Ulrich von Weitershausen oder Wittershausen genannt Richwin (* um 1495 in Mittelhessen oder auf der Burg Bromberg; † 1560, nach 14. Februar, vermutlich auf der Burg Bromberg oder in Kürnbach) war ein herzoglich württembergischer Forstmeister.
Leben Ulrich von Weitershausen entstammte der niederadeligen Familie Weitershausen, die ihren Ursprung im hessischen Weitershausen bei Marburg hatte. Er war der Sohn von Richwin von Weitershausen (* um 1465; † 1512/24) und Agathe von Utzlingen (Itzlingen), einer Tochter von Hans von Utzlingen († 1506/11) und Margarethe Vogt von Rieneck.
Sein Vater war Ende des 15. Jahrhunderts in das nordwürttembergische Kirbachtal übersiedelt. 1499 war er verwitwet und hatte einen unmündigen Sohn: Ulrich von Weitershausen.Prozess der Katherine Grebe geb. von Weitershausen gegen Pater und Konvent im Fraterhaus zum Löwenbach (Kugelherren) in Marburg, 1526; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 257 Samthofgericht Marburg, Nr. G 177); vgl. Albrecht Eckhardt (Bearb.): Die oberhessischen Klöster. Regesten und Urkunden, Bd. II. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 9. Klosterarchive. Regesten und Urkunden 4). Elwert, Marburg 1967, Nr. 527, S. 243. Richwin von Weitershausen wird 1511 als hessischerVgl. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Bestand E 1 K Verhältnisse zu ausländischen Staaten, Nr. 561/1). und 1512 als württembergischer ForstmeisterVgl. Eberhard Emil von Georgii-Georgenau (Bearb.): Fürstlich Württembergisch Dienerbuch vom IX. bis zum XIX. Jahrhundert. C. F. Simon, Stuttgart 1877, S. 357, 512 und 538. auf dem Stromberg erwähnt; der Wald hinter Burg Sternenfels war ein Kondominium der hessischen Grafschaft Katzenelnbogen mit dem Herzogtum Württemberg.Vgl. Eduard Becker: Geschichte des Kondominats zu Kürnbach bis 1598. Ein Beitrag zur Geschichte des Kondominatswesens. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde NF 4 (1907), S. 1–154 (Digitalisat im Internet Archive); ders.: Der Heimfall des Sternfelsischen Lehens zu Kürnbach an Hessen. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 59 (1905), S. 389–421 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Er besaß 1511 als Nachfolger des Hans von Utzlingen das württembergische Lehen Burg Bromberg.
In württembergischen Diensten mini|Burg Bromberg, Kiesersche Forstkarte, 1683 Ulrich von Weitershausen verkaufte 1522 in Marburg für bezahlte 140 Goldgulden Frankfurter Währung ein Haus an die Kugelherren. 1523 schloss er sich im Fränkischen Krieg wie sein Onkel Tristan Truchseß von Waldeck († 1553) dem Kriegszug des schwäbischen Bundes gegen den fränkischen Adel an.Vgl. Martin Crusius: Schwäbische Chronick, übersetzt von Johann Jacob Moser, Bd. II. Metzler und Erhard, Frankfurt am Main 1733, S. 202; Fehdebrief vom 1. Juni 1523 bei David Hünlin: Allgemeine Geschichte von Schwaben, und der benachbarten Lande, Bd. II. August Lebrecht Stettin, Ulm 1774, S. 543–546 (Google.Books). In der Nachfolge seines Vaters war Ulrich von Wittershausen 1524 im Lehnsbesitz der Burg Bromberg.
1534 stand er in württembergischen Diensten und amtierte als Forstmeister zu Zwiefalten.Vgl. Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (A 44 Urfehden, Urkunden 7079 und 7080; G 47 Herzog Christoph (1515–1568), Bü 9). Von Montag vor Sebastiani (15. Januar) 1537 bis Georgii (23. April) 1543 war Ulrich von Wittershausen genannt Richwein für den württembergischen Hof als „Diener von Haus aus“ mit zwei Pferden verpflichtet,Vgl. Walther Pfeilsticker (Bearb.): Neues württembergisches Dienerbuch, Bd. I. J. G. Cotta Nachf., Stuttgart 1974, S. 1526 und 1560. unmittelbar anschließend war er bis 1552 Forstmeister und Keller in Neuenstadt am Kocher.Vgl. Ulrich Lebrecht von Mandelsloh: Beiträge zur württembergischen Forstgeschichte. Verzeichnis samtlicher Forstmeister in den herzoglich württembergischen Forsten. In: Monatschrift für das württembergische Forstwesen 3 (1852), S. 67–75, bes. S. 72. Als Forstmeister kümmerte sich Ulrich von Weitershausen um die Verfolgung von WilderernUrkunden vom 14. Dezember 1534 und 18. Juni 1535, Zwiefalter Forst; Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Bestand A 44 Urfehden, U 7079 und 7080). oder das Setzen von Grenzsteinen,Urkunde vom 13. Mai 1544, Neuenstadt; Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Bestand A 386 Neuenstadt W und G, U 6). aber auch um die Verfolgung von Unsittlichkeit und BetrügereienUrkunde vom 14. Februar 1544, Neuenstadt; Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Bestand A 44 Urfehden, U 3362). oder Totschlag.Urkunde vom 4. März 1546, Neuenstadt; Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Bestand A 44 Urfehden, U 3363).
In der Landenbergischen Fehde war Wyttershausen genannt Reichwein auf dem Stromberg ab 1539 unter den Helfern des Christoph von Landenberg († 1546) in seiner Fehde gegen die Stadt Rottweil.Vgl. Heinrich Ruckgaber: Geschichte der Frei- und Reichsstadt Rottweil, Bd. II/2. C. B. Englerth, Rottweil 1838, S. 196. 1543 setzte sich Ulrich von Wittershusen genannt Richwein in einem Brief an den Deutschmeister Walther von Cronberg in Mergentheim für die Freilassung eines seit 9 Jahren gefangenen Wiedertäufers ein.Brief vom 1. März 1543; Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg (Bestand B 246 Deutscher Orden, Regierung Mergentheim: Stadt Mergentheim IV (Pfarrei und Schule, Trapponei, Gerichts- und Strafakten, Bü 247)). Im April 1547 gehörte Ulrich von Weitershausen nach dem für Württemberg verlorenen Schmalkaldischen Krieg, an dem er teilgenommen hatte, zu den mehr als 60 Vertretern der württembergischen Lehnsleute, die in Stuttgart den förmlichen Huldigungseid auf Kaiser Karl V., König Ferdinand und das Haus Österreich leisten mussten.Vgl. Protocoll wegen der Beeydigung des Adels im Herzogthum Würtemberg, 18. April 1547. In: Johann Friedrich Eisenbach: Geschichte und Thaten Ulrichs Herzogen zu Würtemberg und Teck. Berger, Tübingen 1754, Lit. Nnn, S. 381–387 (Google-Books). Sein Sohn Bastian von Weitershausen war 1547 bis 1552 Kammerjunker des besiegten Landgrafen Philipp I. von Hessen während dessen Gefangenschaft in den Niederlanden.
1552 bis 1560 war Ulrich von Weitershausen herzoglich württembergischer Forstmeister auf dem Stromberg. Mit der Gemeinde Kürnbach stritt er sich wegen der jährlichen Holzabgabe (dem Gabholz) aus den herrschaftlichen Waldungen bei Güglingen (Liezenberg, Pfaffenstaig und unterm langen Rain am Seelach)Urkunde vom 20. November 1556; (Bestand H 101/22 Weltliche Lagerbücher: OA Güglingen, U 36; vgl. Bestand A 351 Güglingen W, Bü 34); Eduard Becker: Geschichte des Kondominats zu Kürnbach bis 1598. Ein Beitrag zur Geschichte des Kondominatswesens. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde NF 4 (1907), S. 78 und 149. und mit der Gemeinde Häfnerhaslach wegen des Ackergeldes aus den drittteiligen WaldungenAkten 1554–1559; Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Bestand A 351 Güglingen W, Bü 47). und wegen der Schweinemast.Urkunde vom 12. Januar 1558; (Bestand H 101/22 Weltliche Lagerbücher: OA Güglingen, U 38; vgl. Bestand A 351 Güglingen W, Bü 13). 1555 erklärte Ulrich von Weitershausen in einem Streit der Kürnbacher Kondominatsherren Württemberg und von Sternfels, seit 60 Jahren hätten die württembergischen Forstmeister die Hölzer Kraich, Seelach, Eschelkopf (Eschelberg) und andere bejagt. Darauf verbot Herzog Christoph von Württemberg Ulrichs späterem Schwiegersohn Bernhard III. von Sternfels die Hohe Jagd und erlaubte nur gegen Revers die Jagd auf Hasen und Füchse.Vgl. Eduard Becker: Geschichte des Kondominats zu Kürnbach bis 1598. Ein Beitrag zur Geschichte des Kondominatswesens. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde NF 4 (1907), S. 50.
Im Juni 1554 wurde Ulrich von Weitershausen zusammen mit anderen herzoglichen Lehnsleuten, Amtleuten und Beamten von Herzog Christoph von Württemberg nach Nürtingen zum „Ausmarsch ins Feld“ zur Musterung des württembergischen Landesaufgebots gegen die Bedrohung durch Heinrich II. von Braunschweig-Wolfenbüttel bestellt.Vgl. Strack von Weissenbach: Herzog Christoph von Württemberg mit besonderer Berücksichtigung seiner Bedeutung für das Württembergische Kriegswesen. W. A. Huzenlaub, Stuttgart 1889, S. 115. 1559 hatte er bei einem eventuellen Feldzug sich selbst, zwei Forstknechte und vier Pferde zu stellen.Vgl. Strack von Weissenbach: Herzog Christoph von Württemberg mit besonderer Berücksichtigung seiner Bedeutung für das Württembergische Kriegswesen. W. A. Huzenlaub, Stuttgart 1889, S. 110.
1560 gehörte Ulrichen von Weitershausen beim Viertelstag in Ellwangen zu den Mitgliedern des Ritterkantons Kocher, die bereit waren, sich auf ein 10-jähriges Bündnis mit dem Schwäbischen Reichskreis einzulassen,Extract Kocherl. Ritter-Viertels Verzeichnuß, 14. Februar 1560. In: Johann Stephan Burgermeister (Bearb.): Codex Diplomaticus Equestris Cum Continuatione, Oder Reichs-Ritter-Archiv Mit dessen Fortsetzung, Bd. II. Süß, Ulm 1721, S. 14f (Google-Books). die Verhandlungen blieben allerdings ohne Ergebnis, lediglich eine Ritterordnung der schwäbischen Reichsritterschaft kam zustande.Vgl. Thomas Schulz: Der Kanton Kocher der schwäbischen Reichsritterschaft 1542–1805. (Esslinger Studien 7). Jan Thorbecke, Sigmaringen 1986, S. 34 f.
Grabmal in Hohenhaslach Das Doppel-Epitaph der Eheleute von Weitershausen, das aus der Werkstatt des Bildhauers Jeremias Schwarz († 1621) in Leonberg stammt, befindet sich außen an der Südseite des Chorturms der Pfarrkirche St. Georg in Hohenhaslach.
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