mini|Röttenbach bei Erlangen Luftaufnahme (2020)
Röttenbach ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt. Die Gemeinde ist ein bevorzugtes Wohngebiet für Pendler nach Erlangen.
Geografie Lage Röttenbach bildet mit Hemhofen und Zeckern im Norden eine geschlossene Siedlung. Diese liegt nördlich von Erlangen.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht nur aus der Gemarkung und dem Ort Röttenbach.
Auf dem Gemeindegebiet befanden sich die Orte Reihendorf und Weihermühle, beides heute Wüstungen.
Die Gemarkung Röttenbach hat wie die Gemeinde Röttenbach eine Fläche von 7,760 km². Sie ist in 3240 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2395,14 m² haben.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden Röttenbachs sind Adelsdorf, Baiersdorf, Heßdorf und Hemhofen.
Geschichte Mittelalter und Neuzeit 1177 wurde der Ort als „Rotenbach“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich von einem gleichlautenden Gewässernamen ab, dessen Bestimmungswort das Adjektiv rot ist; es wird also Bezug genommen auf die rötliche Färbung dieses Baches.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 192. Das Grundwort –bach bei Gewässernamen ersetzte ab dem 10. Jahrhundert das bis dahin übliche Grundwort –aha. Demnach kann angenommen werden, dass etwa um das Jahr 1000 Siedler auf der Suche nach Land in die waldreiche, hügelige Landschaft, welche die Ausläufer des Steigerwaldes bilden, kamen. Sie ließen sich an diesem Bach nieder, rodeten Teile des Waldes und machten das Land urbar. Weite Sumpfgebiete auf den undurchlässigen Lettenschichten der Keuperstufe ließen nur eine wenig ertragreiche Landwirtschaft zu. Im Laufe der Jahrhunderte kultivierten die Bewohner die Sümpfe, es entstanden die vielen Weiherketten, die die Wälder teilten und von Norden, Osten und Westen auf Röttenbach zustreben und teilweise noch heute durchziehen.
Im 13. Jahrhundert nahm eine Linie der Truchseß von Pommersfelden, sie nannte sich später Truchseß von Röttenbach, das Gebiet in Besitz. Verkaufsurkunden belegen, dass Höfe und Güter mehrmals ihre Besitzer wechselten. 1322 ging ein Gutshof an den Abt des Klosters Michaelsberg, 1329 ein anderer an den Amtmann auf der Nürnberger Burg. 1476 veräußerte das Bamberger Kloster seinen Hof an Christoph Truchseß in Röttenbach.
Der Haupthof des Ortes, aus dem das spätere Rittergut entstand, wurde erstmals 1433 in einem Bamberger Lehenbrief für Peter und Veit Truchseß erwähnt. Auf diesem Hof, heute Brauerei Sauer, entstand ein Schloss, das mit einem Wassergraben gesichert war. Aufständische Bauern brannten im Bauernkrieg 1525 das Schloss nieder. Das Wohnhaus, später neu errichtet, blieb bis heute erhalten, ebenso wie ein fein aus Sandstein herausgearbeitetes Wappen aus dem Jahre 1591 an der Südwand der Brauerei. 1610 wurde der Besitz an die mit dem Truchseß verschwägerten Marschälle von Pappenheim verpfändet. 1710 fiel dieser an das Hochstift Bamberg. Teile der Güter und der Untertanen gehörten der Reichsstadt Nürnberg und den Freiherren Winkler von Mohrenfels (Hemhofen). In der Zeit Napoleons wurde Röttenbach 1803 der Krone Preußens zugesprochen, kam aber schon 1810 wie ein großer Teil von Franken zum Königreich Bayern.F. Krug (Hrsg.): Der Landkreis Erlangen-Höchstadt, S. 163 f. = G. Daßler (Hrsg.): Landkreis Höchstadt a. d. Aisch, S. 117 ff.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Röttenbach aus 68 Anwesen. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Forchheim aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Obervogteiamt Forchheim. Grundherren waren das Hochstift Bamberg (Kastenamt Forchheim (1 Schloss mit Brauhaus, 2 Höfe, 1 Halbhof, 2 Güter, 2 Gütlein, 3 Häuser, 1 Fallhaus), das Domkapitel Bamberg (2 Halbhöfe, 4 Güter), das Kloster St. Klara Bamberg (3 Güter), das nürnbergische Landesalmosenamt (2 Halbhöfe, 9 Güter), die Winklerische Herrschaft Hemhofen (1 Mühle, 3 Halbhöfe, 17 Güter, 4 Gütlein, 7 Tropfhäuser) und die Gemeinde Röttenbach (Kirche, 1 Gütlein, 1 Haus)).I. Bog: Forchheim, S. 59.
Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 der Steuerdistrikt Röttenbach gebildet. Zu diesem gehörten Hausen, Hemhofen, Oberheroldsbach, Reihendorf, Weihermühle und Zeckern. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand der Steuerdistrikt Hemhofen, zu dem Zeckern gehörte, und es wurden drei Ruralgemeinden gebildet: Hausen mit Oberheroldsbach, Hemhofen mit Zeckern, Röttenbach mit Reihendorf und Weihermühle. Die Gemeinde Röttenbach war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Herzogenaurach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 33 Anwesen dem Patrimonialgericht Neuenbürg (1820–1835). Am 1. Oktober 1847 wurde die Finanzverwaltung vom Rentamt Herzogenaurach übernommen.H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 147. Ab 1862 gehörte Röttenbach zum Bezirksamt Höchstadt an der Aisch (1939 in Landkreis Höchstadt an der Aisch umbenannt) und weiterhin zum Rentamt Herzogenaurach (1919 in Finanzamt Herzogenaurach umbenannt, seit 1929: Finanzamt Erlangen). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Herzogenaurach (1879 in das Amtsgericht Herzogenaurach umgewandelt), seit 1959 ist das Amtsgericht Erlangen zuständig.
Gegenwart Bis Mitte des 20. Jahrhunderts blieben die meisten Bewohner arm und waren meist Tagelöhner. Ein geringer Nebenverdienst war für viele das Sammeln von Pilzen und Beeren, „Butzeln“ (Kiefernzapfen), Seerosen und Sonnentau. Ihre größtenteils aus Naturprodukten bestehenden Waren brachten sie nach Erlangen und verkauften sie dort. Andere fuhren durch Süddeutschland, in die Schweiz und nach Österreich und vertrieben den für die Region berühmten Kren. Dieser Händlersinn bildete in den schweren Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg die Grundlage für einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufstieg. Die geduckten Bauernhäuser im fränkischen Fachwerkstil verschwanden und wurden durch moderne Wohnhäuser ersetzt. Als historisch wertvolle Gebäude sind nur das Forsthaus mit Fachwerkscheune und -schuppen und das Pfarrhaus erhalten geblieben, beide im barocken Stil.
Im Jahr 1972 kam die Gemeinde Röttenbach im Zuge der Gebietsreform von Oberfranken nach Mittelfranken, dorthin strömten auch die meisten Röttenbacher. Im Gegenzug kamen immer mehr Neubürger aus der Metropolregion Nürnberg-Erlangen-Fürth in das damals noch beschauliche Dorf. Röttenbach wuchs rasch und nahm seine heutige Gestalt an. 1980 wurde die kurze Zwangs-Verwaltungsgemeinschaft mit Hemhofen wieder aufgelöst.
Im Januar 2016 wurde Röttenbach für das langjährige Engagement im Bereich fairer Handel offiziell als Fair-Trade-Gemeinde ausgezeichnet.
Einwohnerentwicklung Jahr 1818 1840 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2005 2013 2017Einwohner 519 743 725 674 738 737 666 717 719 698 699 743 788 759 846 858 960 976 1431 1478 1592 2040 3904 4654 4600 4726HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet und von 1871 bis 2017 als Wohngebäude. 85 121 122 123 133 151 217 308 994 1387Quelle Inklusive der Zahl der Einwohner und Feuerstellen von Reihendorf (S. 75) und Weihermühle (S. 101). mini|links|Einwohnerentwicklung seit 1840
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Röttenbach hat 16 Mitglieder, dazu kommt noch der hauptamtliche Erste Bürgermeister. CSU SPD Freie WählerRöttenbach e. V.(FW) Grüne UnabhängigeRöttenbacher(UR) Gesamt 2008 4 Sitze 5 Sitze 5 Sitze – 2 Sitze 16 Sitze 2014 4 Sitze 4 Sitze 8 Sitze – – 16 Sitze 2020 4 Sitze 2 Sitze 8 Sitze 2 Sitze – 16 Sitze
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist blau-gelb-rot.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler mini|Katholische Pfarrkirche St. Mauritius, erbaut ab 1844
Bodendenkmäler
Das Röttenbach-Lied Röttenbach du liegst im schönen Frankenland wer dich kennt der ist von deinem Reiz gebannt. Große Wälder rahmen deine Weiherketten ein, Hier kann jeder leben und zufrieden sein. Hier kann jeder leben und zufrieden sein.
Wo am Waldesrand so gelb der Ginster blüht, Unsre Ahnen haben sich damit gemüht, Ihre Besen machten Röttenbach bekannt. Besenbinder heißen wir in Stadt und Land Besenbinder heißen wir in Stadt und Land
Röttenbacher zogen immer in die Welt, volle Huckelkörbe machten sie zu Geld Früher waren’s Weiherhenkeli und Kre, heut sind’s Gartenblumen und Gesundheitstee, heut sind’s Gartenblumen und Gesundheitstee.
Heutzutage ist Röttenbach ein stolzer Ort, wer hier länger lebte zog nur ungern fort. Viele Neue bauten sich hierher ihr Haus, sie zog aus der engen Stadt zu uns heraus, sie zog aus der engen Stadt zu uns heraus
In die Zukunft wollen wir gemeinsam geh’n, als Nachbar und Freunde fest zusammen steh’n Jeder fühle sich hier wohl von groß bis klein, Röttenbach kann jedem teure Heimat sein, Röttenbach kann jedem teure Heimat sein.
Natur Röttenbach ist Teil der Sandachse Franken und hat zahlreiche kleinflächige Magerrasenflächen, Sandäcker und trockene Waldränder, die zahlreichen spezialisierten Tieren als Lebensraum dienen. Ein markanter Bestandteil des Röttenbacher Umlandes sind außerdem die vielen Weiherketten.
Stehende Gewässer Als Teil des Aischgrundes ist Röttenbach geprägt von vielen Teichen und Weihern. Diese wurden bereits vor 500 bis 700 Jahren angelegt und bilden bis heute die charakteristischen Weiherketten. Die Teichwirtschaft, speziell die Karpfenzucht hat somit eine lange Tradition und ist ein wichtiger wirtschaftlicher und kultureller Faktor.
Die vielen Weiherketten im gesamten Aischgrund sorgen für eine weiträumige Biotopvernetzung. Sie bilden den Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, etwa für die gemeine Moosjungfer und den Moorfrosch. Außerdem regulieren die Teiche als Speicher den Wasserkreislauf, indem Wasser in der niederschlagsarmen Zeit zurückgehalten wird und der Abfluss bei Hochwasser gemindert wird.
Bildung In Röttenbach gibt es drei Kindergärten (in katholischer bzw. evangelischer Trägerschaft sowie einen freien Anbieter) mit Krippenangebot sowie eine Grundschule, in der alle Klassen unterrichtet werden. Angeboten wird eine professionelle Mittagsbetreuung. Außerdem ist geplant, einen neuen Kindergarten auf dem Fußballplatz der Grundschule zu bauen.
Die Gemeinde unterhält außerdem eine eigene Bücherei.
Wirtschaft Verkehr Die Staatsstraße 2259 verläuft nördlich über Hemhofen und Zeckern zur Bundesstraße 470 (4 km nördlich) bzw. nach Dechsendorf zur Staatsstraße 2240 (4,5 km nördlich), die einen Kilometer westlich zur Anschlussstelle 81 der Bundesautobahn 3 führt. Die Kreisstraße ERH 5 führt nach Baiersdorf (8 km östlich).
In Röttenbach hält außerdem die Buslinie 205 und 246 des VGN.
Durch den Ort verläuft der Fränkische Marienweg.
Industrie Röttenbach ist Sitz mehrerer Tochtergesellschaften von Siemens Healthineers.
Kommunikation Seit Ende 2007 ist im gesamten Gemeindegebiet DSL mit Geschwindigkeiten in Höhe von 6 bis 16 Mbit/s verfügbar. 2013 wurden die DSLAMs mit neuen Glasfasern versorgt. Dadurch ist es möglich, die Downloadgeschwindigkeit innerhalb von 2 Jahren etappenweise auf bis zu 100 Mbit/s zu erhöhen.Gemeinde Röttenbach DSL Ausbau – 2013
Literatur
Weblinks
Website der Gemeinde Röttenbach
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Erlangen-Höchstadt Kategorie:Ersterwähnung 1177 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Erlangen-Höchstadt