mini|Österreichische Botschaft in Sarajevo Die Österreichische Botschaft in Sarajevo (bosnisch Ambasada Austrije u Sarajevu) ist der Hauptsitz des österreichischen Botschafters in Bosnien und Herzegowina, des diplomatischen Vertreters der Republik Österreich in Bosnien und Herzegowina (), in Sarajevo.
Geschichte
Bosnien, mit der heute angegliederten südlichen Landschaft Herzegowina, entstand im 16. Jahrhundert als Eyâlet Bosnien, eine Provinz des Osmanischen Reiches. Sie lag direkt an der österreichischen Militärgrenze der Türkenkriege. Die Diplomatie der Habsburgermonarchie lief über die Österreichische Gesandtschaft bei der Hohen Pforte in Istanbul. 1878 besetzte Österreich-Ungarn diesen Teil des „kranken Mann am Bosporus“, und die Krise der formalen Annexion 1908 und das Attentat in Sarajewo 1914 auf den österreichischen Thronfolger löste letztlich den Ersten Weltkrieg aus. Für Bosnien – obschon ein islamisch geprägtes Land – war Österreich als Schutzmacht durchaus willkommen, und das Land wurde gut integriert, so hat Österreich schon 1912 den Islam als Religion anerkannt, und im Krieg galten die bosniakischen Truppen als die Kaisertreuesten. Im Vielvölkerstaat führte das aber zu Spannungen, weil es das zu der Zeit schon hochgradig instabile Gleichgewicht insbesondere der deutschen Österreicher, Ungarn und Slawen weiter in Unordnung brachte. Deshalb wurde auch bis Kriegsende Bosnien keinem der beiden Reichsteile (Cisleithanien/Österreich und Transleithanien/Ungarn) zugeteilt, sondern gemeinschaftlich verwaltet (vom k.u.k. Finanzministerium).
Nach dem Krieg ging die Region im Königreich, dann Republik Jugoslawien auf. Diplomatisch zuständig war nun die Österreichische Botschaft in Belgrad in Serbien. Im Zweiten Weltkrieg kam nach dem Balkanfeldzug 1941 Bosnien zum Vasallenstaat Kroatien, wurde aber schon 1943 von den Partisanen unter Tito weitgehend befreit. Die weitere Geschichte war vom Kalten Krieg geprägt, in dem Jugoslawien als neutral, aber russlandfreundlich galt.Vergl. Werner Weilguni: Österreichisch-jugoslawische Kulturbeziehungen 1945–1989. Band 17 von Schriftenreihe des Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Instituts, Oldenbourg Verlag, 1990, ISBN 3-7028-0297-5 ().
Nach dem Zerfall Jugoslawiens wurde Bosnien und Herzegowina am 7. April 1992 international anerkannt. Es brach aber der Bosnienkrieg aus, ein Ringen der moslemischen Bosnier, der Serben und der Kroaten um ihre jeweiligen Gebiete im Land, der 1995 mit dem Dayton-Abkommen beigelegt wurde. Insbesondere die ethnischen Säuberungen der Serben, aber auch Kroaten stürzte das Land in eine immense humanitäre Krise. In der Bosnien-De-facto-Unterstützungsaktion nahm Österreich 90.000 Asylanten auf, und die aus diesem Anlass begonnene Initiative Nachbar in Not wurde zu einer der erfolgreichsten Spendenaktionen Österreichs. Daher hat Österreich bis heute eine große bosnische Gemeinschaft.Vergl. Ednan Aslan: Mulime und ihre Zukunft in Österreich. In: Österreichisches Jahrbuch für Politik. 2007, S. 257–271 ().
Mit 6. April 1994 residiert ein österreichischer Botschafter in Sarajevo, in diesem Jahr wurde auch die Botschaft von Bosnien und Herzegowina in Wien eröffnet.Botschaft von Bosnien und Herzegowina in Österreich (www.bh-botschaft.at). Seit Juni 1997 ist die Österreichische Botschaft operativ tätig,Österreichisches Jahrbuch. Bundespressedienst, 1998, S. 294. eröffnet wurde sie 21. November 1997, parallel mit dem Botschafts-Außenbüro in Banja Luka.Aussenpolitischer Bericht: Bericht des Bundesministers für Auswärtige Angelegenheiten 1998, S. 281 (). 1996 wurden die Österreich-Bibliotheken Sarajevo und Tuzla eröffnet, 2008 folgte die in Banja Luka. oesterreich-bibliotheken.at, abgerufen am 8. März 2016.
Seither werden intensive politische, diplomatische und kulturpolitische Kontakte gepflegt, insbesondere in der Begleitung des EU-Beitrittsprozesses, Dezember 2010 wurde das Land offizieller Beitrittskandidat. März 2012 eröffnete die Republika Srpska, der serbische Landesteil, ein eigenes Vertretungsbüro in Wien.Republika Srpska – Regionale Vertretung in Österreich (www.rep-srpska.at);vergl. Umstrittene Repräsentanzen der Republika Srpska. In: der Standard. online, 23. März 2012;Milorad Dodik: „Wir wollen auch Valentin Inzko klagen“. Interview, Die Presse online, 23. März 2012.
Bosnisch-herzegowinisch-österreichische Beziehungen Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind von jeher ,Zitat ..., Witaj k nam auf der Homepage der Österreichischen Botschaft Sarajevo.
Wichtige Zusammenarbeiten mit dem noch in der Konsolidierungsphase befindlichen Staat in Hinblick auf die instabilen Lagen am Balkan bestehen im Bereich innere Angelegenheiten und Polizeikooperation, im Militärwesen, in Fragen Arbeit und Soziales, der Zusammenarbeit mit europäischen und internationalen Institutionen, für diese Themen stellen die zuständigen österreichischen Ministerien eigene Attachés. Die Westbalkan-Konferenzen sind bedeutende Basis der Verständigung in wichtigen geopolitischen Fragen.
Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen sind erst im Aufbau begriffen, und liegen in der Bilanz etwas zugunsten Bosnien-Herzegowinas (Außenhandelsvolumen 2014 Österreich zu Bosnien-Herzegowina 346 Mio. zu 456 Mio. Euro). Für Österreich ist der Partner vergleichsweise wenig wichtig (um die 0,25 % des Außenhandels),Vergl. Österreichs außenwirtschaftliche Beziehungen mit den Westbalkanländern. Wirtschaftsforschungsinstitut, Wien, 28. April 2014, insb. Übersicht 1: Österreichs Außenhandel mit den Westbalkanländern; neuere Zahlen siehe Österreichs Außenhandel mit den seit 2004 beigetretenen EU-Mitgliedsländern 2014 in 1.000 Euro., und zum Vergleich Die wichtigsten Handelspartner Österreichs 2014. beide Statistik Austria: Eckdaten Außenhandel (abgerufen am 10. März 2016). trägt aber zur Bedeutung als einer der Hauptakteure am Westbalkan bei: Für Bosnien-Herzegowina ist Österreich mit einem kumulierten Investitionsvermögen von etwa 1,3 Mrd. Euro der größte Investor im Land, noch vor den Nachbarstaaten Serbien, Kroatien und Slowenien, Österreich leistete bis 2014 knapp 20 % der gesamten ausländischen Direktinvestitionen seit 1994. Österreichische Firmen sind in vielen Branchen Marktführer, etwa im Finanzsektor und der Baumaterialbranche.
Eng ist auch der Kulturaustausch, neben den Österreich-Bibliotheken, Künstleraustauschprogrammen und Kulturveranstaltungen, sowie Stipendienvermittlung sind beispielsweise Programme wie das Kulturjahr Österreich und Bosnien-Herzegowina 2016 ein Teil der Auslandskulturarbeit in der Schwerpunktregion Westbalkan.Außenminister Kurz eröffnet Kulturjahr Österreich und Bosnien-Herzegowina. Aussendung Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres, Wien, 27. Januar 2016; integrationsfonds.at, abgerufen am 9. März 2016. Ein besonders Programm ist auch das k-education Projektbüro Sarajewo des Bildungsministeriums und der KulturKontakt Austria.
Organisation Der Sitz der Österreichischen Botschaft Sarajevo befindet sich direkt am Veliki park an der Adresse Dzidzikovac 7, im Stadtteil Mejtaš des Stadtbezirkes Sarajevo-Centar.
Zur Botschaft gehört auch: Büro des Verteidigungsattachés bmeia.gv.at → Außenpolitik: Botschaft Skopje (abgerufen am 9. März 2016). Attaché des Innenministeriums bmeia.gv.at → Außenpolitik: Botschaft Skopje (abgerufen am 9. März 2016). Büro des Sozialattachés AußenwirtschaftsCenter Sarajewo (Handelsabteilung der Österreichischen Botschaft Sarajewo) wko.at (Anschrift: Sarajewo, Zmaja od Bosne bb, Zgrada RBBH objekat B).
Weitere diplomatische Stellen: Österreichisches Kooperationsbüro in Wissenschaft, Bildung und Kultur der Österreichischen Kulturvereinigung an der Universität Sarajevo(Pravni fakultet / Judex 4/410). Beauftragte für Bildungskooperation – k·education Projektbüro Sarajewo(Anschrift: Sarajewo, Vilsonovo šetalište 10/II/236 ). Österreich-Bibliothek Sarajewo (); in der National- und Universitätsbibliothek von Bosnien und Herzegowina (NUBBiH) oesterreich-bibliotheken.at, abgerufen am 8. März 2016 (Anschrift: Sarajevo, Zmaja od Bosne 8B / Soba 211). Österreich-Bibliothek Banja Luka; in der Universität Banja Luka oesterreich-bibliotheken.at, abgerufen am 8. März 2016 (Anschrift: Banja Luka, Filozofski fakultet, Bulevar vojvode Petra Bojovića 1A). Österreich-Bibliothek Tuzla; in der National- und Universitätsbibliothek „Derviš Sušić“ Tuzla oesterreich-bibliotheken.at, abgerufen am 8. März 2016 (Anschrift: Sarajevo, Zmaja od Bosne 8B / Soba 211).
Liste der Österreichischen Botschafter
Name Amtszeit Anmerkungen → Franz Bogen 6. April 1994 – 1996 Valentin Inzko 1996 – 1999 davor u. a. Leiter OSZE-Mission in Serbien; danach Botschafter in Slowenien, UN-Hoher Repräsentant und EU-Sonderbeauftragter für Bosnien-HerzegowinaGerhard Jandl 2000 – 2005 davor Vorsitzender EU-Balkan-Arbeitsgruppe; danach Botschafter in Serbien, Sicherheitspolitischer Direktor BMEIAWerner Almhofer März 2005 – Mai 2009 davor an div. Botsch. und am Außenministerium; danach Leiter der OSCE-Mission im KosovoDonatus Köck Juni 2009 – September 2013Martin Pammer Oktober 2013 – 2018 vorher Botschafter in MontenegroUlrike Hartmann Januar 2019 - 2024Georg Diwald2024 - davor Österreichischer Botschafter für Liechtenstein
Siehe auch Liste der österreichischen Botschafter Bosnisch-herzegowinische Botschaft in Wien Bosnier in Österreich
Weblinks
Offizielle Website der Botschaft (auf bmeia.gv.at; bosnisch/kroatisch/serbisch) Reiseinformationen: Bosnien und Herzegowina (Republik Bosnien und Herzegowina), Außenministerium Außenwirtschaft – Bosnien und Herzegowina, Wirtschaftskammer Österreich
Einzelnachweise
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