Ben Hur ist eine im Jahr 2016 veröffentlichte Literaturverfilmung nach der Romanvorlage Ben Hur von Lew Wallace. Es ist die sechste Verfilmung des Romans sowie die vierte für das Kino. Der Film kam am 19. August 2016 in die US-amerikanischen Kinos und erschien am 1. September 2016 in Deutschland und Österreich. mini|hochkant|Jack Huston übernahm in Ben Hur die Titelrolle

Handlung Der junge jüdische Aristokrat Judah Ben-Hur wächst mit seinem Jugendfreund und Adoptivbruder, dem Römer Messala, in Jerusalem in der römischen Provinz Judäa auf. Eines Tages stürzt Judah gefährlich und wird von Messala nach Hause getragen. Etwas später meldet Messala sich freiwillig in die Römische Legion, um den Namen seines Großvaters, der an der Verschwörung gegen Julius Cäsar beteiligt war, reinzuwaschen.

Viele Jahre verbringt Messala im Feld, wo er den römischen Offizier Pontius Pilatus kennenlernt. Judah verlobt sich währenddessen mit Esther, der Tochter des Sklaven Simonides. Als sie eines Tages durch Jerusalem gehen, sehen sie Zeloten, die verurteilt werden. Als daraufhin eine politische Diskussion zwischen den Liebenden entbrennt, mischt sich ein junger Zimmermann, Jesus von Nazaret, in das Gespräch ein und erklärt, dass man wahre Freiheit nur durch Feindesliebe erlangen kann, was Judah jedoch als „zu fortschrittlich“ abtut. Später wird eine Szene eingeschoben, in der auch Messala Jesus begegnet, als dieser einen Aussätzigen beschützt sowie Liebe und Vergebung predigt.

Judahs Schwester Tirzah sympathisiert mit den Zeloten, einer radikalen antirömischen Partei im damaligen Judentum, und bringt eines Tages einen verwundeten Zeloten in das Haus Hur. Währenddessen kehrt Messala aus dem Krieg zurück und bittet Judah, der beim Volk einigen Einfluss hat, um seine Hilfe, damit Pontius Pilatus, der neue Statthalter, unbehelligt in Jerusalem einziehen kann. Dabei kommt es zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen dem ehrgeizigen Römer und Judah, der seinem Volk und dessen Traditionen treu bleiben will. Als Pontius Pilatus in Jerusalem einzieht, schießt der verletzte Zelot, den Tirzah aufgenommen hatte, einen Pfeil auf Pilatus, verfehlt diesen jedoch. Daraufhin stürmen die römischen Legionäre das Haus, töten Simonides und nehmen Judah, Tirzah und ihre Mutter Naomi gefangen. Esther kann sich verstecken und so entkommen.

Judah Ben-Hur wird auf die Galeere gebracht, wo er Rudersklave wird. Auf dem Weg zur Galeere stürzt er und Jesus hilft ihm auf und gibt ihm Wasser. Als das Schiff fünf Jahre später bei einer Seeschlacht sinkt, gelingt es Judah zu entkommen und wird an einen Strand angespült, wo sich der reiche afrikanische Besitzer von Rennpferden Ilderim seiner annimmt.

Ilderim erkennt Judahs Potenzial als Wagenlenker und dieser überzeugt ihn als Wagenlenker zu einem Rennen nach Jerusalem mitzunehmen, wo seine Familie lebe. Dort begegnet Judah seiner Verlobten Esther wieder, die inzwischen eine Anhängerin Jesu geworden ist. Sie berichtet Judah, dass seine Schwester und Mutter von dem Römern getötet worden seien. Als sie ihn später noch einmal trifft, bittet sie ihn, seinen Racheplan zu überdenken, wovon der allerdings nichts wissen will.

Judah lockt Messala zu einem nächtlichen Treffen im verlassenen und verfallenden Haus der Familie Ben Hur. Auch Messala sagt, die beiden Familienangehörigen seien gestorben. Weil er bei dem Treffen von Judah angegriffen worden war, ordnet Pilatus an, zwanzig Juden willkürlich aufzugreifen und hinzurichten als Zeichen dafür, dass die Tage der Vergebung vorbei seien. Esther macht Judahs Rachsucht dafür verantwortlich. Als dieser unbelehrbar Rache schwört, geht sie enttäuscht davon.

Ilderim hingegen, der selbst einen Sohn durch die Gewalt römischer Soldaten verloren hat, stachelt ihn an, sich an Messala beim Wagenrennen zu rächen. Er fädelt bei Pilatus dafür eine Wette ein, durch die Judah bei einem Rennen gegen Messala antreten kann; diese ist damit verbundenen, dass im Fall seines Sieges seinem namentlich nicht genannten Fahrer sämtliche Strafen erlassen werden. Pilatus willigt ein; Messala ahnt, wer der Namenlose ist.

Ilderim beginnt, Judah zu trainieren. Esther trifft Messala und bittet ihn, den tödlichen Zweikampf zu verhindern und den Weg der Vergebung zu gehen, doch er weist sie zurück.

Von dem ehemaligen Offizier Drusus aus Messalas Einheit erfährt Judah hingegen, dass dessen Schwester und Mutter in einem Gefängnis noch leben. Er führt Judah zu ihnen, wo dieser erkennen muss, dass die beiden an Lepra erkrankt sind. Judah schwört Rache an Drusus.

Als das Wagenrennen beginnt, schwört auch Messala Judah zu töten. Das Rennen, das der Film in einem fiktiven Circus in Jerusalem stattfinden lässt,Der römische Cirkus für Pferderennen und anderes für Judäa war in Caesarea Maritima beginnt. Die beiden schalten nach einander die anderen Teilnehmer aus. In den letzten Runden sind nur noch sie übrig. Messala versucht, den vom Wagen gestürzten, an den Zügeln mitgeschleiften Judah zu töten. Dieser kann sich unter dem Jubel des Publikums wieder auf den Wagen ziehen. Der Zweikampf geht weiter und Messala versucht den anderen Wagenlenker anzugreifen. Beim Versuch, ihn mit einem Fußtritt zu töten, wird aber der Römer selbst durch einen Unfall schwer verletzt, während Judah auf nur einem Rad das Rennen gewinnt und von der jüdischen Bevölkerung als Held gefeiert wird. Auch Pilatus sieht sich als Sieger, weil das blutige Rennen das Publikum Jerusalems in Römer verwandelt habe.

Während Judah weiterhin auf Rache sinnt, wird Jesus im Garten Getsemani von den Römern verhaftet, wobei auch Esther unter seinen Anhängern ist. Als Jesus am nächsten Tag zur Kreuzigung geführt wird, stolpert er und Judah gibt ihm Wasser. Jesus sagt ihm, er solle seine Rache nicht ausführen, sondern vergeben. Während Jesus am Kreuz hängt, hört Judah ihn beten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Als Jesus stirbt, verdunkelt sich der Himmel. Judah ist tief erschüttert.

Es folgen ineinander geschnittene Szenen: In ihrer Zelle werden Naomi und Tirzah vom Aussatz geheilt, ein Schnitt auf den Gekreuzigten und den davor mit ringenden Händen kauernden Judah deutet einen Zusammenhang an; Esther ist bei ihm. In beiden Szenen regnet es. Scheich Ilderim kauft die beiden frei. Ein Kameraschwenk lokalisiert den Zirkus unterhalb der Kreuzigungsstätte.

Judah sucht den schwer verletzten Messala auf, der durch seinen Unfall beim Wagenrennen ein Bein verloren hat, um sich mit ihm zu versöhnen. Messala ist immer noch voller Hass, doch Judah sagt, er wolle nicht mehr kämpfen, alles was er wolle, sei ihn zu tragen. Darauf umarmt ihn Messala und die Brüder versöhnen sich wieder.

Als eines der „vielen Wunder dieser Tage“, erzählt Ilderim aus dem Off, werden sie wieder eine Familie. In der Schlussszene sagt Ilderim dem vor ihm reitenden Judah, er solle nicht zurückzuschauen, weil das Leben noch vor ihm liege. Darauf galoppiert dieser zusammen mit seinem Bruder los. Zum Abspann singt Andra Day, Vergebung sei der einzige Ausweg.

Produktion Stab und Besetzung Der in der Kasachischen Sowjetrepublik geborene russische Regisseur Timur Bekmambetov übernahm die Regie des Films. Keith R. Clarke und John Ridley übernahmen als Drehbuchschreiber die Überarbeitung des Romans Ben Hur von Lew Wallace, der dem Film als Grundlage diente. Die von dem ehemaligen Bürgerkriegsgeneral im 19. Jahrhundert verfasste Buchvorlage galt in jener Zeit als einflussreichster Roman der Christenheit und verkaufte sich damals fast so gut wie die Bibel.Christine Kruttschnitt: Ben Hur: Wie der Klassiker entstand In: Der Tagesspiegel, 20. Juli 2016.

Sean Daniel, einer der Produzenten des Films, meinte: „Unser Ben Hur ist keine Neuauflage von Wylers Film, sondern eine neue Verfilmung des Buchs von Lew Wallace.“ Der Ko-Drehbuchautor John Ridley habe die Familienbeziehungen, die Kraft des Glaubens und vor allem die Versöhnung in den Mittelpunkt des Films gestellt, während das Original vor allem auf Rache gesetzt habe. Im Original begegnet Ben Hur mehrere Male Jesus und wohnt am Ende seiner Kreuzigung bei. In der Neuverfilmung hingegen, so Jochen Kürten von der Deutschen Welle, beherrsche eine stärkere Akzentuierung familiärer Motive die Geschichte und nicht so sehr das Rachemotiv. Morgan Freeman, der im Film Scheich Ilderim spielt, sieht in der Neuverfilmung zudem Bezüge zur heutigen Zeit und erkennt darin Themen, die auch im 21. Jahrhundert noch bedeutsam seien: „Wir alle suchen nach Rettung und nach einer Welt, in der wir uns sicher fühlen.“ Timur wollte dem Film Tiefe geben, so Freeman, und habe versucht, ihn mit einer größeren spirituellen Qualität zu versehen, was ihm auch gelungen sei.Morgan Freeman im Gespräch mit Bob Thompson: ‘We are all looking for salvation’: Morgan Freeman reflects on the new Ben-Hur’s contemporary themes In: nationalpost.com, 16. August 2016.

Für die Titelrolle war zunächst Tom Hiddleston vorgesehen, der jedoch kurz vor Beginn der Dreharbeiten durch Jack Huston ersetzt wurde. Im Rahmen der Comic-Con 2015 erzählte Huston von den langen Dreharbeiten, die insgesamt 93 Tage gedauert hatten, und erklärte, er hoffe Charlton Heston und die vielen anderen ehemaligen Ben-Hur-Darsteller wären stolz auf ihn gewesen, dass er in ihre Schuhe geschlüpft ist. Er sei von der Arbeit des Drehbuchautors begeistert gewesen, der sich wieder mehr an der literarischen Vorlage orientiert habe.Chris Morrow: In: ireport.cnn.com, 14. Juli 2015.

Erste Wahl für die Rolle des Pontius Pilatus war zunächst der Chilene Pedro Pascal, der aber durch den Dänen Pilou Asbæk ersetzt wurde. Die Rolle von Messala Severus wurde mit Toby Kebbell besetzt, die seines Begleiters Drusus mit Marwan Kenzari. Während in früheren Bearbeitungen der Geschichte der römische Offizier Drusus bzw. Druses keine dramaturgische Funktion hatte, griff Bekmambetov diese Figur wieder auf und stellte sie, wie bereits in der Ben-Hur-Verfilmung von 1959, Messala als Begleiter zur Seite.Gerhard Midding: 'Ben Hur'-Verfilmungen: Das große Rennen In: epd Film, 26. August 2016. In: imdb.com. Abgerufen am 27. August 2016.

Dreharbeiten und Nachbearbeitung Von den Produzenten der Miniserie Die Bibel, Mark Burnett und Roma Downey, wurde Ben Hur im Jahr 2015 ausschließlich in Italien gedreht. Matera diente im Film als Kulisse der Stadt Jerusalem. Dort war 2004 auch Die Passion Christi von Mel Gibson gedreht worden. Die Innenaufnahmen entstanden in den Filmstudios Cinecittà in Rom, wo bereits die Dreharbeiten für den Originalfilm von 1959 stattgefunden hatten.Jochen Kürten: Wagenrennen in 3D – Neuverfilmung von „Ben Hur“ In: Deutsche Welle, 10. August 2016. Die Filmstadt war vom faschistischen Diktator Benito Mussolini gegründet worden, um so mit Hollywood-Produktionen konkurrieren zu können. Es handelte sich bei der Neuauflage um die größte Produktion des Studios seit dem Film Cleopatra, der in den frühen 1960ern gedreht worden war.Sylvia Poggiolo: Rome’s Cinematic 'Dream Factory' Ramps Up Production Once Again In: npr.org, 21. Mai 2015.

Während einer Drehpause im Rom besuchte Rodrigo Santoro, der im Film Jesus spielt, am 15. April 2015 gemeinsam mit seiner Schauspielkollegin Nazanin Boniadi die wöchentliche Audienz von Papst Franziskus im VatikanBen Child: Pope Francis blesses Ben-Hur’s new Jesus at the Vatican In: The Guardian, 16. April 2016. und wurde hierbei, neben vielen anderen, von ihm gesegnet.Pope Francis blesses actor playing Jesus in 'Ben-Hur' film In: christiantoday.com, 18. April 2015.

Die Dreharbeiten fanden mit echten Tieren statt, darunter Pferde und Kamele. Morgan Freeman sagte später, die Arbeit mit Tieren sei immer schwierig und vor allem Pferde seien manchmal unberechenbar, wenn sie sich aufbäumen. Auch die Arbeit mit den Kamelen habe sich gelegentlich schwierig gestaltet, so Freeman, weil sie nicht immer kooperierten und sich insbesondere in der Karawanen-Szene manchmal einfach nicht beladen lassen wollten.