Zeit für Legenden (Originaltitel Race) ist eine Filmbiografie von Stephen Hopkins über den US-amerikanischen Leichtathleten Jesse Owens und dessen Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Der Film feierte am 19. Februar 2016 in den USA seine Premiere und kam am 28. Juli 2016 in die deutschen Kinos.

Handlung Im Jahr 1933 verlässt der Afroamerikaner Jesse Owens seine Heimatstadt Cleveland, wobei er seine Freundin Ruth und die gemeinsame Tochter zurücklassen muss, und beginnt ein Studium an der Ohio State University. Schnell entdeckt der dortige Trainer Larry Snyder in Owens’ enormer Schnelligkeit dessen besonderes sportliches Talent. Owens avanciert schon bald zum Leichtathletik-Superstar und bricht alle Rekorde. Allerdings macht ihm auch der Trubel um seine Person immer wieder zu schaffen.

Im Jahr 1936 stehen dann auch die Olympischen Spiele in Deutschland an, aber Owens ist unentschlossen, ob er wirklich daran teilnehmen will. Unter der Anleitung seines Coachs Larry Snyder trainiert er und wird auch wirklich zugelassen. Während sich Owens mittlerweile darauf freut, wird ein Boykott der Spiele im Nazi-Deutschland diskutiert. Allerdings setzt sich der Leiter des Olympischen Komitees, Avery Brundage, gegen den Boykott ein, um den Deutschen zu zeigen, dass auch Sportler anderer Nationen und Hautfarben große Leistungen hervorbringen können, und will damit der Diktatur einen Spiegel vorhalten, allen voran dem Organisator der Spiele, Joseph Goebbels. Brundage reist nach Berlin, um vor Ort die politische Lage zu sondieren und Gespräche mit den zuständigen Organisatoren und Beamten zu besprechen. Brundage legt auf Grundlage seiner gemachten Beobachtungen seinem Komitee einen Bericht vor, in dem er eine Teilnahme der Vereinigten Staaten an den Spielen ausdrücklich empfiehlt. Das Land sagt daraufhin seine Teilnahme zu.

Als die Spiele beginnen und Owens auch noch im Berliner Olympiastadion vor den Augen von 100.000 Zuschauern eine Goldmedaille im 100-Meter-Lauf gewinnt, wird er zu einer politischen Symbolfigur, weil er beweist, dass die Rassenlehre der Nazis falsch ist. Eingefangen wird dieser Moment von der Regisseurin Leni Riefenstahl, die die sportlichen Ereignisse in Berlin mit ihrer Kamera dokumentiert und aus den Aufnahmen ihren Propagandafilm Olympia schafft.

Historischer Hintergrund

Die Geschichte des Films beruht auf wahren Begebenheiten. Jesse Owens, der in armen Verhältnissen aufwuchs und als Kind noch Baumwolle gepflückt hatte, fiel an der Ohio State University durch seine große Laufbegabung auf.Charlottenburg: Das Olympiastadion – Schwarze Sportler im Nationalsozialismus In: dhm.de. Abgerufen am 15. März 2016. (PDF) Owens entwickelte sich bald in mehreren sportlichen Disziplinen zu einem der herausragendsten Athleten in den Vereinigten Staaten und sollte auch an den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin teilnehmen, doch waren diese aufgrund der damaligen politischen Situation in Nazi-Deutschland umstritten. Noch im November 1935 sagte Owens in einem Radio-Interview: Wenn es in Deutschland eine Diskriminierung von Minderheiten gibt, sollten wir unsere Teilnahme an den Olympischen Spielen zurückziehen.Sven Goldmann: Für immer ein Renner In: Der Tagesspiegel Online, 12. September 2013.

Der Präsident des Amerikanischen Olympischen Komitees, Avery BrundageAvery Brundage In: nolympia.de. Abgerufen am 14. März 2016., kämpfte im Vorfeld der Spiele für die Teilnahme der USA, um den Deutschen zu zeigen, dass auch Sportler anderer Nationen und Hautfarben, allen voran Afroamerikaner, große Leistungen hervorbringen können.Olympische Sommerspiele in Berlin 1936 In: Bundeszentrale für politische Bildung, 1. August 2012.Arnd Krüger: Theodor Lewald – Sportführer ins Dritte Reich. Berlin und München, 1975. Die nationalsozialistische Führung ihrerseits war guter Dinge, hatte doch Max Schmeling noch kurz vor der Eröffnung der Spiele, am 19. Juni 1936 in New York, den Braunen Bomber Joe Louis besiegt. Sie wollte während der Spiele der Welt nun die „rassische Überlegenheit des nordischen Menschen“ demonstrieren, und das Reichsministerium für Propaganda forderte die Bevölkerung dazu auf, sich gegenüber den Gästen zuvorkommend zu verhalten. Das Reichsministerium gab für die Dauer der Spiele die Parole aus: „Der Rassenstandpunkt soll in keiner Weise bei der Besprechung sportlicher Resultate Anwendung finden, vor allem sollen die Neger nicht in ihrer Empfindlichkeit getroffen werden.“Peter Martin: Rassenkampf im Sport. In: Peter Martin und Christine Alonzo (Hrsg.): Zwischen Charleston und Stechschritt. Schwarze im Nationalsozialismus. München und Hamburg, 2004. S. 332.

mini|Luz Long steht bei der Sie­ger­ehr­ung im Weitsprung hinter Jesse Owens Als Owens im Juli 1936 am Austragungsort der Spiele eintraf, wartete in Berlin eine große Fan-Gemeinde auf ihn. Owens wurde während der gesamten Dauer der Spiele auf Schritt und Tritt von Reportern, Amateurfotografen und Autogrammjägern umlagert, und auch im Stadion wurde er von den Zuschauern geliebt und angefeuert.Stephan James im Gespräch mit Alisha Grauso: In: moviepilot.com, 20. Februar 2016. Im Verlauf der Spiele verhalf er seiner Mannschaft in der 4-mal-100-Meter-Staffel zum Sieg, gewann im 100- und im 200-Meter-Lauf und ging als Sieger aus dem Weitsprung-Duell mit dem Deutschen Carl Ludwig „Luz“ Long hervor,Oskar Beck: Geschichte Olympia 1936: ‘Umarmen Sie nie wieder einen Neger!’ In: DIE WELT Online, 1. Mai 2013. wobei er in dieser Disziplin einen neuen olympischen Rekord aufstellte und mit insgesamt vier Goldmedaillen der erfolgreichste Sportler der Spiele wurde.Christian Gödecke: Olympische Momente. Sieg über Hitlers Rassenwahn In: Spiegel Online, 16. Juli 2012. Die nationalsozialistische Propaganda rechtfertigte das Unterliegen deutscher Sportler in einigen Disziplinen, besonders jedoch in den Wettkämpfen gegen Owens, damit, dass die Schwarzen zwar möglicherweise sportlich besonders leistungsfähig seien, dies aber dadurch begründet sei, dass sie den Tieren näher stünden als die Weißen.

Owens sagte später, er habe sich nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten, die sich zur damaligen Zeit nicht nur inmitten einer schweren Wirtschaftskrise befanden, sondern auch von der Rassentrennung geprägt waren,Stephan James im Gespräch mit Emma Brown: Discovery: Stephan James In: interviewmagazine.com, 18. Februar 2016. in seinem Heimatland mehr diskriminiert gefühlt als in Deutschland und sei hier auch weitaus größeren rassistischen Anfeindungen ausgesetzt gewesen.Leni Riefenstahl Captures Jesse Owens Dashing Nazi Dreams at the 1936 Olympics In: openculture.com, 27. Juli 2012. Owens pflegte nach den Spielen eine enge Freundschaft mit seinem Wettkampf-Gegner Luz Long. Nach dem Krieg besuchte Owens Berlin noch drei weitere Male und erzählte, er habe im Sommer 1936 die glücklichsten Tage seines Lebens erlebt.

Produktion Besetzung mini|hochkant=0.9|Stephan James übernahm im Film die Rolle von Jesse Owens Nachdem anfänglich John Boyega im Gespräch für die Hauptrolle war, erhielt der afroamerikanische kanadische Schauspieler Stephan James die Rolle von Jesse Owens, während er sich noch in den Dreharbeiten zum Film Selma befand.Stephan James im Gespräch mit Jennie Punter: TIFF Rising Star Stephan James Talks Jesse Owens Biopic ‘Race’ In: Variety, 14. September 2015. James, der anfänglich nur den Namen von Owens kannte, nicht jedoch die Umstände, unter denen dieser 1936 vier Goldmedaillen gewonnen hatte,Stephan James im Gespräch mit Alisha Grauso: In: moviepilot.com, 20. Februar 2016. schaute sich nach eigenen Aussagen in Vorbereitung auf seine Rolle den Film Olympia von Leni Riefenstahl an, trainierte direkt, nachdem er die Rolle erhalten hatte, an der Georgia Tech mit Lauftrainern Owens’ ganz besonderen und mittlerweile veralteten Laufstil der damaligen Zeit, bei dem man aus der Hocke startete,TIFF Rising Star Stephan James Talks Jesse Owens Biopic ‘Race’ In: Variety, 14. September 2015. und übte Owens’ GesichtsausdruckStephan James im Gespräch mit Emma Brown: Discovery: Stephan James In: interviewmagazine.com, 18. Februar 2016. und Redeweise ein. Zudem traf sich James auch mit den beiden Töchtern von Owens, um etwas über dessen Persönlichkeit abseits der Aschenbahn in Erfahrung zu bringen.Tommy Cook: ‘Race’ Interview: Running Tips Stephan James Picked up While Playing Jesse Owens In: collider.com, 17. Februar 2016. James sagte in einem Interview mit der Huffington Post: „Danach fühlte ich mich wirklich, als hätte ich mehr in den Film einzubringen als nur den Kerl, der schnell laufen kann.“Stephan James im Gespräch mit Nell Minow: Interview: Stephan James on Playing Jesse Owens in ‘Race’ In: Huffington Post, 9. Februar 2016. James sagte später auch, er habe sich sehr geehrt gefühlt, die Rolle von Owens übernehmen zu dürfen.

Die Rolle von Owens’ Trainer Larry Snyder wurde mit dem US-amerikanischen Schauspieler Jason Sudeikis besetzt. Eli Goree übernahm die Rolle von Dave Albritton, einem Hochspringer, der in derselben Studentenvereinigung wie Owens war, ebenfalls aus Alabama stammte und wie dieser an den Olympischen Spielen 1936 teilnahm. Die Rolle von Lawson Robertson, dem Cheftrainer der US-Leichtathletikauswahl bei den Spielen, übernahm Tony Curran, die von Dean Cromwell, dem Cheftrainer der gesamten US-amerikanischen Mannschaft, Jonathan Higgins. Der deutsche Schauspieler David Kross spielte die Rolle von Luz Long, Owens’ anfänglichem Gegner und späterem Freund. Der britische Oscar- und Golden-Globe-Preisträger Jeremy Irons schlüpfte in die Rolle des Sportfunktionärs Avery Brundage, der aus Berlin stammende Schauspieler Barnaby Metschurat in die seines sportpolitischen Gegners Joseph Goebbels und Carice van Houten in die Rolle von dessen Hausfotografin Leni Riefenstahl. Die Schauspielerin Shanice Banton gibt im Film ihr Spielfilmdebüt und verkörpert Ruth Solomon, Owens’ frischgebackene Ehefrau, Yvanna-Rose Leblanc deren gemeinsame Tochter Gloria. William Hurt ist in der Rolle des Sportfunktionärs Jeremiah Mahoney zu sehen, der im Vorfeld einen Boykott der Olympischen Spiele in Deutschland forderte.

Dreharbeiten mini|hochkant=1.3|Das Berliner Olympiastadion heute Die Dreharbeiten wurden am 24. Juli 2014 im kanadischen Montreal begonnenC. Molly Smith: Casting Net: Jason Sudeikis and Jeremy Irons join ‘Race’, Jacki Weaver eyes ‘Equals’ In: Entertainment Weekly, 16. Juli 2014. und damit zwei Wochen, nachdem die Aufnahmen für den Film Selma abgeschlossen waren, in dem James ebenfalls mitspielte.Stephan James im Gespräch mit Emma Brown: Discovery: Stephan James In: interviewmagazine.com, 18. Februar 2016.