Die Grenze zwischen Albanien und Montenegro trennt das Staatsgebiet der Republik Albanien von Montenegro. Sie hat eine Länge von rund 170 Kilometern auf ungefähr 100 Kilometern Luftlinie.

Verlauf Die gemeinsame Staatsgrenze führt in nordöstlicher Richtung von der Adria in den Hauptkamm des Dinarischen Gebirges im Prokletije (Albanische Alpen).

Die Grenze verläuft anfangs in der Buna/Bojana, wobei die Insel Ada in der Mündung zu Montenegro gehört. Sie folgt dem Flusslauf dieses Abflusses des Skutarisees (Skadarko Jezero) nordostwärts auf gut der Hälfte der Länge. Ab Samrisht läuft sie direkt nach Norden zum Skutarisee zwischen Zogaj und Ckla. In der Seemitte verläuft sie erst nach Nordwesten, bevor sie den See an dessen nordöstlichem Arm bei Han i Hotit verlässt und weiter in dieser Richtung durch die Malësia e Madhe führt. Der nördlichste Punkt der Grenze ist die Žijeva Glava , wo sie einen großen Bogen südlich um die Region um Plav an der oberen Ljuča macht: Den Ljuča-Zufluss Gmčar quert sie in südwärtiger Richtung, und führt dann durch die hochalpinen Gipfel der Jezerca-Gruppe und der Kollata-Gruppe (Maja Rosit ) über den Grat zwischen dem Ljučatal und dem Valbonatal ostwärts zur Zla Kolata (), dem höchsten Punkt Montenegros. Über etwas niedrigere Berge (Maja e Karafilit ) führt sie zur Tromeđa (ca. ), dem Dreiländereck zum Kosovo.

Beidseits der Grenze leben Minderheiten des anderen Staates – die Albaner in Montenegro machen rund 5 % der Bevölkerung aus, die Minderheiten von Serben und Montenegrinern in Albanien sind sehr klein.

Mehrere bedeutende Schutzgebiete liegen im Grenzbereich: das albanische Landschaftsschutzgebiet Buna-Velipoja entlang der Buna, am Skutarisee der montenegrinische Nationalpark Skadarsko Jezero und das albanische Ramsar-Gebiet Liqeni i Shkodrës und im Gebirge der Nationalpark Alpen Albaniens sowie der angrenzende montenegrinische Nationalpark Prokletije.

Gemeinden an der Staatsgrenze (von Nord nach Süd) mini|hochkant=2.0|Grenzverlauf zwischen Albanien und Montenegro

MONTENEGROborder|70px ALBANIENborder|70px Gemeinde Grenz-übertritt Grenz-übertritt Gemeinde Qark(Region) 30px Plav Prokletije 30px Tropoja center|50pxKukës 30px Gusinje 30px Shkodracenter|50pxShkodracenter|30px center|30px 30px Malësia e Madhe 30px Andrijevica 30px Podgorica 30px Tuzi center|30pxcenter|30px   Skutarisee 30px Zeta 30px Shkodra 30px Bar Rumija 30px Ulcinj center|30px center|30px Buna

Geschichte mini|hochkant=0.9|Vorschläge zur Grenzziehung Albaniens, Londoner Botschafterkonferenz 1913 (L’Illustration)

Zu Osmanischer Zeit gehörte das Gebiet zum Eyâlet Rumelien, dem alten europäischen Teil des eroberten Ostrom (Rum), und darin zum Sandschak Shkodra. Mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches bildete sich 1852 das Fürstentum Montenegro, das 1878 endgültig unabhängig wurde,Fürstbistum Montenegro 1515 entstanden; um 1800 dehnte sich Montenegro nach Osten aus, 1852 nach der Schlacht von Grahovac de facto unabhängig, 1878 endgültig. seinerzeit aber noch als Binnenstaat: Das Küstengebiet im Norden war die österreichischen Herrschaft Cattaro (Kotor), der Raum südlich um den Lago de Scutari (Skutarisee) blieb beim osmanischen Shkodra. Die Grenze verlief nördlich von Spizza (Sagradje/Sutomore) bei Ostrowizza (Ostrowitz) als osmanisch-österreichische Grenze, über den Sutorman-Berg, und nördlich des Skutarisee um das noch osmanische Podgorica herum, die Sitnica aufwärts und nach Spuž, und von dort ostwärts in die Berge. Die in der Liga von Prizren vereinigten Albaner kämpften im Winter 1879/80 – darunter in der Schlacht von Nokšić – erfolgreich gegen die Abtretung von Plav an die Montenegriner. Statt diesem Gebiet wurde Montenegro dann Ulcinj (Olgun/Ulqini) zugesprochen. Mit der Umstrukturierung des Osmanischen Staates war 1867 ein eigenständiger reichsunmittelbarer Vilâyet Shkodra entstanden.

1910 wurde Montenegro zum Königreich erhoben, 1913 wurde das Fürstentum Albanien souverän.Nach dem (Ersten) Balkankrieg 1912/13; Londoner Botschafterkonferenz 30. Mai 1913; es regiert vor dem Krieg nur kurz der Fürst Wilhelm; nach dem Krieg erst am Kongress von Lushnja 1920 Konsolidierung des Staates Dabei wurden auf der Londoner Botschafterkonferenz 1913 diverse Vorschläge zur Grenzziehung gemacht, die übereinstimmend die Grenze der beiden Staaten über die Mitte des Skutarisee vorsahen und im heutigen Verlauf im Raum Plav dem österreichischen Vorschlag entsprechend, der das Tal Montenegro zuordnete. In der Form besteht die Grenze bis heute.

Während der Balkankriege 1912/13 beanspruchten Montenegriner und Serben das nordalbanische Shkodra für ihre Staaten. Montenegro belagerte Shkodra und nahm die Stadt schlussendlich ein. Auf Druck der europäischen Großmächte mussten die Truppen aber wieder abziehen.

+ Chronologie für die NeuzeitStatus / Ereignis / KommentarStaat SüdStaat Nordkeine Grenze innerhalb Osmanischem ReichOsmanisches Reich (Eyâlet Rumelien, Sandschak Shkodra; ab 1867 Vilâyet Shkodra)bis 1912bis 1878bis 1852Osmanisches Reich (Eyâlet Rumelien, Sandschak Shkodra)innerosmanische Grenze; Grenze lag etwas weiter nördlich, Fürstentum Montenegro de facto unabhängig1852 – 1878Osmanisches Reich (Fürstentum Montenegro)Unabhängigkeit Montenegros1878 – 19181878 – 1910Fürstentum MontenegroErklärung Königreich1910 – 1916Königreich MontenegroUnabhängigkeit Albaniens 1912; Fürstentum de iure ab 1913; 1913 wurde der heutige Grenzverlauf festgelegtFürstentum Albanien1912 – 19251912 – 1914Erster Weltkrieg, vielfach besetzt durch Serbien, Griechenland, Bulgarien, Frankreich, Italien und Österreich-Ungarn (Norden inkl. Montenegro)1914 – 19181916 – 1918Gründung Jugoslawisches Königreich1920 – 19251918 – 19451918 – 1941Königreich JugoslawienErklärung PräsidialrepublikErste Republik Albanien1925 – 1928Erklärung KönigreichKönigreich Albanien1928 – 19441928 – 1939Albanien besetzt durch Königreich Italien1939 – 1943Montenegro besetzt durch Königreich Italien1941 – 1943Unabhängiger Staat MontenegroBalkan besetzt durch Drittes Reich1943 – 19441943 – 1944Sozialistische VolksrepublikenSozialistische Volksrepublik Albanien1944 – 19901945 – 1992Sozialistische Föderative Republik JugoslawienRegimesturz in AlbanienRepublik Albanienseit 1990Gründung Bundesstaat1992 – 20061992 – 2003Bundesrepublik JugoslawienUmbenennung Bundesstaat2003 – 2006Serbien und MontenegroUnabhängigkeit Montenegrosseit 2006Republik Montenegro

Grenzübertritt und Grenzverkehr mini|Grenzübergang Muriqan

Internationale Grenzübergänge zwischen den beiden Staaten sind (die albanische Seite zuerstgenannt): Muriqan–Sukobin auf der Route Shkodra – Ulcinj – Bar Han i Hotit–Božaj auf der Route Shkodra – Podgorica Grabom auf der Route Tamara – Podgorica (R-27) Vermosh–Gusinje auf der Route Han i Hotit – Kelmend – Plav (R-9)

Die Einrichtung eines Grenzübergangs am Südufer des Skutarisees bei Zogaj war 2018 von den Regierungen der beiden Ländern beschlossen worden. Es fehlte bis 2024 aber ein Straßenanschluss auf albanischer Seite. Auch der Bau eines weiteren Grenzübergangs an der Bunamündung mit neuer Brücke über den Fluss wurde zu Beginn der 2020er Jahre von den beiden Staaten projektiert.

Wanderer, die zum Beispiel auf dem Fernwanderweg Peaks of the Balkans unterwegs sind, können die Grenze im Gebirge nach elektronischer Beantragung einer Bewilligung auch außerhalb der offiziellen Grenzübergänge überschreiten.

Einzelnachweise

Albanien und Montenegro

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