Ludwig Roentgen (* 29. November 1755 in Neuwied; † 7. Dezember 1814 in Esens) war ein deutscher Theologe der Aufklärung und Schriftsteller.
Herkunft Ludwig Roentgen war das sechste von acht Kindern des Ebenisten Abraham Roentgen (* 30. Januar 1711; † 1. März 1793) und Susanne Maria Bausch (1717–1776).
Nach dem Tod des Grafen Ernst Casimir von Isenburg (1781–1852) im Jahre 1749 wies sein Sohn und Nachfolger Graf Gustav (1813–1883) die Herrnhuter 1750 aus dem Isenburger Land. 41 Herrnhuter, darunter die Familie Roentgen, zogen daraufhin auf Einladung des religiös toleranten Grafen Friedrich Alexander zu Wied-Neuwied in die erst 100 Jahre zuvor gegründete Stadt Neuwied.
Leben Ludwig Roentgen besuchte vom achten bis zum sechzehnten Lebensjahr die Lehranstalten der Brüdergemeinde in Neuwied. Da seine Absicht, Theologie zu studieren, sich nicht sofort verwirklichen ließ, erlernte vorerst das Uhrmacherhandwerk, wobei es ihm möglich war, seinen Lebensplan heimlich weiterzuverfolgen. Nach Abschluss seiner Lehre verließ der junge Roentgen Neuwied; er trennte sich gegen den Willen seines Vaters von der Brüdergemeinde, worauf ihm auch sein Bruder David jede Unterstützung verweigerte.
Mit Unterstützung von einflussreichen Freunden und Gönnern – unter ihnen der Freund Goethes, der berühmte Johann Caspar Lavater aus Zürich – konnte er sein angestrebtes Theologiestudium doch noch beginnen. Zunächst war er Hauslehrer in Tübingen, bevor er 1780 eine Pfarrstelle in der lutherischen Gemeinde in Neuwied antreten konnte. Die Gemeinde befand sich jedoch in einem denkbar schlechten Zustand und es fehlte Geld, um ihn bezahlen zu können, geschweige denn den Neubau einer Kirche. So begab er sich quer durch Deutschland auf eine Kollektenreise, die ihn über Bremen, Hamburg, Lübeck bis nach Rostock, aber auch in die Schweiz führte. In Hamburg lernte er den Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock kennen, In Lübeck verkehrte er im Hause des Malers Johann Jacob Tischbein und lernte dort dessen Tochter Sophia Margarethe Antoinette kennen, die er später heiratete.
Seine Kollektensammlung erwies sich als voller Erfolg, er konnte damit die Gemeindeschulden begleichen und den Kirchenneubau finanzieren.
1783 zog er nach Ostfriesland, wo er zunächst eine Pfarrstelle in Petkum übernahm. Die fortschrittlichen Überlegungen des aufgeklärten und überaus gebildeten Geistlichen fanden aber nur sehr begrenzt Zuspruch in der Gemeinde. Als Förderer der Aufklärung und Mitglied der Emdener Freimaurerloge Pax et Concordia wurde Ludwig Roentgen von den Petkumern nicht nur abgelehnt, einige wollten ihn sogar ermorden. Sein Ansehen war jedoch bei den Vorgesetzten positiver. 1793 wurde er daher, als Nachfolger von Gerhard Julius Coners, Oberprediger der St.-Magnus-Kirche in Esens, Superintendent und zugleich Inspektor der Esenser Schulen. Aufgrund seiner geleisteten guten Arbeit wurde er dann zum Konsistorialrat befördert und fand nun auch immer mehr Zeit für die Schriftstellerei. Zu seinen Werken zählten nicht nur Untersuchungen zum preußischen Religionsedikt, sondern auch eine Geschichte der Entstehung, Fortpflanzung, Ausbreitung und innerlichen Verfassung der Mährisch Herrenhutischen Brüdergemeine. Dieser protestantischen Freikirche war 1738 bereits sein Vater beigetreten. Ein weiteres Werk von Ludwig Roentgen war Rhapsodien, eine Sammlung von Lesefrüchten aus der Prosa von seinem Brieffreund Jean Paul.
Roentgen war ein Anhänger der französischen Kultur. In diesem Sinne gab er auch Privatunterricht an Lernwillige aus Ostfriesland, aber auch aus England und Frankreich, die bis zur Bildung von Arbeitsgemeinschaften ging, die spezielle Themen vertieften. Dabei konnten sie auf seine umfangreiche private Bibliothek zurückgreifen. Mit dem Sturz von Napoleon I. war es damit aber vorbei. Seine Frankreich-Sympathie wurde nun gegen ihn eingesetzt, er wurde beschimpft, erkrankte schwer und starb am 7. Dezember 1814.
Seine Lebensbeschreibung blieb daher unvollendet und schloss mit dem Jahr 1780 ab. Seine Tochter Johanne verfasste aber unabhängig von ihrem Vater ihre persönlichen Erinnerungen an Ludwig Roentgen, die dann später auch veröffentlicht wurden.
Familie Roentgen heiratete am 9. September 1783 in Petkum Sophie Margarethe Antoinette Tischbein (* Januar 1761 in Hamburg; † 24. Mai 1826 in Aurich), Malerin, Kopistin und Lehrerin aus der Künstlerfamilie Tischbein, Tochter des Malers Johann Jacob Tischbein (* 21. Februar 1725; † 22./23. August 1791) und der Malerin Magdalene Gertrud Lilly (1737–1804). Sie hatten acht Kinder: Johann Carl Heinrich (* 7. Januar 1785 in Petkum; † 1842 in Berlin), Porzellan Maler und Zeichenlehrer, später Kommissionsrat ⚭ Johanna Peters († 1840) Magdalena Wilhelmina Christiana (* 21. Dezember 1786 in Petkum; † 18. März 1787) Johann Georg Julius (* 28. April 1788 in Petkum; † um 1870 in Paris), Kaufmann Reinhard Friedrich August (* 9. Juni 1790 in Petkum; † 26. August 1832 in Hamburg), Kaufmannsdiener Christiane Jeanette Louise (* 9. Februar 1793 in Esens; † 1. Juni 1863 in Witzenhausen) Gerhard Moritz (Mauritz) (* 7. Mai 1795 in Esens; † 28. Oktober 1852 in Santpoort bei Velsen/Nordholland), niederländischer Seeoffizier, ⚭ Georgina Louise Bennet Johanna Cornelia Elisabeth Christine (* 1797; † 1887), Lehrerin an der Töchterschule in Aurich, schrieb ein Buch über ihren Vater Wilhelm Christian Ludwig (* 1798; † 1822), Kaufmann
Literatur Martin Stolzenau: Ostfrieslands außergewöhnlicher Aufklärungs-Theologe. In: Friesische Heimat 3. Beilage 2016 des Anzeigers für Harlingerland vom 12. März 2016. Erich Bolinius, Scharp Schöten up `n Pastor ut Petkum, Emder Zeitung 3. Januar 2014
Weblinks
Biografie von Gerd Rokahr bei der Ostfriesischen Landschaft (mit Bild)
Einzelnachweise
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