mini|Stefan Räpple, 2016 Stefan Räpple (* 7. Mai 1981 in Oberkirch) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (parteilos, ehemals AfD). Von 2016 bis 2021 war er Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg. Ende September 2020 wurde er aus der AfD-Fraktion des Landtags ausgeschlossen.

Leben Räpple besuchte die Realschule Oberkirch und schloss nach der Wehrdienstzeit in Sonthofen eine Ausbildung zum Konditor ab. Am Abendgymnasium Leipzig absolvierte er 2008 auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur.

Räpple war Stipendiat der Stiftung der Deutschen Wirtschaft,, abgerufen am 18. März 2016. deren Studienkolleg ihn im Begabtenförderprogramm für zukünftige Lehrkräfte förderte. An der Pädagogischen Hochschule Freiburg studierte er Mathematik, Geographie und Geschichte auf Lehramt für die Hauptschule, konnte aber nach eigener Aussage „die dort gelehrten Inhalte nicht mittragen“.baden-online.de, abgerufen am 18. März 2016. Nach einer Quelle, die sich auf ihn beruft, brach er das Studium ab, nach einer anderen schloss er das Studium ab und verzichtete jedoch auf den anschließenden Vorbereitungsdienst. Auf der Seite des Landtages von Baden-Württemberg wird sein Studium mit den Worten „Student Lehramt an Haupt- und Realschulen an der PH Freiburg“ zusammengefasst.Abgeordnetenprofil auf der Seite des Landtages von Baden-Württemberg.

Bis zum Jahre 2020 wurde Räpple auf der Webseite des Deutschen Verbandes für Hypnose mit dem Mitgliedschafts-Level „Hypno-Coach“ geführt. Ein Zeitungsbericht gibt an, dass er eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie begann, für die die Abschlussprüfung unmittelbar nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 vorgesehen war. Laut einem Pressebericht betreibt er eine Praxis für Hypnose in Freiburg. Laut den Seiten des Landtages von Baden-Württemberg ist er „Freiberuflicher Psychologischer Berater“, ferner wird eine „Ausbildung zum Hypnoanalytiker und Heilpraktiker für Psychotherapie“ angegeben.Abgeordnetenprofil auf der Seite des Landtages von Baden-Württemberg. Im Mai 2023 gab Räpple auf einer lokalen Vereinssitzung an, seit einigen Jahren in Heidelberg zu wohnen und seinen Lebensunterhalt aus dem Besitz und der Verwaltung von 70 Immobilien im Bundesgebiet, insbesondere in Heidelberg und Leipzig, zu bestreiten.

Politik Von 2009 bis 2012 war er studentisches Mitglied des Hochschulrates der Pädagogischen Hochschule Freiburg.Pressemitteilung Pädagogische Hochschule Freiburg: Vorstand des Hochschulrates der Pädagogischen Hochschule Freiburg bestätigt, abgerufen am 18. März 2016.

Räpple war seit dem Gründungsparteitag Mitglied der Alternative für Deutschland. Er war zudem 2013 Mitbegründer der Jungen Alternative und Mitglied des Bundesvorstandes. Ende Januar 2014 wurde er zum stellvertretenden Sprecher des Kreisverbands Ortenau gewählt. Er war bis zum Programmparteitag im Oktober 2015 Vorsitzender des Landesfachausschusses Bildung, Forschung und Kultur.

Räpple wurde bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 mit 15,0 Prozent der Stimmen im Wahlkreis Kehl durch ein Zweitmandat in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt.Vorläufiges Ergebnis der Landtagswahl am 13. März 2016, abgerufen am 14. März 2016.

Anfang 2019 schlug die AfD-Fraktion Räpple als Schriftführer im Landtag vor, bei der anschließenden Wahl fiel er jedoch durch. 15 Abgeordnete votierten für ihn (die AfD besitzt 20 Mandate) bei 114 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.AfD im Landtag: Stefan Räpple scheitert bei Wahl zum Schriftführer. www.schwarzwaelder-bote.de, 13. Februar 2019.

Ende März 2020 schloss das Schiedsgericht des AfD-Landesverbandes Baden-Württemberg Räpple wegen parteischädigenden Verhaltens aus der Partei aus. So wurden ihm wiederholte Provokationen und eine zu große Nähe zu rechtsextremen Organisationen und Personen vorgeworfen. Anstoß fand auch sein zeitweises Verhalten im Landtag.AfD-Bundesspitze setzt Landesvorstand im Saarland ab, Welt, 31. März 2020.AfD-Spitze setzt saarländischen Landesvorstand ab, Zeit, 31. März 2020.

Positionen Räpple will sich unter anderem dafür einsetzen, die Lehrerausbildung grundsätzlich zu reformieren und ein „duales Lehramtsstudium“ einzuführen.Kandidatencheck: Stefan Räpple (AfD), Badische Zeitung, 23. Februar 2016. Er fordert ein Verbot der sogenannten „Frühsexualisierung“, was im Einklang mit der Magdeburger Erklärung der in den Landtagen vertretenen AfD-Fraktionen vom Herbst 2016 steht.Sexualkunde: Der ahnungslose Kampf der AfD gegen die Frühsexualisierung, welt.de, 15. November 2016. In der AfD-Fraktion unterstützte er Wolfgang Gedeon, der antisemitische Thesen verbreitet.Stefan Räpple: Ich müsste lieb sein, Baden Online, 30. März 2017, abgerufen am 30. September 2017. Nach den Recherchen von Andreas Speit steht er der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Identitären Bewegung nahe, habe 2013 versucht, eine Gruppe der Identitären in Freiburg zu gründen, und soll in deren Interesse die Junge Alternative „gezielt unterwandert“ haben.Andreas Speit: Bürgerliche Scharfmacher. Deutschlands neue rechte Mitte - von AfD bis Pegida, Orell Füssli, Zürich 2016, ISBN 978-3-280-05632-5, S. 170. Räpple gab an, nicht zu wissen, was die Identitäre Bewegung mache; die E-Mails, die der tageszeitung vorlagen, seien gefälscht. Beim AfD-Parteitag am 30. November / 1. Dezember 2019 warb Räpple für den Antrag, die Identitäre Bewegung von der sogenannten Unvereinbarkeitsliste der Partei zu streichen, da diese Organisation der AfD helfe und sie unterstütze.Katja Thorwarth: AfD-Parteitag in Braunschweig – Zum Abschluss wird gesungen. www.fr.de, 1. Dezember 2019. Eine Klage von Räpple gegen die Erhöhung der Aufwandsentschädigung der baden-württembergischen Landtagsabgeordneten wurde vom Verfassungsgerichtshof für das Land Baden-Württemberg als unzulässig abgewiesen.Klage von AfD-Mann gegen mehr Abgeordnetengeld unzulässig, Schwäbische Zeitung, 27. September 2017.

Räpple gehörte zu den Parteigängern der AfD, die auf dem Bundesparteitag Ende November 2019 Anträge einbrachten, eine Liste der extremistischen Organisationen abzuschaffen, die mit einer AfD-Mitgliedschaft unvereinbar sind. Räpple nannte die Liste ein „Satzungs-Relikt aus der Lucke-Zeit“. Nach Angaben des SPIEGELS von 2019 wäre Andreas Kalbitz betroffen, der vor seinem Parteieintritt Mitglied bei der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen war. Ihre Nachfolgeorganisation steht derzeit auf der Unvereinbarkeitsliste.

Anfang Januar 2020 rief Räpple zu einer Demonstration vor dem SWR-Funkhaus in Baden-Baden auf. Bei der Veranstaltung sprach er von „linksextreme[n] Medienleuten“ bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Auch Dubravko Mandic, AfD-Politiker und Aktivist, sowie die aus der Partei ausgeschlossene ehemalige Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein Doris von Sayn-Wittgenstein traten als Redner auf.Georg Keller: Räpple führt AfD-Demo vor SWR-Funkhaus an: „Wir werden sie aus ihren Redaktionsstuben vertreiben.“ bnn.de, 7. Januar 2020.

Anlässlich des Holocaust-Gedenktags forderte Räpple im Januar 2020 in einem Facebook-Beitrag „Schluss mit Schuldkult“.Benjamin Konietzny: AfD und Antisemitismus: Die pro-jüdische Fassade bröckelt. www.n-tv.de, 1. Februar 2020.

Auf einer „Anti-Corona“-Demonstration am 26. September 2020 in Mainz soll Räpple zum Sturz der amtierenden Bundesregierung aufgerufen haben. Man müsse sich „gewaltsam Zutritt zum Bundeskanzleramt verschaffen“.

Verhalten im Landtag Konflikt um Wolfgang Gedeon mini|Räpple (links) und Gedeon auf einer Demonstration der AfD im Dezember 2018 Im Konflikt um den Fraktionsausschluss von Wolfgang Gedeon wegen antisemitischer Schriften stimmte Räpple gegen einen Ausschluss. Der Wochenzeitung Junge Freiheit zufolge schlug Räpple der Fraktion vor, den Holocaust-Leugner Gerard Menuhin als externen Gutachter beizuziehen, wobei er jedoch keine Unterstützung erfuhr.Landtagsabgeordneter verhöhnt Opfer des NSU. www.belltower.news, 5. November 2019. Nach der Spaltung der Fraktion verblieb Räpple in der AfD-Fraktion. Er unterschrieb als Einziger die nach Wiederzusammenführung der Fraktion erneuerte Präambel der Fraktionssatzung nicht, in der sich die Fraktion vom Antisemitismus distanziert. Die Fraktion selbst betont, im Konflikt um Gedeon sei es nicht um antisemitische Positionen, sondern um eine „gefühlte Einschränkung“ der Meinungsfreiheit gegangen. Auf einer Versammlung in Bayern kritisierte Räpple, es sei heute „nicht mal mehr möglich zu fragen, ob sechs Millionen Juden in den KZ umgekommen sind oder ob es nicht vielleicht doch nur viereinhalb Millionen waren“.

In einem Rechtsstreit zwischen Räpple und der Amadeu Antonio Stiftung, die ihn im November 2019 auf ihrem Online-Nachrichtenportal Belltower.News als „erklärten Antisemiten und Holocaust-Relativierer“ bezeichnet hatte, wies das Landgericht Baden-Baden im Oktober 2020 Räpples Klage auf Unterlassung ab. Laut Gericht war die Äußerung ein Werturteil, das unter die Meinungsfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes falle.Stiftung darf Abgeordneten als Antisemiten bezeichnen www.lahrer-zeitung.de, 22. Oktober 2020.

Ordnungsrufe Während einer Landtagssitzung im November 2016 bezeichnete Räpple Abgeordnete anderer Fraktionen als „Volksverräter“, worauf Landtagspräsidentin Muhterem Aras einen Ordnungsruf gegen ihn aussprach. Im Anschluss kam es der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge zwischen Räpple und dem mit dessen Verhalten unzufriedenen AfD-Abgeordneten Stefan Herre zur handgreiflichen Auseinandersetzung in den Räumen des Landtages. Laut AfD-Fraktion gab es zwischen den Beteiligten jedoch lediglich eine lautstarke Diskussion in unangemessener Form und man habe gegen Räpple geeignete Maßnahmen ergriffen.

Im März 2017 wurde Räpple im Landtag zur Ordnung gerufen, nachdem er die Rede einer Grünen-Abgeordneten mit Zwischenrufen gestört hatte. Daraufhin beleidigte er den Parlaments-Vizepräsidenten, worauf er des Landtags verwiesen wurde.AfD-Politiker stört Rede von Grünen-Politikerin und wird aus Plenarsaal geworfen, Focus, 9. März 2017.AfD-Mann sorgt für neuen Eklat, Mannheimer Morgen, 10. März 2017.

Nach Einschätzung von Sebastian Kaiser und Thomas Steiner in der Badischen Zeitung führte Räpple Anfang 2017 „[a]ufgrund von Disziplinarmaßnahmen seiner Fraktion […] nur noch ein Schattendasein im Landtag: Redeverbot, Ausschluss aus Ausschüssen und Arbeitskreisen“.Handgreiflichkeiten: AfD bestraft Räpple. Schwäbische Zeitung, 17. Februar 2017. In einer E-Mail forderte Räpple von seinen Fraktionskollegen, die gegen ihn verhängten Sanktionen aufzuheben und ihn wieder in Ausschüsse zu entsenden. Sollte das bis „Jahresende“ (2017) nicht geschehen, würde er aus der Fraktion austreten.Räpple droht mit Austritt, in: Badische Zeitung (online) von 14. November 2017. Weiterhin forderte er, den aus der Fraktion nach Antisemitismus-Vorwürfen ausgetretenen Wolfgang Gedeon erneut in die Fraktion aufzunehmen.Weiterer Abgeordneter verlässt die AfD in Baden-Württemberg, in: FAZ.net vom 24. November 2017.

Polizeieinsatz im Landtag