LGBT im Metal bildet einen gesonderten Untersuchungsgegenstand in anthropologischen und sozialwissenschaftlichen Betrachtungen der Metal-Szene. Dabei bietet die Auseinandersetzung mit der abgegrenzten Szene Erkenntnisse zu der Jugendkultur und den mit ihr verbundenen Stereotypen sowie zum Verhältnis der Metal-Szene zur LGBT-Community.

Die Metal-Szene gilt gemeinhin als maskulines Sozialgefüge. Der Szene werden häufig transphobe, homophobe sowie allgemein chauvinistische und heteronormative Werte nachgesagt. Studien zum Verhältnis der Metal-Szene zu LGBT-Akteuren und -Fans widersprechen dieser These. Jenseits einiger ideologisch geprägter Randbereiche des Metals, insbesondere in radikalen Teilbereichen des White und des Black Metals, welche mit aggressiver Ablehnung reagieren, zeigt sich das Gros der Metal-Szene im Verhältnis zu ihren LGBT-Akteuren und gegenüber einer queeren Lebensführung eher tolerant bis desinteressiert. Andererseits fielen einige Akteure des Metals durch homophobe Äußerungen und Handlungen auf, die ihrerseits häufig von Fans und anderen Akteuren der Szene kritisiert wurden. Als markanter und nachhaltig problematischer werden hingegen die stereotypen Männerbilder sowie die latente Heteronormativität im Metal gewertet, mit welcher eine Diskriminierung in der Sprache, sowohl im Alltagsgebrauch als auch in Liedtexten, einhergeht.

Verhältnis der Szenen zueinander Studien zum Verhältnis der Metal-Szene zu LGBT-Akteuren und -Fans weisen auf die Schnittmengen beider soziokulturellen Milieus hin. Die Anthropologin Amber R. Clifford-Napoleone wies hinzukommend auf eine gut vernetzte queere Fan-Gemeinde in der Metal-Szene hin.

Neben kulturellen und insbesondere modischen Aspekten, die aus Teilen der LGBT-Kultur in die Metal-Szene einflossen, zeigt sich diese vornehmlich apathisch akzeptierend gegenüber einer queeren Lebensführung von Fans und Akteuren ihrer Szene. Der Psychologe Michael Friedman mutmaßt, dass dieses Verhältnis im Selbstverständnis als Außenseiter begründet liege. Clifford-Napoleone weist hingegen auf eine latente Homophobie in der Szene hin, welche ihrer Einschätzung nach jedoch für männlich geprägte jugendkulturelle Gruppen typisch sei. Des Weiteren schreibt Clifford-Napoleone beiden Milieus stereotype Vorurteile gegenüber einander zu, die sich mit jenen der Gesamtgesellschaft decken und meist im bewussten Kontakt zueinander auflösen würden. Andererseits bietet die Metal-Szene ihren queeren jugendlichen Anhängern einen Entfaltungsspielraum, um die eigene geschlechtliche Identität jenseits heteronormativer Vorstellungen zu erfahren und auszuleben.

Gegenseitiger soziokultureller Nutzen Aufbrechen stereotyper Rollenmuster mini|Dee Snider, hier 2007 mit Twisted Sister, tritt seit den 1980er Jahren mit androgynen Bühnenoutfits auf. Clifford-Napoleone bezeichnet die Metal-Szene, hervorgehoben ihre Vergemeinschaftungsorte, wie Festivals, Konzerte und Diskotheken, als offenen heterotopischen und „transitorischen Raum“, in welchem es möglich ist, stereotype Rollenmuster aufzubrechen. Das visuelle und intertextuelle Spiel mit Androgynie, Erwartungen, Schockwirkungen und Identitäten gilt als Bestandteil der Metal-Kultur und bietet so queeren Menschen, besonders Jugendlichen, Entfaltungsmöglichkeiten, welche ihnen andernorts nicht gegeben scheinen. Nach Jakob Ehmke können „[a]ndrogyne Inszenierungen im Metal […] ein wichtiger Faktor […], speziell in der Gender-Entwicklung von männlichen Jugendlichen“ sein. Metal-Bands und Fans können so im bewussten Umgang mit stereotypisierten Rollenmustern diese kritisch hinterfragen, gelegentlich sogar lösen. Die spielerische Inszenierung bietet „Ansatzpunkte für das kritische Hinterfragen und Aufbrechen dieser Rollen“. Androgyne Selbstinszenierungen von Alternative-Metal-Gruppen wie Marilyn Manson, Rammstein oder Dir En Grey sowie Glam-Metal-Bands wie Steel Panther oder Twisted Sister bieten so die Möglichkeit, mit marginalisierten und hegemonialisierten Vorstellungen von Männlichkeit subversiv zu spielen. Für das 1998 veröffentlichte Album Mechanical Animals konzipierten Marilyn Manson die androgyn-intersexuelle Figur Alpha, die von Brian Hugh Warner, dem Sänger der Band, dargestellt wird. Die Figur tritt in den Musikvideos zum Album auf und ist essentieller Bestandteil des Albumkonzeptes. Insbesondere dieses Spiel mit Androgynie hat im Metal eine langjährige Tradition, die unter anderem im Cross-Dressing diverser Musiker Ausdruck fand. Zu den bekanntesten Metal-Gruppen neben Marilyn Manson, die sich des Cross-Dressings bedienten, gehören Twisted Sister, Tool, Malice Mizer und Moi dix Mois. Nach Clifford-Napoleone bietet dieser Aspekt der Metal-Szene besonders den queeren Fans einen konfliktarmen Rückzugsraum, in welchem das Ausbilden und Ausleben der eigenen sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität sich von der gesellschaftlichen Erwartungshaltung lösen kann. Die Metal-Szene bietet diesen Rückzugsraum, in dem Spiel mit der Identität, in Form von Masken, Kostümen, Verkleidungen und Fantasiefiguren auch für heterosexuelle Akteure und Fans zu den elementaren Bestandteilen der Szene gehört. In diesem Kontext ist auch die häufig getragene Fanmode aus Kutten, langen Haaren, Lederjacken, Jeans und Bandshirts, welche häufig nur in großen Größen verfügbar sind, Teil einer nicht primär geschlechtlich kodierten Mode und wird mitunter von Fans jedwedem Geschlechts getragen. Hierbei birgt die Szenemode die Möglichkeit, die geschlechtliche Identität im Rahmen des heterotopischen und transitorischen Raums der Szene aufzulösen. Die Soziologin Rosemary Lucy Hill verweist dabei darauf, dass es als Fan keine Unterschiede zwischen Geschlecht, geschlechtlicher Identität oder sexueller Orientierung gebe. Der Musikwissenschaftler Florian Heesch und der Sozialwissenschaftler Scott Niall weisen hinzukommend auf einen noch zu erforschenden Aspekt ironisierender Selbstinszenierungen zwischen Androgynie und Hypermaskulinität hin.

LGBT-Einfluss auf die Metal-Szene mini|hochkant|Rob Halford, hier 1984 mit Judas Priest, prägte in den 1980er Jahren die Metal-Mode. Rob Halford von Judas Priest übertrug modische Einflüsse der Lederszene auf die Metal-Szene. Obwohl Lederkleidung bereits zuvor als modischer Aspekt der Metal-Kultur galt, veränderte sich mit Halfords Auftreten in engem schwarzen, zum Teil mit Nieten besetztem Leder das Auftreten der Szene nachhaltig. Halford beteuerte, dass die Kleidung zwar durch die Lederszene inspiriert sei, er aber dieser nicht angehöre. Clifford-Napoleone sieht die stereotyp maskuline Selbstdarstellung im Heavy Metal in Form von „muskulösen in Leder gekleideten Männern“ in der direkten Tradition der homosexuellen Fetischszene und nennt den Umstand, dass in der Szene selbst die homoerotische Note dieses Bildes heterosexuell umgedeutet wird, amüsant.

Die Metal-Szene aus Sicht der LGBT-Kultur Dem Metal haftet das Stereotyp an, „gewalttätig, homophob und von Grund auf maskulin“ zu sein. Die Soziologin und Musikwissenschaftlerin Susanne Sackl-Sharif benennt ähnlich Klischees, welche dem Metal gesellschaftlich anhaften. So gelte Metal als männlich und frauenfeindlich. Clifford-Napoleone sowie Sackl-Sharif bezeichnen diese Stereotype als gesellschaftlich geprägte Mythen, die mit weiteren Vorurteilen gegenüber der Metal-Szene verbunden sind. Dabei weist Sackl-Sharif darauf hin, dass diese Klischees von Fans gelegentlich unreflektiert übernommen werden.

Entsprechend sind kaum Unterschiede zwischen den Vorurteilen der LGBT- und der gesamtgesellschaftlichen Kultur gegenüber der Metal-Szene auszumachen. Um diesen Mythos aus Sicht der LGBT-Kultur zu untersuchen, gestaltete Clifford-Napoleone eine Befragung queerer Metal-Fans. Im Ergebnis konnten kaum Übergriffe festgestellt werden. Die meisten benannten Übergriffe wurden als wenige unerwünschte körperliche Annäherungen während Konzertveranstaltungen bezeichnet. Eine bisexuelle Frau wurde vergewaltigt. Als weitere Stereotype der Szene gelten Sexismus und Rassismus. Greg Puciato, Sänger von The Dillinger Escape Plan, ordnet die latenten sowie offen diskriminierenden Einstellungen und Äußerungen der Metal-Szene dem mit der amerikanischen Szene verbundenen soziokulturellen Kontext zu. Metal werde, ähnlich wie Hip-Hop und Country, besonders vom Prekariat rezipiert. Die mit dieser sozialen Schicht häufig einhergehende Bildungsferne und die geringe Chance, mit anderen Kulturen in Kontakt zu treten, begründen seines Erachtens eine erhöhte Intoleranz, insbesondere vor dem Hintergrund der christlich geprägten Politik des Landes. Als problematisch werden somit Fans und Interpreten deklariert, welche die Brüche in den hyperstilisierten hegemonialen Vorstellungen von Männlichkeit in der Metal-Szene nicht wahrnehmen und die Stereotype als Rollenmuster annehmen. Unter den queeren amerikanischen Metal-Fans ist für diesen Typ Metal-Fan der Ausdruck Macho Man geläufig. Andererseits bezeichnet Clifford-Napoleone das Bild vom ungebildeten, alkoholisierten, undisziplinierten Metal-Fan aus der Arbeiterklasse als ein weit verbreitetes und fehlerhaftes Stereotyp gegenüber der Metal-Szene, das auch von der LGBT-Kultur getragen werde, jedoch nicht generalisiert werden könne.

Schwule Akteure der Metal-Szene verkehren die Stereotype der Szene erneut und bezeichnen Metal als besonders homoerotische und schwule Musik. Hanson Jobb, Sänger von Pink Stëël, nannte „die Schönheit, das Leder und die phallische Anbetung einer Fender Stratocaster“ als bezeichnend für die homoerotische Note des Metals. Ebenso bezeichnete der Torche-Sänger Steve Brooks den Metal als

Die beiden bei queeren Metal-Anhängern beliebtesten Subgenres sind Black und Death Metal. Dabei sind weder im angeborenen noch im sozialen Geschlecht oder der sexuellen Orientierung Unterschiede auszumachen, ebenso beeinflussen Alter, Herkunft oder Wohnort diese Präferenz nicht. Dennoch identifizieren die queeren Anhänger dieser Stilrichtungen eben jenen von ihnen bevorzugten Stil als den homo-, bi- und transphobsten Stil im Metal. Nach Clifford-Napoleone bedingen sich diese Einordnung und Präferenz gegenseitig. Als wesentlichen Anreiz, einen Stil zu bevorzugen, von welchem sich die Rezipienten abgelehnt wähnen, nennt sie den im Metal üblichen Drang zum Extremen. Ein anderes Erklärungsmodell beruft sich auf den Status des Außenseiters und der mit der Selbstidentifizierung als Außenseiter unter Außenseitern einhergehenden Selbstwahrnehmung als besonders individuell.

Homo-, Bi- und Transphobie im Metal Einige Akteure der Metal-Szene traten spätestens seit den späten 1980er Jahren mit chauvinistischen, insbesondere homophoben Äußerungen und Handlungen in Erscheinung, viele Fans und Akteure aus der Szene kritisierten ein solches Verhalten jedoch. In einigen der als homophob gewerteten Handlungen spiegelt sich die temporär und regional gebundene gesellschaftlich geprägte Haltung gegenüber homo- und bisexuellen sowie transgeschlechtlichen Menschen, welche sich in den westlichen Nationen über die Jahre zunehmend liberalisierte.

Andererseits wird zeit- und raumunabhängig in einem Teil populärer Subgenres des Metals ein stereotypes Männerbild und eine radikal heteronormative Weltsicht propagiert, aus welcher sich viele alltägliche Diskriminierungen ergeben. Insbesondere in der gepflegten Sprache zwischen Liedtexten und Alltagssprache agieren Teile der Szene gelegentlich diskriminierend und chauvinistisch.

Heteronormative Inhalte mini|Die True-Metal-Band Manowar (hier Sänger Eric Adams bei einem Auftritt in Paris) wird als Beispiel für eine stereotyp inszenierte Männlichkeit genannt.