Annesse-et-Beaulieu (, okzitanisch: Anessa e Beuluòc) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine; sie gehört zum Arrondissement Périgueux und zum Gemeindeverband Le Grand Périgueux. Die Einwohner werden Annessois und Annessoises genannt.
Geografie
Annesse-et-Beaulieu liegt etwa neun Kilometer westlich von Périgueux in der Région naturelle des Périgord central, Teil des touristisch benannten Périgord blanc. Die Gemeinde befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und liegt am rechten Ufer der Isle.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Annesse-et-Beaulieu liegt in der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.
Das Zentrum der Gemeinde befindet sich im Ortsteil Gravelle. Das Relief des Gemeindegebiets zeigt eine hügelige, bewaldete Landschaft mit Erhebungen nach Norden hin von über , die in der Mitte vom Tal eines kleineren Flusslaufs tief eingeschnitten wird. Der topographisch tiefste Punkt mit befindet sich im äußersten Südwesten beim Austritt der Isle aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt auf etwa Höhe.
Rund 46 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, insbesondere durch den Forêt de la Faye im Norden, etwa 40 % werden landwirtschaftlich genutzt, rund 14 % entfallen auf bebaute Flächen.
Annesse-et-Beaulieu wird von folgenden acht Nachbargemeinden umgeben:
mini|Risikokarte des Quellungs/Schrumpfungsverhältnisses von Tonmineralen in Böden für Annesse-et-Beaulieu
Naturrisiken Naturrisiken manifestieren sich in Annesse-et-Beaulieu als Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen, besonders entlang der Isle Waldbrände Bodensetzungen.
Die Isle hat in der Vergangenheit zahlreiche Überschwemmungen erlebt, die erhebliche menschliche und materielle Folgen hatten. Zu den jüngsten Überschwemmungen, deren Spuren in Archiven oder bei Anwohnern des Flusses gefunden werden können, gehört die Flut vom Dezember 1944, die die Menschen entlang der Isle seit über 150 Jahren am stärksten geprägt hat. In jüngerer Zeit sind die Überschwemmungen von 1993, 1998 und 2003 den Menschen am stärksten im Gedächtnis geblieben. Vorbeugungen in der mit dem höchsten Risiko belegten Zone sind vor allem die Nichtbebauung und Nichtnutzung des Landes in diesem Gebiet.
Beim weitaus überwiegenden Teil des Gemeindegebiets besteht eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräte zur Vorbeugung von Waldbränden. Wie die Risikokarte zeigt, ist Annesse-et-Beaulieu im größten Teil seines Gemeindegebietes mittelmäßig bis stark von der Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.
Etymologie und Geschichte Die Gemeinden Beaulieu und Annesse wurden noch während der Französischen Revolution zusammengelegt. Beide Pfarrgemeinden wurden in sehr früher Zeit gegründet, wie das Vorhandensein einer romanischen Kirche jeweils belegt. Der besondere Charakter des Ortsteils Beaulieu erklärt die dortige Bautätigkeit von Schlössern zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert. Für das Toponym Beaulieu, der Frankonisierung des Okzitanischen Bèl lòc (), gibt es keinen Beleg aus früher Zeit.
Neben der Kirche von Annesse half das Wasser des Brunnens Saint-Blaise bei der Heilung von bestimmten Augenkrankheiten. Die Legende besagt, dass der heilige Maudez dort seine entlaufene Eselin wiedergefunden hat. Eine andere schreibt den Heiligen Hilarius und Justus die Errichtung einer Kapelle im 19. Jahrhundert an dieser Stelle zu.
Annesse wurde in der Form Anessa 1076 erstmals erwähnt, was nichts mit der Legende um die entlaufene Eselin () zu tun hat. Sie hat sehr wahrscheinlich ihren Ursprung aus dem Gallischen, mit dem Anfang °ana () und der gallorömischen Endung -icia oder -itia.Tanet, Hordé, Seite 30
Bevölkerungsentwicklung
Sehenswürdigkeiten Kirche Saint-Blaise in Annesse aus dem 12. Jahrhundert Kirche Saint-Mandé in Beaulieu aus dem 12. Jahrhundert Priorei und altes Pfarrhaus Schloss Lalande aus dem 18. Jahrhundert, heute Hotel Schloss La Roche aus dem 19. Jahrhundert Schloss Siorac aus dem 16. Jahrhundert, heute Ferienwohnungen
Bildung Annesse-et-Beaulieu verfügt über eine öffentliche Vor- und Grundschule (École primaire) und ein öffentliches Collège „La Roche Beaulieu“.
Wirtschaft Erwerbstätigkeit Im Jahre 2022 waren 635 Personen in Annesse-et-Beaulieu erwerbstätig, entsprechend 42,9 % der Gesamtbevölkerung der Gemeinde. Die Zahl der Arbeitslosen ist mit 41 im Jahr 2022 niedriger als im Jahr 2016 (62).
Branchen und Betriebe 113 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2022 in Annesse-et-Beaulieu wirtschaftlich aktiv: Branche Anzahl %Gesamt113Fertigung, Bergbau und andere Industrien87,1 %Baugewerbe2421,2 %Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie2421,2 %Information und Kommunikation10,9 %Finanzen und Versicherungen76,2 %Immobilien65,3 %Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten1513,3 %Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln119,7 %Andere Dienstleistungen1715,0 %
Die vier umsatzstärksten Unternehmen mit Sitz in der Gemeinde im Jahr 2023 waren: La Lande Rééducation, Rehabilitationen (9.877.172 €) Le Verger Des Balans, Medizinische Unterbringung für ältere Menschen (6.292.332 €) Francois Baldauf Diffusion, Zwischenhändler mit verschiedenen Produkten (1.199.195 €) Immobiliere La Lande, Vermietung von Grundstücken und anderen Immobilien (938.136 €) Ifg, Aktivitäten von Holdinggesellschaften (504.031 €)
Landwirtschaft Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde auf dem Anbau von Getreide und/oder Ölsaaten. Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 14 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 8 im Jahr 2000, dann auf 5 im Jahr 2010 und schließlich auf 4 im Jahr 2020, ein Rückgang von 71 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche sank von 266 Hektar im Jahre 1988 auf 114 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg im Gegenzug von 19 Hektar auf 28,6 Hektar.
Verkehr Der Radwanderweg V56 von Metz nach Saint-Jean-Pied-de-Port durchquert das Gemeindegebiet. Er folgt der Via Lemovicensis, einem der vier Jakobswege in Frankreich.
Die größeren Verkehrsachsen (Straßen und Eisenbahnen) verlaufen auf dem gegenüberliegenden Ufer der Isle. Die Hauptverkehrsader der Gemeinde ist die Departementsstraße D 3, die die Gemeinde mit Saint-Astier im Westen und mit Chancelade im Osten verbindet. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen führen zu weiteren Nachbargemeinden. Die D 34 A führt beispielsweise nach Razac-sur-l’Isle über eine Brücke über die Isle.
Busse einer Linie im Auftrag der Region Nouvelle-Aquitaine verbinden Annesse-et-Beaulieu mit Périgueux und Ribérac.
Persönlichkeiten Michel Rousseau (1936–2016), französischer Radrennfahrer, wohnte längere Zeit in Annesse-et-Beaulieu nach seiner aktiven Karriere.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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