Der Fleischmarkt ist eine Straße im 1. Wiener Gemeindebezirk, der Inneren Stadt. Der Name ist seit 1220 nachweisbar und bezieht sich auf die hier ansässigen Fleischhauer.

Geschichte Der Straßenzug, der römisches und frühmittelalterliches Siedlungsgebiet berührt, und zu den ältesten im babenbergischen Stadterweiterungsgebiet zählt, ist seit 1220 als carnifices Viennensis belegt. Hier befand sich der älteste bekannte Marktplatz für Fleisch und der Sitz zahlreicher Fleischhauer, u. a. auch deren Innungshaus. Nachdem 1256 der Markt auf den Lichtensteg verlegt worden war, hieß die Straße zeitweise auch Alter Fleischmarkt; bis ins 15. Jahrhundert blieben aber die Fleischhauer hier weiter ansässig. Zum Fleischmarkt zählte man im Mittelalter auch seine kurzen Seitengassen, wie die Drachengasse, die Wolfengasse, die Griechengasse, den Laurenzersteig und einen Teil der Postgasse. In den zwischen den Fleischbänken gelegenen Speisehäusern (Koderien) verkehrten zeitweise aufrührerische Elemente, die hier ihre Treffpunkte hatten (etwa um 1450). links|mini|Fleischmarkt um 1846 Der Charakter der Straße veränderte sich allmählich mit der Errichtung der in der Nähe befindlichen Alten Universität, wodurch sich Studenten und sogenannte „gelehrte Gewerbe“ ansiedelten. Während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung litt die Straße sehr durch den türkischen Beschuss von der Leopoldstadt her. Danach wurde hier der Holzmarkt abgehalten, der 1742 in die Roßau verlegt wurde. Der Fleischmarkt liegt in der Nähe des alten Donauhafens, wodurch es im 18. Jahrhundert zum Zuzug zahlreicher Griechen kam, die den Handel mit dem Balkan und dem Levanteraum beherrschten. Sie siedelten sich hier an und es bildete sich das sogenannte Griechenviertel um den zentralen Bereich des Fleischmarkts.

Während der Revolution 1848 wurde der Fleischmarkt in Barrikadenstraße umbenannt. 1862 heißt die Straße ohne Seitengassen amtlich Fleischmarkt und erstreckte sich von der Rotenturmstraße bis zur Postgasse. Knapp vor 1897 und um 1910 griff man jedoch in die historische Bausubstanz westlich der Rotenturmstraße ein und verlängerte den Fleischmarkt bis zur Fleischmarktstiege, die zur Judengasse hinaufführte (heute Jerusalemstiege und Desider-Friedmann-Platz). Seit 1911 beginnt der Fleischmarkt somit an dieser Stiege.

Lage und Charakteristik Der Fleischmarkt beginnt an der Jerusalemstiege, die diesen mit dem höher gelegenen Desider-Friedmann-Platz verbindet. Er verläuft in südöstlicher Richtung zur Rotenturmstraße und weiter etwas gekrümmt bis zur Postgasse. Im zentralen Bereich bei der Einmündung der Griechengasse erweitert er sich dreieckig, davor engt sich der Straßenverlauf ein. Hier liegen Gebäude mit bis ins Mittelalter zurückreichender Bausubstanz sowie das sogenannte Griechenviertel mit der markanten Griechenkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit und dem Griechenbeisl.

Über den Fleischmarkt verkehren keine öffentlichen Verkehrsmittel. Der gesamte Straßenverlauf wird als Einbahnstraße geführt, aber nicht in einer Richtung, sondern zwischen Rotenturmstraße und Bauernmarkt in westliche Richtung, zwischen Rotenturmstraße und Laurenzerberg in östliche Richtung und zwischen Postgasse und Laurenzerberg wieder in westliche Richtung. Dadurch wird ein Durchzugsverkehr unterbunden. links|mini|Mittlerer Bereich des Fleischmarktes in Richtung Nordwesten Während der Fleischmarkt um die Griechenkirche herum einen malerischen, altwienerischen Charakter besitzt, besteht die übrige Verbauung großteils aus historistischen Wohnbauten. Zudem liegt an der Rotenturmstraße ein secessionistisches Geschäftshaus sowie an der Postgasse das bis ins 17. Jahrhundert zurückgehende ehemalige Frauenkloster St. Laurenz. Der Fleischmarkt wird von zahlreichen Fußgängern aufgesucht. Die Straße ist nicht nur für Touristen interessant, hier liegen zahlreiche Lokale und Geschäfte sowie ein Kino und in unmittelbarer Nähe einige kleine Theater (Wiener Kammerspiele, Wiener Kammeroper, Theater Drachengasse). Außerdem haben die Griechisch-Orthodoxe Kirche und die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft hier ihre Sitze und sakralen Gebäude. Ein großes Presse- und Druckereizentrum ebenso wie das Hauptpostamt bestehen heute nicht mehr.

Der Großteil der Gebäude am Fleischmarkt steht unter Denkmalschutz.

Gebäude mini|Orendihof, Fleischmarkt 1 Nr. 1: Residenzpalast, ehemaliges Druckereizentrum Orendihof An der Stelle des heutigen Gebäudes befand sich das Eckhaus Am Steig, in dem ab dem Ende des 15. Jahrhunderts das Einkehrgasthaus Zum goldenen Hirschen untergebracht war, mit dem Kopf eines Hirschen zwischen erstem und zweitem Stock als Hauszeichen. Anfang des 16. Jahrhunderts wohnte hier der Verfasser des Wiener Heiligtumbuchs Matthäus Heuperger. An einen weiteren Bewohner, den aus Krakau stammenden Steinmetzen Paul Kölbl, knüpft sich die Tradition, dass der mit diesem bekannte Dr. Faust hier zu Gast gewesen sein soll. Eine Zeitlang befand sich in dem Haus eine alte Fechtschule der Wiener Handwerker. Im 18. Jahrhundert wird ein Tanzsaal erwähnt. 1797 wurde die Familie Karajan Eigentümer des Hauses, das 1829 mit dem danebenliegenden Gebäude zusammengebaut wurde. Dadurch endete auch der Gasthausbetrieb. Die Familie Karajan beherbergte in dem Gebäude ab 1799 die Musikalisch-Typographische Verlagsgesellschaft Johann Mecke und die Werkstätte des Geigen- und Lautenmachers Andreas Kamlosi. Der Germanist Theodor von Karajan wohnte selbst hier. Eine Zeit lang befand sich hier auch das Teppichhaus C. Genersich & Orendi, nach dem sich auch der Name Orendihof eingebürgert hat. mini|Ehemalige Sanitätsstation Fleischmarkt Das Geschäftshaus Ecke Rotenturmstraße / Fleischmarkt wurde 1909–1910 von Arthur Baron als Residenzpalast für die Verlagsgesellschaft Steyrermühl im spätsecessionistischen Stil errichtet. Um die schweren Druckmaschinen tragen zu können, wurde Stahlbeton verwendet. 1913 wurde es mit den benachbarten Gebäuden Fleischmarkt 3 und 5 zu einem großen Druckereizentrum zusammengefasst. Hier, im Steyrerhof, wurde das Neue Wiener Tagblatt herausgegeben. Zwischen 1938 und 1945 ging die Druckerei in den Besitz des Ostmärkischen Zeitungsverlags über, 1945 bis 1955 wurde sie von der KPÖ gepachtet, die hier den Globus-Verlag und mehrere Zeitschriften (Volksstimme) führte. An der Ecke befand sich die parteieigene Zentralbuchhandlung. 1955 wurde das Druckzentrum an die Steyrermühl restituiert. 1985 erfolgte ein zweigeschoßiger Dachausbau und 1987–1989 ein Gesamtumbau durch Harry Glück für die BAWAG.

Die Fassade folgt der Biegung des Fleischmarktes und ist hier durch einen zwischengeschalteten Turm unterbrochen, der Foyers, Treppe und Lift beherbergt. Die Ecke zur Rotenturmstraße ist abgerundet und wird mit einem kuppeligen Aufsatz von 1987 bekrönt, der ursprünglich zylinderförmig war. Die Sockelzone ist durch eine vorgehängte Metallrahmenkonstruktion verkleidet, die obere Zone ist durch farbige, geometrisch ornamentierte Fliesen gekennzeichnet. Im Inneren besitzt der Treppenturm secessionistische Geländer und Liftgitter. Der Fliesenbelag und die Plattenverkleidung wurden 1987 ebenso verändert wie an der Schauseite außen. An der Rückseite zum Steyrerhof liegt der Eingang zum Theater der Wiener Kammerspiele, die sich im Keller des Gebäudes befinden.

Gedenktafeln erinnern an den 1863 im Vorgängergebäude geborenen Staatsoperndirektor Franz Schalk und die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft, die 1883 im Vorgängergebäude ihre erste Sanitätsstation eingerichtet hat. Der Text der Tafel lautet:

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. mini|Fassade Fleischmarkt 3

Nr. 3: Wohn- und Geschäftshaus 1910 erbaute Arthur Baron neben dem Orendihof dieses bemerkenswerte Jugendstilgebäude, das 1913 mit diesem zu einem Druckereizentrum zusammengefasst wurde. Die Fassade zeigt vier hohe ornamentierte Stahlbetonpfeiler, zwischen denen drei eingehängte Metall-Glas-Konstruktionen risalitartig hervortreten. Über der dreigeschoßigen Glasfassade erhebt sich eine zweigeschoßige Putzfassade mit rhythmisierter Fensteraufteilung und einem Wappenrelief, die mit einem niedrigen, abgetreppten Rundgiebel abgeschlossen wird. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Nr. 4: Eckhaus Das sechsgeschoßige Haus Ecke Bauernmarkt / Fleischmarkt mit markantem Eckerker wurde 1910 von Anton Hein im späthistoristischen Stil errichtet. Es liegt an der Hauptadresse Bauernmarkt 21.

Nr. 5: Wohn- und Geschäftshaus An dieser Stelle befand sich das Bierhaus Zum brauen Hirschen, in dem auch Ludwig van Beethoven verkehrte. Das derzeitige Gebäude errichtete 1902 Julius Mayreder. Es wurde 1913 von Arthur Baron umgebaut, um es in den Druckereikomplex mit den Häusern Fleischmarkt 1 und 3 einbeziehen zu können. Die unteren zwei Geschoße wurden 1987–1989 von Harry Glück durch Platten verkleidet. Die übrige Putzfassade ist schlicht.

Nr. 6: Wohn- und Geschäftshaus Das an drei Seiten freistehende Gebäude zwischen Bauernmarkt, Fleischmarkt und Rotgasse wurde 1908 von Anton Hein im späthistoristischen Stil erbaut. Im Haus befindet sich das Kino CineCenter, das früher das Filmstudio der Belvedere-Film war. Eine Gedenktafel an der Seite des Bauernmarkts erinnert daran. Das Gebäude liegt an der Hauptadresse Bauernmarkt 24. mini|hochkant|Handelshaus Julius Meinl, Fleischmarkt 7 Nr. 7: Handelshaus Julius Meinl 1899 erbaute Max Kropf dieses Handelshaus für die Firma Julius Meinl im späthistoristischen Stil. 1862 hatte Julius Meinl I. ein Delikatessengeschäft eröffnet, in dem auch frisch gebrannter Kaffee verkauft wurde. Der neoklassizistische Dekor des Hauses nimmt auf den internationalen Kaffeehandel der Firma Meinl Bezug. Die Stuckreliefs schuf Wilhelm Hejda. Darüber befinden sich die Wappen der Städte Hamburg, Triest und London und auf einem verzierten Gitter die Inschrift Julius Meinl Kaffee Import. Auch die Fensterrahmungen und das kassettierte Kranzgesims zeigen neoklassizistischen Dekor. Am Eingang befindet sich eine Gedenktafel für den Filmregisseur Billy Wilder, der 1914 bis 1924 hier wohnte. Im Foyer sieht man über der späthistoristischen Verkachelung secessionistischen Stuckdekor sowie im Treppenhaus eingestellte toskanische Säulen. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. links|mini|Fleischmarkt westlich der Rotenturmstraße mit dem Haus Nr. 8

Nr. 8: Zu den 3 Raben Das an drei Seiten freistehende Gebäude zwischen Rotgasse, Fleischmarkt und Rotenturmstraße wurde 1897 von Viktor Siedek errichtet. In dem historistischen Haus in neobarocken Formen wohnte Marie von Ebner-Eschenbach. Eine Gedenktafel erinnert an den griechischen Schriftsteller und Revolutionär Rigas Pheraios. Es steht unter Denkmalschutz und liegt an der Hauptadresse Rotenturmstraße 21.

Nr. 9: Zur Mariahilf Dieses an drei Seiten freistehende Haus an der Ecke Fleischmarkt / Griechengasse stammt im Kern aus dem Mittelalter. Es besitzt eine gekrümmte Fassade mit einem Renaissance-Erker, der ursprünglich gotisch war. In einer Ädikulanische befindet sich ein bemerkenswertes Mariahilfrelief, das später durch einen Goldhintergrund und aufgemalte griechische Buchstaben zu einer Ikone umgewidmet wurde, die in Beziehung zur gegenüberliegenden griechisch-orthodoxen Kirche steht. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das Haus durch einen Trakt zur Griechengasse hin erweitert und erhielt um 1700 eine neue Fassade mit neuen Fenstereinfassungen, ein stuckiertes Kranzgesims mit einem Fries mit Fruchtgirlanden darunter und einer Portalbekrönung mit Rankenornament. 1804 veränderte Karl Molner schließlich das Gebäude zu seinem jetzigen Aussehen. Ein Schwibbogen verbindet das Haus über die schmale Griechengasse hinweg, in der noch historische Prellsteine zu sehen sind, mit dem Haus Fleischmarkt 11; ein historisches Gebotsschild aus dem Jahr 1912 mahnt Fußgänger und Fuhrleute zu Vorsicht und Rücksichtnahme. Interessant sind auch die Dachgauben und Rauchfänge.