Christina Baum (geb. Sauser; * 21. März 1956 in Kleingrabe, DDR) ist eine rechtsextremeVerfassungsschutz beobachtet künftig AfD in Baden-Württemberg. In: Rheinische Post. 14. Juli 2022, abgerufen am 24. November 2022. deutsche Politikerin (AfD) und seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestags.

Leben und Beruf Nach dem Abitur 1974 an der Erweiterten Oberschule in Mühlhausen/Thüringen studierte Christina Baum bis 1976 Zahnmedizin an der Karl-Marx-Universität Leipzig und im Anschluss an der Medizinischen Akademie Erfurt. Sie schloss 1979 das Studium als Diplom-Stomatologin ab und begann eine Weiterbildung zur Fachzahnärztin für Allgemeine Stomatologie an der Poliklinik Mühlhausen, die sie 1984 beendete. Von 1983 bis 1989 arbeitete Baum als Betriebszahnärztin im VEB Obertrikotagen „Mülana“.

Baum stellte 1985 einen Ausreiseantrag aus der DDR, der vier Jahre später bewilligt wurde. Nach ihrer Ausreise in die Bundesrepublik wurde sie 1990 an der Universität Würzburg mit der Arbeit Der Einfluss des Waschprozesses und der Dampfsterilisation auf den Verschleiß von OP-Textilien zum Dr. med. dent. promoviert. Sie führt seit 1992 gemeinsam mit ihrem Mann eine Zahnarztpraxis in Lauda-Königshofen.

Baum ist evangelisch, verheiratet und hat eine Tochter.

Partei Baum ist seit 2013 Mitglied der Alternative für Deutschland und seitdem Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Main-Tauber. Von Juni 2013 bis März 2017 war sie außerdem stellvertretende Vorsitzende des AfD-Landesverbandes Baden-Württemberg. Sie war von Juni 2022 bis Juni 2024 Beisitzerin im AfD-Bundesvorstand.Neue Führungsspitze auf dem 13. Bundesparteitag der AfD gewählt, abgerufen am 6. Januar 2024.

Baum gilt als eine enge Vertraute von Björn Höcke und – als eine der Erstunterzeichnerinnen der Erfurter Resolution – süddeutsche Stimme des (mittlerweile aufgelösten) rechtsextremistischen Flügels.

Abgeordnete Baum erhielt bei der Landtagswahl 2016 im Wahlkreis Main-Tauber 17,2 Prozent der Stimmen und zog mit einem Zweitmandat in den Landtag ein.Gewählte Bewerberinnen und Bewerber. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, abgerufen am 14. März 2016. Sie gehörte von 2016 bis 2021 dem Landtag von Baden-Württemberg an. Baum entschied sich bei der Spaltung der AfD-Fraktion im Baden-Württembergischen Landtag nach der Causa Gedeon, in der AfD-Fraktion zu bleiben. Kurz darauf wurde sie von ihrer Fraktion für die AfD in den NSU-Untersuchungsausschuss des Landtages entsandt. Die Stuttgarter Nachrichten kritisierten sie für eine angeblich mangelnde Mitarbeit.

Nach verschiedenen Medienberichten beschäftigte Baum in ihrem Landtagsbüro den Rechtsextremisten Marcel Grauf, ein ehemaliges Mitglied der NPD und bekannt durch seine rassistischen, antisemitischen und volksverhetzenden Äußerungen.

Auf ihr Wahlkreisbüro in Tauberbischofsheim wurden 2020 vier Farbbeutel-Anschläge verübt, bei denen erheblicher Sachschaden entstand. Baum verglich eine der Beschädigungen mit den Novemberpogromen 1938 gegen die jüdische Bevölkerung.

Bei der Landtagswahl 2021 im Frühjahr trat Baum erneut als Kandidatin der AfD im Main-Tauber-Kreis an.Julia Regis, Veronique Gantenberg, Lisa Seemann, Katja Riedel, Sebastian Pittelkow: tagesschau.de, 18. Februar 2021, abgerufen am 25. September 2023. Sie erhielt 10,7 Prozent der Stimmen und verpasste damit den Wiedereinzug in den Landtag.

Seit der Kommunalwahl 2019 gehört sie dem Kreistag des Main-Tauber-Kreises an.

Bei der Bundestagswahl 2021 im Herbst bewarb sich Baum im Bundestagswahlkreis Odenwald – Tauber und zog über die Landesliste der AfD Baden-Württemberg in den 20. Deutschen Bundestag. Sie wurde Mitglied im Ausschuss für Gesundheit.

Auf dem Aufstellungsparteitag der AfD Baden-Württemberg zur Bundestagswahl 2025 in Ulm im Oktober 2024 wurde Baum nicht erneut auf die Landesliste gewählt. Sie trat stattdessen im Bundestagswahlkreis Harz in Sachsen-Anhalt als Direktkandidatin an. Hier gewann sie das Direktmandat für den 21. Bundestag mit 39,0 Prozent der Erststimmen.

Seit dem 8. September 2025 gehört sie der Enquete-Kommission Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse an.

Positionen Eines ihrer politischen Hauptanliegen ist die nach eigener Aussage in Deutschland durch eine „Meinungsdiktatur“ bedrohte Meinungsfreiheit. Sie lud 2016 gegen die offizielle Linie des Landeschefs Meuthen den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke zu einem Wahlkampfauftritt ein. Baum selbst war bereits im Herbst 2015 als Gastrednerin auf der von Höcke organisierten Erfurter AfD-Demonstration aufgetreten.Otto Brenner Stiftung (2016): Die AfD vor den Landtagswahlen 2016 Programme, Profile und Potenziale [barsinghausen-ist-bunt.de/typo3/fileadmin/Files/AP20_AFD.pdf] Seite 15 Die Stuttgarter Zeitung zählt Baum zum „deutschnationalen Flügel“ der Partei. Baum verwendet Begriffe wie „Umvolkung“ oder „Bevölkerungsaustausch“ und taucht in einem Gutachten des Verfassungsschutzes zur AfD mehrfach auf.

Nach Ansicht Baums bewirkt die Flüchtlingspolitik von Bündnis 90/Die Grünen einen schleichenden Genozid an der deutschen Bevölkerung. Zudem sei die Wahl von Muhterem Aras zur Landtagspräsidentin ein Angriff auf die AfD sowie ein ganz klares Zeichen, dass die „Islamisierung Deutschlands“ in vollem Gang sei., SWR, 12. Mai 2016, abgerufen am 16. November 2025 Schwarzen Menschen, die Rassismus erfahren hatten, riet Baum, Deutschland zu verlassen: „Black people – go back to your home in Africa and live there without racism.“ Sie fordert ein Wahlrecht nach Abstammung. Auf Facebook bezeichnete sie sich als „Lobbyist der ‚Biodeutschen‘“, da „das hellhäutige, hier seit Jahrhunderten ansässige Volk, fast keine Interessenvertreter“ mehr habe.Eva Kienholz: Eine kurze Geschichte der AfD. Von der Eurokritik zum Remigrationsskandal. Rowohlt, Hamburg 2024, S. 175 f.

In ihrer ersten Bundestagsrede am 7. Dezember 2021 sprach Baum von Corona-Maßnahmen als „Terror“, „Willkür“ und „Knechtschaft des Volkes“. Die Impfpflicht bezeichnete sie als „Vergewaltigung von Teilen des Volkes durch den Impfzwang“ und drohte den Abgeordneten der anderen Fraktionen mit Gewalt: „Durch die namentliche Abstimmung zu diesem Gesetz werden die Bürger zumindest genau wissen, wen sie zu gegebener Zeit zur Rechenschaft ziehen müssen.“

Bei einer Kundgebung im Rahmen sogenannter Corona-Proteste in Magdeburg am 8. Januar 2022 rief sie die Polizisten, die die Kundgebung begleiteten, indirekt dazu auf, sich auf die Seite der Demonstranten zu stellen: „Liebe Polizisten, Ihr werdet Euch eines Tages entscheiden müssen, auf welcher Seite Ihr steht. Ob Ihr die Hand gegen Euer eigenes Volk erhebt. Oder ob Ihr Euch auf unsere Seite stellt.“Gerd Weimer: AfD-Abgeordnete Christina Baum ruft Polizei zum Umsturz auf. In: Fränkische Nachrichten vom 22. Januar 2022 Bei einer Kundgebung am 19. Februar desselben Jahres auf der Theresienwiese in Heilbronn rief sie die anwesenden Polizeibeamten zu Ungehorsam und Befehlsverweigerung auf.Wolfgang Müller: AfD-Politikerin bestreitet bei Demo in Heilbronn Corona-Pandemie. In: Heilbronner Stimme vom 19. Februar 2022, abgerufen am 24. November 2022 Im Juni 2022 postete sie zu einem Bild der Fußballnationalmannschaft bei Facebook: „Beim Betrachten des Fotos allerdings müsste man der Richtigkeit halber von einer ,passdeutschen Fußballnationalmannschaft‘ sprechen. Gibt es tatsächlich so wenig talentierte ‚Eingeborene‘?“. Ebenso schrieb sie 2022 auf Telegram, man dürfe „nicht zulassen, dass […] man zum ‚deutschen Volk‘ nicht mehr durch Abstammung gehört, sondern durch Übertreten der Landesgrenze“.Konrad Litschko, Anne Fromm, Gareth Joswig: Feinde der Verfassung – auf 1108 Seiten taz.de, 14. Mai 2025 Im Dezember 2022 nahm Baum in Wien an einer Podiumsdiskussion der von dem ehemaligen FPÖ-Chef und Ex-Vizekanzler Österreichs Heinz-Christian Strache gegründeten „Plattform für Frieden und Neutralität“ teil, die sich unter Straches Moderation mit dem russischen Überfall auf die Ukraine befasste. Baum, die sich im Bundestag gegen den NATO-Beitritt Schwedens und Finnlands ausgesprochen hatte, gab zu verstehen, dass für sie nicht Putin für den Krieg verantwortlich sei. Sie zitierte den Preußenkönig Friedrich den Großen mit den Worten, Angreifer sei „derjenige, der seinen Gegner zwingt, zu den Waffen zu greifen“. Schon vor dem Krieg habe sie gedacht, „hoffentlich behält Putin die Nerven“, denn dieser sei „permanent provoziert“ worden.Straches „Friedensplattform“ kritisiert Europa für Umgang mit Moskau kurier.at, 13. Dezember 2022

Baum sieht Homöopathie als anerkannte Heilmethode an und spricht sich gegen Impfpflichten aus. Die EU charakterisiert sie als System der Vorschriften und Gängelung, welches das Ziel habe, die Selbstversorgung abzuschaffen, wodurch eine immer größere Abhängigkeit vom Staat und in der Folge eine Verteuerung einhergehe.

Baum erklärte sich im Juli 2024 mit dem rechtsextremen Magazins Compact solidarisch, nachdem dieses von Innenministerin Nancy Faeser verboten wurde. Sie sagte, mit dem Verbot sei die Presse- und Meinungsfreiheit zur Farce verkommen und die Bundesregierung habe ihren totalitären Charakter gezeigt. Laut Informationen der Zeit hatte sie zeitweise die Ehefrau des Compact-Gründers Jürgen Elsässer in ihrem Parlamentsbüro beschäftigt. Auf Einladung von Baum hatte im Mai 2024 die von Compact organisierte Veranstaltung Blaue Welle erstmals in Baden-Württemberg stattgefunden. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig setzte im August 2024 das Verbot von Compact im Eilverfahren vorläufig aus.

Bei der Vertrauensfrage am 16. Dezember 2024 stimmte sie für Bundeskanzler Olaf Scholz und begründete ihr Votum mit einer angeblich höheren Kriegsgefahr unter einer möglichen Kanzlerschaft von Friedrich Merz.

Kontroversen Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 postete Baum auf X „Ich gratuliere den noch mehrheitlich christlichen Baden-Württembergern zum ersten muslimischen Ministerpräsidenten Sultan Özdemir.“ Dies zog Kritik in sozialen Medien sowie auch von Parteikollegen nach sich.

Einschätzung des Verfassungsschutzes Der Verfassungsschutz schreibt in einem Gutachten, dass Baum versuche, immer wieder „anhand unsachlicher – teils rassistischer – Vergleiche die vermeintliche Absurdität des derzeitigen Staatsbürgerschaftsrechts herauszustellen“. Für die Politikerin sei nicht die Staatsangehörigkeit, sondern die ethnische Herkunft entscheidend, was mit Artikel 1 des Grundgesetzes nicht vereinbar sei.Florian Dürr: Die gefährlichste Frau der AfD In: Fränkische Nachrichten, 5. Juli 2025

Sperre auf Facebook 2018 veröffentlichte Christina Baum auf Facebook das Foto eines 50-Euro-Scheins mit der Aufschrift „DEUTSCHE FRAU FIKEN, DANN TOT MACHEN“. Den Schein soll nach eigenen Angaben eine Bekannte an einem Automaten der Sparkasse Bad Mergentheim erhalten haben. Ein Sprecher des Sparkassenverbands Baden-Württemberg äußerte, dass alle Scheine aufwendig auf aufgemalte Schriftzüge und Zeichen überprüft werden, bevor sie in die Geldautomaten kommen. Der entsprechende Schein wäre demnach im Normalfall aussortiert worden, ausschließen wollte er die Authentizität der Schilderung jedoch nicht. Baum wurde im Anschluss auf Facebook wegen Hetze für 30 Tage gesperrt.

Veröffentlichungen Der Einfluss des Waschprozesses und der Dampfsterilisation auf den Verschleiß von OP-Textilien. Würzburg 1989.

Weblinks Website von Christina Baum

Einzelnachweise

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