mini|Theodor von Stockert (2012) Theodor Ritter von Stockert (* 29. Dezember 1938 in Frankfurt am Main; † 31. Mai 2026) war ein deutscher Neurologe mit Schwerpunkt Aphasietherapie.
Leben Theodor von Stockert war das dritte von vier Kindern des Psychiaters Franz Günther von Stockert (1899–1967) und seiner Ehefrau Liesette (1907–1977), Tochter des Psychiaters Gabriel Anton (1858–1933). Sein Urgroßvater mütterlicherseits war der Psychiater und Neuroanatom Theodor Meynert (1833–1892). Von Stockert besuchte die Grundschule und das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Frankfurt. Anschließend studierte er Medizin in Frankfurt am Main und Wien. Am Max-Planck-Institut für Hirnforschung schrieb er seine Dissertation „Elektronenmikroskopische Studien zu Waller’schen Degeneration“ und wurde damit 1968 an der Universität Frankfurt am Main mit „magna cum laude“ zum Dr. med. promoviert.
Nach Tätigkeiten als Medizinalassistent in München und anderen Orten Süddeutschlands ging von Stockert 1968 nach Bonn an die Rheinische Landesklinik für Sprachgestörte. Hier arbeitete er mit Patienten, die nach Schlaganfällen an Sprachstörungen bzw. Aphasien litten. Danach ging er 1971 für ein Jahr nach Boston an das dortige Aphasiezentrum unter Norman Geschwind. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland schloss von Stockert seine neurologische Facharztausbildung an der Universität Ulm ab, ging dann an die Schmieder-Rehakliniken am Bodensee und von dort 1980 an das Psychiatrische Bezirkskrankenhaus in Erlangen. Er schrieb 1984 ein Buch über Aphasietherapie und entwickelte 1985 das Erlanger Programm zur Aphasietherapie.
Ab 1989 baute er an den Bezirkskliniken in Erlangen die Abteilung für klinische Neuropsychologie auf, die sich im Lauf der folgenden Jahre zu einer eigenen Klinik für neurologische Rehabilitation entwickelte. Seine damals neuartige Idee, die Rehabilitation aus den ländlichen Regionen in ein Ballungszentrum zu bringen, ermöglichte es, die Angehörigen besser einzubeziehen und anzuleiten, den Patienten frühzeitig in seine häusliche Umgebung zu entlassen und in einer eigens hierfür geschaffenen Tagesklinik weiter zu behandeln.
Seniorpartner am Lingva Eterna Institut in Erlangen Seit seiner Pensionierung Ende 2003 war Theodor von Stockert am Lingva Eterna Institut für bewusste Sprache in Erlangen als Seniorpartner aktiv. Seit 2026 war er nur noch beratend tätig. In Zusammenarbeit mit Mechthild von Scheurl-Defersdorf trug er dort wesentlich zur systematischen Weiterentwicklung des Lingva Eterna® Sprach- und Kommunikationskonzepts und der Methode bei. Er erkannte die grundlegenden Säulen einer gelingenden und friedfertigen Kommunikation und benannte sie als Präsenz-Klarheit-Wertschätzung. Er entwickelte das Lingva Eterna Kommunikationsmodell für eine wirksame und krisenfeste Kommunikation.
Theodor von Stockert war aktives Mitglied im Pegnesischen Blumenorden, der ältesten Gesellschaft für Sprache und Dichtung in Deutschland, und Mitglied der historischen Gesellschaft Museum.
Von Stockert heiratete 1972 seine Frau Maren, geb. Dresler. Mit ihr hatte er zwei Töchter.
Schriften (mit Albert, M L; Sparks, R; Sax, D) A case study of auditory agnosia: linguistic and non-linguistic processing. In: Cortex. A journal devoted to the study of the nervous system and behavior, 8 (1972), p. 427-443. Ein neues Konzept zum Verständnis der cerebralen Sprachstorungen. In: Der Nervenarzt 45 (1974), S. 94-97. (mit Bader, L) Some Relations of Grammer and Lexicon in Aphasia. In: Cortex 12 (1976), p. 49-60. Communication Disorders and their Course. Diagnosis Scale. In: Medizinische Welt 32 (1981), S. 1898-1901. On the Structure of Word Deafness and Mechanisms Underlying the Fluctuation of Disturbances of Higher Cortical Functions. In: Brain and Language 16 (1982), p. 133-146. Theorie und Praxis der Aphasietherapie. Fink Verlag, München 1984. Erlanger Programm zur Aphasietherapie. Selbstverlag, Erlangen 1985. (mit Lang, C) The Present State of Aphasia Therapy. In: Fortschritte der Neurologie und Psychiatrie 54 (1986), S. 119-137. (mit Kolominsky-Rabas, PL; Sarti, C; Heuschmann, PU; Graf, C; Siemonsen, S; Neundörfer, B; Katalinic, A; Lang, E; Gassmann, KG): A prospective community-based study of stroke in Germany. The Erlangen Stroke Project (ESPro) incidence and case fatality at 1, 3, and 12 months. In: Stroke 29 (1998), p. 2501-2506. Dissoziation der Wirkung von kontraläsionalem Handeinsatz bei visuellem Neglect im nahen und fernen Raum. In: Zeitschrift für Neuropsychologie 14 (2003), S. 23–31. Meine Sprache und ich. Mit Sprachstruktur Persönlichkeit entwickeln, LINGVA ETERNA Verlag, Erlangen 2016. Das LINGVA ETERNA® Kommunikationsmodell. In 5 Schritten zu mehr Wirksamkeit. LINGVA ETERNA Verlag, Erlangen 2017. (mit Mechthild von Scheurl-Defersdorf) In der Sprache liegt die Kraft. Sich selbst und andere führen. LINGVA ETERNA Verlag, Erlangen 2019. Das Stockert Programm®: Programm zur Behandlung aphasischer Sprachstörungen. LINGVA ETERNA Verlag, Erlangen 2019. (mit Mechthild von Scheurl-Defersdorf) Ein lautes Ja zum Leben sagen! Zufrieden werden mit bewusster Sprache. Herder, Freiburg im Breisgau 2020. (mit Mechthild von Scheurl-Defersdorf) Sprache und Wirkung. Das Praxishandbuch für erfolgreiche Kommunikation. LINGVA ETERNA Verlag, Erlangen 2022 (mit Mechthild von Scheurl-Defersdorf) Das LINGVA ETERNA Handbuch. Die Kraft bewusster Sprache. Herder, Freiburg im Breisgau 2026
Einzelnachweise
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