Lavendel (Lavandula) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die 28 bis 37 Arten sind von Makaronesien über den Mittelmeerraum bis Westasien und auf dem Indischen Subkontinent verbreitet. Wirtschaftlich bedeutend sind der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia), der Speik-Lavendel (Lavandula latifolia) und der Lavandin (Lavandula hybrida).

Beschreibung mini|links|Illustration des Breitblättrigen Lavendels (Lavandula latifolia) mini|Sektion Lavandula: Zygomorphe Blüte des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia) mit zweilippiger Krone

Vegetative Merkmale Die Lavendel-Arten sind Halbsträucher, kleine Sträucher oder selten ausdauernde krautige Pflanzen. Junge Zweige sind oft vierkantig. Alle Pflanzenteile enthalten ätherische Öle.

Die aromatisch duftenden, gegenständig bis wirtelig angeordneten, ungestielten Laubblätter sind ganzrandig, selten gezähnt oder fiederschnittig, und häufig dicht behaart.

Generative Merkmale In endständigen, lang gestielten Scheinähren stehen Halbquirle. In den Achseln von oft häutigen oder bunten Tragblättern, die sich deutlich von den Laubblättern unterscheiden und die Blütenkelche kaum überragen, stehen in den Halbquirlen meist drei bis fünf (ein bis zehn) Blüten zusammen. Wenn Deckblätter vorhanden sind, dann sind sie relativ klein. Die Blüten sind kurz gestielt oder fast sitzend.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind verwachsen mit meist 13 (8 bis 15) Nerven; die Kelchröhre ist walzlich, seine Oberlippe ist meist einzähnig und die Unterlippe vierzähnig. Die Kelchzähne sind klein, der obere trägt an der Spitze ein herzförmiges oder verkehrt-eiförmiges Anhängsel. Die fünf Kronblätter sind zu einer zweilippigen Krone verwachsen, die meist eine intensiv blaue bis violette Farbe aufweist. Die Oberlippe hat zwei, die Unterlippe drei rundliche, flache oder leicht zurückgebogene Kronzipfel. Es gibt zwei längere und zwei kürzere Staubblätter, die alle fruchtbar und vorne gebogen sind. Staubblätter und Griffel sind kürzer als die Kronröhre und daher nicht sichtbar. Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen, der durch eine falsche Scheidewand in vier Teile geteilt wird. Der einfache Griffel hat zwei flache, eiförmige Narbenlappen.

Die Klausenfrüchte zerfallen in vier dünnschalige, glänzende Klausen, die eine kleine, grund- bis rückenständige Ansatzfläche (Areole) aufweisen.

Ökologie Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie) oder Vögel (Ornithophilie).

Systematik und Verbreitung mini|Sektion Dentatae: Französischer Lavendel (Lavandula dentata) mini|Sektion Stoechas: Schopf-Lavendel (Lavandula stoechas) mini|Sektion Stoechas: Lavandula viridis mini|Sektion Pterostoechas: Lavandula canariensis mini|Sektion Pterostoechas: Farnblättriger Lavendel (Lavandula multifida) mini|Sektion Pterostoechas: Lavandula rotundifolia

Die Gattung Lavandula (von lateinisch lavandula, mittellateinisch auch lavendula, für Echter LavendelGundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 413 (zu lafendel, laffendel, lauendula und lavendel).) wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum aufgestellt. Synonyme für Lavandula sind: Chaetostachys , Fabricia , Isinia , Sabaudia , Stoechas , Styphonia

Die Gattung Lavandula gehört zur Untertribus Lavandulinae der Tribus Ocimeae in der Unterfamilie Nepetoideae innerhalb der Familie Lamiaceae.

Die Gattung Lavandula kommt wild auf den atlantischen Inseln, im Mittelmeerraum, Afrika, Südwestasien bis Indien vor. Sieben Arten kommen in Europa vor. Vereinzelte eingebürgerte Bestände des Echten Lavendels existieren auch nördlich der Alpen.

Die Gattung Lavandula wird in drei Untergattungen und acht Sektionen gegliedert und enthält 28 bis 37 Arten: Untergattung Lavandula: Sektion Lavandula: Echter Lavendel (Lavandula angustifolia ): Die zwei Unterarten kommen vom nordöstlichen Spanien über Frankreich bis Italien vor. Er ist in vielen Gebieten ein Neophyt. Ein Synonym war Lavandula officinalis , ein anderes Lavandula spica . Wolliger Lavendel (Lavandula lanata , Synonyme: Lavandula spica var. tomentosa , Lavandula spica var. lanigera , Lavandula tomentosa ): Er kommt nur im südlichen Spanien vor. Breitblättriger Lavendel (Lavandula latifolia ): Er ist von Spanien bis Italien verbreitet. Sektion Dentatae : Französischer Lavendel (Lavandula dentata ): Er ist im westlichen Mittelmeerraum, im nordöstlichen Afrika und in Vorderasien verbreitet. Man kann zwei Varietäten unterscheiden. Sektion Stoechas : Lavandula pedunculata : Die fünf Unterarten sind von Iberische Halbinsel über das nordwestliche Afrika und Ägäis bis in die Türkei verbreitet. Schopf-Lavendel (Lavandula stoechas ): Er ist im Mittelmeerraum verbreitet. Lavandula viridis : Die Heimat ist das südliche Portugal und das südwestliche Spanien. Untergattung Fabricia : Sektion Pterostoechas : Lavandula antineae : Die Heimat sind die Gebirge der Sahara in Algerien, Niger, Sudan und Tschad. Es gibt drei Unterarten. Lavandula bramwellii : Sie ist ein Endemit der Insel Gran Canaria. Lavandula buchii : Sie ist ein Endemit der Insel Teneriffa. Es können drei Varietäten unterschieden werden. Lavandula canariensis : Die sieben Unterarten kommen auf den Kanaren vor. Lavandula citriodora : Sie kommt nur auf der südwestlichen Arabischen Halbinsel vor. Lavandula coronopifolia : Das Verbreitungsgebiet reicht von den Kapverdischen Inseln bis zum südlichen Iran. Lavandula mairei : Die Heimat ist Marokko. Man kann zwei Varietäten unterscheiden. Lavandula maroccana : Die Heimat ist Marokko. Lavandula minutolii : Es gibt zwei Varietäten: Lavandula minutolii var. minutolii: Dieser Endemit kommt nur im zentralen bis südlichen Gran Canaria vor. Lavandula minutolii var. tenuipinna : Dieser Endemit kommt nur im westlichen Teneriffa vor. Farnblättriger Lavendel (Lavandula multifida ): Das Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Portugal über Spanien und Sizilien bis Süditalien und von Nordafrika bis zum nordöstlichen Sudan. Lavandula pinnata : Sie kommt nur auf Madeira und Lanzarote vor. Lavandula pubescens : Das Verbreitungsgebiet reicht vom südöstlichen Mittelmeerraum bis zur westlichen Arabischen Halbinsel. Lavandula rejdalii : Sie kommt nur im südlichen Marokko vor. Lavandula rotundifolia : Die Heimat sind die Kapverden. Lavandula saharica : Die Heimat ist das südliche Algerien, das südliche Libyen und das südwestliche Ägypten. Lavandula tenuisecta : Die Heimat ist Marokko. Sektion Subnudae : Lavandula aristibracteata : Dieser Endemit kommt nur im nördlichen Somalia vor. Lavandula dhofarensis : Dieser Endemit kommt nur im südlichen Oman vor. Man kann zwei Unterarten unterscheiden. Lavandula galgalloensis : Dieser Endemit kommt nur im nördlichen Somalia vor. Lavandula macra : Die Heimat ist das nördliche Somalia und die südliche Arabische Halbinsel. Lavandula nimmoi : Es ist ein Endemit der Insel Sokotra. Lavandula qishnensis : Dieser Endemit kommt nur im südöstlichen Jemen vor. Lavandula samhanensis : Dieser Endemit kommt nur im südlichen Oman vor. Lavandula setifera : Die Heimat ist das nordöstliche Somalia und der südliche Jemen. Lavandula somaliensis : Dieser Endemit kommt nur im nördlichen Somalia vor. Lavandula subnuda : Die Heimat sind die Staaten der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf und das nordöstliche Oman. Sektion Chaetostachys : Lavandula bipinnata : Die Heimat ist Indien. Lavandula gibsonii : Sie kommt nur im westlichen und südwestlichen Indien vor. Sektion Hasikenses : Lavandula hasikensis : Dieser Endemit kommt nur im südlichen Oman vor. Untergattung Sabaudia : Sektion Sabaudia : Lavandula atriplicifolia : Die Heimat ist Ägypten und die westliche Arabische Halbinsel. Lavandula erythraeae : Dieser Endemit kommt nur in Eritrea vor.

Ölgewinnung Aus den Blütenständen mit Stängel wird Lavendelöl hergestellt. Siehe Hauptartikel → Echter Lavendel

Literatur

Tim Upson, Susyn Andrews, Georita Harriott, Christabel King, Joanna Langhorne: The Genus Lavandula. Timber Press, Portland, Oregon 2004, ISBN 0-88192-642-6.

Einzelnachweise Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Lavandula. In: Tim Upson, Susyn Andrews, Georita Harriott, Christabel King, Joanna Langhorne: The Genus Lavandula. Timber Press, Portland, Oregon 2004, ISBN 0-88192-642-6. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 572 ().

Weblinks

Kategorie:Lippenblütler