Wolfgang Brandenstein (* 24. April 1929 in Berlin; † 20. April 2021 in Erkner) war ein deutscher Rundfunkmoderator, Fernsehunterhalter und Schlagertexter.Jahrestage 2009, Deutsches Rundfunkarchiv Potsdam 2008, S. 46 Seine maßgeblichen Erfolge hatte er für das Schallplatten-Label AMIGA sowie in den Hörfunk- und Fernsehprogrammen der DDR.
Leben und Werk Der 1929 in Berlin geborene Wolfgang Brandenstein gehörte zu den Mentoren der DDR-Unterhaltungskunst. Nach dem Studium u. a. der PsychologiePorträt nach Noten, Annegret Gabert im Gespräch mit Wolfgang Brandenstein, Radio DDR I, 24. November 1974 arbeitete er als Ansager, Conférencier, Schlagertexter, Quizmeister, Regisseur, Ensemble-Leiter und als Moderator von Rundfunk- und Fernsehsendungen. Bekannt wurde er u. a. durch den Schlagercocktail beim Deutschlandsender oder mit der Fernsehsendung Was darf’s denn sein? fragt Wolfgang Brandenstein.
Diese bunte Samstagabend-Fernsehshow wurde vom 11. Oktober 1958 bis zum 29. Mai 1960 in 14 Ausgaben aus verschiedenen Orten der DDR – so zum Beispiel Rostock, Jena, Sonneberg und Magdeburg – live übertragen. Die Auftaktsendung aus dem Kultursaal der Chemischen Werke Buna in Schkopau war gleichzeitig die Bildschirmpremiere für die damals 17-jährige Schauspielerin Jutta Hoffmann, die auf Brandensteins Auflassung, dass derjenige die Runde gewinnt, der mit dem meisten angesparten Kleingeld auf die Bühne kommt, mit einer großen Zigarrenkiste voller Pfennige in der Fernseh-Show erschien und danach bis zu ihrem Abitur als Assistentin für weitere Folgen engagiert wurde.Uwe Breitenborn: Wie lachte der Bär? Systematik, Funktionalität und thematische Segmentierung von unterhaltenden nonfiktionalen Programmformen im Deutschen Fernsehfunk bis 1969, Weißensee-Verlag, Berlin 2003, S. 155 f., ISBN 3-934479-99-5
Als Regisseur prägte Wolfgang Brandenstein die Bühnenprogramme Hallo Eberhard! mit Eberhard Cohrs und Horst Feuerstein. Im Jahr 1966 formierte der unter Kollegen Pelle genannte Brandenstein das Wolfgang-Brandenstein-Ensemble, aus dem dann 1968 der Gerd Michaelis Chor (ab 1976 Cantus-Chor) hervorging. Für den Friedrichstadt-Palast schrieb Wolfgang Brandenstein verschiedene Revueprogramme, die er auch inszenierte und moderierte. Über 3.000 Schlager- und Liedtexte stammen aus der Feder Wolfgang Brandensteins, darunter viele Hits der DDR-Unterhaltungskunst – zum Beispiel für Chris Doerk, Inka Bause, Alla Pugatschowa, Dean Reed, Nina Lizell, Monika Herz, Roland Neudert, Frank Schöbel, Hartmut Schulze-Gerlach, Molly-Sisters, Regina Thoss und Wolfgang Lippert.
Eine Reihe von ausgewählten Schlagern textete Brandenstein für die Fernsehshows Ein Kessel Buntes und Klock 8, achtern Strom. Das gilt auch für den DEFA-Musikfilm Nicht schummeln, Liebling! Besonders mit dem Komponisten Gerhard Siebholz und Arndt Bause bildete Brandenstein ein erfolgreiches Gespann. Im Jahr 1973 wurde er mit dem Kunstpreis der DDR ausgezeichnet. Brandensteins Gespür für schlagerwirksamen Wortwitz belegen seine beiden Evergreens Kinder, Kinder, ich hab keinen Zylinder für Will Brandes und Erna kommt für Wolfgang Lippert.
Bis 2015 wirkte Wolfgang Brandenstein mehr als 15 Jahre als ehrenamtlicher Kurator in der Abteilung Textdichter der GEMA-Sozialkasse. Er lebte mit seiner Frau Elvira am Rande von Berlin.
Sendungen als Moderator/Spielmeister (Auswahl) 1958–1960: Was darf's denn sein? - Fragt Wolfgang Brandenstein, Samstagsabend-Mitmach-Show, 14 Ausgaben, Deutscher Fernsehfunk 1960–1962: Gesucht und gefunden, Familienspielshow, 8 Sendungen, Erstausstrahlung: 22. Oktober 1960, Deutscher Fernsehfunk 1965–1966: Schlager heute - Das Neueste von Rundfunk und Schallplatte, vorgestellt von Wolfgang Brandenstein, 4 Teile, Erstausstrahlung: 26. Mai 1965, 20.00 Uhr, Deutscher Fernsehfunk Schlagercocktail, Hörfunk-Magazin, Deutschlandsender
Schlager-Texte (Auswahl) 1963: Papagei-Twist – Ruth Brandin 1964: Ich hab keinen Zylinder – Will Brandes 1964: Fahr doch allein Karussell – Ellen Tiedtke 1964: Mich hat noch keiner beim Twist geküsst – Ruth Brandin 1966: Die erste Nacht am Meer – Regina Thoss 1966: Immer, wenn du lachst – Britt Kersten 1967: Der Minirock – Horst & Benno 1968: La Bostella bei Tante Ella – Britt Kersten & Bert Hendrix 1969: Wer hat sie gesehn? – Michael Hansen 1969: Wirst du geh’n – Horst Krüger 1970: Der Mädchenchor – Frank Schöbel 1970: Es gibt so viel Schönes im Leben – Frank Schöbel 1970: Links von mir, rechts von mir – Frank Schöbel & Chris Doerk 1970: Sieh mal an – Horst & Benno 1971: Der Briefträger kommt – Skaldowie 1972: Als sei nichts geschen’n – Frank Schöbel 1973: Manja – Frank Schöbel 1973: Seh ich sie – Frank Schöbel 1974: Keine Angst, kühler Mann – Chris Doerk 1974: Ich hab mit dir das Meer entdeckt – Chris Doerk 1974: Isabell – Muck 1974: Ich steig aufs Dach – Uschi Brüning 1976: Das war ein Meisterschuss – Hauff & Henkler 1977: He, kleine Linda – Muck 1977: Sunny, ein Tag begann – Andreas Holm 1977: Omnibuslied – Pionierchor Omnibus 1978: Die Molly-Sisters – Molly-Sisters 1978: Du bist ein Teufel – Jürgen Walter 1980: Guten Tag, schönes Kind – Roland Neudert 1983: Erna kommt – Wolfgang Lippert 1984: Erna kommt – Hugo Egon Balder (Ariola) 1984: Ich hab keinen Zylinder – Hauff & Henkler 1986: Ganz tief in mir – Kerstin Rodger 1988: Dann schlag ich zu – Hendrik Bruch 1990: Ick hab Dich lieb – Helga Hahnemann 1991: Mach' dir mal keen Kopp – Helga Hahnemann 2015: Erna kommt – Captain Cook und seine singenden Saxophone 2015: Das war ein Meisterschuss – Captain Cook und seine singenden Saxophone 2018: Erna kommt – Ross Antony
Publikationen 1971: Wolfgang Brandenstein: Besuch im Schallplatten-Studio, in: Schlagerkaleidoskop - Interpreten, Fotos, Themen, Herausgeber: Hans-Jürgen Voigt, Lied der Zeit Musikverlag Berlin, S. 9–15.
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