Atari 1200XL 320px|Atari 1200XL Hersteller 140px|Logo von Atari, Inc. Hauptentwickler Mark Lutvak (Leitung), Joe Decuir (ANTIC), George McLeod (GTIA), Doug Neubauer (POKEY), Steve Mayer Research Lab (Hardware, Betriebssystem),Marty Goldberg, Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, S. 454. Regan Cheng (Gehäuse)Marty Goldberg, Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, S. 695. Verkaufsstart und Neupreis März 1983 für 899 US-Dollar Einstellung der Produktion Juni 1983 Hauptprozessor 6502 „Sally“ @ 1,79 MHz Arbeitsspeicher ab Werk 64 KB DRAM Grafikausgabe Diverse Text- und Grafikmodi8 monochrome Sprites („Player“ und „Missiles“)Farbauswahl aus einer Palette von 256 Farben Tonausgabe 4 Tongeneratoren (Ausgabe via TV) Lieferumfang (USA) Computer, Netzteil, Anleitung, zwei Styroporschalen, Verpackung

Der Atari 1200XL ist ein Heimcomputer des US-amerikanischen Herstellers Atari, Inc. Er basiert auf einer eigens von MOS Technology, Inc. für Atari gefertigten Variante des 6502-Mikroprozessors. Man stattete diesen Rechner gleich dem direkten Konkurrenzmodell Commodore 64 mit einem damals zeitgemäßen 64 Kilobyte (KB) großen Arbeitsspeicher aus. Der Interpreter für die Programmiersprache BASIC war hingegen nicht enthalten und musste separat erworben werden.

Das Gerät kam von umfangreichen Werbekampagnen begleitet im März 1983 in den Vereinigten Staaten in den Handel. Binnen kurzer Zeit wurden Probleme mit der Ausführung von Software der Vorgängermodelle Atari 400 und Atari 800 bekannt, die auf Neuerungen am Betriebssystem und am Steckmodulschacht zurückzuführen waren. Zudem ließen sich die Erweiterungen des Atari 800 und einige Peripheriegeräte nicht mehr verwenden, weil der Atari 1200XL mit dem Ziel eines möglichst einfachen Gebrauchs als geschlossenes System konzipiert worden war.

Angesichts der Mängel und des hohen Verkaufspreises von etwa 900 US-Dollar erwarben viele Computerinteressierte stattdessen einen Konkurrenzcomputer oder einen der weiterhin angebotenen Atari 400 und 800. Letztere ließen nämlich keine Inkompatibilitäten befürchten und waren zudem im Preis gesenkt worden. Wegen der nur geringen Nachfrage verzichtete Atari auf eine internationale Vermarktung und stellte schon im Juni 1983 die Produktion des 1200XL ein.

Geschichte

Nachdem die 1979 erschienenen Heimcomputer Atari 400 und 800 bereits Ende 1981 in die Jahre gekommen waren, beschloss Atari dem allgemeinen Zeitgeschmack und gestiegenen technischen Anforderungen folgend eine Überarbeitung seiner Geräte. Das verbesserte Computermodell sollte in erster Linie zu dem für Ende 1982 angekündigten Commodore 64 in Konkurrenz treten und so Ataris Marktanteile auch auf das Segment der hochwertigen Heimcomputer ausdehnen.Atari’s 1200XL. In: Compute!, März 1983, S. 66.

Entwicklung und Prototypen Die technische Entwicklung wurde dem auf Computer spezialisierten externen Forschungslabor Steve Mayer’s Research Lab aus New York City übertragen. Die Arbeiten am Projekt „Liz“ begannen im zweiten Quartal des Jahres 1981.

Projekt Liz Ein erster Entwurf des Geräts mit der provisorischen Typenbezeichnung „Z800“Marty Goldberg, Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, S. 696. basierte weitestgehend auf der Systemarchitektur des Atari 800.Ajay Chopra: Architecture Overview. (PDF) Atari Sweet 16 Home Computer Product Specifications, S. 9. Lediglich der 6502-Hauptprozessor war durch eine neue und speziell auf Ataris Systemarchitektur zugeschnittene Version ersetzt worden.Ajay Chopra: The 6502 CPU. (PDF) Atari Sweet 16 Home Computer Product Specifications, S. 43. Hinzu kamen neue Funktionstasten, ein Diagnoseprogramm zum Selbsttest des Computers und diverse Schnittstellen zum Anschluss von Peripheriegeräten. Die Spezifikationen für ein darauf zugeschnittenes Betriebssystem konnten Anfang Oktober fertiggestellt und die Programmierarbeiten begonnen werden. Einen Monat später starteten die Arbeiten zur Gestaltung des Gehäuses, dessen verschlanktes Design dem Zeitgeschmack besser entsprechen sollte.

Projekt Sweet 16 Auf Betreiben von Ataris Marketingabteilung hin wurde im Februar 1982 die Arbeitsspeicherkonfiguration auf zunächst nur 16 KB RAM festgesetzt und daran angelehnt das Projekt in „Sweet 16“ („S-16“) umbenannt. Von den vier Joystickanschlüssen der Vorgängermodelle verblieben lediglich zwei, um beispielsweise die Aktivierung des neuartigen Selbsttestes ins System integrieren zu können. Die Notwendigkeit gleich zweier Modulschächte wie beim Atari 800 entfiel durch die Einführung neuartiger Steckmodule mit bis zu 16 KB Festwertspeicher.Robert DeWitt: Evolution of the XL Computers – The Need for the 1200XL. In: Antic Magazine, Juni 1984, S. 11. Insbesondere mit Hinblick auf die angedachte internationale Vermarktung sollte das Betriebssystem fortan für alle Fernsehnormen gleichermaßen geeignet sein. Durch die vielen Neuerungen wuchs das Betriebssystem in seiner Größe von 10 auf 16 KB an.Atari’s 1200XL. In: Compute!, März 1983, S. 40.

Durch die mittlerweile gelockerten US-amerikanischen Funkentstörungsvorschriften waren massive Abschirmungen wie bei den Vorgängermodellen Atari 400 und 800 unnötig geworden. Dadurch entfielen das kostenintensive Aluminiumdruckgussgehäuse und das aufwendige Verschlusssystem für den Steckmodul- und Erweiterungsschacht. Zur Senkung der Herstellungskosten erfolgte die konstruktive Umsetzung des Rechners in Form eines Einzelplatinencomputers, dessen endgültige Gestaltung sich Ataris Vorgabe eines einfachstmöglich zu bedienenden Geräts unterzuordnen hatte. Diesem Konzept fielen bereits zuvor neu konzipierte Schnittstellen und damit auch die Erweiterbarkeit durch den Benutzer zum Opfer. Da Ataris Vermarktungsabteilung für Heimcomputer vermutlich nur Aufrüstungen durch Arbeitsspeicher als überhaupt sinnvoll ansah, wurde das Gerät – wohl auch in Hinblick auf die Konkurrenzsituation – kurzerhand mit 64 KB RAM ab Werk ausgestattet und somit die zudem teure Erweiterungsschnittstelle als überflüssig erachtet.

Die Entwicklung des Computers konnte schließlich Ende Juli abgeschlossen werdenMarty Goldberg, Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, S. 697. und die Arbeiten zur Überführung in die Serienproduktion begonnen werden. Der Test zur elektromagnetischen Verträglichkeit wurde Anfang November bei der US-amerikanischen Federal Communications Commission (FCC) bestanden, womit einer Veröffentlichung des Geräts nichts mehr im Wege stand.Marty Goldberg, Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, S. 698.

Umbenennung in Atari 1200XL Der von Ataris Vermarktungsabteilung zwischenzeitlich vorgeschlagene Modellname „Atari 1000“ wurde später in „Atari 1200“ (Variante mit 16 KB Arbeitsspeicher) beziehungsweise „Atari 1200X“ (Variante mit 64 KB Arbeitsspeicher)Ajay Chopra: Architecture Overview. (PDF) Atari Sweet 16 Home Computer Product Specifications, S. 74. und kurz vor der Veröffentlichung schließlich in „Atari 1200XL“ umgeändert. Wie bei der 400- und 800-Serie auch sollten die Bezeichnungen der ebenfalls neu konstruierten Peripheriegeräte auf der Produktkennzahl des Computers „1200“ basieren. Infolge von unternehmensinternen Kommunikationsproblemen orientieren sich die neuen Modellnamen – beispielsweise der des Programmrekorders „Atari 1010“ – jedoch noch an der ursprünglich vorgesehenen Bezeichnung „Atari 1000“.Marty Goldberg, Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, S. 694.

Die Herstellung der ersten Geräteserie erfolgte in Ataris Fabriken im kalifornischen Sunnyvale. Von den gesamten Produktionskosten entfielen dabei anfänglich allein etwa vierzig Prozent auf die Beschaffung des Arbeitsspeichers. Zur Senkung der laufenden Kosten, insbesondere für das Personal, verlagerte Atari im April 1983 die Produktion in das Billiglohnland Taiwan.Giselle Bisson: Atari: From starting block to auction block. InfoWorld, 6. August 1984, S. 52.

Vermarktung Die erste öffentliche Präsentation des Atari 1200XL erfolgte im Rahmen einer offiziellen Pressekonferenz am 13. Dezember 1982Atari Pressemitteilung, 13. Dezember, 1982. im Hotel The Plaza in New York.John Anderson: New Member of the Family. In: The Creative Atari. Creative Computing Press, 1982, ISBN 0-916688-34-8, S. 116; . Der 1200XL wurde dabei als parallel zum Atari 800 zu vermarktender Nachfolger vorgestellt.

Markteinführung

Ataris 1200XL war ab März 1983 in den USA und dort vor allem bei großen Verkaufsketten wie Sears, J.C. Penney und Kmart erhältlich; der bereits auf der winterlichen Consumer Electronics Show angekündigte unverbindliche Verkaufspreis betrug 899 US-Dollar.David H. Ahl, Betsy Staples: 1983 Winter Consumer Electronics Show; Creative Computing presents the Short Circuit Awards. Creative Computing, April 1983, S. 18.Perry Garfinkel: Wars of the Atari Galaxy: The Empire strikes back. Across the Board, Juni 1983, S. 26. Das Erscheinen wurde von landesweiten Werbekampagnen in Printmedien und im Fernsehen begleitet. Darin hob Atari vor allem die „einfache Programmierbarkeit der anspruchsvollen Grafik und Tonmöglichkeiten“ als branchenweites Alleinstellungsmerkmal hervor („Only the new Atari 1200Xl home computer makes sophisticated graphics and sound so easy to program“). Zudem betonte man die Benutzbarkeit der bereits mehr als 2000 Titel umfassenden Softwarebibliothek für die 400/800-Modellreihe.The new Atari 1200XL home computer. In: Compute!, Juni 1983, S. 20 f.

Zum Erreichen der Zielgruppe der erwachsenen Computereinsteiger und videospielebegeisterten Heranwachsenden bediente sich Atari bewährter Werbestrategien. Dazu zählte eine kostenfreie Servicehotline, die potentiellen Kunden eine schnelle Klärung von Problemen und somit verringerte Berührungsängste versprach. Eine weitere übliche Maßnahme war die gezielte Platzierung von Ataris Produkten in öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen sowie in Computer-Ferienlagern („Computer Summer Camps“). Durch diese frühzeitige Gewöhnung der Heranwachsenden an Ataris Geräte erhoffte man sich, dass Schüler und Studenten im Rahmen späterer Privatanschaffungen auf einen Computer von Atari zurückgreifen würden.Perry Garfinkel: Wars of the Atari Galaxy: The Empire strikes back. Across the Board, Juni 1983, S. 31.

Begleitet wurde der Verkauf des 1200XL durch neue, gestalterisch darauf abgestimmte Peripheriegeräte wie etwa den Programmrekorder Atari 1010, den Vierfarbplotter Atari 1020 und den Nadeldrucker Atari 1025. Weitere Geräte wie das Modem Atari 1030, der Kugelkopfdrucker Atari 1027 und das Diskettenlaufwerk Atari 1050 rundeten einige Monate später die Produktpalette der XL-Reihe ab.

Kompatibilitätsprobleme, Absatzschwierigkeiten und Produktionseinstellung