Isparta ist die Hauptstadt der gleichnamigen türkischen Provinz Isparta. Gleichzeitig ist sie auch Zentrum des sie umgebenden zentralen Landkreis (İlçe Merkez).

Die Stadt liegt in Höhe im Westlichen Taurusgebirge am Oberlauf des Aksu und ist der Standort der Süleyman Demirel Üniversitesi. Berühmt ist die Provinz für ihre Teppiche mit naturalistischen Blumenmustern, ihren Rosenanbau und die aus Rosenöl hergestellten Produkte.

Ortsname Über die Herkunft und Bedeutung des Ortsnamens gibt es verschiedene Theorien.

Nach Süleyman Sami liegt dem Namen Baris das Sanskrit-Wort vari für Wasser zu Grunde. Hikmet Dağlıoğlu sieht in dem Wort Baride eine Ortsbezeichnung hethitischen oder lydischen Ursprungs mit der Bedeutung Überfluss. Spätere Einwanderer fügten die Vorsilbe Eis hinzu, so dass sich der Name Eisbarida und später zu Isbarida verschliff. Im Türkischen wurde daraus Isparta. In byzantinischer Zeit hieß die Stadt oder Sbárita. In arabischen Quellen aus dem 8. Jahrhundert wird die Stadt als Sabarta bezeichnet.http://www.isparta.gov.tr/isparta In osmanischer Zeit hieß die Stadt Hamid, nach der Bezeichnung des Beyliks Hamidoğulları, das hier im 14. Jahrhundert bestand. Im Jahre 1846 erhielt die Stadt den Namen Hamidabad und wurde Hauptstadt eines Sandschaks. Die Rückbenennung zur türkischen Form des ursprünglichen Namens erfolgte 1922. mini|Ulu Camii und im Hintergrund der Davraz Dağı Geschichte Die Gegend um Isparta war schon seit der Altsteinzeit (Paläolithikum) besiedelt; dies belegen Funde in der Kapini-Höhle bei Bozanönü, nördlich von Isparta, die 1944 von dem türkischen Archäologen und Anthropologen Şevket Aziz Kansu entdeckt wurden. Bei Gümüşgün, nordwestlich von Isparta, fand man Mikrolithen aus der Mittelsteinzeit (Mesolithikum). Weitere Siedlungsspuren aus der Kupfersteinzeit (Chalkolithikum) wurden im heutigen Stadtgebiet entdeckt. Erste schriftliche Quellen belegen das Vorhandensein von Siedlungen der Pisider, Luwier und Arzawer in der Region. Im 2. Jahrtausend vor Christus versuchten die Hethiter das Gebiet unter ihre Kontrolle zu bringen, was ihnen jedoch nicht dauerhaft gelang. Ab 1000 v. Chr. wanderten die Phryger ein und lösten die Pisider ab. Im 8. Jahrhundert v. Chr. gehörte das Gebiet zu Lydien. 541 v. Chr. eroberten die Perser unter König Kyros II. Lydien. Zu dieser Zeit soll schon eine Siedlung namens Baris existiert haben.J. H. Mordtmann in: Encyclopaedia of Islam, 1. Auflage (1913–1936); Artikel "Isparta", Mordtmann, J. H. Alexander der Große nahm das Gebiet nach der Eroberung von Sagalassos 334/332 v. Chr. in Besitz. Nach seinem Tod war es Teil des Königreichs Pergamon, bis es der letzte König von Pergamon, Attalos III., den Römern vermachte. mini|Hamam aus dem Jahr 1694 In byzantinischer Zeit bereitete sich das Christentum schnell aus und vom Ersten Konzil in Nicäa 325 ist die Teilnahme eines Bischofs Heraklius aus Baris überliefert. Auch am Zweiten Konzil von Nicäa 787 nahm ein Bischof aus Baris, Leo, teil, wobei unklar ist, ob Baris in Pisidien oder in Hellesponto gemeint ist.Raymond Janin, v. 2. Baris, in Dictionnaire d'Histoire et de Géographie ecclésiastiques vol. VI, 1932, col. 808 Baris wurde zu einem religiösen Zentrum des Themas Anatolikon. Während der Arabereinfälle im 8. Jahrhundert wurde Baris 774 von den Abbassiden erobert, konnte aber bald darauf von Byzanz zurückerobert werden. Die arabischen Überfälle dauerten bis ins 10. Jahrhundert an und hinderten die Entwicklung der Stadt. 1204 wurde Baris von den Rum-Seldschuken unter Suleiman II. erobert. Nach dem Tod des letzten Seldschuken-Herrschers 1307 übernahmen die Hamididen des Fürstentums (türkisch: Beylik) Hamidoğulları die Herrschaft über Baris und nannten die Stadt „Hamid“. 1324 wurde Hamid kurzzeitig von den Mongolen erobert, aber schon 1328 herrschten die Hamidoğulları wieder über die Stadt. Der Letzte aus der Dynastie der Hamidoğulları, Hamitoğlu Kemaleddin Hüseyin Bey, verkaufte 1374 (andere Quellen: 1381) sein Fürstentum für 80.000 Goldstücke an den osmanischen Sultan Murad I. und mit Hüseyins Tod 1390 fiel die Stadt an das Osmanische Reich und wurde als Sandschak Hamid Teil des Beylerbey Anatolien.

Durch die Celali-Aufstände im 16. und 17. Jahrhundert erlitt die Stadt große Schäden. Mehrere Erdbeben in dieser Zeit zerstörten zahlreiche Gebäude. 1780 ereignete sich ein schweres Beben, das den Kratersee Gölcük oberhalb der Stadt zum Überlaufen brachte und dabei zwei Stadtviertel zerstört wurden. 1846 wurde die Stadt Hamidabad genannt und hatte 6.310 Einwohner. 1869 belief sich die Einwohnerzahl auf 11.560. Laut dem Jahrbuch der Provinz Konya von 1882 lebten in Hamidabad 33.109 Personen, davon waren 4.524 Griechen und 551 Armenier. mini|Rosenlampe am Abend mit der Kutlu Bey Camii im Hintergrund Nach dem Russisch-Osmanischen Krieg 1877–1878 wanderten viele Türken aus Bulgarien aus und siedelten sich in der heutigen Türkei an. Türken aus der bulgarischen Stadt Kasanlak ließen sich in Isparta nieder und brachten ihr Wissen zur Herstellung von Rosenöl mit. 1888 schmuggelte Müftüzade İsmail die bulgarische Ölrose (Rosa damascena trigintipetala) nach Isparta und ließ sie dort in großem Maßstab kultivieren, so dass die Stadt zur türkischen Rosenstadt (Şehir Gül) wurde. 1914 lebten in der Stadt 54.465 Personen, davon 6.648 Griechen und 1.119 Armenier.Kemal Karpat: Ottoman Population, 1830–1914, Demographic and Social Characteristics; in: The University of Wisconsin Press, 1985; S. 180–181

1900 wurde das erste Krankenhaus errichtet. 1914 kam es zu einem schweren Erdbeben, bei dem fast die gesamte Innenstadt, historische Gebäude wie die Ulu Camii und das Krankenhaus zerstört wurden. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 wurden alle Armenier zwangsrekrutiert, um angeblich im Straßenbau für die Armee zu arbeiten, die Frauen und Kinder wurden nach Osten verschleppt. Über ihr Schicksal ist nichts bekannt, wahrscheinlich wurden sie Opfer des Völkermords an den Armeniern 1915.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde Isparta im Rahmen des Vertrags von Sèvres der italienischen Zone zugeschlagen. Italienische Truppen marschierten Richtung Burdur und erreichten Isparta am 28. Juni 1919. Ein türkischer Aufstand in der Stadt, der sich bis August 1919 hinzog, führte zum Rückzug der italienischen Truppen nach Antalya. 1923 wurde die griechische Bevölkerung der Stadt auf Grund des Vertrags von Lausanne vertrieben. Gleichzeitig siedelten sich erneut Türken an, die aus Bulgarien vertrieben wurden, und belebten die Rosenölindustrie. 1936 wurde die Eisenbahnlinie Richtung Istanbul eröffnet. 1976 wurde die Staatliche Ingenieur- und Architekturakademie gegründet, aus der 1992 die Süleyman Demirel Universität hervorging.

Geographie Landkreis Der zentrale Landkreis umgibt die Stadt Isparta und grenzt im Norden an die Kreise Gönen und Atabey, im Osten an den Kreis Eğirdir. Im Süden und Westen bildet die Provinz Burdur die Grenze. Neben der Kreisstadt besteht der Kreis noch aus zwei weiteren Gemeinden (Belediye): Savköy (3.522) und Kuleönü (2.669 Einw.). 20 Dörfer (Köy) mit durchschnittlich 772 Bewohnern vervollständigen den Kreis. Sechs der Dörfer haben über tausend Einwohner: Deregümü (2.049), Yakaören (1.725), Büyükgökçeli (1.288), Aliköy (1.238), Küçükhacılar (1.073) und Büyükhacılar (1.053 Einw.). Durch die Stadt Isparta (über die Hälfte der Provinzbevölkerung) ist die Bevölkerungsdichte für den zentralen Landkreis hoch und beträgt fast das Siebenfache des Provinzdurchschnitts (von 40 Einw. je km²).

Gliederung

Der hauptstädtische, zentrale Landkreis (Merkez İlçe) besteht aus der Provinzhauptstadt Isparta, den beiden Stadtgemeinden (Belediye) Kuleönü (2620) und Sav (3575 Einw.) sowie 20 Dörfern (Köy), mit einer Durchschnittsbevölkerung von 767 Einwohnern. Die größten Dörfer sind: Deregümü (2092) Yakaören (1718) Aliköy (1308) Büyükgökçeli (1226) Küçükhacılar (1092) Büyükhacılar (1084 Einw.) Die Stadt Isparta wiederum ist in 44 Mahalle aufgeteilt, deren Einwohnerzahl reicht von 427 bis 22.939 Einwohner (Davraz Mah.). Im Durchschnitt wird jedes Mahalle von 5471 Menschen bewohnt.Mahallere Göre Isparta Merkez Nüfusu

Klima Das Klima Ispartas ist kontinental geprägt, mit heißen, trockenen Sommern und relativ milden und niederschlagsreichen Wintern. Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 12,5 °C, wobei im Januar mit 1,8 °C die kältesten und im Juli mit 24,0 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Nachfolgende Tabelle zeigt den vergleichenden Bevölkerungsstand am Jahresende für die Provinz, den zentralen Landkreis und die Stadt Isparta sowie den jeweiligen Anteil an der übergeordneten Verwaltungsebene. Die Zahlen basieren auf dem 2007 eingeführten adressbasierten Einwohnerregister (ADNKS).Central Dissemination System/Merkezi Dağıtım Sistemi (MEDAS) des TÜIK, abgerufen am 28. Juli 2011

Jahr Provinz Landkreis Stadt abs. % abs. % abs. 2020440.30459,56262.25591,79240.723 2019444.91459,43264.42691,90243.020 2018441.41258,53258.37591,63236.749 2017433.83057,98251.53191,44230.011 2016427.32456,57241.72391,15220.322 2015421.76655,83235.45690,93214.096 2014418.78054,62228.73090,62207.266 2013417.77453,48223.43090,35201.873 2012416.66352,78219.90490,21198.385 2011411.24551,92213.51189,97192.093 2010448.29854,44244.04591,19222.556 2009420.79650,29211.61489,83190.084 2008407.46348,39197.16989,17175.815 2007419.84549,11206.18689,60184.735

Volkszählungsergebnisse Zu den Volkszählungen liegen folgende Bevölkerungsangaben über die Stadt, den Kreis, die Provinz und das Land vor:Genel Nüfus Sayımları (Volkszählungsergebnisse 1965 bis 2000), abgerufen am 28. Juli 2021 Ein Teil der Werte (1960 und davor sowie 1997) wurden PDF-Dokumenten entnommen, die über die Bibliothek des TÜIK abruf- und downloadbar sindBücherei des Türkischen Statistikinstituts TÜIK, abrufbar nach Suchdateneingabe. Region 1945 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1997 2000 Stadt (Şehir) 17.292 18.383 24.567 35.981 42.901 50.905 62.870 86.475 101.215 112.117 134.271 148.496 zentraler Kreis (Merkez) 51.038 40.243 48.899 55.668 14.730 75.166 86.043 109.972 127.898 133.061 158.939 170.713 Provinz (İl) 172.543 186.316 212.080 242.352 266.240 300.029 322.685 350.116 382.844 434.771 461.571 513.682 Türkei 18.790.174 20.947.188 24.064.763 27.754.820 31.391.421 35.605.176 40.347.719 44.736.957 50.664.458 56.473.035 62.865.574 67.803.927

Politik Gemeinderat Partei / ListeWahl 2019StimmenanteilSitzeAdalet ve Kalkınma Partisi (AKP)38,71 %15 SitzeİYİ Parti (İYİ)29,55 %8 SitzeMilliyetçi Hareket Partisi (MHP)28,82 %8 SitzeSaadet Partisi (SAADET)1,35 %0 Sitze

Sehenswürdigkeiten mini|Isparta; Kutlu Bey Camii; zuletzt 1922 umgebaut die Kutlu Bey Cami, auch: Ulu Cami (= große Moschee) errichtet 1417 unter Kutlu Bey, einem General unter Sultan Murad II. Von der ursprünglichen Seldschukenmoschee aus dem Jahre 1299 sind nur noch Mauerreste vorhanden. Sie ist das älteste Gebäude der Stadt. 1901 wurde die Moschee zum 25-jährigen Thronjubiläum Sultans Abdülhamid II. im byzantinischen Stil bis 1904 umgebaut. 1914 durch Erdbeben fast vollständig zerstört, erfolgte 1922 der Wiederaufbau.

die Firdevs-Bey-Cami (Moschee) (auch: Firdevs Paşa Camii, Mimar Sinan Camii) aus dem Jahr 1561. Sie und der benachbarte Bedesten (Markthalle) werden dem Architekten Sinan zugeschrieben. 1914 durch Erdbeben schwer beschädigt, danach renoviert.

die Aya Payana Kirche (Aya Baniya Kilisesi); eine griechisch-orthodoxe Kirche aus dem Jahr 1750. Seit 1923 im ruinösen Zustand, wurde 1999 das Dach neu gedeckt. Eine weitere Renovierung ist geplant, wurde aber noch nicht durchgeführt (Stand 2022).

das Ethnographische und Teppich-Museum (Isparta Etnografya Halı ve Kilim Müzesi) mit einer beeindruckenden Sammlung von Münzen und Teppichen.

das Naturschutzgebiet Gölcük Gölü, ein nicht ganz ein km² großer Kratersee am Akdag-Gebirge in 1.300 m Höhe, das im Südwesten der Stadt liegt.