadt und dem benachbarten Büdingen im Wetteraukreis mit seinem Wagen von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. Jagsch musste schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden. Internationale mediale Aufmerksamkeit erreichte dieser Vorfall, nachdem die Frankfurter Rundschau (FR) zunächst gemeldet hatte, der Unfall sei von Personen bemerkt worden, die aus Syrien stammten. Diese hätten dem Unfallopfer Jagsch Erste Hilfe geleistet. Andere Quellen bezweifelten die Darstellung der FR. Die Identitäten der Helfer wurden nicht bekannt.Alexander Jürgs: Der „herzlose NPD-Mann“ und die „hilfsbereiten Syrer“, WeltN24, 2. Mai 2016.Thomas Schmoll: "Syrische Flüchtlinge als Retter": Mann beißt NPD-Politiker, Kress.de, 16. Mai 2016.

Ortsvorsteher Jagsch wurde im September 2019 einstimmig im Ortsbeirat durch die NPD, SPD, CDU und FDP zum Ortsvorsteher des Ortsteils Waldsiedlung der Gemeinde Altenstadt gewählt. Dies führte zu Irritationen und Entsetzen insbesondere bei jenen Parteien, deren Ortsbeiratsmitglieder für Jagsch gestimmt hatten.Ein einmaliger Vorgang: NPD-Mann wird Ortsvorsteher in der Waldsiedlung, kreis-anzeiger.de, 7. September 2019, abgerufen am 7. September 2019.Neonazi mit Stimmen von CDU, SPD und FDP zum Ortsvorsteher gewählt, spiegel.de, 7. September 2019, abgerufen am 7. September 2019. Norbert Szielasko, Vertreter der CDU, erklärte, er habe für Jagsch gestimmt, da man im Ortsbeirat parteilos agiere und „Wir hatten keinen anderen – vor allem keinen Jüngeren, der sich mit Computer auskennt, der Mails verschicken kann“.Rechtsextremist von CDU, SPD und FDP zum Ortsvorsteher gewählt, hessenschau.de, 8. September 2019, abgerufen am 8. September 2019.Weil er E-Mails schreiben kann: NPD Politiker zum Ortsvorsteher gewählt, osthessen-news.de, 9. September 2019, abgerufen am 30. Mai 2026. Seit der Ernennung werden in den deutschen Medien zahlreiche Diskussionen zum Mangel an Freiwilligen in der Kommunalpolitik geführt.Wie umgehen mit NPD und Co im Gemeindeparlament? Kommunal am 11. September 2019

Die Wahl des Ortsvorstehers war notwendig geworden, da der bisherige, erst im Juli 2016Fühlen uns alleingelassen, kreis-anzeiger.de, 20. Juli 2016, abgerufen am 7. September 2019. angetretene Amtsinhaber Klaus Dietrich (FDP) sein Amt niedergelegt hatte.NPD-Politiker mit Stimmen von CDU, SPD und FDP zum Ortsvorsteher gewählt, welt.de, 7. September 2019, abgerufen am 7. September 2019. Zur Begründung des Rücktritts heißt es im Protokoll: „Der Grund der Funktionsniederlegung ist die politische Wirkungslosigkeit des Gremiums Ortsbeirat, da hier keinerlei Entscheidungsbefugnis besteht, und durch viele Beispiele belegt, die Unterstützung des Gemeindevorstandes oder gar der Gemeindevertretung nicht gegeben ist. Herr Dietrich verzichtet auf eine detaillierte Darstellung der ihn bewegenden Problematik, bringt aber deutlich zum Ausdruck, dass der Ortsbeirat Waldsiedlung kein nörgelndes, ständig kritisierendes Organ der Verwaltung war und ist, sondern für den Ortsteil und seine Bürger die Stimme erhoben hat.“NPD-Politiker wird zum Ortsvorsteher gewählt – von CDU, SPD und FDP, watson.de, 8. September 2019, abgerufen am 8. September 2019.

Aufgrund großen medialen Drucks wurde Jagsch schließlich abgewählt. Neue Ortsvorsteherin der Waldsiedlung wurde im Oktober 2019 die CDU-Abgeordnete Tatjana Cyrulnikov (7/8 Stimmen). Jagdsch kündigte daraufhin eine Klage an.

Das Verwaltungsgerichts Gießen entschied mit seinem Urteil vom 26. Februar 2021, dass die Abberufung und die Wahl seiner Nachfolgerin nicht angefochten werden kann.

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Einzelnachweise

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