mini|450px|Die Anschlagsorte in Belgien Die Terroranschläge in Brüssel am 22. März 2016 waren Selbstmordattentate, die am Flughafen Brüssel-Zaventem (Provinz Flämisch-Brabant in Flandern) sowie in der Brüsseler Innenstadt (Region Brüssel-Hauptstadt) verübt wurden. Zu den Anschlägen bekannte sich laut einer ihr nahestehenden sogenannten Nachrichtenagentur die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Am Morgen des 22. März 2016 sprengten sich zwei Terroristen am Flughafen Brüssel-Zaventem und ein weiterer in der Brüsseler Innenstadt im U-Bahnhof Maalbeek/Maelbeek in die Luft. Letzterer liegt in unmittelbarer Nähe zu Gebäuden einiger EU-Behörden, darunter der Europäischen Kommission. Nach offiziellen Angaben kamen 32 Menschen aus 22 Ländern ums Leben, dazu drei der Attentäter, und mehr als 300 wurden verletzt.
Tathergang Anschlag am Flughafen Brüssel-Zaventem mini|Die Attentäter auf einem Bild einer Überwachungskamera der Flughafenhalle Brüssel-Zaventem: die beiden Selbstmordattentäter Najim Laachraoui (24, links) und Ibrahim El Bakraoui (29, Mitte) sowie Mohamed Abrini (31, rechts mit weißer Jacke und schwarzem Hut)
Am Flughafen Brüssel-Zaventem nahe der belgischen Hauptstadt detonierten gegen 8 Uhr morgens im Abstand von 10 bis 15 Sekunden zwei Sprengsätze in der Abflughalle in der Nähe zweier Abflugschalter. Die Glasfront der Halle ging zu Bruch, Teile der Hallendecke stürzten ein. Später wurden an der Stelle der Explosionen ein AK-47-Sturmgewehr gefunden sowie eine dritte Bombe, die nicht detoniert war. Diese dritte Bombe konnte entschärft werden. Die belgischen Behörden gaben später bekannt, dass es sich um ein Selbstmordattentat mit Nagelbomben gehandelt habe. Am Flughafen starben mindestens 11 Menschen und 100 wurden verletzt.
Laut Medienberichten hießen die Selbstmordattentäter Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui. Nach einem dritten Verdächtigen, der auf Überwachungsvideos mit schwarzem Hut und weißer Jacke zu sehen ist, leiteten die Behörden eine Fahndung ein. Ein zeitweilig Verdächtigter wurde wieder freigelassen. Ein Mann namens Mohamed Abrini gestand nach seiner Festnahme am 8. April 2016, der gesuchte dritte Verdächtige zu sein.Anschläge in Belgien: Festgenommener Abrini sagt, er sei der „Mann mit Hut“. Spiegel Online, 9. April 2016.
Anschlag in der U-Bahn-Station Maalbeek/Maelbeek mini|hochkant|Trauerbekundungen vor dem Eingang zur Station Maalbeek/Maelbeek, zwei Tage nach dem Anschlag Zu einer weiteren Detonation kam es um 9:11 Uhr Ortszeit in der Station Maalbeek/Maelbeek der Metro Brüssel in der Brüsseler Innenstadt, die in unmittelbarer Nähe zur Europäischen Kommission und zum Europäischen Rat liegt. Die Explosion ereignete sich in einem haltenden Metrozug, im mittleren eines aus drei Wagen bestehenden Zuges.Markus Becker: Der Terror trifft das Machtzentrum der EU. In: Spiegel Online, 22. März 2016. Als Attentäter wurde Khalid El Bakraoui identifiziert, sein Bruder Ibrahim El Bakraoui war einer der beiden Attentäter am Flughafen. In der U-Bahn starben sechzehn Menschen und etwa 130 wurden teils schwer verletzt.Bruzz: Namen van slachtoffers vereeuwigd in metrostation Maalbeek (niederländisch), 22. März 2019, abgerufen am 23. März 2019. Unter den Verletzten waren auch drei Mitarbeiter der Europäischen Kommission. Auch Oussama Krayem sollte sich in dem U-Bahn-Zug in die Luft sprengen, verließ aber El Bakraoui am Eingang der Metrostation Pétillon. Oussama Krayem hatte am Tag zuvor die Rucksäcke in der Brüsseler Innenstadt gekauft, sie wurden in dem Versteck der Flughafen-Attentäter in der rue Max Roos in Schaerbeek gefüllt und Krayem brachte am Abend zuvor beide Rucksäcke einzeln in das Versteck der beiden in der Avenue des Casernes in Etterbeek. Nachdem Krayem El Bakraoui verlassen hatte, nahm dieser irrtümlicherweise erst eine Metro stadtauswärts und wechselte in der Metrostation Beaulieu die Richtung.
mini|Gedenkwand von Benoît van Innis in der U-Bahn-Station Maelbeek in Brüssel mini|Gedenkliste zur Erinnerung an die 16 Todesopfer in der U-Bahn-Station Maelbeek in Brüssel
Opferzahlen Nach offiziellen Angaben starben 32 Opfer der Anschläge, darunter vier, die im Krankenhaus ihren Verletzungen erlagen, sowie die drei Selbstmordattentäter; insgesamt also 35 Menschen. Rund 340 Personen wurden verletzt. Zu den Todesopfern gehörte der belgische Diplomat André Adam, der von 1994 bis 1998 belgischer Botschafter in den Vereinigten Staaten gewesen war und Belgien von 2000 bis 2003 bei den Vereinten Nationen in New York vertreten hatte, seine Frau wurde bei dem Anschlag verletzt.Former Belgian ambassador to US killed in Brussels attacks. In: Politico, 26. März 2016, abgerufen am 20. Februar 2026 (englisch).
Im Mai 2022, sechs Jahre nach den Anschlägen, beendete eine 23-jährige Belgierin, die als 17-jährige den Terroranschlag im Brüsseler Flughafen miterlebt hatte und dadurch schwer traumatisiert wurde, aufgrund „unerträglichen psychischen Leidens“ mittels Sterbehilfe ihr Leben.Frédéric Soumois: Brussels Terror Attack Victim Euthanized at Age 23, Medscape, 25. Oktober 2022
Fahndung Zu den Anschlägen bekannte sich laut einer ihr nahestehenden sogenannten Nachrichtenagentur die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Bei der anschließend eingeleiteten Fahndung fand die Polizei eine weitere Nagelbombe und Chemikalien in einer der durchsuchten Wohnungen in Brüssel; dort wurde eine Flagge des „Islamischen Staates“ (IS) gefunden, die Terrororganisation bekannte sich nach Angaben des IS-Sprachrohrs Amaq am Nachmittag zu den Anschlägen. news.siteintelgroup.com (englisch) Auf die Spur der Wohnung der Attentäter kamen die Sicherheitskräfte durch die Aussage des Taxifahrers, der die drei Männer mit ihren großvolumigen Gepäckstücken zum Flughafen gefahren hatte.Polizei in Brüssel fahndet nach Terrorverdächtigen. Zeit Online, 23. März 2016; abgerufen am 24. März 2016 Ursprünglich planten die Attentäter, mehr Gepäckstücke mitzunehmen.
Nach Angaben des türkischen Staatspräsidenten Erdoğan ist Ibrahim El Bakraoui 2015 aus der Türkei ausgewiesen worden. Die Türkei habe belgische und niederländische Behörden am 14. Juli 2015 vergeblich gewarnt, dass es sich bei dem Mann um einen „ausländischen terroristischen Kämpfer“ handele. Die europäischen Behörden hätten aber „keine Verbindungen zum Terrorismus“ feststellen können. Offenbar soll ein belgischer Polizist in Istanbul wichtige Informationen verschleppt haben. Bereits nach der Terrorserie am 13. November 2015 in Paris habe die türkische Regierung französische Behörden zweimal vor einem der Terroristen gewarnt. Die französischen Behörden hätten darauf nicht reagiert.Scharfe Kritik an Belgiens Sicherheitsbehörden. merkur.de Der belgische Justizminister Koen Geens räumte Fehler der Sicherheitsbehörden im Umgang mit Informationen über Terroristen ein. Belgien hatte zur Terror- auch eine Regierungskrise. Koen Geens und der belgische Innenminister Jan Jambon boten ihre Rücktritte an.Belgischer Polizist verschleppte Attentäter-Infos. FAZ.net, 26. März 2016 Eine Kommission des Parlaments soll das Versagen der Regierung, der Justiz und der Polizei untersuchen.
Die Athener Polizei warnte bereits im Januar 2015 die belgischen Behörden vor einem islamistischen Terroranschlag auf dem Flughafen von Brüssel. Demnach wurden Pläne in zwei Wohnungen in Athen entdeckt, die von Islamisten angemietet worden waren. Nach den Anschlägen von Paris im November habe sich herausgestellt, dass es sich bei einem der Männer um Abdelhamid Abaaoud gehandelt habe. Abaaoud gilt als Drahtzieher der Pariser Anschläge und wurde wenige Tage nach der Terrorserie bei einem Anti-Terror-Einsatz im Pariser Vorort Saint-Denis getötet.Bericht: Athener Polizei hatte Pläne zu Brüssel-Anschlag entdeckt. Deutsche Welle, Aktuell Europa Ibrahim El Bakraoui befand sich bereits vor den Anschlägen von Paris vom 13. November auf einer Terroristenliste der Vereinigten Staaten. Kurz nach den Anschlägen wurde auch sein jüngerer Bruder Khalid El Bakraoui auf diese Liste gesetzt. In Deutschland nahm die Polizei zwei Männer fest, in Gießen und im Raum Düsseldorf, die zum Umfeld der Brüssel-Attentäter gehören könnten.
Am 8. April 2016 wurde Mohamed Abrini zusammen mit fünf weiteren Personen von der belgischen Polizei in der Brüssler Gemeinde Anderlecht verhaftet. Vier der Verhafteten wird vorgeworfen, an Terroranschlägen mit islamistischem Hintergrund beteiligt gewesen zu sein. Nach seiner Verhaftung gab Abrini an, der gesuchte „Mann mit dem Hut“ vom Brüsseler Flughafen zu sein. Hintergrund zu den Selbstmordattentätern Am 13. November 2015 war es in Paris zu Terroranschlägen gekommen. Salah Abdeslam, häufig als Logistiker der Pariser Terroranschläge bezeichnet, wurde wenige Tage vor den Anschlägen in Brüssel bei einer Razzia der belgischen Polizei in der Gemeinde Molenbeek-Saint-Jean/Sint-Jans-Molenbeek festgenommen. Bei den Attentätern von Brüssel handelte es sich um Mitglieder ebendieser Terrorzelle. Einige Medien spekulierten über eine mögliche Racheaktion der Terroristen. Am folgenden Mittwoch wurde in der Gemeinde Schaerbeek/Schaarbeek in einem Mülleimer ein Notebook mit einem Audio-Testament von Ibrahim El Bakraoui gefunden, in welchem dieser die Terroranschläge unter anderem mit dem gestiegenen Fahndungsdruck begründet. Nach Angaben der Brüsseler Staatsanwaltschaft war ein erneuter Anschlag in Paris geplant, aufgrund der Fortschritte bei den Ermittlungen hätten sich die Terroristen kurzfristig umentschieden.Ermittler in Belgien: Brüsseler Terroristen planten weiteren Anschlag in Frankreich Spiegel online, 10. April 2016, abgerufen am 11. April 2016. Najim Laachraoui, einer der Attentäter vom Flughafen, soll am Bau der Bomben für die Pariser Attentate beteiligt gewesen sein. Ibrahim El Bakraoui war ein verurteilter gewalttätiger Räuber. 2010 war er zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, weil er nach einem versuchten Raub auf Polizisten geschossen hatte. Aus der Haft wurde er frühzeitig auf Bewährung entlassen. Er verschwand, nachdem er gegen Bewährungsauflagen verstoßen hatte.Björn Hengst: Spiegel Online, 10. April 2016 Khalid El Bakraoui hat sich den Ermittlungen zufolge am 22. März in einem Zug in Brüssel in die Luft gesprengt. Wegen mehrfachen Autodiebstahls war er 2011 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, hatte sich der Strafe aber entzogen. Er steht im Verdacht, die Wohnung des Paris-Attentäters Salah Abdeslam angemietet zu haben. Najim Laachraoui hatte Verbindungen zu den Pariser Attentaten. Auf einem Sprenggürtel, der in Paris verwendet wurde, waren DNA-Spuren von ihm zu finden. Laachraoui scheint nach Angaben eines Fernsehsenders fünf Jahre lang auf dem Brüsseler Flughafen gearbeitet zu haben. Laut Angaben des Senders hätten Laachraoui und andere einen geheimen Gebetsraum auf dem Flughafen eingerichtet.Daniel Steinworth: Brüsseler Selbstmordattentäter arbeitete offenbar selber im Flughafen. In: NZZ, 21. April 2016.
Prozess Am dritten Jahrestag der Anschläge kündigte die belgische Justiz an, dass der Prozess im Jahr 2020 beginnen solle und auf mindestens sechs Monate ausgelegt werde. Da bei dem Prozess etwa 600 Nebenkläger beteiligt sein sollten, und etwa tausend Zuschauerplätze benötigt wurden, fand der Prozess nicht im Brüsseler Justizpalast statt, sondern wurde in das alte NATO-Hauptquartier in Evere ausgelagert. Im Februar 2020 gab die belgische Staatsanwaltschaft bekannt, dass sie Anklage gegen dreizehn Personen erhebe, von denen die meisten in Untersuchungshaft saßen: Salah Abdeslam wurde zwar vier Tage vor den Attentaten am 18. März wegen der Beteiligung an den Terroranschlägen am 13. November 2015 in Paris in Molenbeek in der Rue de Quatre-Vents verhaftet, war aber Teil der Terrorzelle.