Der Tramlink ist eine Produktgruppe drei-, fünf- und siebenteiliger Straßenbahn-Fahrzeuge des Herstellers Stadler Rail Valencia, meist in Multigelenkbauweise. Entwickelt und auf den Markt gebracht wurde der Tramlink von Vossloh España. Seit der Übernahme der Fertigung von Schienenfahrzeugen im spanischen Valencia durch Stadler Rail AG 2015 wird die Produktion und Entwicklung fortgeführt.
Der Tramlink folgte im Produktportfolio Vosslohs auf den Citylink, ein Stadtbahn- bzw. Tram-Train-Fahrzeug, welches ebenfalls von Stadler weiterentwickelt und -verkauft wird.
Betreiber und Einsatzgebiete Prototypen und Fahrzeuge für León Zunächst baute Vossloh zwei Prototypen in fünfteiliger, 32 m langer und 2,4 m breiter Ausführung als Zweirichtungswagen. Die Erprobung erfolgte ab 2011 auf dem Streckennetz der Straßenbahn Valencia. Außerdem waren für ein nicht umgesetztes Straßenbahnprojekt in León vier gleich aufgebaute Fahrzeuge bestellt worden. Einsätze dieser Fahrzeuge mit Fahrgästen sind nicht bekannt, ebenso der heutige Verbleib.
Straßenbahn Rostock mini|links|Tramlink 6N2 der Straßenbahn Rostock Zwischen 2011 und 2014 erhielt die Straßenbahn Rostock von Vossloh Kiepe dreizehn Fahrzeuge in Einrichtungsbauart, welche seit Dezember 2014 schrittweise die Tatra-Trieb- und die Niederflur-Beiwagen ersetzten. Die Rostocker Tramlink weisen zwei Besonderheiten auf. Die 32 m langen und 2,65 m breiten Fahrzeuge sind im Bereich der Einstiegshöhe auf 2,3 m eingezogen. Dadurch kann die bestehende Infrastruktur wie z. B. Bahnsteinkanten ohne Umbauten weitergenutzt werden. Im Fahrzeugdach sind Hochleistungskondensatoren, sogenannte Superkondensatoren (Supercap), mit einer Kapazität von 0,9 kWh integriert. Sie speichern die beim Bremsvorgang gewonnene elektrische Energie, die anschließend wieder zum Beschleunigen sowie für Heizung und Klimatisierung verwendet werden kann. Dadurch erhofft man sich einen erheblich niedrigeren Gesamtenergiebedarf.Rostock, Straßenbahn Tramlink. Datenblatt von Kiepe Electric, abgerufen am 1. November 2018 (PDF; 2,2 MB). Die je zwei Doppeltüren in den laufwerkslosen Mittelteilen sind jeweils 1300 mm breit, die Einzeltüren an den Enden 800 mm.
Stern & Hafferl mini|links|Tramlink V3 im Einsatz auf der Traunseetram in Gmunden Nach Probefahrten mit einem Combino der Straßenbahn Nordhausen und einem längeren mietweisen Regeleinsatz von Cityrunnern der Innsbrucker Verkehrsbetriebe bestellte Stern & Hafferl im Rahmen einer Ausschreibung im Januar 2014 bei Vossloh Kiepe elf Zweirichtungsfahrzeuge des Typs Tramlink V3 für den Einsatz auf der Traunseebahn und der Attergaubahn.Otfried Knoll: Tramlink V3 – Das Fahrzeug für die Stadt – Regio-Tram Gmunden – Vorchdorf. In: Eisenbahn Österreich, Minirex, , Nr. 9/2016, S. 440–452. Website von Stern & Hafferl, abgerufen am 1. November 2018 (PDF; 11,2 MB). Produziert wurden sie im spanischen Werk von Vossloh Kiepe in Valencia. Damit die Triebzüge auf der Traunseebahn und der Straßenbahn Gmunden verkehren können, sind sie nach Eisenbahngesetz und Straßenbahnverordnung zugelassen. Mit der Auslieferung wurde im Dezember 2015 begonnen., Abschnitt „Fahrzeug-Anlieferung!“: „Das Abladen wird am Do, 3. Dez. 2015 um ca. 8 Uhr beginnen.“ Seit März 2016 werden die Wagen planmäßig auf der Traunseebahn eingesetzt. Am 1. September 2018 wurde die Traunseebahn mit der Straßenbahn Gmunden zur Traunseetram verbunden und mit Tramlink-Zügen von Stern & Hafferl betrieben.Otfried Knoll: Traunseetram Gmunden – Vorchdorf eröffnet. In: Schweizer Eisenbahn-Revue Nr. 10/2018. Minirex, S. 520–523.
Namen siehe Abschnitt Meterspurige Fahrzeuge im Artikel Fahrzeuge der Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft
Stadtbahn Baixada Santista mini|Tramlink V4 bei der Stadtbahn Baixada Santista Seit 2015 sind in der Metropolregion Baixada Santista in Brasilien Stadtbahnwagen des Typs Tramlink in Betrieb. Die Ende 2012 bestellten 43,7 m langen und 2,65 m breiten siebenteiligen Zweirichtungsfahrzeuge für die Stadtbahn Baixada Santista sind für den Betrieb auf einem fahrleitungslosen Streckenabschnitt im Stadtzentrum von Santos zusätzlich mit Akkumulatoren ausgerüstet.Niederflur-Stadtbahn Tramlink EMTU Santos, Brasilien. Datenblatt auf der Website von Stadler Rail, abgerufen am 1. November 2018 (PDF; 2,4 MB).
Lugano–Ponte Tresa mini|Tramlink der FLP Die Ferrovie Luganesi entschieden sich im Sommer 2018 für den Kauf von neun Zügen des Typs Tramlink für annähernd 50 Millionen Franken. Der Vertrag enthält eine Option für drei weitere Fahrzeuge. Die siebenteiligen Züge werden im Werk Valencia gefertigt und ersetzen auf der Lugano-Ponte-Tresa-Bahn (FLP) die sieben Be 4/8 und Be 4/12 von 1978/79. Das erste Fahrzeug wurde am 11. März 2021 abgeliefert, das letzte ein Jahr später.
Erfurt mini|Tramlink in Erfurt
Die Erfurter Verkehrsbetriebe bestellten im Oktober 2018 14 Tramlink-Triebwagen für die Straßenbahn Erfurt. Der für den Herbst 2020 geplante Liefertermin musste wegen der Corona-Krise verschoben werden, das erste Fahrzeug wurde im März 2021 geliefert. Die Einrichtungsfahrzeuge sind 42 Meter lang und können 248 Personen transportieren. Sie werden seit Juli 2021 im Planbetrieb eingesetzt; die Anschaffungskosten liegen bei 56 Millionen Euro.MDR: Schweizer Hersteller Stadler baut neue Straßenbahnen für Erfurt, Meldung vom 1. Oktober 2018. Im April 2022 wurde das letzte Fahrzeug geliefert. Die Fertigung erfolgt neben Stadler Valencia auch bei Stadler Pankow (Berlin).Thomas Griesser Kym: Stadler liefert Strassenbahnen nach Erfurt. In: St. Galler Tagblatt (Online) vom 9. Oktober 2018. Von Juli bis August 2022 wurde ein Wagen nach Mainz ausgeliehen, um dort die Einsatzmöglichkeiten von Fahrzeugen dieser Länge zu erproben. Eine Tramlink-Bestellung aus Mainz folgte daraus nicht. Im Mai 2023 wurde die Einlösung der in der Erstbestellung vereinbarten Option von zehn weiteren Fahrzeugen bekanntgegeben. Diese sollten ursprünglich ab Ende 2025 ausgeliefert werden, werden inzwischen (April 2026) jedoch erst 2026 und 2027 erwartet.
Waldenburgerbahn und Limmattalbahn mini|Tramlink auf der Limmattalbahn mini|Tramlink auf der Waldenburgerbahn Im Herbst 2018 wurde die gemeinsame Bestellung von 18 Siebenteilern des Typs Tramlink von Baselland Transport (BLT) und Aargau Verkehr (AVA) für 103 Millionen Franken bekanntgegeben. Die Züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h verkehren seit Ende 2022 auf der Waldenburgerbahn (WB) und der neu erbauten Limmattalbahn. Die WB als (ehemals) einzige Schweizer Bahn mit einer Spurweite von 750 mm wurde zuvor auf Meterspur umgebaut. Die gemeinsame Bestellung der beiden Bahnen erlaubt namhafte Einsparungen bei Fahrzeugbeschaffung und -unterhalt. Auf der WB werden die rund 45 Meter langen Triebzüge während den Hauptverkehrszeiten in Doppeltraktion verkehren.Thomas Griesser Kym: Stadler feiert weitere Verkaufserfolge mit Stadtbahnen in der Schweiz. In: St. Galler Tagblatt (Online) vom 24. Oktober 2018. Obwohl die von der Aargau-Verkehr-Tochterfirma BDWM Transport betriebene Limmattalbahn nicht mit einer Zugbeeinflussung ausgestattet wird, erhalten deren Tramlink-Fahrzeuge das Zugbeeinflussungssystem ZSI-127 für die Überführung zur BDWM-Werkstätte in Bremgarten sowie für den Bahnhofsbereich zwischen Dietikon Zentrum und Dietikon Bahnhof, wo sich die Bremgarten-Dietikon-Bahn und LTB die Strecke teilen.Jürg D. Lüthard: Limmattalbahn bereitet Fahrzeugbeschaffung vor. In: Schweizer Eisenbahn-Revue Nr. 12/2016, S. 634.
Mailand mini|Tramlink in Mailand (2025) mini|267x267px|Fahrgastraum eines Mailänder Tramlink mit Längssitzen über dem mittigen Laufwerk Im Juli 2019 gewann Stadler eine Ausschreibung der Azienda Trasporti Milanesi über bis zu 80 Zweirichtungsfahrzeuge für die Straßenbahn Mailand. Die Erstbestellung umfasste 30 Fahrzeuge. Zwanzig sind für das städtische Netz und zehn für Überlandlinien vorgesehen. Im Gegensatz zu allen anderen Tramlink-Ausführungen handelt es sich nicht um reine Multigelenkwagen, sondern das kurze Mittelteil des dreiteiligen Fahrzeugs läuft auf einem nicht ausdrehbaren Laufwerk und die beiden längeren, aufgesattelten Endteile auf je einem Drehgestell. Dieses wurde vom Fahrzeugtyp Metelitsa von Stadler Minsk übernommen. Der Durchgang über diesen ist 500 Millimeter breit und stufenfrei, steigt jedoch als lange Rampe zum Führerstand hin an. Die Quersitze befinden sich auf seitlichen Podesten (750 mm über der Schienenoberkante), so dass zum Erreichen dieser eine 200 bis 330 Millimeter hohe Stufe zu überwinden ist. Über dem mittigen Laufwerk ist der ebenfalls stufenfreie, aber geneigte Durchgang 750 Millimeter breit. Auf den seitlichen Podesten (Stufenhöhe 220 bis 260 mm) befinden sich dort Längssitze. Auf 25 Metern Länge befinden sich drei Türen pro Seite. Das erste Fahrzeug wurde im Dezember 2022 ausgeliefert.Stadler Rail Medienmitteilung, 12. Juli 2019: Stadler gewinnt Ausschreibung für Rahmenvertrag über 80 TRAMLINK für Mailand. Der Einsatz begann erst im Februar 2025. Im Juni 2023 gewann Stadler eine weitere Ausschreibung für bis zu 50 weitere Fahrzeuge, von denen 25 Fahrzeuge fünfteilig mit einer Länge von 35 Metern und vier Türen pro Seiten sein sollen. Dabei wurden zunächst 14 Fahrzeuge mit 35 Metern Länge bestellt, die ab Juni 2026 ausgeliefert werden sollen. Zusätzlich wurden aus der ersten Rahmenvereinbarung 30 weitere Fahrzeuge bestellt.
Bern mini|Tramlink in Bern (2023)
Im September 2019 bestellte Bernmobil für die Straßenbahn Bern vorerst 27 neue Tramlink-Fahrzeuge, die seit 2023 ausgeliefert werden. Der Vertrag für bis zu 50 Straßenbahnwagen wurde im Dezember 2019 unterschrieben. Es handelt sich um zwanzig Zweirichtungs- und sieben Einrichtungsfahrzeuge. Der erste Straßenbahn-Triebwagen wurde am 1. Februar 2023 angeliefert. Im Februar 2024 wurde die Lieferung auf unbestimmte Zeit unterbrochen, da an den neun bereits gelieferten Fahrzeugen zahlreiche Störungen auftraten. Ab Ende Oktober 2024 kam es infolge einer Flutkatastrophe in Spanien erneut zu Verzögerungen. 2025 schloss Stadler die Auslieferung der Zweirichtungswagen ab und begann mit der Auslieferung der Einrichtungswagen.
In der Presse wurde die mit 56 gegenüber älteren Berner Fahrzeugen geringe Anzahl der Sitzplätze in den Zweirichtungswagen kritisiert. Die Reduktion erklärte ein Vertreter von Bernmobil mit den Vorteilen von Zweirichtungsfahrzeugen und als Reaktion auf steigende Fahrgastzahlen.
Augsburg Im Oktober 2019 gaben Stadler Rail und die Stadtwerke Augsburg die Bestellung von 11 Straßenbahnwagen bekannt, die Ende 2020 auf 15 Fahrzeuge erhöht wurde. Die siebenteiligen Multigelenk-Einrichtungsfahrzeuge sollten gemäß Vertrag ursprünglich ab Dezember 2022 zum Einsatz kommen. Aufgrund von Lieferverzögerungen wurde das erste Fahrzeug jedoch erst im August 2023 geliefert. Wegen technischer Probleme unter anderem bei der Bremssteuerung stoppten die Stadtwerke nach Auslieferung des vierten Wagens vorerst die Abnahme weiterer Tramlinks. Ende März 2026 erhielten sie schließlich die Zulassung und am 13. April 2026 erfolgte der erste Einsatz im Fahrgastbetrieb. Die vollständig niederflurig begehbaren und barrierefreien Fahrzeuge sind 42 Meter lang und bieten 231 Fahrgästen Platz, 86 davon auf Sitzplätzen. Sie werden in Augsburg TL8 genannt.
Jena mini|Tramlink in Jena (2024)