The Rainbow Children ( für Die Regenbogenkinder) ist das 24. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 16. Oktober 2001 als Download über seine damalige Website. Da Prince von 2001 bis 2004 bei keiner Schallplattenfirma unter Vertrag stand, vertrieb er seine Musik in diesem Zeitraum eigenständig. Am 20. November 2001 wurde das Album in einigen Ländern über sein eigenes Label NPG Records sowie das US-amerikanische Independent-Label Redline Entertainment auch auf CD veröffentlicht.
The Rainbow Children ist ein Konzeptalbum, da Prince eine übergreifende Rahmenhandlung entwickelte; nahezu alle Liedtexte beziehen sich auf die Zeugen Jehovas, denen er von 2001 bis zu seinem Tod im Jahr 2016 angehörte. Die Musik ist den Genres Contemporary R&B, Funk, Jazz, Pop, Rock und Soul zuzuordnen. Als Gastmusiker wirkten das Blechbläserquintett Hornheads, Larry Graham, die Girlgroup Milenia sowie der Jazzmusiker Najee mit.
Musikkritiker bewerteten das Album überwiegend zurückhaltend; während die Musik meist positiv aufgenommen wurde, stießen die Liedtexte häufig auf Kritik. Aus kommerzieller Sicht erreichte The Rainbow Children international weder Gold- noch Platinstatus. Die begleitende Tournee mit dem Titel One Nite Alone … Tour wurde von Kritikern sehr gelobt und war zudem kommerziell erfolgreich.
Entstehung mini|Najee, 2007 The Rainbow Children ist Prince’ erstes Album mit neuen Kompositionen, das er seit Love Symbol (1992) unter seinem eigentlichen Künstlernamen „Prince“ veröffentlichte. Aufgrund von Differenzen mit dem Major-Label Warner Bros. Records hatte er 1993 seinen Künstlernamen durch ein unaussprechbares Symbol ersetzt und wollte dort keine neuen Songs mehr veröffentlichen, stand jedoch noch bis zum 31. Dezember 1999 bei dem Unternehmen unter Vertrag. Die zwischen 1993 und 1999 unter dem Namen „Prince“ bei Warner erschienenen Alben enthalten überwiegend Songs, die er teilweise bereits in den 1980er-Jahren aufgenommen hatte. Im Mai 2000 nahm Prince seinen ursprünglichen Künstlernamen offiziell wieder an.Ro (2011), S. 305.
Prince nahm The Rainbow Children in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen (Minnesota) auf. Die Arbeiten begannen Ende 2000; er spielte nahezu alle Instrumente selbst ein, während das Blechbläserquintett Hornheads seine Parts am 8. Februar 2001 im Paisley Park Studio aufnahm. Anfang April 2001 stellte Prince das Album fertig.Ro (2011), S. 308.
Der Jazzmusiker Najee berichtete nach Prince’ Tod im Jahr 2016: „Er sang die Parts, die ich spielen sollte. Ich kümmerte mich um die Notation und spielte auf der Flöte das nach, was er sang.“ Beim Anhören der fertigen Aufnahme habe er jedoch kaum Passagen wiedererkannt; Prince sei wie ein Maler gewesen, der allein wisse, wie das fertige Bild auszusehen habe.Azhar (2016), S. 111.
Kommerzielle Überlegungen spielten bei der Entstehung von The Rainbow Children für Prince keine Rolle; das Album war nicht als Comeback-Versuch konzipiert. Stattdessen wollte er sich auf seine musikalischen Fähigkeiten konzentrieren und ein Werk veröffentlichen, das ihm persönlich entsprach und Spiritualität mit Funk- und Jazz-Einflüssen verband. Najee bestätigte diese Haltung und erklärte, solche Alben seien nicht fürs Radio gedacht; Prince habe dies jedoch bewusst in Kauf genommen und seine Musik als persönliches Statement verstanden.Hahn (2016), S. 328.Uptown (2004), S. 417.
Im Juni 2001 stellte Prince The Rainbow Children erstmals bei Livekonzerten in Minneapolis (Minnesota) vor. Anlässlich der Veröffentlichung des Albums im November 2001 beim Label Redline Entertainment erklärte er, nun selbst als Plattenfirma zu fungieren und erhalte sieben Dollar von einer 10-US-Dollar-CD und nicht, wie bei herkömmlichen Plattenverträgen üblich, nur Pennys. Zudem bekannte er sich öffentlich zur Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas und kündigte in einem Interview mit der Tageszeitung The Boston Globe an, künftig alle Kraftausdrücke aus seinen Liedtexten zu entfernen, woran er sich bis zu seinem Tod im April 2016 hielt.Ro (2011), S. 313.
Gestaltung des Covers Die Vorderseite des Digipak zeigt die Malerei Reine Keis Quintet des US-amerikanischen Karikaturisten und Illustratoren Cbabi Bayoc (* 1972 als Clifford Miskell Jr. in Fort Dix, New Jersey), die bereits Ende der 1990er-Jahre entstand. Das farbenfrohe Bild zeigt vier Frauen, die E-Bass, Gitarre, Saxophon und Schlagzeug spielen. Bayoc benannte das Werk nach seiner Ehefrau Reine; eigenen Angaben zufolge habe er es als bewussten Gegenentwurf zu seinen zuvor überwiegend männlichen Motiven geschaffen und ohne Bezug zu Prince.
Obwohl Bayoc Prince nie persönlich begegnete, kam er während eines Konzerts der New Power Soul Tour am 12. Mai 1998 in Collinsville (Illinois) mit dessen Mitarbeitern in Kontakt. Prince’ Mitarbeiter zeigten dem Musiker verschiedene Bilder von Bayoc. Im Jahr 2000 wurde Bayoc erneut kontaktiert, da Prince Reine Keis Quintet als Cover für The Rainbow Children verwenden wollte. Schließlich erwarb Prince sämtliche Urheberrechte an dem Bild, weshalb Bayoc es nicht mehr verkaufen darf, obwohl er weiterhin zahlreiche Anfragen erhält.
Unten links auf dem Cover ist der Albumtitel „the rainbow children“ in Kleinschreibung und weißer Schrift gesetzt. Auf der Rückseite des Booklets ist im Digipak ebenfalls die Malerei Reine Keis Quintet abgebildet. Ein Foto von Prince wird erst sichtbar, wenn das Digipak aufgeklappt und umgedreht wird; er trägt darauf einen grünen Pullover und eine schwarze Hose.
Das 15-seitige Booklet ist im Digipak integriert und enthält die Liedtexte der einzelnen Songs. Die Tracklist ist auf der ersten Seite abgedruckt. Zudem zeigt das Booklet ein weiteres Porträt von Prince in Form einer Malerei, ebenfalls von Bayoc gestaltet.
Konzeptalbum The Rainbow Children ist ein Konzeptalbum, dessen Liedtexte häufig spirituell geprägt sind und stellenweise deutlichen Bezug auf die Zeugen Jehovas nehmen.Hahn (2016), S. 327.Ro (2011), S. 307. Prince entwarf um die Songs eine Rahmenhandlung: Er erzählt die Geschichte der „Rainbow Children“ und ihres Königs „The Wise One“, die in einem „Digital Garden“ gefangen sind, der von den Bösewichten „The Banished Ones“ angelegt wurde. „The Wise One“ führt eine „unsichtbare Tat“ aus und verbannt „The Banished Ones“ zurück in ihren Geburtsort der imaginären Stadt „Menda City“ – ein Wortspiel auf das englische mendacity („Verlogenheit“). Danach ziehen die „Rainbow Children“ und „The Wise One“ von Tür zu Tür, um Menschen zu finden, die bereit sind, den „Digital Garden“ zu zerstören und das „immerwährende Jetzt“ (everlasting now) herbeizuführen, das als Garten Eden interpretiert werden kann.Draper (2016), S. 156.
Eine Frau namens „Muse“ wird zu „The Wise One“ gesandt, um seine Ehefrau zu werden. Ihre Liebe zu Gott intensiviert sich, wodurch sie in das Transzendenz-Reich des „sinnlichen Jenseits“ (sensual everafter) gelangt. Während „Muse“ in einem „hypnotischen Entspannungsschlaf“ verweilt, pflanzt ihr „The Wise One“ einen Samen der Erkenntnistheorie in ihren Geist. Damit veranschaulicht Prince das Prinzip „1+1+1 Is 3“ – „The Wise One“ plus „Muse“ plus Gott ergibt drei.Draper (2016), S. 155–156.Uptown (2004), S. 417–418.
Die Handlung nimmt nun eine ungewöhnliche Wendung, indem Themen wie Rasse und Sklaverei behandelt werden. Zudem müssen Menschen, die eine Heiratserlaubnis wünschen, Zugang zur „Abteilung für genetische Informationen der Akasha-Chronik“ (Akashic Records Genetic Information Division) erhalten. In der Esoterik gilt die Akasha-Chronik als allumfassendes Weltgedächtnis, das sämtliche Aufzeichnungen darüber enthält, was jemals geschehen ist oder zukünftig geschehen wird – einschließlich Gedanken, Gefühle und Handlungen.Uptown (2004), S. 418.
Anschließend erzählt Prince die Geschichte aus der Ich-Perspektive weiter. Er beschreibt einen Herrscher, der seine „Perlenkrone“ ablegt, als er erkennt, dass „Männer zum Herrschen nicht geeignet“ sind, und nun aus seinem eigenen Herzen und Geist das Reich Gottes sucht. Für das „immerwährende Jetzt“ (everlasting now) sind Kenntnisse über Jesus Christus und Gott der Vater erforderlich. Prince betont, dass diejenigen, die Jesus Christus lieben, auch davon profitieren. Die Geschichte der „Rainbow Children“ endet mit den Sätzen: „Im Namen des Vaters. Im Namen des Sohnes. Wir müssen zusammenkommen. Zusammenkommen als EINS“.
Die teilweise schwer nachvollziehbare Handlung vermittelt Prince durch Pitch-Shifting in einer tiefen, verzerrten Stimmlage, ähnlich wie in dem Song Bob George vom Black Album (1994). Als Erzähler fügte er zu Beginn oder Ende einzelner Songs Passagen ein, die den Ablauf der Musik auf The Rainbow Children unterbrechen.
Musik und Liedtexte Die Musik umfasst die Genres Contemporary R&B, Funk, Jazz, Pop, Rock und Soul und enthält zudem Elemente von Cool Jazz und New Age in einzelnen Songs. Die Liedtexte singt Prince überwiegend vertont; außerdem ist er in seinem typischen Falsett-Gesang zu hören. In den Songs Everywhere, Last December und The Everlasting Now kommen Gospelchöre zum Einsatz. Die Backing Vocals übernahm unter anderem die Girlgroup Milenia, bestehend aus den Schwestern Malikah, Mikele, Niyoki und Tia White, die Prince bereits während der Hit N Run Tour im Frühjahr 2001 unterstützten.Thorne (2012), S. 370.Thorne (2012), S. 372. Rainbow Children Im Titelstück ließ Prince den Artikel „The“ aus dem Albumnamen weg. Der Song ist teilweise Jazz-angehaucht und enthält als Leitmotiv eine E-Bass-Figur; der Refrain ist musicalähnlich. Im Text beschreibt Prince, wie die „Rainbow Children“ eine „neue Nation“ errichten, die auf der Bibelübersetzung Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift der Zeugen Jehovas basiert. Zudem treten der König „The Wise One“ und seine Frau „Muse“ auf, die von den Bösewichten „The Banished Ones“ aus der neuen Nation verbannt werden. Prince zitiert außerdem die Zeile „Reproduction of the New Breed, Leaders, stand up! Organize!“ („Reproduktion der Neuen Rasse, Leaders, steht auf! Organisiert euch!“) aus seinem Song Sexuality (1981) vom Album Controversy.Uptown (2004), S. 418–419.Thorne (2012), S. 369. Muse 2 the Pharaoh Das Stück gehört zum Genre Contemporary R&B und basiert auf Elektronischem Piano, zurückhaltendem Schlagzeugspiel und sparsamer Gitarre. Der Text behandelt eine Geschlechterhierarchie, in der Männer Entscheidungen treffen und sich als Künstler profilieren, während Frauen dienen. Prince zieht zudem einen Vergleich zwischen dem Holocaust und der Versklavung von Afroamerikanern und stellt die These auf, dass die Auslöschung eines Volkes dem Verlust der Freiheit vorzuziehen sei.Thorne (2012), S. 369–370. Digital Garden Der Track kombiniert einen Salsa-Beat mit einer Synthesizer-Textur. Der Text stellt die Bösewichte „The Banished Ones“ vor, die Feinde der „Rainbow Children“ sind und die Macht über die Welt übernehmen, ausgenommen den Palast der Kinder, der von einem „Digital Garden“ umgeben ist. „The Banished Ones“ wollen „The Wise One“ entmachten, doch dank einer „unsichtbaren Tat“ gelingt es ihm, sie in ihre Heimat „Menda City“ zurückzuschicken. Anschließend gehen die „Rainbow Children“ von Tür zu Tür, um Menschen zu finden, die bereit sind, den „Digital Garden“ abzubauen. The Work Pt. 1 Die Funk-Komposition wirkt stellenweise wie eine Hommage an James Brown. Der Text beschreibt die Entscheidung der „Rainbow Children“, den „Digital Garden“ zu zerstören, bevor sie im Song Everywhere das Irdische Paradies finden. Everywhere Das Pop-Stück enthält ein live eingespieltes Schlagzeug von John Blackwell; das Intro wird von Milenia gesungen. Der Song geht direkt in den nächsten über. The Sensual Everafter