Eugen Friedrich Speer (* 22. Januar 1887 in Bruchsal; † 7. Oktober 1936 in Hagsfeld bei Karlsruhe.) war ein deutscher Politiker (NSDAP). Er war von 1934 bis 1935 Bürgermeister von Radolfzell am Bodensee.
Leben Eugen Speer wurde protestantisch getauft und wuchs als Sohn einer unverheirateten Mutter auf. Im Alter von 17 Jahren trat er in die Kaiserliche Marine des Deutschen Kaiserreichs ein. Er war einer der führenden Köpfe der Novemberrevolution 1918/1919 in Kiel.Radolfzell: Ein machthungriger Choleriker. In: Südkurier 20. November 2008 (kostenpflichtiges Angebot)
Er war seit 1922 Mitglied der NSDAP. Er wurde Kreisleiter und Gauinspekteur und durchlief Schulungen an der „Reichsführerschule der NSDAP“ in Bernau bei Berlin.Jürgen Klöckler: Eugen Speer: Gewalt, Korruption und Amtsmissbrauch. In: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter – Helfer – Trittbrettfahrer, Band 5. NS-Belastete aus dem Bodenseeraum. Gerstetten 2016, ISBN 978-3-945893-04-3, S. 248–256, hier S. 250 ff. Zudem war er Vorsitzender des Kreisrates sowie für die NSDAP Mitglied im Landtag Badens.Deutschland-Berichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. P. Nettelbeck 1980, S. 528.
Am 10. Februar 1934 wurde Speer, einer der „Alten Kämpfer“, von Gauleiter Robert Wagner als Bürgermeister per 1. April 1934.Jürgen Klöckler: Eugen Speer: Gewalt, Korruption und Amtsmissbrauch. In: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter – Helfer – Trittbrettfahrer, Band 5. NS-Belastete aus dem Bodenseeraum. Gerstetten 2016, ISBN 978-3-945893-04-3, S. 248–256, hier S. 252.Staatsarchiv Freiburg, A 96/1 Nr. 5245. eingesetzt und war damit erster nationalsozialistischer Bürgermeister Radolfzells.Claudia Wagner: Sebastian Hausendorf hat ein Buch zur Karriere Eugen Speers, erster nationalsozialistischer Bürgermeister Radolfzells, veröffentlicht. In: Südkurier, 24. November 2012, abgerufen am 21. März 2016 (Kostenpflichtiges Angebot) Mit der Absetzung des langjährigen Bürgermeisters Otto Blesch, ebenfalls seit 1933 NSDAP-Mitglied, wurde sogleich der Gemeinderat (ab 1935 „Ratsherrenkollegium“) ausgetauscht.
Auf Initiative Speers wurde Radolfzell Sitz der SA-Reiter-Standarte 156Franz Götz: Geschichte der Stadt Radolfzell. Schrift- und Bilddokumente, Urteile, Daten. (Hegau-Bibliothek, Band 12) Radolfzell 1967, S. 270 f. und Standort einer SS-Kaserne.Wiki-Seite Radolfzell zur NS-Zeit, abgerufen am 10. Juni 2026. Kurz nach seinem Amtsantritt als Radolfzeller Bürgermeister unterschrieb er Verträge mit Architekten und Bauunternehmern für den Neubau der Kaserne (ab 1939 SS-Kaserne Heinrich Koeppen); die Stadt Radolfzell überließ im Rahmen einer Schenkung 55 Hektar ihrer Gemarkungsfläche im Nordwesten der Stadt dem Deutschen Reich.Wiki-Seite Radolfzell zur NS-Zeit, abgerufen am 10. Juni 2026.
Die Amtszeit Speers in Radolfzell endete wegen immenser Misswirtschaft mit der förmlichen Amtsenthebung im Juni 1935.Jürgen Klöckler: Eugen Speer: Gewalt, Korruption und Amtsmissbrauch. In: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter – Helfer – Trittbrettfahrer, Band 5. NS-Belastete aus dem Bodenseeraum. Gerstetten 2016, ISBN 978-3-945893-04-3, S. 248–256, hier S. 255. Er hatte für die Verlegung des Bahnhofs an den Haselbrunnsteg in Radolfzell und den Bau der SS-Kaserne bereits 800.000 Reichsmark investiert, jedoch ohne irgendwelche finanziellen Zusagen. In: Wochenblatt. 30. November 2012.Sebastian Hausendorf: Eine böse Mißwirtschaft. Radolfzell 1933–1935. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2012, ISBN 978-3-86764-391-7. Er starb im Oktober 1936 als 49-Jähriger an einer Lungenentzündung.https://www.leo-bw.de/detail/-/Detail/details/PERSON/kgl_biographien/1018932461/Speer+Eugen+Friedrich
Auszeichnungen Speer, bekannt als „Feldmarschall vom Bodensee“, war Ehrenbürger von Radolfzell (1933) sowie von Güttingen, Liggeringen, Langenrain, Markelfingen und Wahlwies (1934); dies wurden ihm posthum am 15. Dezember 2010 durch den Rat der Stadt Radolfzell am Bodensee aberkannt.
Literatur Jürgen Klöckler: Eugen Speer: Gewalt, Korruption und Amtsmissbrauch. In: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter – Helfer – Trittbrettfahrer, Band 5. NS-Belastete aus dem Bodenseeraum. Gerstetten 2016, ISBN 978-3-945893-04-3, S. 248–256.
Weblinks Eintrag zu Eugen Speer im Leo-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg Speer, Eugen Friedrich
Einzelnachweise
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