Claire oder Clara Weimersheimer (geboren als Clara Essinger am 6. September 1883 in Ulm; † 1963) war eine reformpädagogisch orientierte Heimerzieherin. Wegen ihrer jüdischen Herkunft musste sie 1936 Deutschland verlassen und wanderte nach Palästina aus.

Herkunft Ihre Eltern waren Leopold Essinger aus Oberdorf und Franziska Oppenheimer. Ihre älteste Schwester war die Reformpädagogin Anna Essinger (1879 in Ulm – 1960 in Kent, Vereinigtes Königreich).

Clara heiratete den Herrlinger Bezirksarzt Moritz Weimersheimer (–1919).

Das Kinderheim in der Oberherrlinger Straße in Herrlingen In Herrlingen ließ sie 1911 in der Oberherrlinger Str. 92 (früher Nr. 28) eine weitläufige Villa nach eigenen Entwürfen errichten,Ulrich Seemüller: Herrlingen im Brennpunkt der Geschichte. Hier ist auch sehr schönes Bildmaterial zu finden. Viele weitere Informationen zum Kinderheim und ebenfalls viel Bildmaterial: Haus Unterm Regenbogen e. V. (Hrsg.): Pädagogik Deportation Literatur. Herrlingen 1912–1947 in der sie im folgenden Jahr ein Kinderheim für noch nicht schulpflichtige, schwer erziehbare und verhaltensgestörte Kinder eröffnete. Auch die Tochter von Luise und Erich Mendelsohn, Esther,Nachruf auf Esther Mendelsohn befand sich im Sommer 1925 für einige Zeit in der Obhut von Clara Weimersheimer, da sich zu dieser Zeit Luise Mendelsohn zur Kur in St. Moritz aufhielt. Von einem Besuch dort schreibt Erich Mendelsohn seiner Tochter Esther einen langen gereimten Brief, in dem er auch auf deren Aufenthalt in Herrlingen eingeht: Ein weiteres Kind, das früh in die Obhut von Clara Weimersheim gekommen war, war Karen Siemsen. Sie kam 1919 „in das Kinderheim Herrlingen bei Ulm. Dort blieb Karen fünf Jahre bis zum Tod der Mutter 1924.“ Nach ihrer späteren Ausbildung zur Kindergärtnerin arbeitete sie von 1932 bis 1934 wiederum mit Clara Weimersheim zusammen und betreute dort schwierige Jugendliche.Wilma Aden-Grossmann: Karen Siemsen – Portrait einer jüdischen Sozialpädagogin.

Auswanderung nach Palästina 1926 gründete Clara zusammen mit ihrer aus den USA zurückgekehrten Schwester Anna und mit Unterstützung der Familie, insbesondere des Bruders und vermögenden Ulmer Kaufmanns Fritz, das Landschulheim Herrlingen.

Nachdem Anna Essinger 1933 nach England ausgewandert war, blieb Clara noch in Herrlingen. Die Kinder besuchten jetzt das neu gegründete Jüdische Landschulheim Herrlingen. Erst 1936 wanderte sie mit ihren eigenen Kindern Joav, Michal und MichaelMichael Weimersheimer, der Mann aus dem Negev und von ihr weiterhin betreuten Heimkindern nach Palästina aus. Die damit verbundenen Absichten sind ausführlich beschrieben in einem Artikel der „Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs“ vom 16. Februar 1936, der vor allem jüdische Eltern über diese Auswanderungsmöglichkeit für ihre Kinder informieren sollte: Aus diesem Plan hervorgegangen ist dann das Kinderdorf »Meschek Jeladim« in Pardes Channah,Meschek Jeladim bei Pardess Hanna. um 1938, . in dem nach ihrer 1939 erfolgten Emigration auch die Eheleute Hermann und Berta Hirsch und deren Tochter Esther mitarbeiteten.Joseph Walk: Jüdische Schule und Erziehung im Dritten Reich. 1991, S. 165, und Klaus Kreppel: Nahariyya und die deutsche Einwanderung nach Eretz Israel. Die Geschichte seiner Einwohner von 1935 bis 1941. Nahariyya zum 75. Jahr seiner Gründung gewidmet. Das offene Museum, Industriepark Tefen (Israel), 2010, ISBN 978-965-7301-26-5, S. 387. Nach dem Tod von Hermann Hirsch im Januar 1942 setzten Berta und Esteher Hirsch die Arbeit im Kinderheim »Meschek Jeladim« noch zwei Jahre fort. Sie übergaben die Einrichtung dann an die Women’s International Zionist Organisation (WIZO), die ein Heim für Vorschulkinder einrichtete. Berta Hirsch interessierte sich nicht für diese Arbeit und gründete in Naharija das Kinder- und Jugendheim Neve Hayeled.Hubert Fromm: Die Coburger Juden. Geschichte und Schicksal. Evangelisches Bildungswerk Coburg e. V. und Initiative Stadtmuseum Coburg e. V., Coburg 2001, ISBN 3-9808006-0-1, S. 246.

Clara Weimersheimers Bruder Fritz und dessen Frau Hanna zogen 1938 nach Palästina. Pinchas Erlanger berichtet in seinen Erinnerungen davon, dass die seit 1938 „in Ramat Gan bei Tel Aviv lebenden Verwandten Fritz und Hanna Essinger, geb. Herrmann,“ ihm zum Einreisevisum nach Palästina verholfen hätten.Pinchas Erlanger: Erinnerungen. Meine Jugend in Deutschland und die Auswanderung nach Palästina. Laupheimer Gespräche, 2001, S. 1 und S. 7. The Palestine Gazette berichtete im März 1940 von der Gründung einer „Insurance and financial agency“ am 6. Februar 1940 durch Fritz Essinger aus Ramat Gan und Julius Kahn aus Tel Aviv.The Palestine Gazette, No. 995, Thursday, 21st March, 1940, S. 350. Fritz Essinger war weiterhin der Besitzer der Gebäude des Landschulheims und unterstützte auch das jüdische Landschulheim von Hugo Rosenthal.Ruth Fichtner: Erinnerungsort Landschulheime Herrlingen, auf gedenkstaetten-bw.de Anfang 1939, nach der Schließung des von Hugo Rosenthal geleiteten „Jüdischen Landschulheims“, hatte er das Ulmer Bankhaus Klett in der Platzgasse mit dem Verkauf der Immobilien beauftragt.Ulrich Seemüller: Das jüdische Altersheim Herrlingen; 1997, S. 65. Anfang der 1940er Jahre wurde das Landschulheimareal „als Eigentum des emigrierten Juden Fritz Essinger als ‚Feindvermögen‘ zugunsten des Reichs beschlagnahmt und von der Stadt Ulm verwaltet“.Ulrich Seemüller: Herrlingen im Brennpunkt der Geschichte. „Eines der Häuser ist später als „Rommel-Villa“ bekannt geworden, weil der Generalfeldmarschall dort vor seinem erzwungenen Selbstmord lebte.“Landschulheim Herrlingen, auf leo-bw In Erinnerung an ihn und nicht in Erinnerung an die, die vor dem Regime flüchten mussten, dem er lange treu gedient hat, heißt die Straße, die am ehemaligen Hauptgebäude des Landschulheims vorbeiführt, seinen Namen.

Weblinks Fundstellen auf Kinderheim und Landschulheim Herrlingen in der Deutschen Digitalen Bibliothek Zur Geschichte jüdischer Einrichtungen in Herrlingen im 20. Jahrhundert.

Einzelnachweise

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