Dmitri Michailowitsch Karbyschew (, wiss. Transliteration ; * in Omsk, Russisches Kaiserreich; † 18. Februar 1945 im KZ Mauthausen) war ein russischer Offizier der Kaiserlich Russischen Armee, Generalleutnant der Roten Armee, Professor der Akademie des Generalstabs der RKKA und postum Held der Sowjetunion.
Leben Dmitri Karbyschew wurde als Sohn von Michail Iljitsch Karbyschew (1829–1892), einem adligen Militärbeamten, in Omsk geboren.
Russisch-Japanischer Krieg Im Russisch-Japanischen Krieg diente Karbyschew im Rang eines Porutschik und nahm an der Schlacht bei Mukden teil, einer der größten Landschlachten, die vor dem Ersten Weltkrieg stattfanden (mit über 600.000 teilnehmenden Soldaten).
1906 quittierte Karbyschew den Dienst in der Armee und lebte in Wladiwostok, kehrte aber 1908 nach Sankt Petersburg und in die Armee zurück. 1911 wurde der inzwischen zum Stabskapitän beförderte Karbyschew nach Brest-Litowsk versetzt, wo er am Ausbau der Befestigungsanlagen der Brester Festung beteiligt war.
Erster Weltkrieg Im Ersten Weltkrieg diente Karbyschew in der 8. Armee von General Brussilow und nahm an der Belagerung von Przemyśl teil. Für seine Tapferkeit wurde er mit dem Orden der Heiligen Anna ausgezeichnet und zum Oberstleutnant befördert. 1916 nahm Karbyschew an der Brussilow-Offensive teil.
Russischer Bürgerkrieg Im Dezember 1917 trat Karbyschew in Mogiljow-Podolskij in die Rote Garde und 1918 in die Rote Armee ein, in deren Reihen er im Russischen Bürgerkrieg kämpfte.
Nach dem Bürgerkrieg lehrte Karbyschew ab 1926 an der Frunse-Militärakademie in Moskau. Ab 1938 war Karbyschew Professor der Akademie des Generalstabs der RKKA. 1940 wurde er zum Generalleutnant der Ingenieurstruppen befördert.
Winterkrieg Karbyschew nahm 1939/1940 am Winterkrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion teil und war am Durchbruch der Mannerheim-Linie beteiligt.
Zweiter Weltkrieg miniatur|Karbyschew-Denkmal des Bildhauers Wladimir Jefimowitsch Zigal im KZ Mauthausen miniatur|Gedenktafel im KZ Mauthausen mit Schilderung der Todesumstände Karbyschews Zu Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges diente Karbyschew im Stab der 3. Armee in Grodno. Zwei Tage nach Kriegsausbruch wechselte Karbyschew in die 10. Armee, die von der Wehrmacht ab 27. Juni 1941 eingekesselt wurde. Am 8. August versuchte Karbyschew aus dem Kessel auszubrechen. Bei einer Explosion verlor er das Bewusstsein und wurde von den Deutschen gefangen genommen.
Karbyschew wurde in verschiedenen Konzentrationslagern festgehalten, u. a. im Lager Hammelburg, KZ Flossenbürg, KZ Majdanek, KZ Auschwitz, KZ Sachsenhausen und KZ Mauthausen. Deutsche Generäle boten Karbyschew mehrmals an, mit der Wehrmacht zusammenzuarbeiten, sie hofften, er würde die Führung der Russischen Befreiungsarmee übernehmen. Karbyschew lehnte jedes Mal ab.Der unbeugsame General Karbyschew, aif.ru (russisch) Er gehörte zu den am 16. Februar 1945 von Sachsenhausen nach Mauthausen deportierten Häftlingen, von denen rund 700 Kranke und Geschwächte dort bei strengem Frost nackt zwei Tage und Nächte im Freien stehen mussten. Um das dadurch beabsichtigte Erfrieren zu beschleunigen, wurden sie alle drei Stunden mit kaltem Wasser übergossen. Karbyschew erlag dieser Folter am Morgen des 18. Februar,Heinz Kühnrich: Der KZ-Staat. Die faschistischen Konzentrationslager 1933 bis 1945. Dietz Verlag, Berlin 1980 (2. Auflage), S. 204. sein Leichnam wurde im Lagerkrematorium verbrannt. Am Ort von Karbyschews Tod erinnert eine Tafel mit der Schilderung seiner Todesumstände an ihn. Vor dem Haupteingang der Gedenkstätte Mauthausen befindet sich ein weiteres Mahnmal zu Ehren Karbyschews, gearbeitet vom Bildhauer Wladimir Jefimowitsch Zigal.
Familie Vater: Michail Iljitsch Karbyschew (1829–1892)Artikel über General Karbyschew auf russianvienna.com (russisch) Erste Ehefrau: Alissa Karlowna Trojanowitsch (1874–1913) Zweite Ehefrau: Lidija Wassiljewna Opazkaja (1891–1976) Tochter: Jelena (1919–2006) Tochter: Tatjana (1926–2003) Sohn: Alexej (1929–1988)
Auszeichnungen miniatur|Sowjetische Briefmarke von 1961 zu Ehren Karbyschews Russisches Kaiserreich 30px Orden des Heiligen Wladimir IV. Klasse (1904) 30px Russischer Orden der Heiligen Anna II. Klasse (1915) 30px Orden des heiligen Stanislaus II. Klasse (1905) 30px Russischer Orden der Heiligen Anna III. Klasse (1905) 30px Orden des heiligen Stanislaus III. Klasse (1904) 30px Russischer Orden der Heiligen Anna IV. Klasse (1905)
Sowjetunion 18px Held der Sowjetunion (1946) 30px Leninorden (1946) 30px Rotbannerorden (1940) 30px Orden des Roten Sterns (1938) 30px Jubiläumsmedaille „XX Jahre Rote Arbeiter-und-Bauern-Armee“ (1938)
Ehrungen Der Asteroid (1959) Karbyshev des Hauptgürtels, der am 14. Juli 1972 von der Astronomin Ljudmyla Schurawlowa am Krim-Observatorium in Nautschnyj entdeckt wurde, wurde nach Karbyschew benannt.minorplanetcenter.net, Asteroid (1959) Karbyshev = 1971 DN1 = 1972 NB
Weblinks
mauthausen.ru hrono.ru (russisch) General Dmitrij Michailowitsch Karbyschew
Einzelnachweise
Kategorie:Generalleutnant (Sowjetunion) Kategorie:Held der Sowjetunion Kategorie:Träger des Leninordens Kategorie:Träger des Rotbannerordens Kategorie:Träger des Sankt-Stanislausordens (Russland) Kategorie:Träger des Ordens der Heiligen Anna Kategorie:Träger des Ordens des Heiligen Wladimir Kategorie:Träger des Ordens des Roten Sterns Kategorie:Träger der Jubiläumsmedaille „XX Jahre Rote Arbeiter-und-Bauern-Armee“ Kategorie:KPdSU-Mitglied Kategorie:Häftling im KZ Auschwitz Kategorie:Häftling im KZ Sachsenhausen Kategorie:Todesopfer im KZ Mauthausen Kategorie:Folteropfer Kategorie:Person im Russisch-Japanischen Krieg Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Russisches Kaiserreich) Kategorie:Person im Russischen Bürgerkrieg Kategorie:Person im Winterkrieg Kategorie:Person im Zweiten Weltkrieg (Sowjetunion) Kategorie:Person (Omsk) Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Russe Kategorie:Geboren 1880 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann