Die Evangelische Pfarrkirche in Rhein war ein im frühen 17. Jahrhundert errichtetes Gebäude und evangelisches Gotteshaus für das zum ostpreußischen Rhein (heute ) gehörende Kirchspiel. Die Kirche brannte 1940 ab; sie wurde durch eine Kapelle in direkter Nähe ersetzt.
Geographische Lage Ryn liegt am Jezioro Ryńskie () in Masuren zwischen den beiden Kreisstädten Giżycko (Lötzen) und Mrągowo (Sensburg). Die Kirche stand an der westlichen Landesstraße 59 (einstige deutsche Reichsstraße 140) – frühere Sensburger Straße, heutige ul. Partyzantów – an der Stelle des heutigen Gasthofs „Pod Kasztanami“ (Hausnummer 5). Nicht weit entfernt steht heute die Kapelle (Hausnummer 1).
Kirchengebäude und Kapelle In den Jahren 1602 bis 1604 wurde in Rhein an der Stelle eines früheren Baus die evangelische Pfarrkirche errichtet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 122, Abb. 565, 566. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein Umbau erforderlich, der zwischen 1871 und 1876 erfolgte und dem Gebäude neugotische Formen gab. Auch wurde es mit einem hohen Turm versehen.
Damals wurde die alte Ausstattung großenteils entfernt. Lediglich Reste des alten Gestühls sowie der Kanzelkorb und einzelne Figuren des Altaraufsatzes blieben erhalten. Auch ein Beichtstuhl stammte noch aus der alten Kirche.
Das Altarbild, vor dem ein Kruzifix auf dem Altartisch stand, zeigte den „Auferstandenen Christus“.
Das Geläut der Kirche bestand aus drei Glocken.
Am 1. Dezember 1940 – dem 1. Advent – brannte das Gotteshaus ab.Burg und Kirche in Rhein Ein Wiederaufbau erfolgte nicht. mini|links|Kapelle Ryn Für ihre Gottesdienste nutzte die evangelische Kirchengemeinde in der Folgezeit ihr Gemeindehaus, später auch die Kapelle in der Burg sowie die Friedhofskapelle, die unweit der früheren Pfarrkirche steht.Historia Parafii w Rynie Schließlich gelang es, ein schlichtes Einfamilienhaus zu erwerben, das ein ausgebauter Kirchsaal – ganz in Holz ausgestattet – nun zur evangelischen (Pfarr-)Kapelle in Ryn macht.Bildansichten der Kapelle in Ryn sowie der Filialkapellen
Kirchengemeinde Eine evangelische Kirchengemeinde wurde in Rhein im Jahr 1528 gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 492. Sie gehörte anfangs zur Inspektion RastenburgFriedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 120–121. – Moeller nennt als Gründungsjahr 1531. (), wurde dann aber dem Kirchenkreis Lötzen () in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union zugeordnet. Ihm gehörte das Kirchspiel Rhein bis 1945 an.
In dem weitflächigen Kirchspiel amtierte zunächst nur ein Pfarrer, ab 1566 wurde ihm ein zweiter zur Seite gestellt. Mit der Eröffnung einer Strafanstalt errichtete man hier zusätzlich eine Pfarrstelle für die Gefangenenseelsorge. Sie war bis 1903 besetzt.
Zum Pfarrsprengel Rhein gehörten sowohl polnische als auch deutsche Gemeindeglieder. So wurden hier zu Anfang des 18. Jahrhunderts Gottesdienste in polnischer Sprache gehalten.Lage von Ryn – Rhein und Geschichte
Im Jahr 1925 zählte die Pfarrei Rhein 6000 Gemeindeglieder, die in 28 Dörfern, Ortschaften und Wohnplätzen lebten. Das Kirchenpatronat oblag den staatlichen Stellen.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung kam das Leben der evangelischen Gemeinde in Rhein fast zum Erliegen. Auf dem Friedhof (polnisch cmentarz) befindet sich ein Massengrab, in dem auch die am 28. Januar 1945 von sowjetischen Soldaten erschossenen 24 Rheiner Bürger bestattet sein könnten. Am 26. Juni 2011 wurde hier ein Gedenkstein enthüllt mit der Aufschrift Grabstätte der Opfer von Krieg und Gewalt. Januar 1945. Die Gedenkrede hielt im Beisein polnischer Staats- und Kirchenvertreter der frühere evangelische Pfarrer Fryderyk Tegler.
In den Nachkriegsjahren jedoch sammelte sich in der jetzt „Ryn“ genannten Stadt wieder eine Kirchengemeinde, die zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen gehörte. Ryn blieb wie vordem Rhein Pfarrsitz. Jetzt gehören die beiden Filialgemeinden Sterławki Wielkie (Groß Stürlack) und Koczarki (Kotzargen, 1929 bis 1945 Eichhöhe) dazu.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Rhein gehörten bis 1945 insgesamt 28 Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort.
Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Bartlickshof Bartlikowo *Orlen Arlen Orło Bleihof Raczkowo Reichenhof Mleczkowo Glombowen Leithof Głąbowo *Rhein Ryn *Gneist Knis Rheinsfelde Ryńskie Pole Groß Notisten Notyst Wielkie Rheinshof Ryński Dwór Grünwalde Zielony Lasek Romminnek Hermanawolla (ab 1929)Hermannshorst Hermanowa Wola *Rübenzahl Rybical *Jesziorken (ab 1928)Preußenburg Jeziorko *Skoppen Reichenstein Skop Justusberg Siejkowo *Skorupken (ab 1927)Schalensee Skorupki Klein Rhein Ryn Mały *Slabowen (ab 1928) Langenwiese Słabowo *Krzysahnen (ab 1927)Steinwalde Krzyżany *Trossen Tros *Lawken Lauken Ławki Waldhof Canki *Mrowken (ab 1929)Neuforst Mrówki *Weydicken Weidicken Wejdyki Nieder Notisten Zondern Sądry
Pfarrer Ab 1566 waren zwei, von 1853 bis 1903 drei Pfarrer in Rhein tätig. Seit 1945 ist die Pfarrstelle wieder nur einfach besetzt:
Literatur Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 300–306. Albert Sapatka: Chronik der evangelischen Kirchengemeinde Rhein in Ostpreußen zum 300jährigen Jubiläum der Kirche 1604–1904. Königsberg 1904.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude (lutherisch) Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Bauwerk des Historismus in Deutschland Kategorie:Gmina Ryn Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Erbaut 1604