Die Gamander (Teucrium) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie zeichnet sich blütenmorphologisch durch das scheinbare Fehlen der Oberlippe der Blütenkrone aus. Die etwa 250 Arten sind fast weltweit verbreitet mit dem Schwerpunkt der Artenvielfalt im Mittelmeerraum. Der Pflanzenname „Gamander“ stammt mit Bezug zu eichenähnlichen Blättern vom griechischen Wort chamaedrys (Edel-Gamander).Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 230.
Beschreibung mini|links|Illustration des Trauben-Gamanders (Teucrium botrys) mini|Illustration aus Donovan S. Correll, Helen B. Correll: Aquatic and wetland plants of southwestern United States, S. 1410 von Teucrium cubense mini|links|Illustration aus Flore médicale des Antilles, ou, Traité des plantes usuelles, 1827, Tafel 223 von Teucrium vesicarium mini|Illustration aus Henri-Joseph Redouté, 1798 von Teucrium resupinatum
Vegetative Merkmale Bei Gamander-Arten handelt es sich um selten ein- bis zweijährige oder meist ausdauernde krautige Pflanzen, Halbsträucher oder Sträucher. Es werden Rhizome oder Ausläufer gebildet. Die selbstständig aufrechten oder aufsteigenden Sprossachsen sind meist vierkantig, einfach oder von der Basis an verzweigt. Die Pflanzenteile sind aromatisch oder schlecht duftend.
Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind kurz gestielt bis fast sitzend. Die Blattspreiten sind herzförmig bis lanzettlich. Der Blattrand ist ganzrandig, gekerbt, unterschiedlich gezähnt oder fiederspaltig. Es liegt Fiedernervatur vor.
Generative Merkmale Meist zwei bis sechs, selten bis zu zehn Blüten stehen in Scheinquirlen in den Achseln von laubblattähnlichen Tragblättern oder in endständigen traubigen oder aus traubigen Teilblütenständen zusammengesetzten rispigen Gesamtblütenständen. Oft ist die Anzahl der Blüten in den Scheinquirlen auf eine reduziert. Die Tragblätter sind rhombisch-eiförmig bis linealisch-lanzettlich mit glatten oder gezähnten Rändern. Es sind Blütenstiele vorhanden.
Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind röhren- bis glockenförmig verwachsen und der Kelch besitzt zehn Nerven. Der Kelchschlund ist kahl bis kranzförmig fein behaart. Die Kelchzähne sind gleichartig und der Kelch radiärsymmetrisch, oder der Kelch ist zweilippig. Falls der Kelch zweilippig ist, ist die Oberlippe dreizähnig und der oberste Kelchzahn am größten und die Unterlippe ist zweizähnig. Die Farbe der Blütenkronen ist sehr vielfältig. Die Krone hat eine kurze Kronröhre ohne Haarring an der Innenseite. Die Kronröhre kann kürzer oder länger sein als der Kelch. Lediglich die Unterlippe ist deutlich ausgebildet. Die Oberlippe ist unscheinbar, kurz und gespalten. Die Zipfel sind zur Unterlippe gerückt, so dass der Eindruck entsteht, die Unterlippe sei fünflappig und die Oberlippe fehle völlig. Die Kronzunge ist fünflappig, wobei der Mittellappen kreis- oder spatelförmig, oder selten zweispaltig ist und die vier Seitenlappen nur relativ klein sind. Die vier Staubblätter ragen aus der Kronröhre heraus und ein Paar ist etwas länger als das andere. Der Pollen ist operculat. Der oberständige Fruchtknoten ist kugelig und leicht vierlappig. Der Griffel ist gleich lang bis etwas länger als die Staubblätter. Der Griffel endet in zwei kurzen, gleichen bis etwas ungleichen Narbenästen. Ein Diskus ist gut ausgebildet oder fehlt.
Klausenfrucht zerfällt in vier Klausen. Die Klausen sind verkehrt-eiförmig bis mehr oder weniger kugelig, ihre Oberfläche ist aderig-runzelig oder auch glatt, flaumig behaart oder kahl. Die seitlich gelegenen Areolen sind 0,3- bis 0,8-mal so lang wie die Klausen. Endosperm ist meist vorhanden. Ein Elaiosom fehlt.
Die Chromosomenzahlen betragen 2n = 10 bis 104, am häufigsten sind 2n = 26 oder 32.
Ökologie Die Blüten sind vorwiegend proterandrisch. Die Bestäubung erfolgt oft durch Bienen und Hummeln.
Systematik und Verbreitung Die Gattung Teucrium wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Synonyme für Teucrium sind: Botrys , Chamaedrys , Iva nom. illeg., Kinostemon , Melosmon , Monipsis , Monochilon , Oncinocalyx , Poliodendron , Polium , Scordium , Scorodonia , Scorbion , Spartothamnella , Spartothamnus nom. illeg., Teucridium , Trixago
Die Gattung Teucrium gehört zur Unterfamilie Ajugoideae innerhalb der Familie Lamiaceae.
Je nach Autor wird die Gattung Teucrium in einige bis viele Sektionen gegliedert.
Die etwa 250 Teucrium-Arten sind fast weltweit verbreitet. Der Schwerpunkt der Artenvielfalt liegt im Mittelmeerraum. Nur wenige Arten gedeihen in den Tropen. In China kommen etwa 18 Arten vor. In Europa kommen 50 Arten vor. In Mitteleuropa kommen Trauben-Gamander (Teucrium botrys), Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys), Berg-Gamander (Teucrium montanum), Knoblauch-Gamander (Teucrium scordium) und Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia L.) vor.
mini|Teucrium aroanium mini|Teucrium asiaticum mini|Teucrium betonicum mini|Teucrium bicolor mini|Trauben-Gamander (Teucrium botrys) mini|Teucrium brevifolium mini|Teucrium canadense mini|Kopfiger Gamander (Teucrium capitatum) mini|Teucrium carthaginense mini|Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys) mini|Teucrium compactum mini|Teucrium corymbosum mini|Teucrium cossonii mini|Teucrium creticum mini|Spreiz-Gamander (Teucrium divaricatum) mini|Teucrium dunense mini|Gelber Gamander (Teucrium flavum) mini|Strauchiger Gamander (Teucrium fruticans) mini|Teucrium heterophyllum mini|Kaukasus-Gamander (Teucrium hircanicum) mini|Habitus, gegenständige Laubblätter und Blütenstände des Kaukasus-Gamanders (Teucrium hircanicum) mini|Teucrium japonicum mini|Teucrium lamiifolium mini|Katzen-Gamander (Teucrium marum) mini|Berg-Gamander (Teucrium montanum) mini|Berg-Gamander (Teucrium montanum) mini|Orientalischer Gamander (Teucrium orientale) mini|Schmalblättriger Gamander (Teucrium pseudochamaepitys) mini|Pyrenäen-Gamander (Teucrium pyrenaicum) mini|Teucrium racemosum mini|Teucrium ramosissimum mini|Knoblauch-Gamander (Teucrium scordium) mini|Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia) mini|Schwachdorniger Gamander (Teucrium subspinosum) mini|Teucrium yemense Teucrium abolhayatensis : Sie wurde 2017 aus dem Iran erstbeschrieben. Teucrium abutiloides : Dieser Endemit kommt nur auf Madeira vor. Teucrium africanum : Sie kommt nur in den südafrikanischen Provinzen Ostkap sowie Westkap vor. Teucrium afrum : Es gibt seit 1989/90 drei Unterarten: Teucrium afrum subsp. afrum: Sie kommt vom zentralen bis südlichen Spanien und in Marokko vor. Teucrium afrum subsp. rhiphaeum : Sie kommt in Marokko vor. Teucrium afrum subsp. rubriflorum : Sie kommt in Marokko vor. Teucrium ajugaceum : Sie kommt nur im australischen Bundesstaat Queensland vor. Teucrium aladagense : Sie wurde 2015 aus der Türkei erstbeschrieben. Teucrium albicaule : Sie ist in Australien verbreitet. Teucrium albidum : Die Heimat ist Algerien. Teucrium alborubrum (in der Flora of China als Kinostemon alboruber ): Sie kommt nur in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Hubei vor. Teucrium ×alexeenkoanum (= Teucrium canum × Teucrium chamaedrys) Teucrium algarbiense : Die Heimat ist das südliche Portugal und südwestliche Spanien. Teucrium alopecurus : Die Heimat ist Tunesien. Teucrium alpestre : Die Heimat ist Kreta. Teucrium ×alvarezii (= Teucrium capitatum × Teucrium murcicum) Teucrium alyssifolium : Die Heimat ist die südwestliche Türkei. Teucrium andrusi : Die Heimat ist die südöstliche Türkei. Teucrium angustissimum : Die Heimat ist Spanien. Teucrium anlungense : Sie gedeiht an offenen Berghängen in Höhenlagen von 600 bis 1500 Metern in den chinesischen Provinzen Guizhou sowie Yunnan. In der traditionellen chinesischen Medizin ist er eine Heilpflanze. Teucrium annandalei : Die Heimat ist Myanmar. Teucrium antiatlanticum : Die Heimat ist Marokko. Teucrium antilibanoticum : Die Heimat ist Syrien. Teucrium antitauricum : Die Heimat ist die südliche Türkei. Teucrium apollinis : Die Heimat ist Libyen. Teucrium aragonense : Die Heimat ist das nordöstliche Spanien. Teucrium arduinoi : Sie ist auf der westlichen Balkanhalbinsel verbreitet. Teucrium argutum : Sie ist im östlichen Australien verbreitet. Teucrium aristatum : Die Heimat ist Südfrankreich und Spanien. Teucrium aroanium : Die Heimat ist das südliche Griechenland. Teucrium asiaticum : Die Heimat sind nur die Balearen. Teucrium atratum : Das Verbreitungsgebiet umfasst Algerien und Tunesien. Teucrium aureiforme : Die Heimat ist Algerien. Teucrium aureocandidum (Syn.: Teucrium cylindraceum ): Er ist im nordwestlichen Afrika verbreitet. Teucrium aureum (Syn.: Teucrium polium subsp. aureum ): Es gibt seit 1984 zwei Unterarten: Teucrium aureum subsp. aureum (Syn.: Teucrium flavescens , Teucrium flavicans , Teucrium lagascae , Teucrium queraltae , Teucrium capitatum var. flavescens ): Sie kommt von Spanien über Frankreich bis Italien vor. Teucrium aureum subsp. turdetanum (Syn.: Teucrium angustifolium nom. illeg., Teucrium lerrouxii , Teucrium turdetanum , Teucrium polium var. montanum , Teucrium polium subsp. montanum , Teucrium luteum subsp. montanum , Teucrium luteum subsp. turdetanum , Teucrium aureum var. angustifolium , Teucrium aureum subsp. angustifolium ): Sie wurde 1984 erstbeschrieben. Sie kommt nur vom südlichen bis südöstlichen Spanien vor. Teucrium ×badiae (= Teucrium aragonense × Teucrium aureum) Teucrium balearicum : Sie kommt nur auf den Balearen vor. Teucrium balfourii : Sie ist ein Endemit auf Sokotra. Teucrium balthazaris : Sie kommt nur im südöstlichen Spanien vor. Teucrium barbarum : Die Heimat ist Marokko. Teucrium barbeyanum : Die Heimat ist Libyen. Teucrium ×bergadense (= Teucrium aragonese × Teucrium polium) Teucrium betchei : Sie kommt im östlichen Australien vor. Teucrium betonicum : Dieser Endemit kommt nur auf Madeira vor. Teucrium bicolor : Die Heimat ist Chile. Teucrium bicoloreum : Die Heimat ist das östliche und südöstliche Spanien. Teucrium bidentatum : Sie gedeiht in Hangwäldern in Höhenlagen von 1000 bis 1300 Meter in Taiwan und in den chinesischen Provinzen Guangxi, Guizhou, Hubei, Sichuan sowie Yunnan. In der traditionellen chinesischen Medizin ist er eine Heilpflanze. Teucrium bogoutdinovae : Sie wurde 2014 aus Moldawien erstbeschrieben. Trauben-Gamander (Teucrium botrys ) Teucrium brachyandrum : Die Heimat ist Frankreich. Teucrium bracteatum : Das Verbreitungsgebiet reicht von Marokko bis Algerien und in das südliche Spanien. Kurzblättriger Gamander (Teucrium brevifolium ): Er ist in der südlichen Ägäis, in Griechenland, in Kleinasien und im nordöstlichen Afrika verbreitet. Teucrium ×bubanii (=Teucrium aureum × Teucrium chamaedrys) Teucrium bullatum : Die Heimat ist Marokko. Teucrium burmanicum : Die Heimat ist Myanmar. Teucrium buxifolium : Die Heimat ist das südöstliche Spanien. Teucrium campanulatum : Das Verbreitungsgebiet reicht von Nordafrika bis Spanien, die Balearen, Sizilien und Süditalien. Teucrium canadense : Es gibt vier Varietäten: Teucrium canadense var. canadense (Syn.: Teucrium bracteosum , Teucrium cinereum , Teucrium lanceolatum nom. illeg., Teucrium littorale , Teucrium menthifolium , Teucrium mexicanum , Teucrium petiolare , Teucrium riparium , Teucrium speciosum , Teucrium roseum , Teucrium undulatum , Teucrium canadense var. angustatum , Teucrium canadense var. littorale ): Sie ist im Verbreitungsgebiet von Kanada über die USA bis ins nördliche Mexiko und Kuba weitverbreitet. Teucrium canadense var. hypoleucum (Syn.: Teucrium nashii , Teucrium canadense var. nashii ): Sie kommt in den südöstlichen USA vor.