mini|Ehemaliges Hachschara-Zentrum Markenhof bei Kirchzarten (Oktober 2004; Alemannia Judaica, J. Krüger, CC-by-SA 4.0) Der Markenhof ist ein landwirtschaftliches Anwesen in Kirchzarten-Burg, einer Gemeinde im Südschwarzwald im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg.

Historie des Markenhofs Eine erste urkundliche Erwähnung eines Hofes, aus dem später der Markenhof wurde, stammt aus dem Jahr 1397.Karl Motsch: Die Geschichte des Markenhofes (siehe Quellen) Dieser Hof im Dreisamtal befand sich damals im Besitz des Klosters St. Märgen. Im Jahr 1462 verkaufte das Kloster den Bauernhof an die Stadt Freiburg, der in den Folgejahren von mehreren Besitzern bewirtschaftet wurde.

Um 1648 kommt der Hof in den Besitz von Mathias Markh, nachdem der Markenhof vermutlich benannt wurde. Der Hof wechselt in der Folgezeit zwischen verschiedenen Besitzern aus der Familie Markh und brannte 1760, jetzt im Besitz von einem Simon Markh, ab. Dieser baute den Hof wieder auf und war zugleich der letzte Besitzer, der den Namen Markh trug. Der Hof ging nämlich in den Besitz seiner Tochter Maria über, die einen Michel Gremmelsbacher heiratete. Nachkommen aus dieser Familie bewirtschafteten dann den Hof, der am 22. Januar 1795 erneut abbrannte, wobei „eine alte Weibsperson“ in den Flammen umkam. Beim nachfolgenden Wiederaufbau entstand das Hofgebäude gemäß den damaligen Vorschriften, nach denen bei Neubauten von Schwarzwaldhäusern mindestens der Sockel aus Stein sein müsse.

Über das weitere Schicksal des Hofes scheint Heimatforscher Motsch nichts herausgefunden zu haben, und auf den Erwerb des Hofes durch einen jüdischen Fabrikanten im Jahre 1919 einzugehen, war 1937 offensichtlich nicht opportun. „Nach mehrmaligem Besitzerwechsel im vorigen und im jetzigen Jahrhundert befand sich zuletzt auf dem Markenhof eine Bauernhochschule, die seit einiger Zeit von einer Abteilung des weiblichen Arbeitsdienstes abgelöst wurde.“ Böcker erwähnt noch eine Familie von Wolgau, die 1909 in die gräfliche Familie Kageneck eingeheiratet und den Hof bis 1919 besessen habe.Julia Franziska Maria Böcker: HACHSCHARA AUF DEM MARKENHOF (siehe Quellen)

Es handelte sich hierbei um den russischstämmigen, in St. Petersburg geborenen Adligen Dr. Max von Wogau, der mit seiner Familie im Juli 1909 ins Dreisamtal zog und im selben Jahr sowohl den Markenhof als auch den tiefer gelegenen Müllerbauernhof in unmittelbarer Nachbarschaft am Wagensteigbach kaufte. Von Wogau verband beide Höfe zu einem Komplex, der bis heute als zusammenhängender Besitz vereint geblieben ist. Im Zuge umfangreicher Umbau- und Sanierungsarbeiten wurde die große Scheune des Markenhofs abgerissen und ein großer Park mit Rosen und Kieswegen angelegt. Das Wohngebäude wurde grundsaniert und erhielt unter anderem einen Telefonanschluss. Zusätzlich ließ von Wogau zahlreiche An- und Umbauarbeiten vornehmen, so wurde zum Beispiel der Schweinestall neu bedacht, mit Wasserleitungen versehen und zur Gesindestube umgewidmet. Hinzu kamen ein neuer Eingangsbau und etwas abseits ein geräumiger Getreideschuppen. Diese Veränderungen führten zu einem neuen, aristokratisch-repräsentativen Aussehen, das die bäuerliche Herkunft des Markenhofs kaum noch erkennen ließ.

Vom Markenhof zum Kibbuz Beit Zera Jüdisches Lehrgut Markenhof mini|Markenhof-Gründer Konrad Goldmann (sitzend in der Bildmitte) im Kreis einer Hachschara-Gruppe (vermutlich 1921) Im Januar 1919 wurde der Markenhof an den jüdischen Besitzer der Freiburger Draht- und Kabelwerke und Vorsitzenden des "Jüdischen Landwirtschaftsverbands 'Der Pflug(Hamachreschah)' Konrad Goldmann aus Freiburg verkauft. Unter der Leitung von Alexander MochEin ausführlicher Lebenslauf von Alexander Moch ist zu finden auf der Webseite Spuren im Vest – Juden im Vest Recklinghausen. aus Schwanau-Nonnenweier und Ausbildungsleiter Siegmund SeligmannAnja Bochtler: Unterwegs in der Zeitkapsel, Badische Zeitung vom 25. April 2016 wurde eine Landwirtschaft betrieben, die als Hachscharah, das heißt der Vorbereitung auf die Alija (Auswanderung) nach Palästina diente. Das Lehrgut, zu dem nach Ernst Fraenkel auch ein kleines Weingut am Kaiserstuhl gehörteErnst Fraenkel im Interview mit Ulrich Tromm: Der Markenhof bei Freiburg im Breisgau als zionistisches Auswandererlehrgut 1919-1925, gilt als erste kibbuzartige Einrichtung deutscher Juden beziehungsweise erste Hachschara-Einrichtung. In den sechs Jahren ihres Bestehens (bis 1925) erhielten hier etwa 300 Absolventen eine ein- bis zweijährige Ausbildung.Alemannia Judaica: Gut Markenhof bei Kirchzarten (siehe Weblinks) Nach der Webseite des Kibbuz Beit Zera (Beth Sera) standen viele von ihnen dem jüdischen Wanderbund Blau-Weiß nahe.Offizielle Geschichte von Beit Zera (siehe Weblinks) Etwas differenzierter beschreibt Ruben Frankenstein die Zusammensetzung der Markenhof-Eleven: „Die Eleven kamen größtenteils aus bürgerlichen Elternhäusern, waren entweder Abiturienten oder Jungakademiker aus dem süddeutschen Raum, aus Berlin und Köln, aber auch aus Litauen, Galizien, Rußland, Tschechoslowakei und der Bukowina. Darunter waren sowohl Mitglieder des jüdischen Wanderbundes „Blau-Weiß“ als auch von „Jung Juda“, jenem radikalen Berliner Kreis um Gerhard Scholem.“Ruben Frankenstein: Hachschara im Markenhof bei Freiburg (siehe Quellen) Bei Scholem selber hieß es in seinem 1977 erstmals veröffentlichten Buch Von Berlin nach Jerusalem über seine Freunde aus dem Jung-Juda:

Im Dezember 1920 erschien in der Zeitung Blau-Weiss-Blätter des Blau-Weiß ein Artikel, der Einblicke in die noch neue Einrichtung Jüdisches Lehrgut Markenhof vermittelt. Die „Waschräume […] mit fließendem Wasser, Duschen so sauber wie in einem Krankenhaus“ werden da ebenso bewundert wie „ein Ziergarten, einfach zum Spazierengehen“.Werner Rosolio: Der Markenhof bei Freiburg Dem folgt ein Blick auf die eigentliche Bestimmung des Hofes:

Was der Besucher bemängelt, ist der aus seiner Sicht noch fehlende Gemeinschaftsgeist der auf dem Markenhof lebenden und arbeitenden Praktikanten und Praktikantinnen. Ihm erscheint deren Zusammensetzung zu unspezifisch, eingestellt nur, weil die Arbeit drängt, nicht aber nach übergeordneten Kriterien. Rosolio fehlte einer, „der als, unbestrittener Führer das Ganze in der Hand hat. So hat sich eben nicht der gemeinsame Geist entwickelt, der die erste Vorbedingung für freudige und gute Arbeit ebenso wie für den wahren Genuß der Arbeitsruhe ist.“ Gleichwohl bemerkt er im Hinblick auf früher schlechtere Zustände: „Das Verhältnis der Praktikanten zum Inspektor ist, im Gegensatz zu den früheren, nun überwundenen Stadien des Markenhofes, ein solches, das sich auf engste Zusammenarbeit, menschliches Vertrauen, aber auch Gefühl für Disziplin und für die Unterordnung unter den erfahreneren, verantwortlichen Leiter gründet.“ Sein Fazit:

Vom Kewuzat Markenhof zum Kibbuz Beit Zera mini|Die Nordregion Israels Ein Jahr nach Rosolios Bericht wanderte im Dezember 1921 eine erste Pioniergruppe aus vier Frauen und drei Männern nach Palästina aus. Zuvor, im Juni 1921, hatten sie Gelegenheit, sich von Arthur Ruppin über die Situation in Palästina informieren zu lassen. Ruppin erwähnte diesen Besuch auf dem Markenhof in seinen Briefen, Tagebüchern, Erinnerungen in einem Tagebucheintrag vom 20. Juni 1921, in dem er vermerkte, dass er am vorangegangenen Mittwoch zusammen mit seiner schwangeren Frau Hanna und „mit dem Ingenieur Goldmann nach dem von ihm gegründeten Lehrgut Markenhof (bei Freiburg)“ gefahren sei, „wo 20 junge Leute landwirtschaftlich für Palästina ausgebildet werden“.Schlomo Krolik (Hrsg.): Arthur Ruppin. Briefe, Tagebücher, Erinnerungen, Jüdischer Verlag Athenäum, Königstein im Taunus 1985, ISBN 3-7610-0368-4, S. 326

Die erste Station in Palästina war für die Gruppe Ein GanimZu Ein Ganim existiert nur ein Artikel in der englischen WIKIPEDIA: :en:Ein Ganim, eine 1908 als erste Moschaw gegründete Siedlung, die 1937 nach Petach Tikwa eingemeindet wurde.Ruben Frankenstein: Hachschara im Markenhof bei Freiburg (Online-Version)

1923 musste die Gruppen Ein Ganim verlassen. Sie ließen sich in Rub-al-Nazra in der Jesreelebene nieder, wo allerdings auch noch eine zweite Gruppe angesiedelt wurde. Da der Platz für zwei Gruppen nicht reichte, zogen im Oktober 1926 die inzwischen 23 Markenhofer zusammen mit einigen Tschechen an einen neuen Siedlungsort um. Diesen fanden sie nur wenige Kilometer unterhalb des Südendes des Sees Genezareth im Jordantal in der Nähe von Degania auf dem Gelände des verlassene arabischen Dorfes Um-Djuni. Ihre ersten Hütten wurden im Sommer 1927 durch ein Erdbeben vernichtet. Doch sie ließen sich dadurch nicht entmutigen und feierten am 20. September 1927 die Einweihung ihrer neuen Siedlung, die – nach einigen anderen Benennungen – den Namen Beit Zera (Saathaus) erhielt.Ruben Frankenstein: Hachschara im Markenhof bei Freiburg (Online-Version). Zur Geschichte von Beit Zera siehe auch den Artikel in der englischen WIKIPEDIA: :en:Beit Zera. Er war der vierte im Jordantal gegründete Kibbuz. Von den Gründungsmitgliedern von Beit Zera hatten etwa 20 ihre Ausbildung auf dem Markenhof absolviert.Die Daten beruhen auf einer vom Archiv von Beit Zera zur Verfügung gestellten Tabelle vom 19. Februar 2013 in hebräischer Sprache. Die Angaben wiederum basieren auf persönlichen Angaben der Kibbuz-Mitglieder und auf Videointerviews mit einer Reihe von Veteranen im Jahre 1980. Eine Verifizierung der Namen erfolgte teilweise durch einen Abgleich mit Ruben Frankensteins Artikel Hachschara im Markenhof bei Freiburg (siehe Quellen). NachnameGeburtsnameVornameHerkunft: Stadt (Land)Mitgliedschaft in einem JugendverbandAusbildungsstätteEinwanderung nach PalästinaBeitritt zum Kibbuz Beit Zera oder seinen VorgängernEfratGoiteinTheodora (Dorle)Frankfurt am MainBlau-Weiß & HechaluzMarkenhof1925ZivSilbersteinZemBlau-Weiß & HechaluzMarkenhof1921KarmelDeutschZippora (Zephora)Wyschnyzja (Bukowina)Blau-WeißMarkenhofDezember 1921MohnPartMargotFrankfurt am MainMarkenhof1924MohnAlexander (Alex)BerlinMarkenhof1923EliasbergGeorgBerlinMarkenhof1927KarmelJehudaKrakau (Polen)Kommunistische JugendMarkenhof1924PoratKahaneScheindelKrakauMarkenhofDezember 1921ZimmermannBaumritterDas Adressbuch der Stadt Frankfurt am Main für das Jahr 1920 enthält auf Seite 26 (pdf-Seite 44) nur einen Eintrag dieses Namens: „Baumritter, B., Schuhmacher-Bedarfs-Großhdlg., Thomasisus-Str. 4 II“. Unter der gleichen Anschrift wird in der Zeitung Blau-Weiss-Blätter. Führerzeitung ein Arthur Baumritter als Adresse des Frankfurter Blau-Weiß-Bundes aufgeführt. (Blau-Weiss-Blätter. Führerzeitung, hrsg. von der Bundesleitung der jüdischen Wanderbünde Blau-Weiss, Heft 3 (Dezember 1920 – 1921), pdf-S. 2). Das legt nahe, dass Judith Baumritter aus dieser Familie stammt.Judith (Henny)Frankfurt am MainBlau-Weiß & HechaluzMarkenhof6. März 1923 mini|Dorle Efrat (geborene Goitein), ein Gründungsmitglied von Beit Zera Für zwei Personen, die ihre Ausbildung auf dem Markenhof absolvierten, gibt es einige weiterführende Hinweise, Dorle Goitein und Ernst Fraenkel. Zu den Gründerinnen und Gründern von Beit Zera zählt allerdings nur Dora Goitein, während über Ernst Fraenkel viele Details der Arbeit auf dem Markenhof nachvollziehbar werdenSiehe hierzu vor allem Ulrich Tromm: Der Markenhof bei Freiburg im Breisgau als zionistisches Auswandererlehrgut 1919-1925: Dorle Goitein Theodora (Dorle) Goitein (verheiratete Efrat) (1905–1998) ist die Tochter von Jakob Löb Goitein. Ihr Cousin ist Shlomo Dov Goitein, der sie 1924 auf ihrer Reise nach Palästina begleitete.

Ernst Fraenkel