Geltendorf ist eine Gemeinde im Osten des bayerischen Regierungsbezirks Oberbayern im Landkreis Landsberg am Lech. Der Name geht auf den bajuwarischen Ortsgründer Geltolf zurück, dieser gründete als ein damaliger Sippenältester sein „Dorf des Geltolf“, das heutige Geltendorf. Geltendorf ist seiner Besiedlungsform nach ein typisches Haufendorf.

Geografie Die Gemeinde liegt im Endmoränengürtel nördlich des Ammersees in einer leicht hügeligen Landschaft, die während der letzten Eiszeit ausgeprägt wurde. Zwischen dem Ort und Schloss Kaltenberg entspringt die Paar. Geltendorf liegt in der Planungsregion München.

Nachbargemeinden Die folgenden Gemeinden grenzen, genannt im Uhrzeigersinn von Norden beginnend, an Geltendorf: Egling an der Paar, Moorenweis, Türkenfeld, Eresing und Weil. Die Gemeinden Egling a. d. Paar, Weil und Eresing gehören dabei zum Landkreis Landsberg am Lech, Moorenweis und Türkenfeld zum Landkreis Fürstenfeldbruck.

Gemeindegliederung Es gibt vier Gemarkungen, die den ehemaligen Gemeinden entsprechen, und neun Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Geltendorf (Pfarrdorf), Fläche 12 km² Hausen (Kirchdorf), Fläche 6 km² Kaltenberg (Dorf) mit Jedelstetten (Weiler), Fläche 4 km² Walleshausen (Pfarrdorf) mit Wabern (Kirchdorf), Petzenhofen (Dorf) und Unfriedshausen (Weiler), Fläche 13 km²

Geschichte mini|Schloss Kaltenberg Bis zum 18. Jahrhundert Die Besiedlung geht auf 3500 bis 2000 v. Chr. zurück. Davon zeugen Funde von Hockergräbern, die der ausgehenden Jungsteinzeit (Endneolithikum) zuzuordnen sind. Der dann folgenden Bronzezeit kann man die neun noch heute gut erhaltenen Hügelgräber zuordnen, die sich zwischen Geltendorf und Türkenfeld befinden. mini|links|Geltendorf aus Richtung Hausen gesehen 15 v. Chr. wurde Vindelikien und damit die Gegend um Geltendorf von den Römern besetzt. Das nah gelegene Augsburg wurde römische Provinz- und Handelsstadt. Bedingt durch die Nähe zu Augsburg führte eine der wichtigen Handelsstraßen durch Geltendorf über Hausen, Dünzelbach, Heinrichshofen nach Augsburg. Mit den Römern kamen nicht nur Kaufleute, Handwerker und damit Wohlstand in diese Gegend, die sich nun Rätien nannte, sondern auch der christliche Glaube. Durch die Römer entstanden auch die ersten festen Behausungen und Straßen in der Gegend um Geltendorf. Anfang des 6. Jahrhunderts besiedelten die Bajuwaren das heutige Südbayern und Österreich. Ein bajuwarischer Sippenführer mit Namen Geltolf siedelte im heutigen Geltendorf und ist damit der Namensgeber des Ortes.

Die urkundliche Ersterwähnung von Geltendorf geht auf das Jahr 969 zurück. In einem Stiftungsbrief des Bischofs Ulrich von Augsburg an das Nonnenkloster St. Stefan in Augsburg wird eine Eigenkirche und ein Eigenpriester in Geltendorf erwähnt.

Geltendorf wechselte im Laufe der Zeit mehrmals den Besitzer. In dem Stiftungsbrief aus dem Jahr 969 wird Bischof Ulrich von Augsburg als Eigentümer genannt, später waren es unter anderem die Klöster Wessobrunn und St. Stephan in Augsburg, Benediktbeuern und die Edlen von Pflaumdorf. Bis Ende des 19. Jahrhunderts gehörte Geltendorf zum Landgericht Landsberg. Mit Gründung eines Landgerichts in Bruck wurde Geltendorf diesem unterstellt.

Im Jahr 1632 wurden Geltendorf und weite Teile der Umgebung während des Dreißigjährigen Krieges durch die Schweden schwer getroffen und ausgeplündert. 1646 und 1647 fielen 26 Einwohner der grassierenden Pest zum Opfer. 1749 hatte Geltendorf 313 Einwohner. 1792 zählte man 77 Häuser im Ort.

19. und 20. Jahrhundert Im Jahre 1873 wurde die Bahnstrecke von München ins Allgäu eröffnet, ohne dass an der etwas entfernt im Süden von Geltendorf verlaufenden Trasse ein eigener Haltepunkt eingerichtet wurde. Geltendorf war zunächst nur über die Bahnhöfe in Türkenfeld und Schwabhausen erreichbar. Unter anderem durch die Initiative des neu gegründeten Klosters St. Ottilien konnte 1895 auch eine Abzweigung zum Ammersee verwirklicht werden, die 1898 in Betrieb ging. Nun erhielt auch Geltendorf einen eigenen Bahnhof. mini|Waldkapelle Geltendorf Im Jahr 1869 wurde Anselm Müller, der neuen Gemeindeordnung folgend, zum ersten Bürgermeister ernannt. 1875, mit der Einführung von Standesämtern, übernahm er auch das Amt des Standesbeamten. Im Ersten Weltkrieg ließen 22 Geltendorfer im Felde ihr Leben.

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war Geltendorf bis auf den Bahnhofsbetrieb und einige wenige Handwerk- und Gewerbebetriebe fast gänzlich ländlich geprägt, das verdeutlichen insbesondere die damaligen ca. 85 ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe. Geltendorf hatte um 1920 ca. 775 Einwohner. Bedingt durch die günstige Verkehrsanbindung kam es im Laufe der folgenden Jahre zu einer regen Bautätigkeit, die erst 1939 mit Beginn des Zweiten Weltkrieges – Geltendorf hatte nun bereits 850 Einwohner – wieder abebbte.

Um den durch den Krieg entstandenen Verlust an Arbeitskräften zu kompensieren, wurden Kriegsgefangene z. B. auf dem Reichsbahngelände (russische Kriegsgefangene) oder Zwangsarbeiter aus Polen und Frankreich in der Landwirtschaft eingesetzt.

In den letzten Monaten des Krieges trafen in Geltendorf die ersten Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten, vornehmlich aus Schlesien und Ostpreußen, ein. 160 Personen fanden hier teilweise eine neue Heimat. Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte Geltendorf ohne nennenswerte Schäden. Zum Dank dafür stiftete die Gemeinde eine Kapelle, die heutige Waldkapelle.Waldkapelle 1946 kamen abermals Vertriebene aus dem Sudetenland.

Seit der Landkreis- und Gemeindegebietsreform, die am 1. Juli 1972 in Kraft trat, gehört Geltendorf wieder zum Landkreis Landsberg am Lech.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Hausen bei Geltendorf, Kaltenberg und Walleshausen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2019 wuchs die Gemeinde von 4017 auf 5593 um 1576 Einwohner an bzw. um 39,2 %. Datum Einwohner 1. Dezember 1840 1286 1. Dezember 1871 1460 1. Dezember 1900 1491 16. Juni 1925 1751 17. Mai 1939 1977 13. September 1950 2985 31. Dezember 1956 2795 31. Dezember 1960 2886 31. Dezember 1965 3117 31. Dezember 1970 3293 Datum Einwohner 31. Dezember 1975 3438 31. Dezember 1980 3543 31. Dezember 1985 3734 31. Dezember 1990 4313 31. Dezember 1995 4849 31. Dezember 2000 5306 31. Dezember 2001 5409 31. Dezember 2002 5484 31. Dezember 2003 5486 31. Dezember 2004 5571 Datum Einwohner 31. Dezember 2005 5575 31. Dezember 2006 5572 31. Dezember 2007 5604 31. Dezember 2008 5618 31. Dezember 2009 5586 31. Dezember 2010 5572 31. Dezember 2011 5450 31. Dezember 2012 5443 31. Dezember 2013 5435 31. Dezember 2014 5444 Datum Einwohner 31. Dezember 2015 5556 31. Dezember 2016 5633 31. Dezember 2018 5577 31. Dezember 2019 5593 Daten von 1840 bis 1950 Volkszählung, folgende Daten – Fortschreibung Quelle: „Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung“

Politik Gemeinderat

Partei/WählergruppeSitze 2026 Sitze 2020 Sitze 2014 CSU3 5 6Freie Wähler Geltendorf vereint (FW)4 Unabhängige Bürger (UB)2 5 4 ÖDP5 4 3 SPD1 1 3 Bürgerforum2 2 2 Bündnis 90/Die Grünen3 3 2 Gesamt20 20 20

Bürgermeister Robert Sedlmayr (ÖDP) ist seit 1. Mai 2020 Erster Bürgermeister; dieser wurde mit 57,52 % gewählt. Bei der Kommunalwahl im Jahr 2026 wurde er mit 55,8 % der Stimmen für eine weitere Amtszeit bestätigt. Sein Vorgänger war Wilhelm Lehmann (Unabhängige Bürger), zuletzt mit 52,41 % der Stimmen am 16. März 2014 wieder gewählt. Lehmann wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Peter Bergmoser (SPD), damals für die CSU.

Wappen

Im Wappen ist das durch umfangreiche Patronatsrechte und Landbesitz in Geltendorf bekannte Landsassengeschlecht derer von Pflaumendorf durch dessen heraldisches Symbol, blauer Schräglinksbalken, vertreten. Bestandteile des Friedberger Stadtwappens, rotes Tatzenkreuz auf goldenem Sechsberg, weisen auf das Recht des Friedberger Stadtrates hin, die Rechte der Inkorporationherren wahrzunehmen. Die Geltendorfer Pfarrkirche war um 1408 in die Friedberger Pfarrkirche inkorporiert worden.Erklärungen Wappen

Flagge 40px Die Flagge von Geltendorf ist dreistreifig Rot-Gelb-Blau mit dem den Mittelstreifen überdeckenden Ortswappen. Der rote Streifen befindet sich dabei an der linken Seite.

Gemeindepartnerschaften Schaidt, Deutschland Saint-Victor-sur-Loire, Frankreich

Kultur und Sehenswürdigkeiten Regelmäßige Veranstaltungen PULS Open Air (Juni). Seit 2016 jährliches dreitägiges Rockmusikfestival auf dem weiträumigen Gelände des Schloss Kaltenberg. Kaltenberger Ritterturnier (Juli). Das Kaltenberger Ritterturnier ist ein jährlich stattfindendes Mittelalterliches Spektakel im Gemeindeteil Kaltenberg.

Kirche St. Stephan mini|links|hochkant|Kirche St. Stephan St. Stephan ist eine im alten Dorfzentrum von Geltendorf befindliche und unter Denkmalschutz stehende Barockkirche, dessen Vorgängerbauten bis in das 10. Jahrhundert zurück reichen. Sie ist von einer Steinmauer umgeben, in deren Grenzen sich der alte Geltendorfer Friedhof befindet.

Im Jahr 1493 wurde die ursprünglich vorhandene hölzerne Kirche durch einen gotischen Neubau ersetzt. Diese Daten stützen sich auf einen bei Umbauarbeiten in der Mitte des 19. Jahrhunderts gefundenen Ziegel mit der eingebrannten Jahreszahl 1493. In den folgenden Jahrhunderten kam es durch Kriege, Verwüstungen und Naturkatastrophen immer wieder zu Schäden an der baulichen Substanz, wie auch an der Inneneinrichtung der Kirche. So berichtet man über das Jahr 1633, „Der Kirchturm baufällig, in der Kirche die Fenster zerschlagen, Türen und Kästen zerhackt, Taufkessel, Rauchfass, Monstranz alles weg.“ Im Jahr 1679 werden erst neue Altäre und im Jahr 1687 eine neue Kanzel angeschafft. Im Jahr 1694 erfolgte eine Erweiterung des Kirchenschiffes in Richtung Westen, wobei es auch im Inneren der Kirche zu weiteren Umbauten kam. Im Jahre 1754 wurde die Kirche abermals umgestaltet, dem Zeitgeschmack folgend, im Rokokostil. Im Inneren wurden dabei die Deckengewölbe mit Fresken versehen, welche den Namensgeber der Kirche St. Stephan thematisieren. Auffälligstes äußerliches Merkmal dieses Umbaus dürfte dabei die Turmspitze in Form einer Zwiebelkuppel gewesen sein. Zusätzlich fügte man an der Südseite der Kirche eine Sakristei an. In den folgenden Jahrzehnten kam es immer wieder zu Sanierungs- und Umbauarbeiten, um die Substanz der Kirche selbst wie auch ihre Inneneinrichtung zu bewahren. Im Jahr 1795 erfolgte der Einbau einer Orgel, im Jahr 1806 wurde eine dritte Glocke angeschafft. Im Jahr 1872 wurde das ursprünglich mit Schindeln gedeckte Dach des Kirchturmes mit Blech eingedeckt. Im Jahr 1876 wurde dann die vierte, letzte und größte Kirchenglocke aus der Glockengießerei Hermann aus Memmingen aufgehängt. Im Jahre 1878 wurde die heutige Kirchturmuhr in Betrieb genommen.

Eine umfassende Sanierung fand 1905 und 1906 statt. Dabei wurde durch die Firma H. Koulen & Sohn aus Augsburg die noch heute vorhandene Orgel mit 13 Registern und pneumatischer Traktur eingebaut.

Beide Weltkriege überstand St. Stephan nahezu unbeschadet. Jedoch wurden am 31. Juli 1917 die beiden größten Glocken aus Bronze zur Verwendung in der Rüstungsindustrie eingezogen und eingeschmolzen. Es waren die Glocken aus den Jahren 1806 und 1876. 1922 wurde die letzte noch vorhandene Bronzeglocke abgenommen und nach Beuern bei Greifenberg verkauft. Die kurze Zeit später aufgehängten vier neuen Gussstahlglocken, die für 52.000 Mark in Bochum gekauft worden waren, gehören heute zu den wenigen noch vorhandenen und betriebenen Glocken ihrer Art. Sie sind auf die Töne d1 f1 as1 b1 gestimmt, was eine ungewöhnliche und disharmonische Schlagtonfolge darstellt. Gussstahlglocken sind für die Rüstungsindustrie nicht von gleichem Wert wie die vorher eingebauten Bronzeglocken. Ob das bei der Entscheidung für dieses Material in der damaligen Zeit eine Rolle spielte, ist unklar. Während des Zweiten Weltkrieges waren sie die einzigen Glocken, die in der weiteren Umgebung zu hören waren.